Erfahrungsbericht: Wie ich versuchte die Depressionen mit Alkohol zu bekämpfen

Anonymer Erfahrungsbericht

Was ist zuerst passiert?
Angst und Depressionen, totale Erschöpfung
Wann ist es passiert?
Das erste mal vor 6 Jahren, dann immer wieder
Was ist sonst passiert?
Schuldgefühle
Wie endete es?
In Auswegslosigkeit und noch stärkeren Depressionen

Die ganze Tragödie fing vor fast genau 6 Jahren an. Mein Sohn war gerade 1 1/2 Jahre alt als ich in eine starke Identitätskrise kam und mein Leben in meinen Augen völlig chaotisch wurde. Eigentlich war alles so wie immer und doch hatte ich mich in meinem Inneren sehr verändert. Ich war auf der Suche, nach was weiß ich nicht so genau. Ich dachte viel über mein Leben nach und kam zu dem Schluß daß es das doch noch nicht gewesen sein konnte. Ich war glücklich und doch fehlte mir etwas.

Irgendwie ist mir wohl das große Glück eine intakte Familie zu sein wohl in den Kopf gestiegen, auf jeden Fall war ich auf dem besten Wege alles, wirklich alles zu zerstören was mir etwas bedeutete.

Es fällt mir so schwer darüber zu schreiben, weil daß genau der Zeitraum meines Lebens ist den ich vergessen und verdrängen will.

In dieser Zeit fingen meine Depressionen (die ich damals noch nicht als solche erkannt hatte) an. Ich wurde zunehmend leistungsunfähiger, unkonzentrierter und weinte sehr viel. Um mich irgendwie über Wasser zu halten und als Hausfrau und Mutter perfekt zu sein trank ich erst ab und zu und dann immer öfter ein Glas Wein.

Natürlich fühlte ich mich anfangs viel leistungsfähiger und ich schaffte es sogar meine ganzen Probleme und Sorgen zu vergessen. Aus dem Glas ab und zu wurden im Laufe der Jahre schnell 1 Flasche Wein, manchmal auch stärkere Sachen. Es mußte stets heimlich passieren und wenn es wieder einmal zuviel war dann war der nächste Versuch der Weg auf die Toilette um alles wieder los zu werden. Gott weiß wie ich mich mies dabei gefühlt habe!!! Diese ewige Angst entdeckt zu werden, die versteckten Flaschen, der schlechte Atem und vorallem die absolute Benommenheit. Einige male hat mich mein Mann in trunkenem Zustand vorgefunden. Es tat mir so leid meiner Familie so weh zu tun!! Ich machte mich jedesmal, mit jedem Schluck so fertig, aber ich konnte einfach nicht aufhören! Die Sucht war mittlerweile Herr über meiner Selbst. Ich ging wahrlich durch die Hölle. Es gab immer wieder Perioden in denen ich alles im Griff hatte und sogar Wochen und Monate keinen Tropfen mehr zu mir nahm, bis ich dann wieder einen total schlechten Tag hatte und der ganze Scheiß fing wieder von vorne an.

Mittlerweile hatte ich 2 Kinder. Sie brauchten ihre Mutter. Ich wollte immer die perfekte Mama sein. Eine liebevolle Mutter, die ihren Kindern die glückliche, unbeschwerte Kindheit schenken wollte, die ich nicht hatte!!! Ich wollte alles besser machen. Dabei machte ich alles falsch!

2004 brachte mein Mann mich zu einem Spezialisten für Psychiatrie nach Tübingen. Ich hatte starke Suizidgedanken. Gut daß ich meine Kinder hatte, aber ehrlich gesagt hatte ich oft gedacht "besser ohne Mutter, als wie mit einer solchen Versagerin und Rabenmutter". Gott allein weiß wie sehr ich meine Kinder liebe!!!!!!!!!!!

2007 hatte ich meinen ersten richtigen Nervenzusammenbruch und ich dachte wirklich ich wäre schon reif für die Klappse! Es dauerte lange bis ich endlich meine Familie im "Stich" lassen konnte und in eine psychosomatische Klinik in Hirsau ging. Der Alkohol spielte zu jener Zeit, wie auch jetzt nur noch eine geringe Rolle in meinem Leben. Ich habe es weitgehend geschafft davon loszukommen.

Ich könnte losheulen wenn ich daran denke wieviele wertvolle Jahre ich mit meinen Kindern verschenkthabe. Die Zeit kommt nie mehr zurück.

Mein Leben ist ein Kampf mit mir selber, nur mein Wille kann meine Krankheit besiegen, nur meine Gedanken sie retten. Ich gebe niemals mehr auf.

ICH WILL STARK SEIN FÜR MEINE KINDER UND FÜR MICH!!!!

Stichworte (Tags): alkohol, depressionen, familie, klinik

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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Kommentare

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  • ich finde es wirklich toll, dass Du die kraft hattest, das wieder in den griff zu bekommen und ich drücke Dir die daumen, dass Du diese kraft weiterhin behältst, viel glück in Deinem weiteren leben

    liebe grüsse......goldy

  • Danke!

    Ich habe diesen Text gelesen & mir sind sofort Tränen in die Augen gestiegen! Selbst jetzt beim Schreiben! Ich habe auch einen Sohn & ich liebe ihn abgöttisch! Ich hasse mich dafür so schwach zu sein! Deine Erfahrung macht mir Mut & beruhigt mich auch- denn es ist gut zu wissen, dass es anderen Frauen ähnlich geht! Danke!

  • du bist stark! du hast überlebt und gekämpft und eines tages werden deine kinder das alles verstehen und froh sein, dass sie dich immer noch haben!!!

    schau mal auf http://jugend-und-depressionen.blogspot.com

    eine seite meiner besten freundin.. vielleicht interessiert es dich.

    bleib stark! du warst so tapfer - das allein zeigt schon, was du für eine gute mutter bist!

  • Das ist der Weg,den ganz viele Frauen gehen.Sei stolz auf Dich,dass Du es geschafft hast.Du hast allen Grund dazu.

    Weißt Du denn jetzt,wo die Depressionen herkamen und wie hast Du sie therapiert?Die auslösenden,meine ich.

    Liebe Grüße

    lienchen



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