Erfahrungsbericht: Meine fast 3 jährige Erfahrung mit Chirurgen

Thema: Depressionen
Was ist zuerst passiert?
Motorrad Unfall
Wann ist es passiert?
04.02.2005
Was ist sonst passiert?
Daraus resultierende Chronische Schmerzen,Depressionen, Schlafstörungen
Wie endete es?
Knie-Prothese, noch mehr Schmerzen und wieder ab zur OP

Es ist Freitag der 04.02.2005, ich bin guter Dinge, denn es ist der letzte Arbeitstag in dieser Woche und ich freue mich schon auf das Wochenende. Dann auf dem Weg nach Hause passiert es. Ich wollte an einer Ampel links abbiegen und übersah durch die tiefstehende Sonne eine Verkehrsinsel. Der Aufprall war heftig, mir schoss nur noch durch den Kopf : OH NEIN NICHT SCHON WIEDER (ich hatte erst vor 2 Jahren einen Motorradunfall und das wo ich zuvor 18 Jahre Unfallfrei gefahren bin). Dann war erst mal Sendepause, ich kam dann erst zu mir als ich schon auf der Straße lag und der Krankenwagen kam. Der Notarzt untersuchte mich und sagte mir kurz darauf, das ich mir mein Bein mehrfach gebrochen hatte . Im Krankenwagen bekam ich gleich eine Vollnarkose verpasst, der Arzt sagte, das er mein Bein gerade machen will und das würde ich ohne Narkose nicht aushalten. Also schlief ich dann erst mal ein...

Im Krankenhaus kam ich dann erst kurz vor der OP zu mir, musste ja die Einwilligung unterschreiben und bekam noch schnell ein Anästhesiegespräch.

Irgendwann bin ich dann mal wieder aufgewacht. Ich hatte einen riesigen Fixateur am Bein und man hatte mir den Unterschenkel von beiden Seiten aufgeschnitten (Kompartment - Spaltung genannt). Der OP Arzt erzählte mir, das mein Knie so doll zerstört ist, das ich ein künstliches erhalte sobald alles etwas verheilt ist.

Naja, jedenfalls verbrachte ich dann 4 lange Monate im Krankenhaus (es waren die schrecklichsten Monate in meinem Leben, das kann ich Euch sagen). Ich wurde 14 mal operiert, bekam mindestens 6mal einen Gips für eine Gipsschale verpasst (was mich jedes mal viel viel Schweiß gekostet hatte). Das gute daran war, ich nahm 10kilo ab (juhu).

Allerdings erhielt ich natürlich kein neues Knie, weil ich so dumm war und wieder nach der anschließenden Reha und noch ein paar Wochen darauffolgender Krankschreibung, wieder arbeiten gegangen bin. Da hieß es plötzlich, na sie gehen doch arbeiten und da sind se ja wieder kerngesund. Das ich Schmerzen ohne Ende hatte war da nicht von Bedeutung.

Ein Jahr später wurde ich dann noch einmal in Berlin (Martin - Luther - Krankenhaus) operiert, weil die Schmerzen nicht aufhörten und die Platte (die mir bei der letzten OP eingesetzt wurde) entfernt werden mußte, außerdem wurde halt da noch was nach gefeilt und dort noch nen bisl begradigt. Das Ergebnis war, das ich noch mehr Schmerzen bekam und ich das erstemal Morphium erhielt damit ich diese überhaupt noch aushalten zu konnte. Ein neues Gelenk soll ich aber immer noch nicht bekommen, weil, ich bin noch zu jung, blah blah blah...

Mit der Zeit wurde ich immer frustrierter, ich bekam Depressionen und es kam auch schon mal der Gedanke dem ganzen ein Ende zu setzen (weil irgend wann will man doch auch mal ruhe vor den Schmerzen haben, sie krochen schon bis in mein Gehirn rein). Daraufhin lies ich mich erstmalig von meiner Hausärztin zu einem Psychiater/Neurologen überweisen. Mein größter Fehler. Ich kam da an und musste erst mal schildern was mir so fehlt (das ist ja ok), ich erzählte also das ich einen Unfall hatte und das ich nun chronische Schmerzen habe, unter Schlafstörungen und Angstzuständen leide. Als Antwort bekam ich dann: Na sie leiden unter Schmerzeinbildung und verschrieb mir Antidepressiva und schickte mich wieder nach Hause. Nach diesem Gespräch war ich natürlich total enttäuscht und meine Depressionen steigerten sich danach noch mehr. Also bin ich wieder zu meiner Hausärztin zurück, dort sagte ich ihr das ein Psychiater wohl nicht das richtige für mich sei, ich brauche niemanden der mir sagt das ich mir die Schmerzen nur einbilde, Tabletten verschreibt und mich wieder nach Hause schickt. Also überwies sie mich dann zu einer Psychotherapeutin, dort war ich dann viel besser aufgehoben. Die Bahandlung dort dauert zur Zeit noch an.

Am 12.10.2007 musste ich zur nächsten OP nach Halle in die Bergmanntrost-Klinik.

Da ging alles plötzlich ganz schnell, im Vorgespräch wurde mir gesagt das ich nun endlich ein künstliches Kniegelenk erhalte, weil ja mein Knie so was von kaputt ist...

Hätte man das nicht alles schon vor 2 Jahren machen können, dann hätte ich bestimmt keine Chronischen-Schmerzen und keine Depressionen bekommen!!!

Der OP Tag rückte immer näher. Dann war es nun endlich soweit, im Anästhesiegespräch entschied ich mich für eine Spinalanästhesie (ich hatte ja schon 2mal eine und war total zufrieden). Diesmal ging alles schief, ich wachte wohl zu früh auf und bekam daher die ganze OP mit, was wirklich kein Vergnügen war, ich hatte starke Rückenschmerzen und musste mir das gehämmer und gesäge anhören.

ES WAR EINFACH ALLES NUR SCHRECKLICH

Danach kam ich in die Aufwachstation wo mir eine Schmerzpumpe angelegt wurde.


Wieder in meinem Krankenzimmer angekommen lies nach und nach die Betäubung in meinen Beinen nach und ich bekam schreckliche Schmerzen (so starke Schmerzen hatte ich noch nie). Die Schmerzpumpe hatte Wirkung gleich Null. Aber am Abend bekam ich dann wenigstens Schmerzmittel über den Tropf die auch wirkten und ich etwas schlafen konnte. Am nächsten Tag musste ich mir bei der Visite anhören, das ich ja nun ein neues Knie habe und da darf ich ja gar keine Schmerzen mehr haben, also wurden meine Schmerzmittel (Morphium, das ich ja nun schon seit 18 Monaten nehme) natürlich gleich reduziert auf die hälfte. Was meinen Schmerzpegel ins unerträgliche nach oben trieb (was die Chirurgen auf der Station nicht im geringsten interessierte). Nach 4Tagen Schmerzen ohne Ende machte mein Zustand den Ärzten dann doch etwas bedenken und ich durfte endlich zur Schmerzambulanz (die sich nur eine Etage tiefer befand). Ich war froh als ich nach 12 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Das erste was ich tat war zu meiner Schmerztherapeutin zu gehen, sie konnte nur den Kopf darüber schütteln. 8 Tage später trat ich meine Reha in Bad Düben an, dort war es sehr schön, ich hätte mir aber mehr Therapien gewünscht, vorallem hätte ich mir gewünscht das etwas wegen der Schmerzen unternommen würde, das blieb leider aus.

Nach 3 Wochen war ich wieder zu Hause. Meine Schmerztherapeutin war nun der Meinung das ich meiner Berufsgenossenschaft erzählen soll das ich immer noch Schmerzen habe, was ich auch am selben Tag tat. Die Bearbeiterin dort war daraufhin so auf Zack das ich sofort eine neue Reha bekomme habe, diesmal eine Neurologische, damit nun endlich mal untersucht wird was nun wirklich mit den Schmerzen ist. Diese trete ich nun am 08.01.2008 an und zwar in Bad Oeynhausen, ich freue mich schon richtig darauf und hoffe das mir dort geholfen werden kann, damit ich endlich von dem Morphium weg komme.

Nun noch zu meinen versprochen Angaben zu meiner Reha in Bad Oeynhausen.

In der Reha hat es mir absolut gut gefallen, alle waren sehr freundlich. Die Therapeuten arbeiten dort eng mit den behandelnden Ärzten zusammen (was ich als sehr wichtig empfinde). Man stellte dort auch schon bei der Aufnahmeuntersuchung fest, das ich mir die Schmerzen nicht einbilde. Ich erhielt dort Krankengymnastik, Gangschule, Psycho – und Schmerztherapie, Fußwechselbäder, Massagen, Akupunktur, Ergometer – und Krafttraining. Wir haben es auch mit Bewegungsbad versucht, dies musste ich aber leider abbrechen weil das Wasser viel zu Warm war (Wärme ist leider sehr schmerzhaft für mein Bein). Nach 6 Wochen Betreuung konnte ich dann meine Gehstützen an den Nagel hängen (was mich sehr freute, endlich die Dinger weg). Meine Schmerzen haben wir dann mit Transtec Pro Pflaster in den Griff bekommen.

Zu Hause wieder angekommen: musste ich leider wieder eine schlechte Nachricht verdauen. Mein behandelnder D-Arzt stellte fest, das meine Knie - Prothese instabil ist. So wurde ich zu einem Spezialisten (nach Bad Düben) überwiesen, der bestätigte leider die Meinung meines Arztes. Was nun bedeutet, das ich wieder operiert werden muss. Es soll ein größeres Inlay (Silikonkissen) eingesetzt werden um die Stabilität wieder herzustellen. Es will einfach kein Ende nehmen, wahrscheinlich schreie ich immer „HIER“ oder so.

Die Berufsgenossenschaft gestattet mir leider nicht, das ich in Bad Düben operiert werden darf (Bad Düben steht nicht als Vertragskrankenhaus in deren Verbund, so ein Qutsch, das zum Thema Arztwahl). Nun soll ich wiedermal nach Berlin.

Habe heute erfahren das ich am 15.04.08 nach Berlin muß, na mal sehen was da raus kommt.

In Berlin wurde mir nun mitgeteilt, das ich noch nicht operiert werden kann, denn es sollen mindestens 12 Monate zwischen den Ops liegen. Die Knie-Prothese muß erstmal richtig anwachsen und ich soll mich erstmal an die Prothese gewöhnen. Ich soll frühestens in drei Monaten wieder kommen, na toll, noch mal 3 Monate warten. Ich hatte das Gefühl, das der Arzt in Berlin sauer war, das die Prothese nicht da eingesetzt wurde sondern in einem anderem Krankenhaus (als ob ich da die Wahl gehabt hätte), ich glaube ich werde mich da bestimmt nicht operieren lassen, der Meinung ist auch mein D-Arzt, er sagte mir (und auch der Berufsgenossenschaft) das Berlin garnicht für Knie-Prothesen spezialisiert ist, sondern das ich in Bad Düben besser aufgehoben bin und das es garnicht so gut ist, wenn ich von einem Chirurgen zum anderen geschickt werde (viele Ärzte, jeder sagt was anderes und ich soll dann noch wissen was gut für mich sein soll).

Naja, also wieder warten und die grübelei geht also weiter.

Nun sind die 3 Monate Wartezeit (es ist nun mittlerweile schon Sep. 2008) um, mein D-Arzt beantragt bei der BG die erneute Untersuchung (dabei wird erneut Bad Düben abgelehnt, ich soll halt nach Berlin).

Oh, eine frohe Botschaft von meinem D-Arzt, der Spezialist aus Bad Düben (der mich auch operieren wollte) hat die Klinik gewechselt und ist nun leitender Oberarzt in dem Diakonissenkranken (diese Klinik ist zu meinem Glück in dem Verbund der BG drin) in meinem Wohnort. So macht er gleich einen Einweisungsschein für diese Klinik fertig, na mal sehen wann ich nun dort einen Termin bekomme.

Habe den Termin für meine OP bekommen, es geht am 24.11.08 nun endlich los im Diakonissenkrankenhaus.

Die OP verlief sehr gut, leíder ist meine Befürchtung wegen der Schmerzen war geworden, aber ich bekam gleich wärend der OP einen Schmerzkatheter verpaßt, der mir dann doch Zeitweise über den Berg half. Die Schwestern und auch Ärzte ware sehr freundlich und gingen auch auf meine chronischen Schmerzen sehr gut ein. Nun bekomme ich wieder eine Reha in Bad Oeynhausen in der Klink am Rosengarten. Freu mich schon drauf !!!



Stichworte (Tags): depressionen, Knie-Prothese, krankenhaus, OP, Reha, schlafstörungen, Schmerzen, Therapie, Unfall

Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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Kommentare

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  • Kommentar wurde gelöscht von Baba027 vor mehr als 2 Jahren
  • Kommentar wurde gelöscht von Baba027 vor mehr als 2 Jahren
  • Kommentar wurde gelöscht von Baba027 vor mehr als 2 Jahren
  • Hallo baba,

    ich kenne auch diese Entscheidung von Ärzten:Sie haben keine Schmerzen!

    Mittlerweile reagiere ich einfach nur noch agressiv auf solche Unterstellungen.Ich denke,DAS können die Betroffenen selbst besser entscheiden.

    Für Deinen Termin in der Klinik wünsche ich Dir alles Gute.

    Liebe Grüße

    lienchen



  • Gut dran

    Hallo baba,

    als ich deinen Bericht gelesen habe, kam mir der Gedanke, dass ich ja irgendwie noch gut dran bin.

    Auch ich habe seit meinem Autounfall (siehe meine Website) durchgehend Schmerzen. Mir wurde aber von den Ärzten auch ganz klar gesagt, dass es künftig wohl nie ganz ohne Schmerzen gehen wird.

    Also arrangiere ich mich irgendwie. Gut, dass ich ein großer Optmist mit großem Humor bin.

    Dir wünsche ich alles, alles Gute und zumindest Schmerzlinderung, damit du wieder die Sonne sehen kannst!

    Liebe Grüße

    Mikado

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