Erfahrungsbericht: Selbstverletzung

Was ist zuerst passiert?
das erste mal ca. mit 6 Jahren
Wann ist es passiert?
ich fühlte mich fremd, nicht mehr in meinem Leben, ich wollte die Schmerzen loswerden
Was ist sonst passiert?
irgendwann folgten leichte Drogen, Alkohol etc.
Wie endete es?
es ist leider immer noch nicht vorbei

* Ich hoffe es Triggert nicht*

Hallo,

ich bin Michael, 37 Jahre "jung", habe aus 2 gescheiteten Beziehungen 3 Kinder (3, 7, 9).

Meine leiblichen Eltern hatten sich getrennt als ich knapp 2 Jahre alt war und meine Mutter hat arbeiten müssen um für das Essen etc. sorgen zu können, meine Schwester und ich wurden dann zu unserer Oma, bzw. zu einer Tante gegeben, damit jemand auf uns aufpasst.

Meine Tante hat mich ungefähr von diesem Zeitpunkt an sowohl körperlich als auch seelisch in unterschiedlichen Formen Missbraucht.

Das erste mal habe ich mit ca. 6 Jahren herausgefunden, dass man mit körperlichen Schmerzen die seelischen Schmerzen erträglicher machen kann, ich fing an mir Nähnadeln durch die Haut zu stechen bzw. im weiteren Verlauf fing ich auch an mich mit Scheren etc. zu ritzen, es tat nicht einmal wirklich weh, es war wie eine Erlösung umso tiefer ich mich letztendlich schnitt um so leichter wurde alles. Es wurde langsam schon fast zur Sucht sein eigenes Blut zu sehen und in eine Form Rauschzustand zu kommen.

Meine Eltern haben von der ganzen Sache so gut wie nichts mitbekommen und wenn....dann gab es halt dumme ausreden, ich bin am Baum hängen geblieben, die Rosenbüsche haben mich gekratzt oder auch unser eigentlich ansonsten friedlicher Kater musste als "Opfer" her halten, dass einzige was meine Eltern gemerkt haben, dass ich nie viel geredet habe, warum hätte ich das auch tun sollen? Wenn ich mal versucht habe zu sagen was da hinter deren Rücken abläuft wurde es eh entweder ignoriert oder was auch immer, auf jedem Fall wurde es nicht ernst genommen.

Später habe ich mich nicht mehr damit zu frieden gegeben, dass es nur einfach Bluten muss, es musste auch weh tun, dieser unendliche Seelenschmerz musste doch zu stoppen sein, ich fing an mir regelmässig die Hände, Handgelenke zu brechen, ich weiß nichtmal wie oft ich mir die Knochen gebrochen habe, aber passiert ist deswegen immer noch nichts, es wurden nie fragen gestellt, weder in der Schule noch zu Hause...

Irgendwann war dann mal eine 2jährige Pause, kein einziger Schnitt, kein Knochenbruch...gar nix.

Ich wurde etwas älter und habe ich mich dann unglücklich verliebt...und irgendwie war er wieder da, der Schmerz und das Gefühl - hey was die Tante da treibt ist falsch und ich fing wieder an zu ritzen, oder genauer nun schnitt ich richtig, die Schnitte wurden tiefer und tiefer und auch die Regelmässigkeit nahm extrem zu, ich fing an mich mit Alkohol und weichen Drogen zu betäuben. Irgendwann fing ich an das geschehene zu verdrängen und habe es auch geschafft halbwegs normal zu leben.

Ich habe meine Ex-Frau kennengelernt und musste nur noch ganz selten schneiden, bzw. ich habe mir da nur 2 - 3 mal die Knochen gebrochen, wir bekamen eine gemeinsame Tochter und es war irgendwie toll. Ich hatte was eigens Kleines, hatte Verantwortung und etwas was ich lieb haben konnte. Nach weiteren 2 Jahren kam dann noch ein Sohn dazu...und damit begann wieder alles, all das was ich so schön verdrängt habe war wieder da, die ganzen Erinnerungen trafen mich wie eine gewaltige Schockwelle nach einem schweren Erdbeben, ich fing wieder an zu schneiden, griff wieder zum Alkohol und und und, leider ging dadurch dann auch irgendwann die Ehe in die Knie, an deren Ende gleich mehere Suizid versuche standen und einige Aufenthalte in der Psychiatrie.

Ich wünsche meinem ärgsten Feind nicht so ein Kopfkino und so eine Acherbahn der Gefühle und ein kleines Kind in sich, was ständig die Frage auf wirft, wieso?

Seit Achtsam

lg Michael

Stichworte (Tags): Selbstverletzung

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren

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Kommentare

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  • hi Michael,

    hab gerade unter deinen anderen Erfahrungsbericht meinen Senf dazugesetz und muß mich nach dem ich dies gelesen hab zum Teil entschuldigen. Nein, ich denke ich kenne die Intensität deiner Gefühle nicht ganz und ich muß sagen ich beneide dich nicht. es tut mir weh soviel Schmerz zu sehen aber umso mehr bewundere ich dich dafür, dass du durchhälst und weitermachst. Ich hoffe du findest die Kraft deinen Weg weiter zu gehen und vor allem, die Kraft dich eines Tages wirklich auf den Schmerz einzulassen- im sicheren Rahmen mit Leuten die dich (greifbar) auffangen können.

    Ich lese zwischen deinen Zeilen, dass du noch nicht wirklich eingetaucht bist in die letzten Abgründe deiner Wut und Verzweiflung. Vielleicht täusch ich mich auch- ich gehe da von mir aus. auch ich kann darüber reden und schreiben was passiert ist, Ebenso klar, ebenso flüssig, eben so distanziert, als ob ich die Geschichte einer anderen erzähle. Ich hab tierische Angst mich fallen zu lassen, diese Unbändige wut, den Hass , die Verzeiflung rauszulassen- den unbändigen schrei nach der alles zerfleischenden Frage "Warum".

    Ich war auch in Thera und mein Arzt hat borderline Nähe diagnostiziert- meint sehr viel Übereinstimmung aber irgend wie nicht endgültig. Mir hat es angst gemacht die diagnose zu hören und ich hab das Urteil nie akzeptiert. Aber ich weiss wieviel Agressivität dazu gehört und diese Kraft die uns hilft zu überleben- daran glaube ich- ist wie ich find irre schwer zu kontrollieren!

    Ich wünsche dir, dass du für dich bald eine Weg findest deine selbstzerstörerischen Bedürfnisse zu kontrollieren und ich würde mich freuen, wenn du mir darüber berichten könntest.

    Ich hoffe ich hab dich mit meinen Kommentaren nicht zu sehr genervt.

    Ansonsten sag es mir bitte ehrlich- ich kann streiten aber auch verstehen!

    Judy

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