Erfahrungsbericht: Prostatakrebs - Prostatakarzinom: Potenz nach radikaler Prostatektomie (Entnahme)... u.a.

Thema: Krebs
Was ist zuerst passiert?
PSA 4,96 / PSA-Verhältnis 0,14
Wann ist es passiert?
April 2008
Was ist sonst passiert?
Stanzbiopsie Ende Juli 2008, radikale Prostatektomie (RPE) Mitte November 2008, biochemisches Rezidiv 1 1/2 Jahre nach RPE, Bestrahlung ab ca. 1 3/4 Jahren nach RPE.
Wie endete es?
Bis 1 Jahr nach RPE galt ich als geheilt. Nach Rezidiv-Therapie und ab etwas mehr als 2 Jahren nach RPE gelte ich erneut als geheilt.

(Update 2. März 2012, 3 Jahre 3 1/2 Monate nach Operation.)

Liebe Freunde, liebe Leidensgenossen,

es kommt mir hier hauptsächlich darauf an, etwas zur nachoperativen Problematik, zur Potenz/Sexualität, zur Inkontinenz, zu sagen. Aber auch eine Argumentesammlung bez. der Therapien bzw. Operationsverfahren bei Prostatakrebs.
Nicht abgeben möchte ich einen epischen individuellen Erfahrungsbericht, sowas gibt es schon zur Genüge (Motto: "Furchtbar, war das ein Schock: Krebs... Wahnsinniger Schreck: Rezidiv..." usw.).
Ich weiß natürlich, dass es für mich einfach ist, so zu argumentieren - meine nach-operative Prognose war äußerst günstig, und vor allem hat die Bestrahlung nach dem Rezidiv voll zugeschlagen. Für all das danke ich Gott - trotzdem: Was hilft anderen Betroffenen eine Darstellung meiner "präoperativen bzw. Präradiatio- seelischen Befindlichkeiten"...

Die allgemeine Situation der Prostatakrebs-Therapie: Kopf hoch! Denn:
1) Der Prostatakrebs, wenn er frühzeitig genug erkannt wird (also generell vor dem "Verlassen" der Prostatakapsel) ist mit die am besten heilbare Krebsart beim Mann.
2) Der Prostatakrebs ist generell eine Krebsart, die erst sehr spät metastasiert.
3) Selbst wenn der Prostatakrebs schon die Kapsel verlassen haben sollte bzw. bei Wiederauftraten nach der Operation gibt es genügend Methoden, die tatsächlich heilen (kurativ sind) oder die Weiterentwicklung um Jahre hinausschieben.
Während meines Klinikaufenthaltes habe ich einen Leidensgefährten kennengelernt, der einen stark erhöhten PSA-Wert (s.u.) und bei der Biopsie (s.u.) bei allen 10 Stanzen (!) positiven Krebs-Befund hatte. Nach der RPE war seine Prognose exakt die gleiche wie meine! - und ich hatte nur eine einzige Stanze mit positivem Befund.


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Nun der INHALT meines Erfahrungsberichts:
<+> Meine Diagnose.
<+> Recherche: Therapiemethoden, Wahrscheinlichkeiten, evtl. nach-operative Probleme. Argumentesammlung.
<+> Meine Operation (RPE).
<+> Meine Bestrahlung (IMRT) nach Wiederauftreten (Rezidiv).
Dann Bemerkungen zu: nach radikaler Prostatektomie:
<+> Penislänge.
<+> Inkontinenz, Beckenbodenmuskulatur-Training, evtl. Operationsverfahren im Ernstfall.
<+> Potenz / Sex, Rehabilitation.
<+> Operationswunden-Heilung.
<+> ganz unten Hinweise auf: Werkzeuge für Wahrscheinlichkeiten nach Einklassifizierung, wichtige Internet-Adressen, Veröffentlichungen.


Ein Hinweis noch zur Terminologie: PSA, Gleason Score, Prostatabefund-Staging, seeding, IMRT etc. bitte im Internet nachlesen - da gibt es alles. Und man sollte schon was darüber wissen, bevor man sich behandeln lässt, besonders aber, bevor man eine Entscheidung über die Therapiemethode trifft!

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*** (Entschuldigung... muss leider vorher sein...) Eine wichtige Bemerkung zur Inkontinenz (Schilderung des Verlaufs in meinem Fall etwa in der Mitte des Berichts):
Ca. 8 Monate nach meiner radikalen Prostatektomie RPE:
Dieses Thema scheint sich immer mehr zum Mittelpunkt der nachoperativen Problematik zu entwickeln. Es ist (bei mir) einfach so, dass die Inkontinenz nur sehr sehr langsam besser wird. Besonders am späten Nachmittag und allgemein beim Drehen des Körpers (insbesondere, wenn das spontan erfolgt) und beim Gehen sind die Schwierigkeiten deutlich, so dass ich nach wie vor eine Einlage Stufe 2 pro Tag verwenden muss.
Beim Sitzen und Liegen gibt es keine Probleme.
Notabene dazu:
- Ich bin ein sehr nachlässiger Beckenbodenmuskel-Trainierer (aber siehe das, was ich gleich über die entspr. klinischen Untersuchungen sagen werde).
- Die Berichte über den Verlauf der Inkontinenz, die ich gelesen und von denen ich gehört habe, sind so unterschiedlich wie kaum etwas anderes im ganzen Prostatakarzinom-Problemkreis. Von: "Der Professor hat mir schon vor der Operation versichert, dass ich nicht inkontinent werden würde, und so war es dann auch" über "Nehmen Sie das Medikament, um die Zeit bis zur Überwindung der Inkontinenz zu überbrücken - Sie werden aber mit Sicherheit wieder kontinent" (niedergelassener Urologe), "Ich bin sogar nach 2 Jahren immer wieder mal inkontinent" (so ein Bekannter, der sogar viel Sport treibt) bis zu "Glauben Sie keinem Operateur, selbst wenn er Ihnen schriftlich geben sollte, dass Sie nach dem Eingriff kontinent sein werden" (und das von einem niedergelassenen Urologen!). Man weiß tatsächlich nicht, was davon man nun glauben soll. Zumindest scheinen mir solche Aussagen, insbesondere bei den operierten selbst, doch stark vom Ausgangspunkt der subjektiven Einschätzung des eigenen Befindens abhängig zu sein.
- So scheinen mir auch die berühmten klinischen Untersuchungen doch sehr suspekt, die in schönen Kurven zeigen, dass der Unterschied in der Kontinenz zwischen Beckenbodenmuskel-Trainierenden und nicht trainierenden nach wenigen Monaten deutlich, nach 8 bis 9 Monaten aber nur noch gering sein soll, und dass insgesamt die Wiedererlangung der Kontinenz dann schon bei 80% oder mehr liegen soll. Sowas ist doch immer sehr anfällig für systematische Fehler, einfach aus psychischen Gründen, oder? Was würden Sie nach 2 oder 3 Monaten sagen, und was nach 8 oder 9 Monaten, wenn sich kaum etwas geändert hat? (Ich meine natürlich nur unbewusste Angabe-Fehler, klar.) Wenn der Wunsch, vor allem aber die Gewöhnung die Väter des Eintrags sind... Da scheinen mir einseitige Fehler in der Statistik (die nennt man "Bias") doch sehr sehr wahrscheinlich zu sein...

Ich bin nun 3 Jahre nach der Operation noch immer nicht vollständig kontinent. Es verblieb die Stressinkontinenz, die wird nun auch nicht mehr besser. Wenn ich mich "normal" bewege, muss ich 1 Tena-Einlage etwa alle 1 1/2 bis 2 Tage verwenden. Die "retro-urethrale Transobdurator-Schlinge" (s.u.) scheint sich (noch?) nicht zu lohnen, ich werde den Gedanken aber weiter verfolgen. Ich kann mit der verbliebenen Rest-Inkontinenz eigentlich ganz gut leben - und bevor ich wieder an mir herummontieren lasse...
Vor allem kommt bei mir langsam der (zugegeben vom klassischen Standpunkt aus "ketzerische") Gedanke hoch, dass die RPE vielleicht doch nicht die allein selig machende Therapie ist, wenn der Verlauf der Inkontinenz danach derart unsicher ist. Das müsste dann natürlich mit einer größeren Unsicherheit in Bezug auf die Krebszellen-Progression (Wiederauftreten, Rezidiv also) erkauft werden - oder? Immerhin wird heftig an der Bestrahlung mit Protonen geforscht (neues Forschungszentrum in Leipzig). Protonen werden vollkommen absorbiert und haben daher kaum Wirkung im Gewebe "dahinter", das ist der Unterschied zur Röntgenstrahlung.
Ich bin bisher (!) trotzdem (für meinen Fall) noch immer von der RPE überzeugt. ***
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Also:
Kurze Schilderung meines Falles:
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<+> Alter (zu Anfang) 64 Jahre, guter Allgemeinzustand.

<+> Anfang April 2008:
PSA (prostata-spezifisches Antigen), gesamt: = 4,96 ng/ml (von 3,89 im Vorjahr angestiegen), sollte nicht über 4,4 sein.
PSA, frei: = 0,70 ng/ml
PSA, Verhältnis freies zu an Eiweiß gebundenes = 0,14, damit höhere Wahrscheinlichkeit für ein Protatakarzinom.
Zusätzl. Befund: Prostataadenom (Vergrößerung auch mit Wirkung nach innen: erhöhter Druck auf den Harnleiter) - entsprach meinem erhöhten Harndrang.

<+> Ende Juli 2008:
Prostata-Stanzbiopsie (10 Stanzen), Resultat:
Adenokarzinom in Stanze Nr. 9 (harnblasenseitig), also einseitig, G3, Gleason Score (Zellbefund) Summe 7 (= 3+4)

<+> Folgend intensive Information über Therapiemethoden, Wahrscheinlichkeiten, evtl. nach-operative Probleme.
Argumentesammlung (für mich!):
- Es gibt offenbar drei unterschiedliche "Kern"-Therapien:
1) die radikale Prostatektomie (RPE), zu der auch mir geraten wurde, bei der also die gesamte Prostata-Kapsel entfernt wird und etwa die Hälfte der prostata-nahen Lymphknoten herausgenommen und untersucht wird. Wird von den (konservativen) Urologen oft als "Königsweg" bezeichnet.
2) Bestrahlungsmethoden (auch Brachytherapie, seeding). Es ist offenbar so, dass die Bestrahlung anregt, dass die Krebszellen (auch die gesunden Zellen?) Eiweißstoffe produzieren, an denen sie dann selbst zugrunde gehen - eine Art Autoimmun-Reaktion. Es kann zum einen (bei äußerer Bestrahlung?), wenn die Prostata noch vorhanden ist, den sog. "bouncing"-Effekt geben, d.h. der PSA-Wert steigt im Laufe der Bestrahlung erst noch einmal kurzfristig an. Es ist zum anderen daher ebenfalls durchaus möglich (jedenfalls was die Bestrahlung der "Prostata-Loge" nach Auftreten eines Rezidivs, Wiederanstieg des PSA-Wertes, z.B. nach RPE, betrifft), dass der PSA-Wert nach Ende der Bestrahlung nicht unter die Nachweisgrenze absinkt (u.U. sogar über 1 ng/ml bleibt) und sogar als eine Art Endzustand dort stehen bleibt. Auch damit kann man durchaus leben! Allgemein ist die Bestrahlung (zumindest mit äußeren Strahlungsquellen) offenbar (Stand Anfang 2011) im Kommen. Dazu Forschung mit Schwerpunkt auf Protonen (weil die im Gewebe absorbiert werden und nicht, wie die Röntgenstrahlung, durchgehen, man schont also das hinter der Prostata liegende Gewebe). Dazu neues Forschungszentrum in Leipzig.
3) HIFU (Zerstörung der Prostatazellen durch Erhitzung mit hochenergetischen fokussierten Ultraschall-Stoßwellen, oft von den klassischen Urologen "unterschlagen" oder als "Methode unter ferner liefen" abklassifiziert, wenn nicht schlimmer).
Dazu kommen hyperthermische und Kryo-Methoden (Überhitzung bzw. Vereisung), schließlich die Hormonablation (Reduzierung des Testosteron-Spiegels) als allgemeine, adjuvante oder auch "spätere" Methode.

- Mir scheinen RPE und HIFU im Zentrum zu stehen, ich denke, man sollte wohl zunächst mal (bis jetzt, Zukunft? Bestrahlung mit Protonen statt mit Röntgenstrahlen?) insbesondere die Bestrahlungmethoden nicht einbeziehen, solange es anders geht, insbesondere wenn der Tumor bisher vollständig in der Kapsel verblieben ist. Vollständige Heilungswahrscheinlichkeit bei beiden Methoden generell größer 80% (Studienbedingungen allerdings sehr unterschiedlich). Die PARTIN-Tabellen (A.W. Partin et al., Journal of the American Medical Association JAMA, 1997; letzter Update durch D.V. Makarov et al., Urology, 2007; 69(6):1095-1101; - gibt es auch im Internet! s. Hinweise ganz unten) sagen in meinem Fall, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 44% damit gerechnet werden kann, dass der Tumor die Prostata-Kapsel noch nicht verlassen hat. Das entspr. Nomogramm des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (s. bei den Hinweisen ganz unten) spricht sogar von 71%. Hier steht auch, dass die Heilungschancen bei "Kapseldurchbruch" im Vergleich immer noch 50% sind.
Falls der Tumor die Kapsel aber schon verlassen hat, wie wär es dann gleich mit den Bestrahlungsmethoden, ohne große Operation - oder mit Hormonablation, anderen Therapien? Das Vertrackte dabei ist, dass man eine verlässliche Info über den Zustand der Kapsel nur mit der RPE bekommt. HIFU wie auch andere Therapien erlauben nach der Behandlung keine verlässlichere Einklassifizierung des Tumors als vorher. Es gibt aber Vorhersage-Wahrscheinlichkeiten (Beispiel s. oben) für solche Dinge (s. Hinweise ganz unten am Schluss). Wahrscheinlichkeiten sagen trotzdem nur etwas über die Erwartung, leider nichts über den Einzelfall aus...
- Nach der RPE verbleibt der Harnröhren-Katheter 8 Tage, bei der HIFU nur 24 bis 36 Stunden. Dagegen muss bei der HIFU ein suprapubischer Katheter (durch die Haut direkt in die Harnblase) zusätzlich zum "normalen" gelegt werden, er verbleibt bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. Erhaltung der Kontinenz bei RPE auf Dauer 95%+ (schon... der Verlauf?), bei HIFU Inkontinenz zu Anfang maximal Grad 1 (= Stressinkontinenz = bei Husten, ruckartiger Belastung), weil die Prostata ja "nur bearbeitet" wird. Klingt günstiger.
- Die HIFU ist aus Gründen des viel leichteren Eingriffs auf jeden Fall eine höchst interessante Methode, zumal die Potenzerhaltung zu 90% (bei nur einseitig nicht-nervenschonender Behandlung, das ist offenbar die Regel) angegeben wird (so ein führender HIFU-Professor), bei der RPE nur zu 60 - 80%. Jedoch: Mein niedergelassener "Erst"-Urologe sagte mir, er habe noch keinen HIFU-Therapierten kennengelernt, der potent gewesen sei... Grund: Die Wärmeausbreitung beim fokussierten "Beschallen" soll nicht so begrenzt sein, dass selbst bei einem einseitig "stehengelassenen" Bereich von 7mm am Kapselrand das Nervengewebe ungeschädigt davonkommen würde. Ob das wohl dem Zustand vor der voll-computerisierten Abstandsmessung (französisches Gerät "Ablatherm", amerikanisches Gerät "Sonablate") entspricht? W e m soll man nun glauben? Leider weiß ich's nicht.
Ich habe in letzter Zeit davon gehört, dass sich so mancher (sogar um die 50 Jahre alt) für die HIFU entscheidet, sogar gegen den Rat seines Urologen. Jedoch wird bei der HIFU in aller Regel zur Sicherheit vorher eine TUR(P) gemacht (transurethrale Resektion Prostata = Ausschälung der Prostata-Innenseite durch die Harnröhre, wie bei der gutartigen Prostata-Vergrößerung) - das ist aber auch eine Operation! Dass die HIFU wegen der komplizierten Form der Prostata nicht verlässlich überall hinkommt, wie offenbar manche klassische Urologen meinen, scheint seit der voll-computerisierten HIFU kein Thema mehr zu sein, wie mir ein führender HIFU-Professor versicherte. Trotzdem ist für die "engen Lappen-Ecken" wohl doch etwas Skepsis angesagt, denk ich mal (spindelförmiges Fokus-Areal).
- Wichtig ist außerdem die allgemeine Lebenserwartung, zumal wenn auch ein evtl. Rezidiv (Wiederauftreten des Karzinoms) in Betracht gezogen wird. Falls ein Rezidiv auftreten sollte, wäre zwar bei einem Alter über 70 Jahre oder so die Sache viel unproblematischer: Die Wahrscheinlichkeit, das Lebenserwartungsalter zu erreichen, ist dann viel höher (klingt brutal, gell?). Ich bin aber erst 64... Nur, müsste mit der zweiten HIFU dann auch die andere Seite der Prostata nicht-nervenschonend bearbeitet werden, oder? (hab ich leider nicht nachgefragt) - und was ist dann mit der erektilen Potenz? - Wenn's denn so sein sollte. Spielt dieses Thema aber dann überhaupt noch eine große Rolle? Hm.

Soweit - stöhn... Es bewahrheitet sich wieder einmal: Je mehr Info, desto differenzierter die Sicht auf den eigenen Fall, desto schwieriger aber auch der Entschluss...

Letztendlich Entscheidung für die klassische RPE, weil ich definitiv wissen möchte, wie der Tumorstatus ist - und weil ich mich einfach "zum Pokern zu jung" fühle. Sonst habe ich nach der Behandlung wieder nur den Verlauf dieser PSA-Werte mit ihrer doch recht vagen Aussage, so wie vorher... Außerdem wäre ja eine Ausschälung durch den Harnleiter, also TUR(P), zur Behebung des Prostataadenoms sowieso fällig. Geht also in meinem Fall alles sozusagen "in einem Aufwasch"...

<+> Mitte November 2008: Nervenerhaltende RPE (totale Entfernung) durch Eingriff oberhalb der Peniswurzel (also RRP, retropubische radikale Prostatektomie), 2,5 - 3 Std Operation Prostata und Lymphknoten, 1/2 - 3/4 Std für die Beförderung und Untersuchung der Schnittränder (Material per Schnellboten). Befund bei der Schnellschnitt-Begutachtung: Karzinomzellen an einer Stelle harnblasenseitig "hinten" im Lappen sehr nahe an der Kapsel, ein "Nachschnitt" in das Nervengewebe dort war notwendig, wie ich gleich hinterher erfahren habe.
Was hätte die HIFU dazu gesagt? Hm, tja. Es war eng...

<+> Eine Woche später histologischer Endbefund:
Gleason 3+4 aus der Stanzbiopsie bestätigt, sogar nur G2.
Staging nach der Operation: pT2a pN0, also keinerlei Lymphknotenbefall. Alle Außen-Schnittränder negativ.
Keine weiteren adjuvanten Maßnahmen notwendig.
Eigene Recherche: Das entspr. Nomogramm des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (s. Hinweise ganz unten) sagt in meinem Fall über die "Wahrscheinlichkeit für Progressionsfreiheit nach der RPE" (?) aus: (Oder ist das die "10-Jahre-Überlebenswahrscheinlichkeit"?)
2 Jahre: 99%
5 Jahre: 97%
7 Jahre: 97%
10 Jahre: 96%
(Genauigkeit +/-8%, kann also nach 10 Jahren als Extremwert sowohl 88% wie auch 100% sein).

Zur Entlassung aus dem Krankenhaus war der PSA-Wert schon auf 0,2 ng/ml abgesunken.
Nachsorge üblicherweise PSA-Bestimmung jedes Vierteljahr, der Wert sollte dann nicht über 0,0... bis 0,05... hinausgehen (keine Prostatazellen mehr vorhanden). Sinnvolle Grenze ist offenbar 0,05 ng/ml, Ergebnisse unter diesem Wert sind mit großer Unsicherheit behaftet. Daher gibt das Labor (mein Fall) nur < 0,05 bzw. -< 0,05 (gleich oder kleiner) aus und keine kleineren Werte.
PSA-Werte 1/4, 1/2 und 3/4 Jahr nach Operation immer < 0,05 ng/ml.
1 Jahr nach Operation -< 0,05 ng/ml (kleiner/gleich, etwas beunruhigend).

<+> Weiterer Verlauf: Nach ca. 1,5 Jahren PSA-Wert 0,24 ng/ml. (Schreck!) Soweit ich weiß, spricht man heute ab 0,2 von Rezidiv.
Es sind also offenbar bei der RPE Krebszellklumpen oder in welcher Form auch immer irgendwie durch die Lymphspalten "ausgekommen". Ich denke, dass der Operateur nichts dafür kann. Der Zellbefund wird während der Operation ja auch nur an bestimmten Stellen der Prostatakapsel erhoben.
Ich lese, dass doch für meinen Fall die Rezidiv-Wahrscheinlichkeit eher bei 40% liegt. (?)

Sofortiges Ansteuern einer weiterführenden Therapie.
Eine C11-Cholin-PET/CT (Kohlenstoffisotop11-Cholin-Positronen-Emissions-Tomographie bzw. -Computer-Tomographie): absolut keinerlei Befund; Eine Wirbelsäulen-MRT (Magnet-Resonanz-Tomopraphie): ebenso negativ (keinerlei "heiße" Stellen). Die Wahrscheinlichkeit für ein rein lokales Rezidiv (innerhalb der "Prostata-Loge" also) sowieso äußerst hoch.
Dann alle 2 Wochen PSA-Wert um ca. 0,04 ng/ml mehr. Das gilt als "typisch" für ein lokales Geschehen.

<+> Entscheidung für Bestrahlung (Radiatio) von außen.
Direkt vor Beginn der Radiatio (1 Jahr und 8,5 Monate nach Operation) PSA-Wert 0,43 ng/ml. Beginn der Radiatio also noch unter 0,5 ng/ml, wie es meines Wissens nach heute als optimal angesehen wird, man macht bei Rezidiv kein "watchful waiting" mehr.

Bestrahlungsmethode IMRT (intensity modulated radiation therapie), eine Methode, bei der die Strahlung gemäß einer Art ausgearbeiteter "Landkarte" mit "Isolinien" abgegeben wird, wesentlich schonender als die "normale" Radiatio (natürlich auch teurer). Vor allem deswegen sinnvoll, weil das zu bestrahlende Gebiet "flach" ist - die Prostata ist ja nicht mehr vorhanden. Es werden Markierungen (mit Filzstift) auf dem Unterkörper angebracht, mit denen die Lage des Körpers stabilisiert bzw. im Ernstfall korrigiert wird.
Rezidivierende Prostata-Zellen sammeln sich gerne u.a. längs der (u.U. ehemaligen) Samenleiter-Bahnen und an der Anastomosestelle (Wiederanschluss der Urethra) an, sowie hinter der Harnblase. Dies wird bei der "Kartierung" berücksichtigt, ebenso wie genügend Abstand der Strahlungsbelastung (ein paar mm) zur Darmwand.
Dann 33 Sitzungen (besser Liegungen) mit jeweils 2 Gy (Grey, Bestrahlungseinheit) relativ harter Röntgenstrahlung. (Bleischurz für das Personal hilft nicht, das muss echt aus dem Raum hinausgehen.) Man sollte dabei möglichst ruhig liegen (und nicht tief atmen, könnte ich mir vorstellen, um durch eine möglichst stabile Lage die Vermeidung von Nebenwirkungen günstig zu beeinflussen).
Ich bin des Lobes voll: Keinerlei Hautreizung und erst nach ca. 2/3 der Bestrahlungstermine vereinzelt imperative (drängende) Stuhlgänge mit "Stechen" und/oder Durchfall, bzw. auch mal Harndrang. All das ist nach Beendigung der Radiatio so gut wie vollkommen zurückgegangen.

<+> Der PSA geht nach der Radiatio nur sehr langsam zurück, daher wartet man ca. 1/4 Jahr nach Beendigung bis zur ersten erneuten Messung.
Erneute Messung Mitte Januar 2011, ca. 2 Jahre 2 Monate nach Operation.
Ergebnis: wieder < 0,05 ng/ml. Es wurden also offenbar so gut wie alle "ausgekommenen" Krebszellen erwischt. (Grenzenlose Erleichterung)

Heureka!! Ich bin am Ende offenbar doch effektiv von der Schaufel...

Erneute Messungen:
- ca. 2 Jahre 6 Monate nach der Operation
- 3 Jahre nach der Operation
Beide Male Ergebnis: weiterhin unverändert < 0,05 ng/ml

Dazu noch eine Bemerkung: Ich habe von 2 Fällen gehört, in denen sich beim Rezidiv bereits PSA-Werte weit über 1 ng/ml eingestellt hatten. Nach Radiatio gingen diese Werte auf immer noch über 1 zurück und verbleiben jetzt dort schon längere Zeit. Also auch sowas geht offenbar.

<+> Fazit:
- Die Entscheidung für die RPE war richtig, denke ich, obwohl nachträglich wegen dem Rezidiv "nur" Bestrahlung evtl. eine Alternative gewesen wäre. Aber konnte man das vorher ahnen oder sogar wissen?
- Der Operations-Zeitpunkt war nicht zu spät, hätte natürlich auch früher sein können.
- Nach Auftreten des Rezidivs war die Radiatio genau die richtige Entscheidung.
- Und etwas Glück hab ich auch gehabt.
Dankbarkeit...

Quintessenz:
- Einmal Krebspatient, immer Krebspatient: Die Wahrscheinlichkeit, dass Mikrometastasen abgesiedelt haben, ist einfach trotz allem nicht Null. Das Damoklesschwert bleibt hängen, aber es ist sehr sehr stumpf, und seine Aufhängung ist kein Faden, sondern ein veritabler Strick...
- Und: Die einzig vernünftige Denkweise ist die in Wahrscheinlichkeiten, frei nach dem Motto: Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich (Erich Kästner). ...Und das heißt: Die Wahrscheinlichkeit (die jeden betrifft), überhaupt irgendeinen Krebs zu bekommen, ist sicher genau so groß wie oder vielleicht sogar größer als die, in meiner Lage ein erneutes (dann natürlich systemisches) Rezidiv zu bekommen. Stimmt's?

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<+> Nun aber endlich zu den Punkten, die mir wichtig sind:

+> 1) Penislänge:
Nicht irre machen lassen! Ich habe in einem Artikel beim Bundesverband Selbsthilfe (s. Hinweise, am Schluss) gelesen, dass bei der RPE der Penis etwas nach innen gezogen wird (Ausmaß je nach Größe der Prostata), weil ja die Harnröhre (Urethra) innerlich verkürzt wird.
Ich habe sofort in der Klinik angerufen. Der Oberarzt war am Telefon, er sagte mir, das sei absoluter Humbug. Argument: Dann müsste ja der Schließmuskel mitwandern... Er meinte, der betreffende Schreiber habe wohl seit langer Zeit nicht mehr trainiert, dann sei das verständlich... grins.
Meine Erfahrung ca. 2 Wochen nach der Operation: Der Oberarzt hatte recht.
Es gibt allerdings offenbar amerikanische Statistiken, die etwas anderes sagen. Nun. Wie soll man dabei Aussagen von Patienten beurteilen...
Prinzipiell aber nicht alles glauben, was in den Foren steht. Kritisch sein, nachfragen...

+> 2) Inkontinenz:
Oben in der Argumentesammlung steht schon einiges darüber.
Ich habe eine Selbsthilfegruppe zur Inkontinenz gefunden, Info über Beckenbodenmuskulatur-Training und Artikel (alle s. Hinweise ganz unten) mit sehr interessanten Informationen grundsätzlicher Art zur Frage Prostatektomie - Inkontinenz - Beckenbodenmuskulatur-Training: Fakten, Wirksamkeit des Trainings, spontane Erholung der Kontinenz.
Nun meine persönlichen Erfahrungen.
- Ca. 3 Tage nach Entfernung des Katheters:
Im Liegen ist es einigermaßen ok, aber sowie ich aufstehe bzw. beim Stehen und Gehen läuft es häufig, ohne dass ich es stoppen kann. Daher füllt sich die Harnblase auch nicht richtig. Beim Sitzen geht es eigentlich recht gut. Nachts muss ich mehrfach raus.
- 10 Tage nach Entfernung des Katheters:
Wenn ich mich sauber einstelle (Durchatmen, beim Ausatmen Beckenbodenmuskeln scharf anziehen), kommt beim Aufstehen aus dem Liegen (erst aufsetzen, dann aufstehen) fast nichts mehr. Fortschritt! Probleme nach wie vor beim Stehen und Gehen.
In einer Beckenbodenmuskel-Trainings-Stunde, die ich in der Klinik nach der Operation (und nach dem Ziehen des Katheters natürlich) aktiv besucht habe, wurde mir klar, wie wichtig dieses Training ist. Es kommt erst einmal gar nicht so darauf an, dass man das Wasser unbedingt halten kann, sondern darauf, dass sozusagen die "Regelkreise" Sensoren-Nerven-Muskeln neu programmiert werden. Also üben, üben... wenn das so einfach wäre... Ich bin trotzdem guten Mutes.
Offenbar ist der Verlauf der Wiedererlangung der vollkommenen Kontinenz individuell sehr verschieden. Mir wurde gesagt: 2 bis 3 Wochen, bis man wieder "da" ist - was heißt das... Ich hab auch anderes gelesen und gehört... Gesamtwahrscheinlichkeit wie gesagt 95%+. (?)
Noch was zu den Schließmuskeln: Neben dem äußeren Schließmuskel, der für die Kontinenz verantwortlich ist, gibt es auch den inneren, der direkt an der Prostata sitzt und bei der RPE mit entfernt wird. Das ist kein sonderliches Problem: Der innere ist nur für den Verschluss des Blasenausgangs bei der Ejakulation da, damit das Ejakulat nicht in die Blase zurückschießt (Auskunft meines niedergelassenen "Erst"-Urologen). Raffinierte Natur, gell... Mein Hausarzt meinte allerdings, "nur" zum Verschluss der Blase bei der Ejakulation sei der innere Schließmuskel nun auch wieder nicht da - Er habe schon auch eine gewisse konditionierende Funktion... Mein niedergelassener Urologe hält das allerdings für Unfug.
- 14 Tage nach Entfernen des Katheters: Ernsthafter Beginn mit der Physiotherapie. Dass es beim Gehen nicht klappt (man kann ja nicht ständig anspannen...), hat das was mit der Verkürzung des Harnleiters durch die RPE zu tun? Sicher muss das alles erst mal neu "erlernt" werden. Wichtig ist wohl eher ein "dynamischer" Umgang mit der Muskulatur als sozusagen "nur anziehen". Offenbar bin ich mit zwei Tena-Stufe-2-Einlagen am Tag sowieso eher bei den "schnelleren"...
- 6 Wochen nach Entfernen des Katheters: Die Inkontinenz ist nach wie vor ein Problem. Ich war mittlerweile mehrfach bei der Physiotherapie (bin aber nicht sonderlich konsequent mit dem Training), und ich brauche zwar "nur noch" eine Tena-Stufe-2-Einlage am Tag (es ist von Vorteil, ein paar Blätter Klopapier z.B. mit einzulegen, die kann man zwischendurch schnell wechseln, sie "entlasten" die Einlage), mit Konzentration geht das Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen. Aber beim Gehen, beim Drehen, Bücken usw. aus dem Stand oder aus dem Gehen ist es kaum besser geworden. Insbesondere in den ersten Minuten, nachdem ich etwas getrunken habe. Es verleitet zur Neigung, zu wenig zu trinken - das wäre natürlich ganz falsch! - Ich war ein paar Mal mit den Skiern Langlaufen, interessant: Wenn ich vorher austrete, kommt bis zu 1 Stunde fast nichts mehr, auch ohne dass ich mich mächtig anstrenge. Kommt offenbar von der straffen Körperhaltung und dem guten Wechselspiel zwischen Nervenleitung und Muskulatur... Eine doch sehr vielschichtige Sache! S. auch den Hinweis ganz unten (...beckenbodentraining.html).
- 9 Wochen nach Entfernen des Katheters: Ich muss nachts nur noch ganz selten raus, beim Aufstehen am Morgen kann ich das Wasser sogar ganz gut halten. Sonst hat sich leider kaum Neues getan. Fast konstant eine Tena-Stufe2-Einlage pro Tag (mit Aufpassen).
Meine 6 Physiotherapie-Sitzungen sind vorbei. Ich habe einige sehr interessante Übungen gelernt, die offenbar die "Neuprogrammierung" des Schließ-Apparates / der Beckenbodenmuskulatur für den Alltag unterstützen sollen.
- Ich wurde darauf hingewiesen, dass es eine neue Technik des Einbaus einer Schlinge zur Lage-Neuausrichtung des Schließ-Apparates gibt (retro-urethrale Transobdurator-Schlinge). Die arbeitet nicht mehr mit einem bloßen "Abschließen" des Harnleiters (Obstruktion) wie bisher. Hier hab ich auch gelernt, dass eben die bloße anatomische Verlagerung des Apparates durch die RPE vielfach eine wesentliche Rolle spielt (s. Hinweis ganz unten). Die Operation scheint (noch) ziemlich teuer zu sein. Der Chef-Physiotherapeut im Krankenhaus, wo die RPE gemacht wurde, war allerdings eher skeptisch. Er meinte, wenn man's gut macht, wird die Kontinenz auch nach 3 Monaten oder so entschieden besser. Sein Wort in Gottes Ohr... Ich hoffe.
Kann es sein, dass das "gute" Verhalten beim (längeren) Liegen und beim Aufstehen danach mit der Verlagerung zusammenhängt?
Ich werde natürlich, falls..., frühestens nach einem Jahr an eine neuerliche Operation denken, klar, auch wenn das offenbar nur ein kürzerer minimal-invasiver Eingriff ist. Ob das die Kasse zahlt, müsste auf jeden Fall vorher geklärt werden.
- 14 Wochen nach Entfernen des Katheters: Ich habe den Eindruck, als ob sich jetzt langsam was tut... Die Phasen, wo ich kaum etwas anhalten kann, beschränken sich nun eher auf den späteren Nachmittag und Abend (wenn der Körper langsam müde wird). Mir scheint, dass es insgesamt von Vorteil ist, nicht dauernd die Blase vollkommen zu entleeren. Wenn ein gewisser (noch zu beherrschender) Harndrang da ist, ist man offenbar eher "automatisch" geneigt, an die Beckenbodenmuskulatur zu denken und zu handeln, als wenn der nicht da ist: Wenn da eine spontane Belastung kommt, reagiert man zu spät. Ich versuche das nun möglichst regelmäßig zu beachten, mindestens "einmal am Tag", wie es in der Literatur empfohlen wird.
- Ca. 5 Monate nach Entfernen des Katheters: Die Inkontinenz ist nicht wirklich entscheidend besser geworden. Mein niedergelassener Urologe meint, die Inkontinenz würde im Einzelfall sehr unterschiedlich verlaufen. Das hängt offenbar auch damit zusammen, dass bei der RPE der hufeisenförmige Schließmuskel in der Regel durchtrennt und nach der Operation wieder genäht wird (wusste ich bisher nicht), und das würde offenbar jeder unterschiedlich "verkraften". Seiner Ansicht nach sei das Versprechen "keine Inkontinenz bei meiner Methode - und das schriftlich...", das ich auch schon gelesen habe, unseriös. Er rät mir nach wie vor zur Geduld, es würde mit Sicherheit besser werden. Allerdings wäre konsequentes Beckenbodentraining schon wertvoll (ich bin einfach zu nachlässig).
Er verschreibt mir "Yentreve 20mg" (eine Kapsel in der Früh, eine abends). Wirksame Substanz ist Duloxetin, die ursprünglich mal als Anti-Depressivum konzipiert worden war (Steigerung des Serotonin-Spiegels), und bei der es sich dann herausgestellt hat, dass sie, vornehmlich bei Frauen, die Beckenbodenmuskulatur durchschlagend stärkt... Die seltsamen Wege der Pharmazie - man denkt da sofort an den Weg von Viagra. Die Nebenwirkungen (auch psychische eben) können nicht unbeträchtlich sein, daher vor einer Dosissteigerung erstmal 14 Tage lang 2 mal 20mg am Tag. Ich bin gespannt.
- Ca. 5 1/2 Monate nach Entfernen des Katheters: Ich habe etwa 4 Tage lang Yentreve eingenommen, 2 mal 20 mg pro Tag. Die Wirkung ist beinahe durchschlagend: Ich bin nahezu kontinent (bis auf gelegentliche Stress-Inkontinenz), Harndrang und Ausflussgeschwindigkeit beim Wasserlassen sind erheblich geringer als vorher. Allerdings sind (bei mir! Ich habe auch anderes gelesen) die Nebenwirkungen nicht zu übersehen: leichte Unruhe, der Blutdruck neigt zu erhöhten Werten, ich schwitze nachts leichter, wie ich nach dem Aufwachen bemerke. Außerdem scheint es einen Einfluss auf die Libido zu geben. (Im Beipackzettel steht noch viel mehr an möglichen Nebenwirkungen...)
(Versuchshalber) nur einmal am Tag 20 mg scheint wenig zu bringen. Mein niedergelassener Urologe sagt mir allerdings, er kenne zwei Herren, die den Wirkstoff nur am Morgen an Tagen einnehmen, an denen sie vermehrt sportlich tätig sind (Golf z.B.). Ich probiere das und finde, dass die Wirkung bei mir erst einen halben Tag später einsetzt, und das auch nur schwach. (Wie bekannt, kann man sich aber auch viel einbilden...)
Ich beschließe aus all diesen Gründen, die Therapie vorerst zu beenden, zumal mein Urologe meint, es wäre sowieso eher eine Methode, die Wartezeit bis zur Wiedererlangung der Kontinenz zu überbrücken. Nun ja... Ich höre von jemand, der den Wirkstoff monatelang eingenommen hat... Also, ich bin da einfach vorsichtiger - man muss ja nun auch nicht auf Biegen und Brechen über Nacht kontinent werden, finde ich - wenn's auch unangenehm ist, klar.
- Ca. 1 Jahr nach Entfernen des Katheters: Die Inkontinenz ist noch immer nicht wirklich entscheidend besser geworden. Konsequentes Beckenbodentraining betreibe ich allerdings nach wie vor nicht. Die wichtige Erfahrung hat sich stabilisiert, dass dieser gewisse (noch zu beherrschende) Harndrang eine wichtige Sache ist (s. oben bei "14 Wochen nach Entfernen des Katheters"). Insbesondere nach dem Aufstehen am Morgen versuche ich dieses Prinzip konsequent durchzuziehen, es lässt sich positiv an.
Ansonsten die generelle Beurteilung im "Kasten" *** -> *** ganz oben.

+> 3) Potenz / Sex:
Ein Thema, für das man bei der Suche sehr wenig Info findet, aber mit dem sich viele Leidensgenossen, besonders die jüngeren, vor der Operation quälen:
Was ist mit den Teilthemen der Sexualität nach der RPE? Das finde ich doch äußerst wichtig, oder.
Oben in der Argumentesammlung steht schon einiges darüber.
Ich sage: Grundsätzlich Kopf hoch! Erklärung kommt gleich.
Leider wird offenbar fast immer nur vereinfachend von "Potenz" geredet - Ich finde das gar nicht richtig.
Ich denke, man sollte wohl unterscheiden zwischen:
> Potenz (erektile Funktion)
> Libido
> Orgasmusfähigkeit
Oder?
Bei der nervenschonenden RPE wird die Prostatakapsel entfernt. Die versorgenden Blutgefäße, Samenleiter werden abgeklemmt, die Samenblasen werden entfernt, usw... bei mir allerdings keine 100%ige Erhaltung des anliegenden Nervengewebes, das ja für die Potenz zuständig ist.

Meine persönlichen Erfahrungen:
> Potenz (Erektionsfähigkeit):
- ca. 2 Wochen nach der Operation: Tja, das ist schon ein Problem. Sie ist da, aber schon sehr verringert, und ich brauche für alles viel mehr Zeit. Noch? Mir wurde gesagt, schon ein Zug am Nervengewebe, das ja direkt beidseitig an der Prostatakapsel entlangläuft, kann es irrititeren. Und bei mir musste sogar eine Lage kurz nachgeschnitten werden... Jedoch erholt sich das offenbar auch wieder, mindestens teilweise.
- 4,5 Wochen nach der Operation: Ich schätze: 50% dessen, was vor der Operation da war. Trotz Nachschnitt! Ich finde das gut.
- 6,5 Wochen nach der Operation: Es wird noch etwas besser. Ich schätze 60%. Mal sehen...
- 18 Wochen (4 Monate) nach der Operation: Keine durchschlagende weitere Verbesserung bisher. Jedoch weiß ich jetzt, dass die entscheidenden Verbesserungen durchaus erst 18 Monate nach der Operation einsetzen (Diagramm bei Bannowsky et al., Blickpunkt Der Mann 2006; 4 (1): 7-10, Internet-Adresse s. ganz unten in der Literatur bei 5623.pdf).
- 4 Monate nach der Operation:
Leider bin ich erst jetzt darauf gestoßen, dass schon seit einigen Jahren bekannt ist, dass die Sauerstoffversorgung der Schwellkörper zur Wiedererlangung der erektilen Funktion eine entscheidende Rolle spielt: Schon früh nach der RPE sollte man mit einer medikamentösen Therapie beginnen, die vom Funktionieren der nächtlichen Erektionen im Schlaf abhängt, auch ein sonstiges Bemühen um Erektion ist offenbar hilfreich. Sonst kann es möglich sein, dass die Schwellkörper in ihrer Fähigkeit reduziert bleiben (s. die Literaturhinweise ganz unten).
Leider hat mich kein Mensch, zumindest nach der RPE, auf diese Sachlage hingewiesen...
Nachdem von der regelmäßigen abendlichen Einnahme von 25 mg Sildenafil (...rat mal, in welchem Medikament das enthalten ist...) die Rede ist, hab ich gleich einen Versuch gestartet: Die einmalige Einnahme von etwa 25 mg hat eine deutlich positive Wirkung. Das ist ja schon mal etwas... Dann kann ich offenbar, auch jetzt noch, 4 Monate nach der RPE, die Sache in Ruhe angehen.
Die Klärung dann bei meinem niedergelassenen Urologen bringt folgendes Ergebnis: Die ganze Sache ist seiner Meinung nach nicht so dramatisch. Er hat in seinen Jahren an Erfahrung auch so bisher bei keinem der nervschonend operierten RPE-Patienten festgestellt, dass die erektile Funktion nicht irgendwie wiedergekommen wäre.
- ca. 1 Jahr nach der Operation: Es scheint sich nun, nach dieser doch recht langen Zeit, die Erektionsfähigkeit noch etwas zu verbessern (und das scheint auch keine Einbildung zu sein). Für die Geschichte mit den Schwellkörpern (s. oben) scheint sich doch die Meinung meines niedergelassenen Urologen zu bestätigen.
Ein kompletter GV ist allerdings (noch) nicht möglich.
- 3 Jahre nach der Operation: Es hat sich nichts mehr durchschlagend geändert. Sildenafil wirkt gut, aber zu einem kompletten GV reicht es nach wie vor nicht. Das ist meine persönliche Lage - Der Unterschied zum Zustand vor der Operation ist nicht ganz so groß, wie er hier erscheint.
- Ein kleiner Nebeneffekt: Die verbliebene Stress-Inkontinenz (s.o.) macht sich bei "sündigen Gedanken" :-) schlagartig bemerkbar (allerdings geringfügig). Woher das kommt, weiß ich nicht.

Nun die freudigen Nachrichten:
> Libido: Vollkommen unverändert. Spielt sich wohl sowieso im Kopf ab!
> Orgasmusfähigkeit (z.B. bei Masturbation): Vollkommen unverändert!! Die Nervenleitung koppelt vom Penis durch das Rückenmark in das Gehirn - auch da hat sich ja nichts geändert. Es macht so viel Spaß wie vorher.
Es kommt dabei halt nichts mehr raus, aber das stört mich kaum. Hat ja auch Vorteile... grins.
Natürlich kann man so keine Nachkommen mehr zeugen - aber das hat man ja in meinem Alter schon.
- 4,5 Wochen nach der Operation: Dass nichts mehr kommt, stört mich gar nicht mehr. Ich kann es so wie früher richtig genießen.

+> 4) Noch etwas zur Wundheilung:
Allgemeines: Im Krankenhaus gibt es die Spender mit "Multi-Alkohol" an der Wand. Großzügig verwenden! Beste Hygiene ist die beste Voraussetzung dafür, dass der Operationsschnitt ohne Komplikationen heilt.
- 7 Wochen nach der Operation: Die Operationsschnitt-Heilung, die anfangs schon zügig vorangegangen war (unterstützt durch Antibiotika), hängt nun etwas. Die Muskulatur ist komplett geschlossen, aber in der unteren Hälfte des Schnittes ist die oberste Hautschicht (Epidermis) noch immer an mehreren Stellen nicht ganz geschlossen, sogar an einer Stelle wieder aufgegangen (mir scheint, da, wo ein Blutgerinsel drunter war), und sie nässt an diesen Stellen auch etwas. Das ist offenbar genau in der Zone, die beim Bücken usw. stark belastet wird. Diese Stellen werden allerdings kleiner, so dass es evtl. nicht nötig wird, mit einem Zugverband o.ä. die Hautspannung zu entlasten. Mit Jodsalbe oder so was weiter zu desinfizieren hat offenbar kaum mehr Sinn. Weiter verfolgen...
- 8,5 Wochen nach der Operation: Alle offenen Stellen sind zu, Verfärbungen, die auf darunterliegende kleine Blutergüsse hindeuten, sind noch da. Ich mache sicherheitshalber noch Pflaster drauf, damit es nicht scheuert. Zum Arzt muss ich wegen der Sache nicht mehr.

---

So, Freunde, mit den guten Infos zum Sex schließe ich. Das war nun alles doch viel länger als geplant.
Ich hoffe, ich habe ein bisschen helfen können. Schreibt mir, wenn Ihr möchtet! Ich diskutiere gerne. Nach:
rdg4box [ät] yahoo.com (mit [ät] = Klammeraffe, Affe-a)
(Das ist eine anonyme Adresse.)

Und: Informiert Euch über Methoden, Risiken, Wahrscheinlichkeiten... Löchert die Weißkittel-Herrschaften, auch wenn das was kostet, löchert das Internet, seid mit nichts zufrieden!
Dass sich das lohnt: Ich bin das beste Beispiel dafür.
Und letztlich: Erkundigt Euch, falls die Entscheidung für die radikale Prostatektomie RPE fällt, wer wirklich an der operativen Front arbeitet. Habt Ihr Ärzte im Bekanntenkreis? Medizinstudenten? Die kennen andere... haben evtl. im OP mitgearbeitet, wo sie andere OP-ler kennengelernt haben, die was wissen...
Es ist nun mal wichtig, dass der Operateur viel Erfahrung hat: Der Papst ist besser als das Päpstchen.
Allerdings: Die Grenze ist wohl erreicht, wenn der Chefarzt so alt ist, dass er zwar gut schneidet, aber man Zweifel hat, dass er wirklich nach dem neuesten Wissensstand arbeitet.
Dann sollte man sich den Oberarzt schnappen, der ist u.U. besser... und wird von der gesetzlichen Kasse genehmigt.

Ich war mit der Therapie/Operation/Bestrahlung 100% zufrieden.

Es grüßt herzlich Euer
RSB

P.S.
<+> Bei den Wahrscheinlichkeitsangaben können mir Fehler unterlaufen sein - keine Garantie!
Sowieso keine Garantie für die Richtigkeit der Fakten - die hab ich alleine für mich erhoben - allerdings natürlich nach bestem Wissen und Gewissen.
Garantie für Non-Faking gebe ich gerne!
Ich weiß, dass die Bestrahlungsmethoden zu kurz gekommen sind. Der Erfolg dafür wird im Allgemeinen, was ich so gelesen habe, (sagen wir mal so) ebenfalls als gut bezeichnet. Die Bestrahlung ist außerdem (Stand Anfang 2012) im Kommen, in Bezug auf meine Rezidiv-Therapie habe ich berichtet.

<+> Wichtige HINWEISE:
(Stand ist leider veraltet, müsste überarbeitet werden.)
- Eine sehr differenzierte Übersicht über alle Aspekte des Prostatakarzinoms (allerdings sollte man das medizinische Vokabular einigermaßen beherrschen, und HIFU wird sehr stiefmütterlich behandelt) findet sich unter:
www.port-db.de/Prostata-_Ca. (momentane letzte Änderung 1. Okt 2008)
- Eine sehr wertvolle Übersicht über die wichtigsten neuen Veröffentlichungen/Entwicklungen (mit Erläuterungen für Laien!) ist zu finden auf der Seite des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V., unter:
www.prostatakrebs-bps.de (dann Schlüsselwort zur Suche eingeben, z.B. "Prostatektomie").
- Übersicht Prostata-Krebs auch bei:
www.prostatakrebs-ratgeber.de
- PARTIN-Tabellen: Hierfür gibt es mehrere Internet-Adressen, z.B.:
www.prostatakrebs-ratgeber.de/seiten/pt.html
- Berechnungswerkzeuge des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center für wichtige Maßzahlen und Wahrscheinlichkeiten "vor der Therapie" und "nach der Therapie" findet man unter:
www.mskcc.org/mskcc/html/10088.cfm
Dazu muss man die Ergebnisse der jeweiligen Diagnose wissen.
Im Nomogramm für "vor Therapie" können auch die zu erwartenden Werte für "nach Bestrahlung" berechnet werden.
!ACHTUNG dabei!: Keine Kommazahlen eingeben: PSA z.B. 4,9 wird als 49 interpretiert! Statt dessen 5 eingeben, so genau geht das eh nicht. Es geht aber auch 4.9 (also mit dem amerikanischen Dezimalpunkt statt dem Komma).
- "Wieder neu" im Rennen ist offenbar die "saure Prostata-Phosphatase" SPP (in USA auch PAP genannt) als Marker, die vor dem PSA schon einmal Forschungsgegenstand war. Eine neue klinische Studie (Albertsen und andere) gibt "Wahrscheinlichkeiten für PSA-Rezidiv nach lokaler Therapie, nach 4 Jahren" an (damit offenbar auch die für die Entwicklung von nicht-bildlich-darstellbaren "Mikrometastasen"):
SPP > 3 ng/ml: ca. 60%
SPP < 3,0 ng/ml: ca. 20%
Offenbar sollte man bei der Blutuntersuchung vor der Therapie neben dem PSA auch auf die Bestimmung der SPP achten... Ich wusste das vorher (noch) nicht.
- Prostatektomie - Inkontinenz:
inkontinenz-selbsthilfe.com ->Selbsthilfegruppe (Es gibt auch bei imedo eine Inkontinenz-Gruppe!)
inkontinenz-selbsthilfe.com/html/beckenbodentraining.html ->Info zum Beckenbodenmuskulatur-Training
www.thieme.de/fz/uro/04_00/ref_02.html ->Titel der Arbeit: Nach Prostatakarzinom schneller kontinent dank Beckenbodentraining
www.prostatakrebs-selbsthilfe.net/kontinenztraining.pdf ->Titel der Arbeit: Kontinenztraining für Männer
www.ganeo.de/facharbeiten/Inkontinenz_nach_radikaler_Prostatektomie.pdf ->Titel der Arbeit: Inkontinenz nach Radikaler Prostatektomie
www.kup.at/kup/pdf/4094.pdf ->Titel der Arbeit: Spezielle Ursachen der Harninkontinenz beim Mann
www.springerlink.com/content/e52440r6k3318368 ->Titel der Arbeit: Die funktionelle retro-urethrale Schlinge
- Potenz / Sexuelle Rehabilitation:
www.kup.at/kup/pdf/5623.pdf -> Titel der Arbeit: Die sexuelle Rehabilitation nach radikaler retropubischer Prostatektomie
www.uronews-online.de/archiv/2006/01/un0601_48.pdf -> Titel der Arbeit: Mehr Potenz dank Schwellkörpertraining
www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/erektile-dysfunktion/?sid=414751 -> Titel der Arbeit: Sildenafil nach Prostatektomie verbessert Potenz
- Buch:
www.prostatakrebs-besiegen.de ->Buchtitel: "Prostatakrebs erkennen, besiegen und potent bleiben", Auflage 2008, hab ich eben erst entdeckt (14.1.2009). Das Inhaltsverzeichnis kann man einsehen. Behandelt alles, was mit Prostatakrebs zusammenhängt (auch HIFU). Scheint viel Arbeit drin zu stecken. Wie gut es ist, weiß ich nicht. Empfehlungen sind beigegeben.

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Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Monat

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Kommentare

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  • Danke, 99Luftballons, danke, alias!

    Gerade habe ich meinen Bericht um die Rezidiv-Therapie erweitert (und damit hoffentlich beendet). Ich wünsche Euch beiden von Herzen, dass sich kein Rezidiv einstellt, und wenn doch, dass die anschließende Therapie so erfolgreich endet wie bei mir. Mir ist ein ganzer Steinhaufen vom Herzen gepurzelt, denn: Wer hat es schon gerne, dass er nur mit Hormonsuppression weiterkommt? Egal, wie alt er ist...

    99Luftballons: Das mit dem Sex ist erstmal schade. Aber gib nicht auf.

    alias: Hast Du Dich operieren lassen?

    Es grüßt Euch, und alles Gute!

    RSB

  • rpe-bericht

    ich stehe zur zeit im entscheidungsprozess. die grundlegenden daten meiner ausgangssituation: stanzbiopsie positiv, T1c, G2b, Gelason 7a. dein bericht war mir eine große hilfe. deine offenheit im umgang mit den themen inkontinenz sowie sexualität brachten mich teilweise zum schmunzeln. danke!

    vielleicht später einmal mehr. nächste woche habe ich ein vorgespräch mit dem chirurgen des prostatakrebszentrums.

    dien bericht macht mut.

  • Prostatakrebs

    Ich wurde im Januar 2007 an Prostatakrebs operiert.Ich habe genau das gleiche durchgemacht und ungefähr den gleichen Erfolg gehabt.Jedes viertel Jahr muß ich leider noch zur Blutuntersuchung.Mein PSA Wert liegt noch unter 0,03.Die Nieren arbeiten auch sehr gut.Ich werde aber im Mai auch erst 59 Jahre alt.Das ist auch zufrüh für Prostatakrebs.Ich habe aber keinen Sex mehr.

  • Danke, frohsinn

    Hallo frohsinn,

    ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar zu meinem RPE-Bericht!

    Ich finde es wichtig, dass hier auch eher nicht so glücklich verlaufene Patientengeschichten zur Sprache kommen. Wahrscheinlichkeiten sind eben keine Gewissheiten... und dem muss man schon auch ins Auge sehen. Auch bei mir ist ein Rezidiv des Karzinoms weitgehend, aber natürlich nicht 100%ig ausgeschlossen, zumal ich auch gelesen habe, dass Dr. Patrick Walsh, der "Stammvater" der nervschonenden RPE, Patienten zwar mit PSA < 10 ng/ml (hatte ich ja auch), aber nur mit der Gleason-Score-Summe 6 (= 3+3) operiert hat - und ich hatte Gleasonsumme 7 (= 3+4).

    Zusätzlich ist bei Deinem Mann ja leider eine Darmverletzung aufgetreten... Der Schnitt der Prostata-Rückseite an der Darmwand entlang ist sehr schwierig, was man so liest... Dazu allerdings meine Gratulation, dass der künstliche Ausgang wieder zurückverlegt werden konnte - und dass nach all dem lediglich eine leichte Harn-Inkontinenz zurückgeblieben ist. Und natürlich, dass der PSA-Wert wieder im Fallen ist!
    Heute wird ja an immer mehr Kliniken laperaskopisch gearbeitet, allerdings ist dabei die "Da-Vinci-Methode" sehr im Kommen, bei der die gesamte Operation computergesteuert und auch -ausgeführt wird, was sicher besser ist als ein "ungestützter" Schlüsselloch-Eingriff.

    Zum Rezidiv: Das ist besonders bedauerlich. Für das Verständnis des Lesers wäre nun allerdings sehr wichtig zu wissen, wie sich der PSA-Wert vor der Operation entwickelt hat, wie er 3 Monate danach war, aber vor allem, welchen Befund die vorausgehende Stanz-Biopsie gebracht hat und welchen die Untersuchung der Schnellschnitte während der Operation, und wie der Schnittränder-Endbefund nach der Operation war. Sonst kann man den weiteren Verlauf, wie er sich im Fall Deines Mannes ergeben hat, kaum richtig einordnen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Karzinom-Zellen beim Eingriff schon nicht mehr sicher auf die Prostata-Kapsel begrenzt waren... oder? Dazu würde auch passen, dass Dein Mann bei Diagnosestellung 49 Jahre alt war und daher vor der Diagnose wohl keine regelmäßige Messung des PSA-Wertes erfolgt ist - die Kasse zahlt die ja bei jüngeren Männern nicht - absolut bedauerlich, das alles.

    Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute für den weiteren Verlauf, und dass die Nebenwirkungen der verschiedenen Therapien sanft sein mögen - zum Glück gibt es da ja noch einiges.

    Alles Glück von oben, und danke nochmal!

    RSB

  • Hallo und schönen Guten Abend

    habe mir aufmerksam deine Berichte durchgelesen,gratulation zur Genesung und das alles gut "klappt".Wir haben leider nicht so gute Erfahrung gemacht,nehmen es aber so wie es ist.

    Kurzer Bericht : 2001 Prostatektomie -lapraskopisch-,der Darm wurde verletzt hat eine Fistel gebildet und ein Loch in seine Blase gebohrt....Exkremente kamen beim urinieren raus,Folge Anus präta und Dauerkatheter für 5 Monate,danach Rückverlegung.....dann 2002 wieder PSA-Anstieg,Folge 38 Bestrahlungen,weitere Therapie Hormontabletten die eine massive Brustdrüsenvegrößerung verursachte,Folge Entfernung der Brustdrüsen.Seit 2007 verstärkter Anstieg des PSA-Wertes,Gabe erhöter Hormondosis bis 2008 ,nunmehr wurden die Tabletten abgesetzt und jeweils einmal im Quartal eine Hormonspritze -supkutan in den Bauch-,seit Ende 2009 weiterer Anstieg des PSA-Wertes,jetzt zusätzlich zur Spritze noch ne Hormontablette..zur Zeit fällt der PSA-Wert............Impotenz und leichte Inkontinenz als bleibender Schaden........Als die Diagnose gestellt wurde war mein Mann 49 Jahre alt......Wir sind jetzt 31 Jahre verheiratet,lieben uns und bleiben "in guten und schlechten Zeiten" zusammen.....

    Wollte ich nur mal so hier lassen ...alles Gute für dich von uns und einen schönen Sommer

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