Erfahrungsbericht: mein Skiunfall mit Gehirnerschütterung und Knochenbruch

Was ist zuerst passiert?
bin in Urlaub gefahren
Wann ist es passiert?
vor 4 Jahren
Was ist sonst passiert?
hab einen Baum geküsst
Wie endete es?
mit einem Gips

Als ich die Berichte im Fernsehen gehört habe über den Unfall von Althaus, musste ich mal wieder an meinem Skiunfall denken vor…ui….4 Jahren? ....Ja vor 4 Jahren war es.

Ich war mal wieder mit meiner Freundin in der Schweiz in der Region Berner Oberland. Dort ist es echt toll und auch nicht so sehr überfüllt wie in anderen Skiorten und dort sind auch nicht so viele Möchtegern- Spinner unterwegs. Ich bin ein absoluter Sportfan und liebe riskante Sportarten wie Skifahren, Snowboarding oder Freeclimbing in den Bergen. Wenn ich fahre dann natürlich auf den schwarzen Pisten, die ich schon seit Jahren fahre. Ob nun im Berner Oberland in der Schweiz, in Oberösterreich, in der Region Mont Blanc in Frankreich oder im Riesengebirge in Tschechien. Ich liebe einfach die Gefahr und den Nervenkitzel beim Skifahren und ich brauche das einfach neben meinem langweiligen monotonen Bürojob. Eigentlich kann es für mich nicht gefährlich genug sein.

Okay, ich war jedenfalls mal wieder in der Schweiz im Berner Oberland. War ich froh endlich Urlaub zu haben. Im Büro war in letzter Zeit echt die Hölle los. Mein Chef hat zwei Mitarbeiter gefeuert und ich musste dessen Arbeit mit übernehmen. Das war echt der Oberhammer. Ja jedenfalls brauchte ich die Piste mehr denn je und freute mich darauf die Hügel herunter zu brettern.

Am nächsten Tag machte ich mich gleich nach dem Frühstück auf. Ich konnte es kaum erwarten, so dass ich nur ein Müsli essen konnte. Meine Freundin hatte zum Glück am Wellness Bereich ihr Vergnügen gefunden und ich konnte mich in aller Ruhe austoben.

Ich stürzte mich auf die Piste wie eine hungrige Katze auf ein gefundenes Stückchen Fisch J. Es war wie eine Erlösung! Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen, wie schön es ist. Der ganze Stress den man im Büro hatte, war völlig vergessen. Wie schnell die Bäume und die anderen Menschen an einen vorbeifliegen wenn man die Piste herunter brettert und man merkt wie einen das Blut und das Adrenalin durch den Körper schießt. …echt der Brüller!

Die Piste in der Jungfrau Region zu fahren war mal wieder so schön wie immer, aber irgendwie war es mir diesmal nicht genug gewesen. Es hat mir einfach nicht mehr ausgereicht, da ich sie ja schon kannte. Als ich so auf der roten Piste fuhr, kam mir die Idee einfach mal etwas anderes auszuprobieren und andere Wege zu erkunden. Ja ich weiß, es ist gefährlich die gekennzeichneten Gebiete zu verlassen…! Aber was sollte schon passieren. Immerhin bin ich ein sehr guter Fahrer und auch ein sehr erfahrender Sportler. Ich also runter von der langweiligen, völlig befahrenden Piste in schönen tiefen Schnee der noch nie befahren wurde. Das war der Kick pur. Dort lang zu fahren wo noch keiner vorher lang gefahren ist, neue Gebiete erkunden und weit ab von den anderen Fahrern…ja das war das was ich wollte und jetzt brauchte.

Mensch, das ist wirklich das schönste Gefühl der Welt, fast so gut wie Sex! Die Landschaft rauschte nur so an mir vorbei. Es war einfach nur toll! Das kann ich gar nicht oft genug sagen! Schnell habe ich vergessen wie unberechenbar das ungekennzeichnete Gebiet ist und es überall gefährlich sein kann, durch Lawinen oder Gletscherspalten. Aber das ist gerade dieser Kick. Diese Lust nach der Gefahr. Ja und genau diese habe ich dann unterschätzt. Denn es kam so wie es kommen musste. Ich bretterte immer noch die Piste runter und war voller Lust auf die Schnelligkeit, dem unbefahrenden Schnee und dem Gefälle, als ich hinter mir ein Brummen hörte und die Erde etwas bebte. Als ich mich umdrehte sah ich dann eine Schneelawine, die sich aus unerklärlichen Gründen löste. Ich dachte nur: Ach Du Scheiße, bloß schneller fahren und der Lawine entkommen. Ich also mehr nach rechts und schneller gefahren um von der Schneeflut wegzukommen. Ja und dann kam wieder das nächste Problem auf mich zu: die Bäume wurden immer mehr und dann passierte es auch: Ich konnte nicht mehr schnell genug bremsen und habe die Kontrolle verloren und knallte frontal gegen einen Baum (warum stellt der sich mir auch in den Weg?).

Hell wurde es um mich herum wieder, als ich im Bett im Krankenhaus wieder zu mir kam. Ich hatte so was von Kopfschmerzen. Als würde ein Arbeiter mit einem Presslufthammer meinen Kopf knacken. Außerdem war mir schwindelig, war völlig kraftlos, müde und mir war einfach nur zum Kotzen zumute. Im wahrsten Sinne des Wortes natürlich. Nachdem ich aufgewacht bin, musste ich ständig zum Klo rennen um mich zu übergeben. Außerdem musste ich erstmal überlegen was passiert ist, wo ich bin und wer ich bin. Für einige Zeit war ich völlig desorientiert. Der Arzt kam schnell zu mir und hat mich erstmal untersucht und gefragt, ob ich mich denn erinnern könnte. Merkwürdigerweise war wirklich alles weg! Aber innerhalb von 2 Stunden kam dann alles nach und nach wieder.

Ja das Ende vom Lied war, dass ich eine mittlere Hirnerschütterung hatte, viele Prellungen, Schürfungen und Blutergüsse und einen gebrochenen, auch noch rechten, Arm. Ich hatte anscheinend sehr viel Glück gehabt. Nach 3 Tagen konnte ich die Klinik verlassen. Etwas besser ging es mir dann schon. Die Übelkeit war zumindest fast weg. Trotzdem habe ich noch richtig die Hirnerschütterung gespürt. Ungefähr 2 Wochen hatte ich noch etwas Sehprobleme, Konzentrationsstörungen und ich war ständig müde. Vorsichtshalber, aus Anraten des Arztes in der Schweiz und auf Nörgeln meiner Freundin war ich nochmal beim Arzt bei mir in der Stadt. Der hat mir aber versichert, dass es normal ist nach einer Hirnerschütterung und sich alles gut entwickelt. Mein Chef war auch froh, dass ich „nur“ 2 Wochen ausgefallen bin und danach wieder, aber ohne Stress, mich langsam meiner Arbeit widmen konnte. War ich froh, dass er mittlerweile wieder einen Mitarbeiter eingestellt hat, so das die ganze Arbeit nicht wieder an mir hängen blieb. Das einzige was nach 2 Wochen noch gestört hat, war der grauenhafte Gipsarm, der mich ganze 6 Wochen begleitet hat.

Ob ich aus der ganze Geschichte gelernt habe, dass weiß ich nicht. Ich kann nicht versprechen, ob ich das nicht wieder irgendwann mache. Die Lust nach dem Adrenalinkick ist einfach zu groß. Keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich werde ich aus Vernunft eher Skigebiete in anderen Ländern mal ausprobieren, die ich noch nicht kenne. USA und Kanada habe ich mir gleich auf meine to-do-Liste gesetzt. Schon wegen meiner Freundin will ich versuchen, meine Kick-Sucht eher auf halbwegs sichere Gebiete zu beschränken. Aber auch wegen mir: denn im Rollstuhl möchte auch ich nie sitzen!

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Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren

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