- Was ist zuerst passiert?
- bin glücklich in den Urlaub gefahren
- Wann ist es passiert?
- vor fast 2 Jahren
- Was ist sonst passiert?
- habe meine Freundin verloren
- Wie endete es?
- unglücklich nach Hause gekommen
Von einigen habe ich hier ja schon die Erfahrungsberichte gelesen, auch wenn ich nur zufällig darüber gestolpert bin. Daher dachte ich mir, erzähl ich doch auch mal mein Erlebnis mit der Krankheit Aids. Mein Interesse über den HI- Virus und Aids kommt nämlich nicht von ungefähr.
Ich und meine Freundin waren letzten Frühling in Brasilien. Wie hatten uns so sehr auf die Reise gefreut und haben auch sehr lange dafür gespart. Nach so langer Zeit endlich mal wieder in den Urlaub zu fahren und das nur mit meiner besten Freundin- ich habe mich so gefreut. Endlich mal wieder so richtig einen draufmachen!
Dann war es endlich so weit! Nach dem 14-stüdigen Flug, der niemals enden wollte, sind wir dann endlich angekommen: im Paradies. In Rio de Janeiro.
Es war dort einfach unglaublich schön: die strahlende Sonne, das wunderschöne blaue Meer, die Wärme und natürlich die sexy Männer. In diesem Moment hätte ich mir nie im Leben auch nur annähernd vorstellen können, dass hinter dieser paradiesischen Fassade der Tod nur lauert und wartet, das du in seine ausgestreckten Arme rennst (es ist wirklich so!)
Die Tage die wir dort verbracht haben waren einfach traumhaft. Wir waren jeden Tag am Strand, shoppen, Eis essen, schwimmen und abends waren wir in verschiedene clubs. Genauso habe ich mir Rio vorgestellt. Denn ich kannte die Stadt schon aus dem Fernsehen oder aus Zeitschriften. Eben nur die positiven Seiten, die paradiesischen Seiten.
Die andere Seite lernte ich dann wenig später kennen. Meine Freundin kam mal wieder nach einer durchzechten Nacht nach Hause. Sie war total aus dem Häuschen und überdreht. Dann erzählte sie mir, dass sie die ganze Nacht mit drei heißen Männern zusammen war und es das schönste Erlebnis war, dass sie bisher hatte. Natürlich habe ich mich für sie gefreut. Es war ja schließlich unser Urlaub. Am nächsten Abend gingen wir wieder gemeinsam in unserem Lieblingsclub um uns die Nacht um die Ohren zu hauen. Es wimmelte dort nur von gutaussehenden brasilianischen Männern. Auch einer von den drei Liebhabern meiner Freundin war dort. Ich konnte sehr gut verstehen warum meine Freundin so verrückt nach im war. Er sah einfach wahnsinnig toll aus. Im schimmernden Licht glänzten seine Augen, sein Muskeln zeichneten sich am engen Shirt ab und seine knackige braune Haut…vom Gesicht sah er etwas wie Enrique Eglesias aus…Jedenfalls, konnte ich verstehen, das meine Freundin ihn nicht widerstehen konnte.
An der Bar unterhielt ich mich mit einem Mann, den ich dort kennen gelernt hatte und hörte zufällig ein Gespräch zwischen den beiden Männern an der Bar. Ich bin sehr froh, dass ich einige Jahre in der Schule portugiesisch hatte und auch einen Sprachkurs besuchte. Sonst hätte ich nie erfahren, dass sie sich über den einen Liebhaber meiner Freundin unterhalten haben, der schon seit langem HIV positiv ist. Nach mehrmaligen Nachfragen, habe ich dann die Bestätigung gehabt, dass wirklich der Mann HIV hat, mit dem sie sich gerade rumknutscht und der letzte Nacht mit ihr und noch zwei anderen Männern Sex hatte. Ich hatte eine Riesenklos im Hals.
Ich rannte zu meine Freundin, schleppte sie nach draußen vor die Tür und versuchte ganz ruhig zu bleiben versuchte es ihr es zu erzählen. Sie reagierte total panisch und brach in Tränen aus. Ich sagte ihr dann, dass eigentlich nichts passieren konnte, wenn sie ein Kondom benutzt hatte. Sie hörte nicht mehr auf zu weinen und erzählte mir, dass sie gar nicht mehr weiß, ob sie verhütet hatte. Es ging anscheinend alles so schnell. Sie und die Männer hatten schon etwas getrunken und waren sehr erregt und wollten einfach nur alles genießen. Sie hatte doch Urlaub, meinte sie. Ich konnte nicht glauben was ich da höre! Wie sind nochmal rein in den Club um Gustavo (so hieß er übrigens) zu suchen. Ich fragte ihn, warum er denn nicht erzählt hat, dass er HIV positiv ist und ob er noch weiß ob er verhütet hat. Tja leider war er auf einmal nicht mehr so gesprächig wie er vorher zu sein schien. Es selbst ging sehr gleichgültig mir seiner Krankheit um. Er meinte ja er ist positiv und na und! (so nach dem Motto). Als hätte er nur einen einfachen Schnupfen (!). Er wusste dann, was für eine Überraschung, auch nicht mehr ob er verhütet hatte. Wütend rannte ich aus den Club. Meine Freundin ist noch mal zurückgegangen und hat ihn in die „Eier“ getreten (ich konnte sie wieder gut verstehen).
Tja da waren wir nun. Der Himmel und das Paradies sind zusammengebrochen. Auf einmal sieht man die Welt ganz anders, sagte sie zu mir. Ich wusste nicht, was wir jetzt bloß machen sollten. So sehr informiert über Aids oder HIV war ich nun auch nicht und meine Freundin auch nicht. Wie wussten aber, dass sie für diese eine schöne Nacht vielleicht mit den Leben bezahlt hat. Nur für einmal Sex!!!!! Für ein paar Minuten!!!!
Die Stadt sah auf einmal ganz anders aus: die Sonne war zu grell, die Wärme quälend, die Umgebung dreckig, die Freundlichkeit der Menschen teuflisch und die Männer…wer weiß wie viele von ihnen über Leben und Tod entscheiden können. Wer von ihnen uns schaden möchte.
Voller Panik sind wir erstmal ins Hotel gefahren um unsere Gedanken zu ordnen und nachzudenken, was wir jetzt bloß machen. Die Reiseleitung zu kontaktieren war jetzt zu spät, das ging erst am nächsten Tag. Ins Krankenhaus zu fahren, darauf sind wir gar nicht gekommen. So voller Panik waren wir. Die ganze Nacht konnten wir nicht schlafen und meine Freundin hat die ganze Nacht geweint und gewimmert und vom Tod gesprochen. Sie sah ihn schon vor Augen. Am nächsten morgen habe ich unsere Reiseleitung kontaktiert. Unsere Reiseleiterin war wirklich sehr nett und hat uns gleich sehr geholfen. Sie ist mit uns zusammen ins Krankenhaus gefahren. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie schäbig es dort aussah. Wenn man nicht schon eine Krankheit hatte, dann hat man sie sicher dort bekommen.
Meine Freundin kam zum Glück schnell dran. Dort erzählten wir dem Arzt alles. Besser gesagt ich, da meine Freundin nach ihren Weinanfällen nun voller Angst kein Wort mehr herausbrachte. Die Antwort des Arztes war aber leider sehr ernüchternd. Er erzählte uns, dass man einen HIV-Test erst nach mindestens 2- 3 monatiger Wartezeit durchführen kann! Ich dachte ich höre nicht richtig. Man muss 2 bis 3 Wochen mit der Ungewissheit durch die Gegend laufen???? Ich konnte das echt nicht glauben. Da merkte ich, dass ich wirklich wenig wusste über den Virus. Für meine Freundin war es ein richtiger Schock. Sie hatte in der Klinik plötzlich wieder ein Weinanfall bekommen und ist zusammengebrochen. Sie hatte seit vielen Stunden nichts mehr gegessen und getrunken. Eines musste man den Ärzten und den Pflegepersonal in dem Krankenhaus lassen, es war zwar recht schäbig, aber sie haben sich um ihre Patienten mit ganzem Herzen gekümmert. Der Arzt hat sich sehr viel Zeit für meine Freundin genommen und ihr über den HIV und über Aids aufgeklärt und versucht, ihre Angst zu nehmen. Als wir nach fast 2 Stunden das Krankenhaus verlassen haben, war sie schon wieder etwas voller Hoffnung.
Sie hat die ganze Nacht und den nächsten Tag an nichts anderes gedacht. Sie meinte, dass ihr das ganze Leben vor den Augen abläuft und alle Dinge jetzt viel intensiver sieht. In einem Moment wollte sie sich unter die Bettdecke verkriechen und im anderen fiel ihr ein, was sie noch nie gemacht hatte. Plötzlich wollte sie surfen. Ich erkannte sie kaum wieder. Als hätte sie zwei Persönlichkeiten. Ich weiß nicht, ob sie wirklich so dachte oder ob es eine Art Schockzustand war.
Zum Glück ging es schnell wieder nach Hause. Als wir zu Hause waren wollte ich für sie da sein und rief sie öfter an und klingelte an ihre Tür. Ich machte mir noch viel mehr Sorgen um sie, denn sie ging nicht ans Telefon und öffnete nicht ihre Tür. Lediglich eine e-mail kam, mit dem Text, dass sie Zeit für sich braucht. Ich hatte mir große Sorgen gemacht, aber was sollte ich schon machen? Ihre Tür aufbrechen? Wenn ich schon nicht an sie herankomme, dann sage ich wenigstens ihrer Schwester Bescheid, dachte ich mir.
Von ihrer Schwester habe ich dann auch erfahren, dass sie zwei Nervenzusammenbrüche hatte während der Wartezeit bis zum Test. Dieser ist negativ ausgefallen. Sie hat zum Glück kein HIV. Bin ich erleichtert. Ich habe es so sehr gehofft. Anscheinend haben sie doch verhütet oder es ist nicht zu einer Übertragung gekommen oder was weiß ich. Fakt ist, sie ist gesund!
Trotzdem haben wir leider immer noch kein Kontakt. Ihre Schwester meinte, dass sie immer noch völlig mitgenommen ist und Zeit für sich braucht. Vielleicht wird es ja bald wieder mit uns als Freunde. Ich hoffe es sehr.
Ich hätte nie gedacht, dass eine Infektion oder der Gedanke an dieser, einen Menschen so umkrempeln und verändern kann.
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