Hallo!
Jetzt will ich mich hier auch mal einklinken. ;-)
Zunächst mal scheint mir hier ein Missverständnis oder so vorzuliegen. Termine beim THERAPEUTEN sind in aller Regel Einzelstunden - die dauern grundsätzlich 45-50 min ... oder Doppelstunden - die dauern grundsätzlich etwa 90 min. Der Turnus hängt dabei von der Art der Therapie ab: Bei der einen Therapieart hat man 3-4 Wochenstunden ... bei einer anderen meist ein Termin alle 1 bis 2 Wochen ... und läuft sie langsam aus oder ist keine so intensive Arbeit mehr nötig, gibts vielleicht bloß alle paar Wochen einen Termin
Lutzi war jedoch bei einem ARZT - und da dauern Termine sehr unterschiedlich lange. Ein Arzt ist ja "nur" für den Körper zuständig - die Seele interessiert ihn weniger. Leider. Sicher, bei einem Erst-Termin sich nach 15 min im Wartezimmer wiederzufinden - mit einer Tablettenschachtel ... das ist echt nicht das Wahre ... und da würde ich mir auch überlegen, evtl. den Arzt zu wechseln. Sofern das denn möglich ist - und es überhaupt noch andere Ärzte in Deiner Umgebung gibt, die Dich drannehmen. So dicht gesät sind die ja leider nicht.
Und dann zum Thema Depressionen:
Ja, es gibt sogenannte endogene Depressionen - die aus irgendwelchen inneren, körperlichen Prozessen oder so heraus entstehen. Wo es also nicht wirklich irgendwelche Lebensumstände, Verhaltensweisen, Denkmechanismen oder so zu verändern gilt - sondern einfach nur irgendwelche fehlenden Stoffe zuzuführen sind. Oder welche, die zu viel sind, neutralisiert werden müssen. Oder sowas eben.
Das jedoch lässt sich kaum in einem 15-min-Gespräch abklären - sondern erfordert eine ausführliche und kompetente Diagnose mit umfassender Datenerhebung.
Sollte sich dabei dann herausstellen, dass es doch irgendwelche Ursachen im Leben gibt - dann ist Deine Entscheidung gefragt, @ Lutzi: Willst Du was daran ändern - dann wirst Du Dich selbst um eine Therapie bemühen. Willst Du das nicht wirklich aus tiefstem Herzen - brauchst Du Dir eigentlich auch keine aufdrängen lassen. Sie wäre eh relativ sinnlos - und die Kliniken sind voll von solchen Leuten, die dann eh nichts Dauerhaftes erreichen und in X Monaten eben wiederkommen.
Auch wegen dieses Dilemmas gibt es manchmal Medikamente - um dem Patienten überhaupt erstmal die Chance zu geben, eine eigene Entscheidung treffen zu können. Und manchmal sind auch erstmal beruhigende Mittel nötig - damit der Patient eben die umfassende Datenerhebung für die Diagnose überhaupt durchstehen kann.
Es kann also sehr viele sehr verschiedene Herangehensweisen geben - und keine ist zwingend von vornherein falsch oder schlecht. Und ich würde mir von hier aus jetzt auch nicht anmaßen zu beurteilen, ob der Arzt nun ein total schlechter ist - oder ob er seine Gründe dafür hat, die er vielleicht "bloß" nicht ordentlich erklärt hat.
Ich persönlich weiß nur eins: Wenn mein Arzt irgendwas mit mir tut oder so, was ich nicht verstehe, mir nicht sinnvoll erscheint oder sowas - dann rede ich mit ihm darüber, frage ihn, nehme mir ggf. auch einen Zettel mit meinen Fragen mit usw.
Manchmal klärt sich dann einiges auf - und plötzlich ergibt sich doch ein Sinn hinter allem. Manchmal stellt sich aber auch heraus, dass der Arzt einfach nicht zu mir passt oder so ... ich mit ihm nicht kann ... oder sowas ... und dass ich mir eben besser einen anderen suche.
Ein ganz anderes Kapitel ist die Selbsthilfe:
Gerade bei Depressionen (warum auch immer - und wodurch auch immer ausgelöst) ist Bewegung wirklich wichtig. Und möglichst draußen an der Luft und im Hellen. Am besten sowas wie flottes Spazieren, Wandern, Laufen, Joggen, Walken, Skifahren oder sowas. Oder als Alternative auch mal Schwimmen. Wenn einen die Menschen und Regeln nicht überfordern - vielleicht auch lockere Ballspiele mit anderen. Aber nicht zu ernsthaft und ohne Druck.
Auch sowas wie mein Sternchenbuch (siehe mein Erfahrungsbericht dazu) kann helfen ... die oft etwas verrutschte Wahrnehmung wieder bissel auf "positiv" trainieren ... eigene Fortschritte bewusst machen ... usw.
Und überhaupt ist ein Tagebuch sehr hilfreich. Also irgendein Heft oder Block oder auch ne Liste im PC, wenn Dir das lieber ist - wo Du Deine Verfassung einträgst ... möglichst mit ner Note auf der Skala von 1-10 bewertest, WIE gut oder WIE schlecht es Dir gerade geht ... damit Du Unterschiede wahrnimmst ... festhalten, was eher verschlechternd wirkt - und was eher verbessernd wirkt ... Gutes häufiger im Tag einbauen - und für Schlechtes evtl. Belohnung, Ausgleich oder so finden oder gar ganz streichen, wenn möglich ...
Auch hier bei imedo war Selbsthilfe bei Depressionen schonmal Thema - hier die Links dazu: http://www.imedo.de/group/topics/show/1403-depression-selbsthilfe
http://www.imedo.de/group/topics/show/54117-depression-selbsthilfe
http://www.imedo.de/group/topics/show/53622-buchempfehlung-zur-selbsthilfe-zur-unterstuetzung-und-zur-kuenftigen-vorbeugung
Und das Thema, wie man Glück und Zufriedenheit (wieder) lernen kann, gabs auch schon manchmal - z. B. hier:
http://www.imedo.de/group/topics/show/53670-glueck-und-zufriedenheit-neu-erlernen
http://www.imedo.de/community/questions/show/1922-was-kann-ich-gutes-fuer-meine-seele-tun-damit-es-mir-wieder-besser-geht-und-mein-selbwertgefuehl-zurueck-kommt
So, und nun hab ich genug getippt. ;-) Will Dich ja nicht "zuschütten".
Sonnige Grüße von der Gänseblümin.
geschrieben von Gaensebluemin vor mehr als 4 Jahren (09.01.2008 11:48)