- Was ist zuerst passiert?
- ...der Zug entgleist...
- Wann ist es passiert?
- vor ein paar Jahren
- Was ist sonst passiert?
- viel und nichs
- Wie endete es?
- Nie...aber es verändert sich...
Fortsetzung von "Die Suche" Teil 1...
Es kommt mir selbst absurd vor,direkt grotesk,wie das sexuelle Leben quasi an mir vorbeizieht.Um mich herum verlieben sich die Leute,verabreden sich,sitzen zu zweit an einem Tisch nachmittags im Cafe oder abends in der Kneipe,sie flüstern und lachen,wechseln verstohlene Blicke,ich sehe wie sich Päärchen küssen,in der U-Bahn,auf der Straße,überall,eine Schulfreundin wird demnächst heiraten und ich soll Trauzeugin sein.Und meine Mitbewohnerin redet über Affären und Abenteuer.
Ich sehe und höre das alles,als wäre es ein Teil einer anderen Welt.Einer Welt,die mir fremd ist.Die ich zwar kennenlernen will,aber nicht recht weiß wie.Dann denke ich wieder,dass ich vielleicht auch in meiner Welt glücklich sein kann.Ein Leben für die Kunst,wie man sagt.Und sie macht mich tatsächlich glücklich,doch reicht das?Fehlt da nicht etwas?Versuche ich mich selbst zu belügen?Wahrscheinlich.
Ich renne davon.Wovor weiß ich nicht,aber ich renne.Und das schon mein Leben lang.Ein Marathon,der nie endet.Manchmal renne ich buchstäblich.Ich durchquere stundenlang die Stadt,bis mir abends die Füße wehtun.Oft weiß ich gar nicht wohin ich will.Ich suche irgendein Cafe auf,um wenig später unzufrieden weiter zu laufen.Auf der Suche.Nach Liebe?Geborgenheit?Selbst-Bewußtsein?Nach einem eigenen Ich?
Dieses seltsame Eins-Gefühl mit meiner Mutter konnte ich mir nicht erklären.Schließlich war meine Erziehung weder brutal streng noch antiautoritär. Warum viel es mir so schwer eigene Standpunkte zu beziehen? Ich war durchaus nicht willenlos oder eingeschüchtert, ich war zum Teil aus Überzeugung der gleichen Meinung wie meine Mutter, aber gleichzeitig war es mir absolut egal,ob diese Meinung tatsächlich die einleuchtendere oder vernünftigere war: Ich sehnte mich einfach danach anders zu sein, zu denken, zu handeln, aber hatte das Gefühl mein Umfeld gab mir keinen Raum dazu.Es war vollkommen paradox: Selbst wenn ich wußte,dass meine Mutter und ich beide eine durchaus vertretbare Meinung zu einem Thema hatten,zwang ich mich manchmal dazu irgendetwas anderes vorzugeben. Ich wußte nicht weshalb und fühlte mich insgeheim dafür wieder schuldig.Ich glaube ich hatte einfach Angst davor hinter meiner Mutter zu verschwinden, wenn ich derselben Meinung war und so wollte ich auf Biegen und Brechen etwas anderes glauben.
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Vor kurzem kam mir zum ersten Mal ernsthaft der Gedanke in irgendeiner Form sexuell missbraucht worden zu sein. Diese vielen Probleme, bsonders im sozialen und sexuellen Bereich mußten doch irgendwo ihren Ursprung haben. Ich war schon immer der Meinung, dass es etwas mit meiner unglaublich offenen Erziehung zu tun haben mußte. Sie ist vielleicht einfach zu offen gewesen. Vielleicht kam es mir als Kind beinahe bedrohlich vor....Der Freund der Mutter läuft nackt durch die Wohnung. Ich erinnere mich beide beim Sex ertappt zu haben, als früh morgens einmal das Telefon klingelte...Der Freund übernahm den Hörer und ich sehe noch genau vor mir, wie sein steifes Glied in sich zusammensank. Aber schließlich ist das doch eigentlich keine traumatische Szene! Ich war mindestens 8 Jahre alt, war aufgeklärt...
Doch ein anderes Ereignis beunruhigte mich viel mehr...
Meine Mutter erzählte mir, und ich kann mich wage auch daran erinnern, dass ich irgedwann nicht mehr bei meinem leiblichen Vater übernachten wollte. Auf die Nachfrage, ob ich ihn gar nicht mehr sehen wollte, meinte ich, ich wolle lediglich nicht mehr über Nacht dort sein. Doch meine Mutter fand das nicht sonderlich beunruhigend, ich hätte auch nicht besonders verstört gewirkt.
Ich konnte mich selbst an keine Vorfälle erinnern. Ich wußte nur, dass ich oft nachts von selbst das Bett wechselte und neben meinem Vater schlief. An einen kleinen Gedankenfetzen konnte ich mich außerdem noch erinnern: Ich war schon ein bisschen ängstlich, und dachte, was wenn er mir jetzt zu nahe käme....Solche Gedankengänge sind doch genüber einem Vater nicht normal....
Oder War es etwas anderes....das Erlebnis damals im Kindergarten, als Henry mich immer überredete in die Bettenhöhle zu kommen und ihm mein Geschlecht zu zeigen. Oder sogar damit drohte mir einen Stock hineinzustecken. Ich hielt es bis jetzt für ein harmloses Spiel. Doch vielleicht empfand ich es nicht als Spiel...Mich überkommt solch eine Wut, wenn ich an diesen kranken Jungen denke und die Erzieherin,die nichts weiter tat als einmal zu sagen:" Jetzt gehste wieder rein und kommst nachher weinend raus..." Statt sich zu fragen, warum ich weine...
Wer weiß, wie ein Kinderherz, und ein sensibles dazu, bestimmte Dinge aufnimmt...
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ich könnte nur heulen. Ständig und überall.
selbst wenn ich lache ist es da...ablenkungen sind gut, handeln, etwas tun, in bewegung sein, laufen, nur nicht sitzen und nachdenken, dann kommt es, plötzlich überfällt mich, ohne vorwarnung.dieses gefühl der leere. eine leere die mich verschlingt. mein ganzes ich. falls dieses "ich" überhaupt existiert...
denn ich weiß nicht wer ich bin. was ich will. geschweige denn, was ich kann. was mich besonders macht. das schlimmste ist die mittelmäßigkeit.
das ist das einzige, was ich weiß. ich will gut sein, als schauspielerin, in allem was ich tue. damit dieses leben überhaupt einen sinn hat.
doch was ist schon gut, was ist schlecht? in dieser welt wird doch alles relativiert. "für seine verhältnisse war das ganz gut." ich verabscheue derlei geschwafel. denn ich kann nichts damit anfangen, es macht mich unsicher. ich kann es nicht einordnen. was bedeutet dieses "relativ". ich will gut sein. objektiv. nicht "für meine verhältnisse". ich will klarheit. will wissen wo ich stehe. und am liebsten will ich ganz oben sein. von außen gesehen - denn ich selbst werde noch auf der spitze des berges denken, ich wäre ganz tief im tal und der aufstieg stünde noch bevor.
ja, ich weiß. diese von mir geforderte objektivität ist unmöglich, jeder muß in seinem rahmen denken und leben, man kann sich schließlich selbst nicht entfliehen. jeder hat seine individuellen grenzen anzuerkennen. das hört man immer....ich versuche es zu verstehen. begreife auch. doch nur mit dem kopf. mein herz weigert sich danach zu leben.
deshalb bin ich unzufrieden. nie ist etwas einfach gut. ohne abstriche. immer gibt es einschränkungen. und wenn andere das haar in der suppe nicht sehen...dann sehe ich es.
ich bin ein mikroskop, das kleine unebenheiten in überwindliche gebirge verwandelt.
ich bin der unendliche tunnel...der ausgang bleibt ein heller fleck in der ferne.
ich bin ein bild mit schwarzer grundierung, die auch durch das weißeste weiß hindurchschimmert.
ich bin ein verirrtes kind im wald.
ich bin der hunger.
ich bin die sehnsucht, die ewige suche, der schmerz und die angst, der wille, die hoffnung und die enttäuschung.
vielleicht will ih mich diesbezüglich gar nicht ändern. warum auch. wozu leben, wenn alles doch relativ ist? welche ziele verfolge ich dann? wo soll ich hin, wenn ich nicht nach den sternen greifen kann? was kann ich dann überhaupt erreichen im leben?
ich soll stolz auf mich sein? warum? nur weil ich "da" bin und die luft hier atme? wer gibt mr das recht stolz auf meine existenz zu sein, wenn ich nichts vollbringe. wir menschen werden den sinn unseres lebens wahrscheinlich nie verstehen, trotz aller grübelei. im gegenteil, je mehr man philosophiert desto verrückter wird man, desto weniger versteht man, denn der kreis dreht sich. deshalb halten wir uns fest. ich halte mich an leistungen fest. keine materiellen. schließlich hat die schauspielerei wenigstens etwas tiefe. und gerade darum will ich in dem bereich so viel erreichen. denn es muß doch einen sinn haben, dieses leben. sicher, vielleicht muß ich gerade lernen mich von derlei gedanken zu lösen, aber ich kann mich emotonal nicht umkrempeln, immer wieder die selbe mauer, gegen die ich renne.
ich könnte wieder ritzen. mir weh tun. warum? schmerz spüren heißt etwas spüren. so hole ich mich in die realität zurück. ich habe es lange nicht mehr getan. wenn ich mich ablenke geht es oft vorbei. ich muß mich am leben festhalten, an ganz einfachen dingen - leute sehen um mich rum, das treiben auf der straße, gerüche, gegenstände berühren. hier und jetzt da sein. im moment. das hilft. aber nicht immer. ritzen gibt auch macht. so weiß ich wenigstens ein einziges mal, wie ich etwas kontrollieren kann. denn mein leben kann ich nicht kontrollieren. später, nach der ausbildung schon gar nicht mehr. darum habe ich auch solche angst. wenn ich nach dem studium arbeitslos werde...ich weiß nicht, wozu ich dann fähig bin...ich habe doch nichts als diesen beruf. ich bin allein. sicher, jeder ist alleine, irgendwie, aber ich fühle mich so von grundauf einsam. besonders merke ich das, wenn ich mit leuten zusammen war und dann nach hause gehe...
wie lange noch?
...einiges ist inzwischen nicht mehr aktuell...ich entdeckte kurz die liebe mit einer frau... orientieren und suchen muß ich nach wie vor, das glück war nicht von alnger dauer, wir waren uns zu ähnlich ,beide zu labil. doch wer muß nicht suchen?... den drang mich zu verletzen verspüre ich immer noch. ich widerstehe ihm. aber die suche nach den ursachen ändet nie... bis ich hoffentlich irgendwann nicht mehr daran denke mir selbst wehzutun...
Stichworte (Tags):
angst, Depression, familie, Jugend, Kindheit, Psychologie, ritzen, Selbstverletzendes Verhalten, Sexualität, sexueller Missbrauch, SVV, Trauma
Vor mehr als 2 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr
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