Hallo "kerlchen", ich grüße Dich:
Zu Deinen beiden Begriffen ist zunächst Folgendes zu sagen:
1.) EMG steht für Elektromyographie und
2.) NLG steht für Nervenleitgeschwindigkeit.
Im Grunde beschreibst Du selbst schon, "kerlchen", warum von wem was gemacht werden soll, und ich versuche es einmal an meinem eigenen Beispiel etwas verständlich zu beschreiben, ehe ich dann anschließend den medizinisch-technischen Ablauf kurz wiedergebe; den medizinisch-technischen Teil habe ich natürlich dem "Pschyrembel", einem wichtigen medizinischen Nachschlagewerk, entnommen, und daher gilt dies auch gleich als Quellenangabe.
Also zurück zu meinem eigenen Beispiel und meinen eigenen Erfahrungen, mit deren Hilfe ich Deine Anfrage lösen möchte:
Ich hatte vor jetzt etwas über zwei Jahren von meinem damaligen Hausarzt eine Spritze gegen meine Schmerzen in den Lendenwirbelbereich erhalten. Leider haben sich damals meine Schmerzen nicht durch diese Spritze "vertreiben" lassen, sondern im Gegenteil - die Schmerzen wurden sogar deutlich stärker und nahmen auch zugleich noch einen anderen Rahmen ein: Während ich zuvor eigentlich "nur" Rückenschmerzen hatte, strahlten nun diese Schmerzen von genau diesem Bereich der Lendenwirbelsäule aus über die Hüfte bis runter in die Beine und die Füße - also somit komplett vom unteren Teil der Wirbelsäule bis zu den Fußspitzen die beiden unteren Extremitäten.
Die Verschlimmerung kam recht schnell innerhalb von fünf Tagen voran und brachte zum einen Fieber bis 41 ° Celsius sowie eine immer mehr eingeschränkten Bewegungsfähigkeit mit sich, die bis hin zu kleinen Trippelschritten ging. Vom Bett aufzustehen, dazu brauchte ich damals bis zu einer halben Stunde.
Drei Tage lag ich dann anschließend im Krankenhaus, wo man aber nur eben diese Entzündung und das Fieber feststellen konnte. Erst durch eine dann erfolgte Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie (= MRT) wurde dann festgestellt, dass damals durch diese zu Beginn der Erkrankung vom Arzt verabreichte Spritze mit einen Erreger verunreinigt war oder aber anders herum der Erreger erst durch diese Spritze in den Einstichkanal in den Bereich meiner Lendenwirbel in meinen Körper gelangt ist.
Der Erreger wurde bei meiner anschließenden Operation als Staphylococcus aureus ausgemacht. Dieser Keim hatte einen Abszess gebildet und wanderte dann meine Wirbelsäule rauf und runter, wobei er dann schließlich die in den Wirbelkanälen befindlichen Nerven schädigte.
Diese Nervenschädigung führte dazu, dass ich zunehmend ab der Hüfte abwärts bewegungsunfähig wurde, was einer Querschnittslähmung gleichkommt. Sie war auch dafür verantwortlich, dass ich für mehr als eineinhalb Wochen keinen Stuhlgang mehr hatte und auch das Wasserlassen problematisch war, denn ich verspürte zwar den Harndrang, war aber nicht in der Lage, sofort auf der Toilette Wasser lassen zu können. Bei meiner Operation wurde der Abszess entfernt und die Wirbelsäule im gesamten betroffenen Areal gespült und mit verschiedenen Antibiotika lokal behandelt und in der Folgezeit zunächst mit fünf Infusionen täglich und anschließend dann oral, also mit Tabletten, über insgesamt drei Monate u. a. mit Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt worden.
In der Folgezeit seit der OP wurden neurologisch mehrfach eben diese Elektromyographien bei mir durchgeführt: Hierbei werden an den entsprechenden Stellen Nadeln gesetzt, die - laienhaft gesprochen - einen elektrischen Reiz abgeben, wobei eben durch die eingesetzten Meßgeräte die Zeit gemessen werden kann, die benötigt wird, damit der elektrisch stimulierte Reiz über die entsprechenden Nervenbahn an das Ende dieses entsprechen Nervenstrangs angekommen ist.
Du musst Dir dies wie einen kleinen und nicht schmerzenden elektrischen Schlag vorstellen, den Du vielleicht auch schon irgendwann einmal zufällig erhalten hast. Dieser kleine elektrische Schlag führt dann zu einem entsprechendem Zucken als Reaktion. Je stärker die Nervenschädigung ist, um so länger dauert es, bis dieses Zucken als Reaktion erfolgt. Neben dieser zeitlichen Messung bis zum Zucken als Reaktion gibt es als zweites dann auch die Stärke des Zuckens: Je stärker die Nervenschädigung ist, um so geringer fällt auch dann dieses Muskelzucken aus.
Fehlt diese Reaktion, kommt also gar kein Zucken bei diesem Test zustande obwohl der Elektroreiz vom Messgerät abgeschickt wurde, dann liegt diese Unterbrechung der Reizweiterleitung und somit also wie bei mir im vorliegenden Fall damals faktisch eine Querschnittslähmung vor.
Diese Messungen werden von Zeit zu Zeit wiederholt - bei mir in der Regel alle drei Monate, um feststellen zu können, ob und inwieweit sich bei mir die Empfindungsfähigkeit, also die Reizweiterleitung, verbessert hat.
Also zusammenfassend: Der Erreger schädigte - wie bei Dir auch - die Nerven, die den Reiz erhalten haben, mich fortzubewegen bzw. Urin abzugeben. Dieser von Gehirn abgegebene "Befehl" wurde von den Nerven nicht weitergeleitet.
Nach meiner Not-Operation und nach Ablauf meines Klinikaufentlaltes wurde dann - natürlich unterstützt durch eine intensive und über zwölf Wochen sogar stationär in einer Neurologischen Rehabilitationsklinik durchgeführte eine entsprechende Physiotherapie und Ergotherapie durchgeführt.
Inzwischen sind bei mir also mehr als zwei Jahre vergangen, und was im Einzelnen noch in dieser Zeit bei mir passiert ist, kann man auf meiner Seite sowie in meinen Erlebnisberichten nachlesen.
Ich hoffe, "kerlchen", dass Du durch meine Ausführungen und Beschreibungen nun einigermaßen verstehen kannst, was nun bei den bei Dir anstehenden Untersuchungen durchgeführt werden wird und dass ich Dir damit etwas weiterhelfen konnte. Ergänzend hierzu kommen nur noch ein paar medizinische Fachausdrücke und Erklärungen:
Zu 1.): Die EMG ist eine Methode zur Registrierung der spontan bzw. bei bei Willkürinnovation auftretenden oder durch elektrische Stimulation provozierbaren Aktionsströme im Muskelgewebe und von Muskelaktionspotentialen (MAP) durch Ableitung mit Hilfe von in den Muskel eingestochenen Nadelelektroden oder über dem Muskel platzierten Oberflächenelektroden; die Potentiale werden verstärkt, oprisch und akustisch wiedergegeben und aufgezeichnet.
Zu 2.): Die NLG gehört zur Elektroneurographie und dient der Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit peripherer Nervennach elektrischer Stimulation durch Ableitung und Registrierung des Nerven- bzw. Muskelantwortpotentials.
Zur Bestimmung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit wird der Nerv an mindestens zwei Stellen gereizt und das Muskelantwortpotential mit Oberflächen- oder Nadelelektroden abgeleitet. Die NLG läßt sich aus der Differenz der Latenzzeiten und dem Abstand zwischen zwischen proximalem und distalem Reizpunkt berechnen und beträgt bei den langen Nerven der oberen Extremitäten ca. 50 bis 65 m/sec., an den unteren Extremitäten 40 bis 60 m/sec.
Die Bestimmung der sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit erfolgt durch elektrische Stimulation des sensiblen (oder gemischten) Nerven bei der orthodromen Methode peripher mit bipolarem Oberflächen-, an Fingern und Zehen mit Ringelektroden, bei der antidromen Methode im Bereich des Nervenstamms; die Ableitung des sensiblen Nervenaktionspotentials, das bei Anwendung der antidromen Methode meist eine höhere Amplitude aufweist, erfolgt mit proximal bzw. distral der Reizpunkte über dem Nerv platzierten Oberflächen- oder Ringelektroden, ggfs. mit Nadelelektroden.
Die Elektroneurographie hat Bedeutung als diagnostische Methode zur genauen Lokalisation umschriebener Nervenläsionen durch nachweis einer Verzögerung der NLG bzw. einer Verlängerung der distalen Latenzzeit (Überleitungszeit vom distalen Reizpunkt auf den Muskel), zur Unterscheidung zwischen supra- und infraganglionärer Nervenschädigung (z. B. zwischen Nervenwurzel- und Plexiusläsion) durch Anwendung der sensiblen ENG, unter Berücksichtigung von Amplitude, Dauer und Form des Antwortpotentials zur Beurteilung des Schädigungsgrades eines Nerven bzw. zum Nachweis einer Reinnervation, wobei die Amplitude des mit Oberflächenelektroden abgeleiteten evorzierten Muskelaktionspotentials (Abk. EMAP) u. a. von Anzahl und Dichte der aktivierten Muskelfasern abhängig ist; bei generalisierten primär anoxalen Neuropathien (v. a. Polyneuropathie) erniedrigte Amplitude des EMAP bzw. SNAP bei normaler oder nur gering verlangsamter NLG, bei primär die Markscheiden schädigenden Neuropathien deutlich verlangsamte NLG.
Nun wünsche ich Dir alles Gute und bei Deinen Untersuchungen viel Erfolg!
Herzliche Grüße.............................................Helmut 


