Erfahrungsbericht: Leukämie-meine Erfahrung als Außenstehender

Thema: Depressionen
Was ist zuerst passiert?
meine Freundin kam in die Klinik
Wann ist es passiert?
letzten Herbst bis diesen Sommer
Was ist sonst passiert?
habe viel dazugelernt
Wie endete es?
mit einer Träne und einem Lächeln

Hallo,

ich möchte unbedingt einmal meine Erfahrung mit einem unglaublichen starken leukämiekranken Mädchen berichten.

Vor einiger Zeit war ich fast täglich im Krankenhaus um meine Freundin zu besuchen, die wegen eines Unfalls fast ein Jahr im Krankenhaus bleiben mußte. Dort habe ich ein kleines Mädchen kennengelernt. Sie hieß Sabine, war 7 Jahre alt und anders als andere kleine Mädchen in ihrem Alter. Sie war voller Lebenslust obwohl sie fast ihr gesamtes Leben nur in der Klinik verbracht hat, nur von Ärzten und Schwestern umgeben und mit vielen Medikamenten. Alle nannten sie Sonnenschein und mir war schnelle klar warum sie so genannt wurde. Sie hatte eine unglaubliche warmherzige Ausstrahlung das einen ganz warm uns Herz wurde wenn man sie nur ansah. Man mußte sie einfach lieben.

Ich sah sie jedesmal wenn ich meine freundin besuchte, da die Kinderkrebsstation gleich in der Nähe war. Wie unterhielten uns immer öfter und spielten "Mensch ärgere dich nicht" oder "Nilpferd auf der Achterbahn". Sie wurde sehr schnell zu meiner kleinen Freundin.

Für ihre 7 Jahre war sie ungeheuer erwachsen. Sie wußte genau Bescheid was in ihrem Körper passiert und was welche Medikamente bewirken. Außerdem konnte sie genau sagen was die anderen Kinder auf ihrer Station hatten. Sie war eine richtig kleine Ärztin.Sie ist durch die Gegend gelaufen und hat sich die Menschen angeschaut und Diagnosen gestellt. Die Schwestern spielten sogar mit ihr "Arzt und Patient" und sie stellte die Diagnose und hat "Tabletten verordnet". Es war einfach nur süß. DA sie diesen Lebensmut hatte, hat man ihr nie angemerkt, das sie eigentlich krank war. Wenn man genauer hingesehen hatte, sah man, das sie sehr mitgenommen aussah. Sie war sehr geschwächt von den vielen Medikamenten und ihrer Krankheit und konnte sich geradeso nur ein paar Stunden am Tag auf den Beinen halten. Ständig war sie müde und mußte sich ausruhen und übergab sich ständig. Ihre weiße Haut und die blauen Flecken an ihrem Körper waren für mich anfangs richtig erschreckend. Ihr Äußeres jedoch stnd im krassen Kontrast zu ihrer Ausstrahlung. Ich weiß nicht ob sie wirklich so stark war oder es nur überspielt oder verdrängt hat um sich selbst zu beruhigen und die anderen. Ich hatte keine Ahnung.

Täglich wurde sie an einem Tropf angeschlossen, denn ihr Körper wollte feste Nahrung nicht mehr annehmen. Oft war ich dabei und habe eigentlich nur in solchen Momenten über ihre Krankheit nachgedacht und begriffen, das sie sehr verletzlich ist und nicht Superwoman wie sie nach außen immer tat. Bemerkte sie das ich traurig bin (da ich in den Momenten begreife das sie todkrank ist) nahm sie immer meine Hand um mich zu beruhigen (was ja normalerweise umgekehrt hätte sein müssen) und erzählte mir, was die Infusion in ihrem Körper macht und das sie nur Gutes tut. Sie hatte sich an diese Prozedur im Krankenhaus so sehr gewöhnt, das sie für sie das Normalste auf der Welt war. Eben der gewohnte Tagesablauf der zu ihrem Leben gehört und niemals enden sollte.

Duch die vielen Besuche bei meiner Freundin ist mir Sonnenschein so sehr ans Herz gewachsen, das ich sie mehr und mehr schon als kleine Schwester angesehen habe. Ihr Schiksal kam somit immer näher an mich heran. Sie hat mir ständig das gefühl gegeben, das sie garnicht krank ist sondern ein ganz normales Mädchen. So bin ich dann auch mit ihr umgegangen.

Nach einigen Monaten habe ich immer mehr bemerkt wie krank sie eigentlich wirklich ist.

Seit mittlerweile fast 3 Jahren ist sie an Leukämie erkrankt und ihr Leben war nur ein Auf und Ab und ein Hoffen und Bangen. Es ging ihr von Tag zu Tag immer schlechter. Ihr Körper kan einfach nicht nur von Infusionen und Medikamenten leben. Dazu kam noch das die Medikamente bei ihr einfach nicht anschlagen wollten. Das eine Chemotherapie viele Nebenwirkungen hat wußte ich ja, aber das sogar einige Medikamente selbst Krebszellen erzeugen können, wußte ich nicht.

In Sonnenscheins Körper hatten sich Tumorzellen gebildet. Ihr Arzt erzählte mir, das dies eher selten vorkommt aber leider nicht ausgeschlossen werden kann. Sonnenschein wurde zwar bereits schon mehrmals operiert, jedoch tauchen sie immer wieder auf. Keine Ahnung ob das an den Medikamenten lag oder nicht.

Ich war schockiert als ich das gehört habe. Ich dachte immer das man Krebs immer irgendwie heilen kann. ich konnte einfach nicht verstehen wie das passieren konnte.Sie hat doch schon Leukämie und das ist schwer genug- nein, da ilden sich auch noch andere Krebszellen.

Als ich wieder in ihr Zimmer ging, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ich setzte mich zu ihr und sie schaute mich an und sagte was Unglaubliches (ich kann bis heute nicht fassen, das das aus ihrem Mund kam): "Ich weiß das ich sterben muß und ich habe mich damit angefreundet. Der Tod ist nichts Schlimmes". Ich kann wirklich nicht in Worte fassen, was ich in dem Moment gefühlt habe. Alles war auf einmal so nebensächlich in meinen Leben und meine Probleme waren ein Witz. So etwas sagt eine 7-jährige zu mir!!!Und das Unglaubliche ist, ich habe es ihr geglaubt. Sie hat es ernst gemeint.

Zwei Wochen später ist Sonnenschein gestorben. In den Armen ihrer Eltern, die Tag und Nacht bei ihr waren, ist sie friedlich und zufrieden eingeschlafen nach langen Qualen (die sie so tapfer überstanden hat und es niemanden zeigen wollte).

Ihre Eltern waren so traurig und konnten es einfach nicht glauben, obwohl sie wußten das es jederzeit vorbei sein kann. Sonnenschein hat so lange gegen die Krankheit gekämpft und sich gequält und nicht aufgeben und stark bleiben wollte. irgendwann kam dann der Punkt an dem sie nicht mehr kämpfen wollte sondern einfach leben. Sie hatte ihren Lebensmut und ihre Freude auf die Gegenwart gelenkt und die wenige zeit nicht unglücklich sein.

Ja und zu dieser Zeit habe ich sie kennengelernt und denke nun ganz anders über das leben. Es klingt vielleicht merkwürdig, aber sie hat mir richtig Lebenskraft gegeben. ich fühle mich duch Sonnenschein wie neu geboren. Eigentlich müßte man den Menschen nette Worte zuflüstern und mut und Kraft geben und trost spenden. Bei Sonnenschein war es genau umgekehrt. Sie hatte soviel Kraft, war so tapfer und soviel freunde das es für alle Menschen auf der Welt reichen würde. ich frage mich bis heute woher sie das nahm.

Ich denke, sie war ein Engel...

Stichworte (Tags): Blutkrebs, Chemo, Chemotherapie, Depression, erbrechen, Knochenmarkspende, Kopfschmerzen, krebs, leukämie, Medikamente, OP, Operation, Tumore

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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