Du bist sehr stark.
Danke für die Einblicke in dein Leben.
Ich wünsche dir alles Gute und ein glückliches Leben.
Sonnige Grüße von Antje
Anonymer Erfahrungsbericht
Meine Mutter litt bereits als junge Frau ständig unter Kopfschmerzen. Niemand, außer ihrer ältesten Schwester wusste, was damals passiert ist. Sie verblutete beinahe. Meine Mutter war bereits 10 Jahre verheiratet, als sich Pkto. Familienplanung doch noch Erfolg einstellte - und zwar gleich fünffach. Mein Vater glaubte schon, es läge an ihm, dass es mit dem Nachwuchs nicht klappte. Zuerst erblickte mein ältester Bruder das Licht der Welt, 17 Monate später kam ich, nach weiteren 16 Monaten wurde der zweite Sohn geboren. Es folgten zwei Eileiterschwangerschaften, bei denen meine Mutter gerade noch mit dem Leben davonkam. Acht Jahre nach dem 3. Kind kam wieder ein Sohn auf die Welt. Mit 41 Jahren schenkte sie ihrem 5. Kind, einem weiteren Buben, das Leben. Nebenbei wurde ein Haus gebaut. Meine Mutter war total überfordert. Sie hatte niemanden, der sie unterstützte. Mit 47, also in meinem Alter, wurde ein Gehirntumor diagnostiziert. Jahrelang wurde meine Mutter mit Antidepressiva vollgestopft. Zum Schluß bekam sie Valium und magerte auf 37 kg ab. Als sie sich endlich doch entschloss, professionelle Hilfe anzunehmen, war es schon zu spät. Sie fuhr alleine, mit dem Zug, in die Nervenheilanstalt nach Salzburg-Lehen. Nach 3 Tagen Untersuchung wurde sie ohne Diagnose nach Hause geschickt. In dieser Zeit flatterte ein Brief ins Haus, in dem geschrieben stand, dass es im Falle einer Operation um Leben und Tod gehen würde. Mein Vater sollte unterschreiben, doch dazu kam es nicht mehr. Sie wusste nichts doch sie ahnte es und sagte immer wieder:"Die können mir nicht helfen, wenn sie es könnten, hätten sie mich nicht nach 3 Tagen heim geschickt!" Sie hatte panische Angst davor, als schwerer Pflegefall zu enden. In der Folge konnte sich meine Mutter vor Schmerzen kaum mehr bewegen. Sie schaute mich oft mit großen Augen und halbgeöffnetem Mund hilflos an. Ich war total überfordert. Mein Vater zeigte sich eher gefühllos, statt ihr beizustehen. Im Juli 1979 scheiterte sie an ihrem Leben durch Suizid. In ihrer Verzweiflung leerte sie am Bachrand eine Flasche Wein, obwohl sie sonst nie Alkohol trank. Danach stürzte sie sich oberhalb eines Abfalls in den hochwasserführenden Bach vor unserem Haus. Sie wurde über Granitblöcke gezogen und erlitt dabei schwerste Kopfverletzungen. Meine Mutter war Nichtschwimmerin und schrie verzweifelt um Hilfe, bevor sie Nachbarn mit einem Feuerhaken aus dem Wasser ziehen konnten. Auf dem Weg ins Krankenhaus erlag sie ihren schweren Verletzungen. Laut Auskunft vom Krankenhaus war sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt und niemand durfte sie sehen. Mein Vater war von heute auf morgen mit uns fünf Kindern alleine. Eine Krisenintervention wie heutzutage gab es nicht. Mein jüngster Bruder(damals 6 Jahre alt) wurde von Nachbarn lediglich bedauert:"Du armer Bub, jetzt kommst du ins Heim!" Er kam nicht ins Heim. Ich hatte mit 17 eine 6-köpfige Familie zu versorgen. Der Vater konnte mit der Situation überhaupt nicht umgehen und verfiel immer mehr dem Alkohol. Wir 5 Geschwister hielten zusammen, wie Pech und Schwefel, und meisterten unser schweres Los. Ich war oft am Ende meiner Kräfte und zweifelte am Sinn meines Lebens. Aus Liebe zu meinen Brüdern hielt ich jedoch durch. Es war eine harte Zeit, doch ich war stärker als die Verzweiflung, gestützt von den vielen Engeln, die mir immer wieder zufielen, ohne dass ich nach ihnen suchte. Was geblieben ist: Wenn ich durch irgendwelche Umstände geschwächt bin falle ich relativ schnell in eine Depression - doch es gelingt mir immer besser, damit umzugehen. Vielleicht bin ich nicht so belastbar wie andere. Mit meiner Autoimmunerkrankung und dem Weichteilrheuma in abgeschwächter Form kann ich gut leben. Ein Glück, daß ich meinen Humor nie ganz verloren habe. Zur Zeit kann ich sogar sagen, dass ich sehr glücklich bin.
Stichworte (Tags): Autoimmunerkrankung, Burn-Out, Depression, gehirntumor, Nervenschwäche, suizid, Überforderung
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr
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