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Erfahrungsbericht: Erfahrungen mit einer schizo-affektiven Psychose
- Was ist zuerst passiert?
- Stress, Ängste, Überforderung, Auslöser, dann Psychose Endstation...aber es geht weiter
- Wann ist es passiert?
- Vor ca. einem Monat
- Was ist sonst passiert?
- Ich kam aufgrund der Psychose und der Ängste in eine Klinik
- Wie endete es?
- Ich habe zum Glück einen guten Verlauf gehabt,kam durch gute Medikamente, Ruhe und Entlastung durch die Klinik wieder langsam raus..
Hallo, vor genau etwa einem Monat kam ich in die Klinik, wegen einer Psychose. Es fing langsam schleichend an, zu viele Aktivitäten, Stress, Gereiztheit, Trennungserfahrung, zu viele Reize sind auf mich eingeflossen, ich konnte nicht mehr. Der Burn-Out war vorprogrammiert. Ich kam in die Klinik. Dort fühlte ich mich völlig durchlässig und zerrissen, hatte Gedanken voller Ängste, Niedergeschlagenheit aber auch Gedanken voller Verzweiflung, wo ich dachte, ich kann nicht mehr. Zum Glück war ich in dieser Zeitnicht allein, meine Freundin besuchte mich regelmäßig und das gab mir Halt. Meine Familie wohnt zu weit weg, als dass sie mich besuchen kommen konnte. Aber ich brauchte die Ruhe, um wirklich zur Ruhe zu kommen. Ich war voller Ängste und meine Gedanken so zerrissen, fahrig und voller Unruhe.
Ich habe schon lange Jahre Erfahrung mit Psychosen und Depression. Und ich kann zu meinem Glück sagen, und auch um anderen Mut zu machen, man kommt da wieder raus und es geht weiter!! Es dauert manchmal sehr lange, bis man sich wieder davon erholt hat, aber gerade bei schizo-affektiven Episoden nimmt die Erkrankung einen günstigen Verlauf und man erholt sich auch wieder davon. Ich habe ja auch schon jahrelange Erfahrung mit Medikamenten gemacht. Also, wenn ihr Fragen habt, fragt mich ruhig und ich versuche euch weiterzuhelfen. Es gibt viele Auslöser für diese Erkrankung, erbliche Faktoren, spielen eine Rolle, aber auch genetisch bedingte oder einfach nur wenn man reizempfindlich ist und manchmal auch sensibler ist und dünnhäutiger als andere Menschen, kann es leicht zu solch einer Erkrankung kommen.
Wichtig ist es auf jeden Fall, seine verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen und mit dem Arzt des Vertrauens eng zusammenzuarbeiten. Es kann echt nur helfen und besser werden dadurch. Ich habe lange Jahre schon Erfahrung mit dieser Erkrankung und ich bin Gott echt so dankbar, dass ich immer wieder gesund geworden bin danach, auch wenn eine Grundvulnerabilität bestehen bleibt. Aber man kommt da wieder raus, früher oder später, wenn die Erkrankung einen günstigen Verlauf nimmt.
Welche Medikamente mir sehr geholfen haben: Zeldox (ein sehr gutes Neuroleptikum), Seroquel (ebenfalls echt zu empfehlen/Neuroleptikum), orndet die Gedanken und schützt vor drängenden Gedanken, ordnet die Dopamin-Zufuhr im Gehirn...man ist sozusagen geschützt vor zu vielen Reizen..als Antidepressiva habe ich lange Zeit das Cipramil genommen, ein sehr gutes Anti-Depressiva, was gut gegen Depressionen schützt, ein sogenanntes Serotonin-Wiederaufnahme Präparat..hilft sehr gut..ich war jahrelang stabil mit der Medikation Zeldox, Cipramil und Ergenyl Chrono (ein Medikament für ausgeglichene Stimmungen auch gut für Manien einsetzbar.) Kann ich echt nur empfehlen. Ähnlich wie das Carbamazepin.
Welches Medikament in der Krisenintervention sehr hilfreich ist, ist Tavor, das nimmt enorm die Ängste, aber man sollte es nicht zu lange nehmen, sonst wird man abhängig davon und der Entzug ist echt heftig! Mir hat man zum Angstlösen dann das Diazepem gegeben für eine gewisse Zeit. Aber man schleicht es dann professionell wieder aus, damit keine Abhängigkeit entsteht.
Kurz gesagt, ich bin jetzt entlassen und fühle mich natürlich nach solch einer gemischten Episode noch etwas erschöpft und müde. Aber das sei ganz normal, sagte meine Ärztin, denn man muss sich vorstellen, der Körper befindet sich in einer Rekonvaleszenzzeit, wo er sich erstmal wie nach einer langen Grippe erholen muss. Ich nehme zur Zeit sehr viel Zeldox, weiterhin das Ergenyl und noch etwas vom Seroquel, welches auch ein Stück weit antidepressiv wirkt. Deshalb nehme ich zur Zeit kein Antidepressiva.
Die Medikamente werden mit der Zeit wieder reduziert, aber ich muss gestehen, zur Zeit fühle ich mich noch sehr erschöpft und müde durch sie. Ich weiß, dass ich diese Medikamente wohl auf längere sicht brauche, um gesund und stabil zu bleiben. Mein Traum wäre es, irgendwann mal kein Neuroleptika mehr nehmen zu müssen, aber es ist vernünftig, es so lange zu nehmen, wie man es braucht!! Man sollte nie denken, ach, jetzt geht es mir gut, jetzt setz ich das Zeug von alleine ab!! Sehr gefährlich!! Es könnte einen Rückfall geben, der sich ganz langsam wieder einschleicht. Man ist einfach geschützter durch diese Medikamente.
Ich wollte früher nie so ein Zeug nehmen, habe mich geweigert Psychopharmaka zu nehmen, aber hey Leute, es ist nur zu eurem Besten und zu eurem Schutz! Wo wären wir sonst, wenn es diese Medikamente nicht geben würde? Ich bin froh, dass sie mir ein normales und oftmals auch gesundes Leben ermöglichen unter anderem.
Was aber noch viel wichtiger ist, ist der Glaube daran, dass es wieder bergauf gehen wird und es mir besser gehen wird. Es dauert vielleicht seine Zeit, aber man kann das Leben danach wieder genießen lernen!! Ich will euch nur Mut machen, dass diese Diagnose so schwer wie sie auch klingt, dennoch einen guten Verlauf nehmen kann. Das heißt, vielleicht hat man solch eine Erkrankung nur einmal im Leben, vielleicht mehrere Male, aber man wird danach wieder gesund. Diese Prognose hat einen günstigen Verlauf!
Es ist nur wichtig, auf sich zu achten gesundheitlich...versuchen ein entspanntes Leben zu führen, gute Stressstrategien zu entwickeln, viel Sport treiben, viel und ausreichend schlafen und nie vergessen das Leben wieder zu genießen und Freude zu haben - dennoch - das Leben kann so schön sein, wenn man wieder gesund ist und es genießen kann. Sucht euch einen guten Therapeuten und einen guten Arzt zu dem ihr Vertrauen habt. Das macht viel aus und scheut euch nie, den Kontakt zu suchen, wenn es euch mal nicht so gut geht! Das ist wichtig!
Mir persönlich hilft mein Glaube an Gott noch sehr weiter, wie auch Ausgleichssport wie Schwimmen oder Walken oder das Singen in meinem Gospelchor:) und redet mit euren Freunden offen über eure Ängste und eure Krankheit, klärt sie auf, damit sie im Falle einer Erkrankung richtig reagieren können. Habt keine Angst vor der Krankheit, ihr seid ihr nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt schon vorher Warnsignale wie Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Unruhe, zerissene Gedanken und depressive Verstimmungen. Es kann dir aber auch super gut gehen, du brauchst keinen Schlaf mehr, bist überaktiv, vielleicht sogar im Kaufrausch...lach..das kann manchmal auch ein Zeichen von einer Manie sein oder einer Hypomanie..einer leichten Manie...Bei einer Schizo-affektiven Psychose können durchaus verschiedene Stimmungen da sein..von himmelhochjauchzend bis hinterher dann zu Tode betrübt.
Wenn ihr Erfahrungen mit dieser Erkrankung gemacht habt oder einfach Erfahrungsaustausch haben wollt, dann würde ich mich freuen, wenn wir Kontakt aufnehmen. Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen und unterstützen. Ich würde mich freuen!!
Liebe Grüße und noch eine schöne und entspannte Sommerzeit wünscht euch,
Heike
Stichworte (Tags): Behandlung, Erfahrungen und Hilfestellungen bei einer schizo-affektiven Psychose
Vor mehr als 2 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 2 Jahren
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