Kommentare für Erfahrungsbericht Das Unverständnis der Nicht-Betroffenen **Achtung!Trigger!**

Was ist zuerst passiert?
Die Einträge zum Thema "Mutterbilder"
Wann ist es passiert?
Die letzten Tage
Was ist sonst passiert?
Warum wird unsereins so wenig gewürdigt?
Wie endete es?
Mit diesem Bericht

**Achtung!Trigger!**

Ich mach mir die letzten paar Tage schon dauernd Gedanken über die Beiträge zu den "Mutterbildern".

Klar,daß die "guten" Mütter klarstellen wollen,daß es sie auch zuhauf gibt.Verstehen kann ich auch,daß viele meinen,man soll nicht nur das Negative sehen.Kann ich alles so unterschreiben.

Wo ich aber in die Luft gehe,das sind die Pauschal-Aussagen zum Thema Mutter!

Ich frage mich:Wo bleiben mal wieder die Kinder?Wer würdigt sie und ihre Not?

Und wie ich es so oft in meinem Leben schon erlebt habe,gehen die mal wieder unter,werden zur Seite geschoben und "versteckt"!

Man will uns einfach nicht haben,wir sind unbequem,wir erinnern die Erwachsenen an ihre Sünden,die sie nicht ungeschehen machen können und auch nicht verstecken!

Meine Erfahrung ist es,daß in unserer Gesellschaft die Kinder wie Rohstoff behandelt werden.Jedenfalls geht man so nachlässig mit uns um!

Geht mal ein Kind "kaputt",dann wird eben ein neues gemacht und das unbrauchbare weggeworfen!Wer das jetzt zu hart findet,der möge die täglichen Nachrichten mal zur Kenntnis nehmen!!Berichte über Vernachlässigung,Kindesmißbrauch,Kindstötung,Gewalt jeglicher Art gegen Kinder sind nicht die vielgerühmte Ausnahme in unserem Land!

Die Täter,so sie überhaupt gefaßt werden,kriegen ein paar Jährchen aufgebrummt,oft werden sie gleich wieder freigelassen,und dann sind sie rehabilitiert!

Ihre Opfer bekommen lebenslänglich!

Das ist schon schrecklich genug.Aber wie man als ehemaliges Opfer und jetziger Überlebender dann noch von der Gesellschaft behandelt wird,das schreit zum Himmel!

Selbst in meinem engeren Bekanntenkreis wurde von mir als Opfer verlangt:

"Laß es endlich hinter dir,das ist doch längst vorbei!Du mußt das endlich mal loslassen!Vergiß es einfach"

Das würde ich auch gerne,wenn das ginge!Aber mich verfolgten viele lange Jahre nach dem Mißbrauch Alpträume,Flashbacks,Wiedererleben.Was das bedeutet,machen diese Bezeichnungen dafür nicht annähernd klar!Wiedererleben z.B. ist ein anhaltender Zustand,in dem ich seelisch wie auch körperlich mit allen Schmerzen und Empfindungen nochmal erlebe,was damals geschehen ist.Dieser Zustand kann tage-,manchmal wochenlang ohne Unterbrechung Tag und Nacht anhalten.

Da kam mir die Bemerkung eines Arztes,dem ich das mal erklärte,weil er wissen wollte,warum ich fast gar nicht schlafe,wie Hohn und Spott vor:Sie müssen halt entspannen lernen.

Man stelle sich eine Vergewaltigung vor.Wieviele Minuten dauert die?Wie ewig wird diese Zeit empfunden?Was für ein Grauen durchlebt man da?Und Schmerzen,als ob eine Bombe einem den Leib zerfetzt.

Im Wiedererleben empfindet man das alles über Tage oder Wochen anhaltend.

Ich muß halt entspannen lernen!

Nein,ich muß verarbeiten lernen!Und dazu brauch ich Unterstützung!Und das vielgerühmte "Lernen Sie den Menschen wieder vertrauen" der meisten Therapeuten ist dann der nächste Hohn!

Selbst meine Freunde erwarteten von mir,daß ich über 15 Jahre fortgesetzten Mißbrauch,Gewalt und Erniedrigung in ein paar Monaten "durch" haben soll und wieder "normal" sein sollte!

Warum ist es so schwer zu begreifen,daß ich nach den Dingen,die ich erleben mußte,niemals "normal" nach deren Sinn sein werde!

Wenn ich höre "Nun ist aber mal gut!Das muß doch endlich mal vorbei sein!",dann möcht ich drauf antworten:

Wenn ihr einen Menschen vor euch habt,der nach einem Unfall querschnittgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt,sagt ihr zu dem dann auch nach ein paar Monaten:

"Nun ist aber mal gut!Du bist genug gesessen!Jetzt lauf endlich mal wieder!"

Aber genauso,wie ein Rolli-Fahrer seinen Rolli zu einem Teil seines Lebens machen muß und sich größtmögliche Freiheit trotz seines Handicaps mühsam erarbeiten muß,so muß ich lernen,mit ner kaputten Seele,entwürdigt und gedemütigt,aufgrund dessen,was von mir übriggeblieben ist,das zu ner möglichst großen Lebensqualität umzuformen!

Und statt übersteigerter Erwartungen und Vorwürfe könnte da zur Abwechslung etwas Unterstützung nicht schaden!

Wer würdigt denn das Leid der ehemaligen,jetzt erwachsenen Opfer mal?

Stichworte (Tags): Gesellschaft, Gewalt an Kindern, Mutterbild, Täter/Opfer

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren

Dieser Erfahrungsbericht wurde 682 mal angezeigt.

  • ich kann euch beide so gut verstehen

    diese mangelnde akzeptanz von nicht betroffenen tut weh. sie begreifen nicht das sie mit dieser haltung immer wieder aufs neue verletzen. wie sollen sie auch, sie haben diese erfahrungen ja nicht.

    wie sollen sie wissen wie weh es tut? wie es ist immer wieder unter flashbacks zu leiden, nachts wach zu liegen weil die erinnerungen einen quälen. sie begreifen ja nicht einmal wie glücklich sie sein können das es ihnen anders besser ergangen ist.

    meine mutter hat uns "nur" im stich gelassen. sie war vorher nicht wirklich schlecht zu mir. und doch hat dieses im stich lassen, weg gehen zu einem anderen mann, etwas in mir zerstört, nämlich vertrauen auf zu bauen, das gefühl mich auf jemanden völlig verlassen zu können. ich begann schon mit 14 nur für mich selber da zu sein, nur mir selber zu vertrauen.

    es ist ein wenig besser geworden, doch auch heute fällt es mir schwer vertrauen auf zu bauen, beziehungen und freundschaften zu knüpfen.

    doch wie soll dies jemand verstehen, der dies nicht erlebt hat, der in einem glaskasten umhüllt von wattebällchen aufgewachsen ist.?

    kaputte knochen kann man sehen, eine kaputte seele leider nicht. deshalb ist die akzeptanz in der öffentlichkeit nicht gegeben, heißt es immer noch viel zu häufig du spinnst, reiss dich zusammen etc.......

    aber ein wenig sind die opfer auch selber schuld. ich sehe es an mir, jahrelang habe ich geschwiegen, niemanden etwas erzählt. als ich es dann tat war das unverständnis seitens der familie groß. doch vor zwei jahren war in wuppertal auf einer fortbildngsveranstaltung. mein mann hatte mich mitgenommen, weil betroffene daran teilnehmen durften. es ging um das thema depressionen. kolleginnen meines mannes waren auch anwesend. es kam ein punkt in derdiskussion wo ich nicht mehr ruhig sein konnte. ich stand auf und outete mich.......es war schwer, aber es tat so gut vor so vielen menschen mein elend raus zu lassen. eigentlich wollte ich dnach nur noch nach hause. aber es ging nicht. in einer pause kamem die kolleginnen meines mannes und gratulierten mir zu meinem mut. sie hätten es an meiner stelle sicher nicht geschafft dies zu tun. sie fanden es prima, und boten mir auch ihre hilfe an.

    müssen wir also einfach nur viel offener mit unserer erkrankung umgehen? müssen wir die "gesunden" viel mehr damit konfrontieren? hört es dann irgendwann auf, das wir dumme sprüche ernten?



    ich wünsche uns allen die kraft diese dummen sprüche zuertragen und ganz schnell wieder zu vergessen

    gabi



  • Hab beim Lesen immer, immer, immer wieder mit dem Kopf nicken müssen ... wenn auch mit großem Bedauern + oft genug Tränen in den Augen + einem Zittern in Händen + Körper ...

    Du hast sowas von Recht damit!!!!!!!

    Leider ... *seufz*

    WIR müssen irgendwie immer alles verstehen, beachten, akzeptieren, ... usw. usf. - und die anderen? Die "Normalos"?

    Natürlich kenne ich die "normale Welt"! Natürlich achte ich in Wortwahl, Satzbau usw. usf. immer ganz genau darauf, auch ja keinen "Normalo" zu verschrecken, ihm seine Illusionen zu rauben oder so. Doch nichtmal das reicht ihnen ja - nein, ein sowohl-als-auch ist nicht ausreichend. Am liebsten wärs ihnen wohl, wenn wir uns gänzlich verleugnen - und ebenfalls "die normale Welt" als die einzige darstellen ... scheint jedenfalls oft genug so ...

    Manchmal möchte ich laut losschreien: Was bitteschön versteht ihr "Normalos" denn? Was akzeptiert ihr denn? Wo seht ihr denn mal über euren Tellerrand? Ich wär ja schon megaglücklich über ein "sowohl-als-auch" oder so - doch selbst das ist ja offenbar zu viel verlangt ...

    Denn klar, wir sind ja immer nur die Ausnahmen ... das, was nicht "die Norm" ist ... was man eben nicht jedesmal explizit erwähnt ... woran man eben meistens nichtmal denkt (denken möchte ...) ...

    Dabei will ich lieber gar nicht wirklich wissen, wie hoch die wahren Zahlen da so lauten ... ob das dann tatsächlich noch so als "Ausnahme" oder "gibts doch nur so selten" oder "kann man ja nun echt nicht jedesmal dran denken" oder so hinstellen kann ... bei genauer Betrachtung ...

    Das Bild mit dem Rollifahrer finde ich übrigens klasse ... darf ich mir das merken - wenn mal wieder jemand blöde fragt oder kommentiert?

    Schwesterliche + mutmachende Grüße von der Gänseblümin.

© 2007 - 2012 imedo GmbH, alle Rechte vorbehalten.
Die unter www.imedo.de angebotenen Dienste und Inhalte sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen