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Erfahrungsbericht: Meine Höhenangst
- Was ist zuerst passiert?
- Angst vor der Höhe
- Wann ist es passiert?
- im Alter von 22 Jahren
- Was ist sonst passiert?
- zunehmende Höhenangst
- Wie endete es?
- noch offen - suche Tipps
Hallo zusammen,
also ich möchte dann einmal ein bißchen etwas erzählen, wie es so ist mit meiner Höhenangst. Als Kind litt ich überhaupt nicht unter Höhenangst-jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern-ich bin im Gegenteil gerne auf Bäume geklettert sogar auf richtig hohe. Ich wuchs zwar nicht auf einem richtigen Dorf auf, aber auch nicht in der Großstadt sondern in einer kleinen Kreisstadt, also eigentlich eine Art großes Dorf. Zu dieser Zeit war es allgemein üblich, das wir Kinder relativ unbeaufsichtigt die Nachmittage verbrachten und dementsprechend ausgelassen spielten. Ich bin richtig gerne auf eine Pappel geklettert, die war richtig hoch, mindestens 10 Meter. Auf etwas mehr als halber Höhe war eine Stelle wo sich der Stamm gabelte dort konnte man relativ bequem sitzen und dort verbrachte ich manchmal den halben Nachmittag und malte mir in meiner Phantasie die tollsten Abenteuer aus.
Heute wäre das für mich undenkbar, ich würde das nicht aushalten können. Ich weiß nicht warum es so kam aber ich entwickelte eine unglaubliche Höhenangst, selbst auf einer Leiter, sogar auf einer Rolltreppe im Kaufhaus leide ich daunter. Es ist als wenn ich von einer Art Virus befallen wäre,-an einem schönen Nachmittag, ich war mittlerweile Student und 22 Jahre alt, faulenzte ich mit 2 Komilitoninnen im Schwimmbad. Wir schwammen eine Runde und dann sprangen wir abwechselnd von den Startblöcken ins Wasser, unter allerlei Scherzen wollten wir dann auch vom 3Meterbrett springen,-ich bestieg den Sprungturm,-also ich bin an diesem Nachmittag vom 3Meterbrett gesprungen-das letzte Mal wahrscheinlich in meinem Leben-es kostete mich große Überwindung als ich da oben stand blickte ich runter durch das klare Wasser bis auf den gekachelten Boden des Schwimmbeckens. Da plötzlich überkam mich die Angst ! Ich ließ mir (noch) nichts anmerken, sagte mir selbst: na siehste geht doch! Aber ich war froh das wir dann nicht mehr weiter gesprungen sind.
Seitdem,-seit diesem Erlebnis entwickelte sich meine Höhenangst immer schlimmer. Ich vermied ab da jede Sprünge in Wasser selbst vom Beckenrand,-ein paarmal sagte ich mir "Pah das geht vorbei" ich habe doch kein Problem- aber ich hatte einfach ein beklemmendes Gefühl wenn ich schon an springen dachte,-Das wurde immer schlimmer, bis dahin war ich begeisterter Wintersportler aber in der darauffolgenden Saison überfiel mich die Angst im Sessellift! Ich versuchte immer wieder mich zu überwinden und tat dies auch. Aber immer wenn ich mich selbst zwang irgend wo hochzuklettern oder z. B. Seilbahn zu fahren, wurde es hinterher nicht besser sondern schlimmer.
Mein damals bester Freund, von Kindheit an, dem ich mich in der Hoffnung auf irgendwie Hilfe, offenbarte fand es zunächst komisch und unterhaltend. Er bestärkte mich immer darin mich einfach zu überwinden. Als er aber sah dass ich wirklich litt und meine Höhenangst mit jeder selbstverordneten Anti-Angstübung(wo ich mich selbst zwang z. B. auf eine Leiter zu steigen) nicht besser, sondern immer schlimmer wurde ließ er mich schließlich fallen.
Meine Höhenangst ist immer da, hinzu kommt meine eigentlich noch viel schlimmere Angst das es jeder merkt.-Ich fürchte mich zum "Depp" zum verlachten Außenseiter zu machen. Da ich als Lehrer arbeite ist es oft schwierig zu vermeiden, das meine Probleme bekannt werden, ihr wißt ja gar nicht was für gemeine hinterhältige Biester Kinder sein können wenn sie eine Schwäche erkennen, und Kinder können gut beobachten. Ich vermeide immer z. B. bei Wandertagen eingeteilt zu werden, weil man beispielsweise über schmale, hochgebaute Fußgängerbrücken gehen müßte,-ist für mich nur unter Überwindung möglich. Im Schulgebäude ist eine hohe Treppe,Gott sei Dank sehr breit und mit einem altmodischen gedrechselten Geländer mit dicken Stäben dran, aber auf dieser verdammten Treppe muß ich regelmäßig stehenbleiben und Halt suchen, ich darf auf keinen Fall nach unten sehen.
Oft kriege ich auf Rolltreppen im Kaufhaus Schweißausbrüche, und dann immer noch dazu die Angst das das auffällt, und die Leute mit Fingern auf mich zeigen,- ich bestelle mittlerweile meistens meine Sachen die ich nicht in kleinen ebenerdigen Läden besorgen kann im Internet.
Aber ich will eigentlich nicht akzeptieren das Ängste so viel von meinem Verhalten beeinflussen, ich will kein Verlierer sein. Ich war früher ein toller Sportler auch das ist durch meine Höhenangst sehr eingeschränkt. Ich werde weiter versuchen meine Höhenangst in den Griff zu bekommen. Mittlerweile bin ich so weit dass ich auch bereit wäre jede Art von fremder Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn nichts anderes hilft auch Psychotherapie. Auch hier in diesem Forum habe ich mich, wenn auch mehr oder weniger anonym, offenbart.
Irgendwie muß es möglich sein diese Höhenangst loszuwerden. Ich bin bereit kompromißlos jeden vernünftigen Vorschlag auszuprobieren und mich einer Therapie zu unterziehen. Vielleicht kann mir jemand Information geben, die mir helfen kann einen Spezialisten für Höhenangst zu finden. Ich würde auch gerne einmal erfahren ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat was den Verlauf meiner Probleme betrifft,-also insbesondere dass meine Ängste immer schlimmer werden obwohl ich versuche sehr aktiv dagegen anzugehen und beispielsweise mich gezwungen habe Rolltreppen aufzusuchen, mich überwand in die Seilbahn zu steigen etc.- aber hinterher nur noch stärkere Ängste entwickelte und einfach kein Erfolgserlebnis habe.
Bitte teilt euch mit, genau so offen wie ich es hier tue, nur dann können wir uns vielleicht gegenseitig unterstützen.
Liebe Grüße Mibaer
Stichworte (Tags): Ängste, höhenangst, Psychotherapie
Vor mehr als 2 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 2 Jahren
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