- Was ist zuerst passiert?
- ein sehr guter Freund hatte ungeschützen Sexualverkehr
- Wann ist es passiert?
- 2006
- Was ist sonst passiert?
- Hat auf Anraten einen HIV-Test bei seinem Dermatologen machen lassen.
- Wie endete es?
- Mit einem Schrecken und immer zwei Kondomen in der Hosentasche.
Mein langjähriger Freund kam im Sommer 2006 etwas betrübt zu einer kleinen Verabredung in einen der vielen Berliner Strassencafès in der Simon-Dach-Strasse in Friedrichshain.
Ich merkte seine Verstimmung und sprach ihn direkt nach wenigen Minuten, nachdem die erste Bestellung bei der Bedienung abgegeben wurde, darauf an. Am Tage zuvor hatte er sich mit jemanden von Interesse verabredet und es war wohl dann nach einem abendfüllenden Gespräch und einen kleinen Drink in der Wohnung, nicht nur bei zwischenmenschlicher Konversation geblieben. Jedoch hatten beide bei ihrem Interesse aneinander und der sie überfallenden Hitze der Nacht wahrscheinlich vergessen ein Kondom zu benutzen, was meinen Schulfreund eigentlich noch niemals passiert ist, er immer daran gedacht hatte, bis zu jener Nacht.
Er war sich dessen am nächsten Tage nicht mehr sicher, denn ein Filmriss beider ließ eine Rückbesinnung des Bettgeflüsters nicht mehr zu. Nun hatte er panische Angst davor, sich unter Umständen mit einer Geschlechtskrankheit infiziert, am schlimmsten mit Aids (besser HIV), zu haben.
Was sollte ich nun als bester Freund ihm raten, außer dass er seine Angst überwinden muss. Ich nahm ihn daraufhin etwas an die Hand und vereinbarte für ihn einen direkten Termin festgelegt in 6 Wochen bei seinem Dermatologen. Die Facharztausbildung der Dermatologie umfasst in Deutschland auch die Geschlechtskrankheiten, weshalb dieser Facharzt, wenn man bei ihm schon wegen Hautkrankheiten in Behandlung ist, der erste Ansprechpartner sein kann, zwar auch jeder anderer Arzt, das Gesundheitsamt usw., aber besteht ein Vertrauensverhältnis zu einem Arzt, sollte man diesen für einen Aids-Test wählen.
Ich begleitete ihn die 6 Wochen lang, um seine Ängste etwas zu lindern, ihm Luft zu verschaffen, war ebenfalls seine Begleitung beim Arzttermin. Ein Patientgespräch und die Blutabnahme erfolgte und der Hinweis, dass der Aids-Test zwischen 3 und 4 Werktage dauern würde. Das Ergebnis des HIV-Tests bekommt der Patient jedoch nicht telefonisch, sondern immer vor Ort mitgeteilt, um im Falle einer schwerwiegenden Nachricht sofort auf den betroffenen Menschen einwirken zu können.
In Deutschland wird der HIV-Test generell mit dem ELISA-Verfahren durchgeführt, wobei die Blutkultur des Probanden auf ca. 90 Schalen verteilt in verschiedene Test- und Kontrollschalen gegeben werden und dann eine Antigen-Antikörper-Substanz zu der jeweiligen Blutkultur hinzugefügt wird. Danach erfolgt eine Enzymzugabe, welche durch eine biochemische Reaktion dann die mit HI-Viren infizierten Körperzellen im Blut sichtbar werden lässt. Der Test sollte frühstens nach 6 Wochen gemacht werden, da Aids eine hohe Inkubationszeit von mehreren Wochen bis Monaten haben kann und erst ab diesem Zeitpunkt der Test eine hohe Aussagekraft hat, bis zu 99% Sicherheit besteht.
Die Blutabnahme erfolgte am Dienstag, das bedeutete zugleich, dass mein bester Freund am Freitag höchstens einen Telefonanruf erhalten würde, wann er den Montag kommen könnte.
Die folgenden Tage waren für ihn der Horror. Er nahm Kurzurlaub, schloss sich in seiner Wohnung ein, konnte nichts essen, kaum etwas trinken und wartete wie gebannt auf den Anruf. Er rief mich zuvor am Freitag früh an, ob ich an diesem Tage vor dem Anruf bei ihm sein könnte. So warteten wir gemeinsam auf den Anruf des Dermatologen, während ich ihn weiter gut zuredete. Gegen Nachmittag klingelte das Telefon. Der Facharzt war am Apparat, mein Freund wurde kreidebleich am Telefon. Sein behandelnder Arzt musste die zittrige Stimme mitbekommen haben, so dass er wohl im nachberichteten Wortlaut gesagt haben muss: "Herr X, beruhigen sie sich, der Test war negativ, kommen sie Montag noch einmal vorbei und haben sie nun wenigstens ein entspannteres Wochenende."
Das sollte er Freitag Abend haben, im Gegensatz zu unserer beider Leber und Köpfen. :-)
Seit dem hat er immer zwei Kondome in seiner Hosentasche und verzichtet auf zu große Mengen an Alkohol, um eine mögliche Enthemmung vorzubeugen.
Denn nur wegen einer kleinen Bettgeschichte mit zuviel Alkohol im Spiel, muss der mögliche Tod durch AIDS nicht an die persönliche Tür klopfen, das Leben mitbestimmen....
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Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr
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