- Was ist zuerst passiert?
- Ich hab Willy am Bahnhofskiosk von Waldshut kennengelernt.
- Wann ist es passiert?
- Am 23. März 2003:
- Was ist sonst passiert?
- Ich hab vor 2 Jahren erfahren, das eine Ex-Freundin von ihm an HIV erkrankt ist.
- Wie endete es?
- Er ist am 19. August 2006 gestorben.
Wo soll ich anfangen? Am besten damit das ich seit 18 Jahren alkoholabhängig bin und Borderline hab. 2003 lernte ich dann Willy am Kiosk kennen. Ein Ex- Junkie. Da hätte ich schon stutzig werden sollen. Wir beide waren voll auf Alk und ich hab ihn eingeladen mit zu mir zu kommen. Na ja. Wir habens dann getan. Ohne Kondom. Damals war´s mir egal was mit meinem Leben passierte. Ich wollte nur saufen und hab nur selten an AIDS gedacht. Ich hing eh nie besonders am Leben. Egal. Jedenfalls hat meine Mutter vor 2 Jahren auf einer Familienfeier von einer Bekannten erfahren das Willys Ex-Freundin an HIV erkrankt ist.War ne kompliziertere geschicht, aber sonst würde mein Bericht zu lang werden. Meine Mutter hats mir natürlich gesagt. Merkwürdigerweise erst am nächsten Tag am Telefon, als Willy nicht da war. Ich hab mich anfangs geweigert den Test zu machen. Mir wars damals egal, aber sie hat nicht locker gelassen. Also hab ich den Test gemacht und mich gewundert das er nichts dazu gesagt hat. An dem Tag, als das Ergebnis da war, hatte ich noch keine Angst. Als die Ärztin mir dann sagte das ich HIV+ wäre, hab ich angefangen zu heulen und konnte lang nicht aufhören. Ich stand unter Schock. Ich bin in die Kneipe und hab mich erstmal volllaufen lassen. Er hat immer noch nichts dazu gesagt, auch nicht als ich in ein dunkles Loch gefallen bin. Etwa 9 Monate hats gedauert, bis ich da wieder rauskam. In der Zeit hab ich nur noch gesoffen und viel geweint. Meine Depressione haben ihn total kalt gelassen. Er war nur von meiner Heulerei genervt. meine Mutter war die einzige die mir beigestanden hat. Oh Mann. Jetzt kommt wieder alles hoch und ich flenn schon wieder. Meine Schwester, eine Arzthelferin, wollte nicht mal das ich sie und ihre Kinder besuchen komm. Sie hat Angst, das sich ihre Kinder bei mir anstecken, dabei hab ich nie mit ihnen gespielt. Ich hatte ja schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mit 4 Männern fremdgegangen bin. Die hab ich sicher angesteckt. Dann ist Willy im Januar 2006 langsam krank geworden. Zuerst nur ein Husten, dann wurds schlimmer. Ein Mundpilz, den selben den ich hatte. Hatte in einem halben Jahr 20kg abgenommen. Sein HIV Ergebnis hatte er ja nicht abgeholt. Ihm war eh klar das ers hatte. Jedenfalls wars schlimm ihm beim Sterben zu sehen zu müssen. Er wollte nicht ins Krankenhaus. Erst als er diese Anfälle bekam, seine Blase nicht mehr kontrollieren konnte und ständig aus dem Bett geflogen ist konnte ich nicht mehr. Am 13. August hab ich den Krankenwagen gerufen. Am 16. Aug wurde er in die UNI-KLINIK Freiburg gebracht. Unser Abschied war nicht sehr nett. Er hat gesagt ich stinkaus dem Mund( wegen Weißwein). das hat mich sehr verletzt. Am Freitag, den 19. Aug. haben ihn meine Mutter und ich besucht. Da lag er schon seit Mittwoch im künstlichen Koma wegen der Schmerzen. Und Freitag nacht haben sie die Maschinen abgestellt. Keine Gehirnaktivitäten mehr. Das wars. Er hatte es hinter sich. Das war aber noch nicht ds Schlimmste. Am Tag der Beerdigung wurde der Tag noch schwärzer, als ers eh schon war. Seine Schwägerin hat mir gesagt das die ganze Familie und er selbst seit 12 Jahren von seinem HIV gewußt haben und es einfach totgeschwiegen haben. Das war ein weiterer Schock für mich. Ich wollte dann nur noch sterben und hab soviel gesoffen das ich wirklich gestorben wär. Mami hat mich auf ihre Art wieder wachgerüttelt und mich zu einer Entgiftung überredet. Die 11. Dort bin ich dann zu einem Spezialisten gegangen, der gemeint hat wie gut meine Blutwerte für eine 4jährige Infektion wären. Da hats in meinem Kopf endlich KLICK gemacht. Ich wollte leben. Also hab ich eine 18 wöchige Therapie geamcht. Und sie hat mir unglaublich viel gebracht. Ich bin selbstständiger geworden und komm mit meinen Alltagsproblemen endlich klar ohne mich zuschütten zu müssen. ich hab dort auch meinen Freund kennengelernt. Ich hab ihm sofort von meiner Krankheit erzählt und es macht ihm keine Angst. Er hatte in seiner Drogentherapie schon einiges über den Virus erfahren. Aber ich hab fürchterliche Angst ihn anzustecken. Im Bett haben wir beide unsere Probleme unterschiedlicher Art. Na ja. Wir müssen Geduld haben. Mal abgesehen davon wohnen wir zusammen in einer traumhaft schönen Maisonettwohnung und ich bin endlich auf Arbeitssuche. Es ist ein völlig neues Leben und es macht mir manchmal Angst das alles zu verlieren. Alle 3 Monate, wenn ich seh wie sich die Werte langsam verändern, dann fall ich in ein Loch, obwohl mir der Arzt jedesmal eine positive Prognose gibt. Trotzdem. Ich hab den Virus und ich hab niemand mit dem ich redenkann. Ich fühl mich wie eine Aussätzige.
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