Erfahrungsbericht: Sauferei des Lebens

Anonymer Erfahrungsbericht

Was ist zuerst passiert?
Durch starkes angetrunken sein, Zuziehung einer Trümmerfraktur im linken Fuß. Alkoholsucht.
Wann ist es passiert?
Oktober 1998
Was ist sonst passiert?
Schädelhirntrauma Januar 2006, Epilepsie Oktober 2006, Refluxkrankheit der Speiseröhre,
Wie endete es?
Trocken sein!

Seit 21 Monaten bin ich trocken.

"Diesen Erfahrungsbericht fange ich erst an, zu schreiben. Er ist noch nicht vollständig!"

Als 13 jähriger habe ich meinen ersten Schnaps getrunken. Geschmeckt hat der nicht. Gemerkt habe ich auch nichts. Zur Jugendweihe habe ich von meinen Eltern das erste Bier erhalten. Gespürt habe ich nichts.

Als Jugendlicher am Wochendende ab in die Disko. Viel gesoffen. Gemerkt an dem Abend habe ich nichts. Am Sonntag ging es mir Vormittags mies. Aber da gab es ja Starterpils.

Über Jahre habe ich die Sauferei nur an Wochenenden durchgehalten.

Dann, Oktober 1998, kam durch Sauferei die Trümmerfraktur im linken Sprunggelenk mit 3fachen Wadenbeinbruch. Ich dachte, ich werde und bleibe ein Krüppel.

Korn habe ich nun fast jeden Tag gesoffen. Den Spiegel habe ich gehalten. Erste Entzugserscheinungen traten ein. Bluthochdruck von 190 zu 110. Doch, relatives gut gehen nach ca. 3 Stunden. Eigene Worte, ich bin kein Alki.

Hamburger Modell für's wieder arbeiten gehen. Ich habe den Spiegel gehalten. Abmahnungen folgten. Sauferei immer mehr, nun auch an Wochentagen.

Meine Ehefrau zieht im Dezember 1999 aus unserer Wohnung aus. Nächster gewaltiger Absturz. Arbeit werde ich noch nicht los. Wieder Zusammenfinden mit meiner Exfrau. Komplette Trennung im Oktober 2000.

Getarntes Saufen setzt auf meine Arbeit ein. Schnaps steht im Umkleideschrank. Unterhaltungen mit meinem Meister, führe ich nur durch mit leicht verdrehten Kopf. Das er nicht meine Fahne riecht. Oder telefonisch.

Kündigung erhalten. Kündigung konnte ich abwenden, da ich lediglich gesagt habe, ich bin ein Alkoholiker. Nur um den Arbeitsplatz zu erhalten. Nicht für mich selbst. Kontakt zur Suchtberatung habe hergestellt, aber nur um den Arbeitsplatz zu halten. Ich bin doch kein Alkoholiker.

Eine 9 Jahre ältere Frau hatte Interesse für mich. Im Sommer 2001. Ich hatte überhaupt keine Lust alleine zu bleiben und klammerte mich sofort an diese Frau. Arbeit ging im Oktober 2001 verloren, aber wegen betriebsbedingten Gründen. Abfindung erhalten.

Nun trank ich jeden morgen. Meiner Lebensgefährtin sagte ich immer, daß ich frische Brötchen hole. Zwei 100g Flachmänner dazu. Diese dann auf ex hinter.

Durch meine Sauferei gab es immer mehr Streitigkeiten mit meiner Lebensgefährtin. Rechthaberich wurde ich. Doch die nächste Trennung bahnte sich an. Mein erster Entzug im Oktober 2002 im Jüdischen Krankenhaus. Der Gedanke, Nichtalkoholiker zu sein, blieb. Der Rückfall Sylvester 2002. Die Entzüge häuften sich. Bis zu meiner ersten Alkoholentwöhnungsbehandlung (AEB) im September 2003 bis Januar 2004 hatte ich ca. 10 Entzüge. Auf der AEB, in Lindow, hatte ich wenigstens eine Saufpause. Jedoch trennte sich mal wieder Lebensgefährtin und ich soff einmal auf dieser Kur. Am letzten Tag der Kur besoff ich mich richtig.

Einen Antrag auf berufliche Rehabilitation hatte ich zwischenzeitlich bei der damaligen LVA gestellt. Die Arbeitserprobung und Berufsfindung wurde im April 2004 durchgeführt. Kurz vor der Erprobung, war ich mal wieder im Jüdischen Krankenhaus. Bis zum Beginn der Umschulung, bzw. von Januar 2004 bis Juni 2004 folgten noch mal 5 Entzüge.

Meine Lebensgefährtin fand wieder zurück zu mir. Von Juni 2004 bis Oktober 2004 blieb ich trocken. Die Umschulung zum Steuerfachangestellten hatte begonnen. Und ich war nicht alleine. Im Oktober dann, wieder eine Trennung, aber entgültig. Saufabsturz im Oktober, nächster im November. Die LVA beendet im November meine Umschulung. Auch in diesem Monat beginn die 2. Entwöhnungstherapie. 42tägige Therapie beim AKB. Anonyme Alkoholkrankenhilfe Berlin. Aber nur bis Sylvester 2004. Gerade mal 40 Tage durchgehalten. Bis September 2005 regelmäßig alle 3-4 Wochen Entzug im Krankenhaus. Ich war dort Stammkunde. Drehtürpatient.

Wenn ich kein Geld mehr hatte, um mir Nachschub zu holen, klauen wollte ich nicht mehr, wurde ja schon erwischt, setzte Entzug ein und ich rief den Notdienst an. 112. Völlig betrunken dort angerufen, doch mitgenommen haben sie mich nicht. Am nächsten Morgen mit Entzugserscheinungen nahmen sie mich dann mit immer wieder mit. Diesen Trick wendete ich nun schon regelmäßig an. Entlich wieder im sozusagenden 2. Zuhause.

Krankenhauseinweisungen bekam ich nur noch von mir unbekannten Ärzten und außerdem wollte meine Krankenkasse keine Kosten mehr übernehmen. Darum 112.

Im September 2005 die 3. AEB. Kombitherapie stationär 8 Wochen in Motzen und danach 8 Wochen teilstationär im Tannenhof. Mein Gedanke drehte sich nur um die Umschulung. Nicht um mich selbst. Die DRV (Deutsche Rentenversicherung) vormals LVA setzte für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben Abstinenz voraus. Es gab ja therapeutische Leistungen, auch von der DRV. Diese nutzte ich mal wieder. Vom 22. September bis 6. Januar 2006. Jedoch war ich nur ausgerichtet auf diese Umschulung. Keine Selbsterkenntnis. Keine Selbstwahrnahme.

Bis zum 17. Januar wäre diese Therapie gegangen. Nur diese Zeit durchziehen damit ich den Aktenvermerk habe, daß ich willig abstinent bin. Aber nur mit Blick auf die berufliche Reha. Mein Gedanke immer noch: "Ich bin kein Alkoholiker."

Getrunken habe ich weiterhin. Zwar am nächsten Morgen Pusten in einem Alkoholtester. Angezeigt hat dieser 0,00 Promille. Aha. Sauferei habe ich im Griff.

Am Wochenende 4. und 5. Januar aber nicht mehr. Restalkohol am Montag den 6. Januar. Die AEB wurde abgebrochen. Nun schlug meine Sauferei richtig zu. Filmriss habe ich bis heute.

Nach Berichten heißt es, daß ich einen schweren Verkehrsunfall hatte. Angefahren wurde ich auf der Berliner Kreuzung Rhinstraße Ecke Allee der Kosmonauten. Höchst wahrlich war ich auf dem Weg wieder ins Krankenhaus. In das Evang. Krankenhaus "Königen Elisabeth" Herzberge (KEH). Umsteigen mußte ich dort. Eine Station noch mit der Straßenbahn. Ampeln beachtete ich nicht mehr. Ein Auto schleuderte mich durch die Luft. Notarzt. Ins Unfallkrankenhaus Berlin (ukb). Künstliches Koma. Heftiger Schädelbasisbruch mit schwerem Schädelhirntrauma. Mein Hirn war weg. Lag völlig brach. Erinnerungen waren verschwunden. Keinste Merkfähigkeit. Totales geistliches Wirrwarr. Zurechnungsfähigkeit absolut nicht mehr vorhanden.

Gott half mir. Nach 3 Wochen kehrten langsam einige Funktionen wieder zurück. Ich erholte mich. Hatte Glück. Denk- und Merkfähigkeit setzten wieder ein. Und der Gedanke um Sauferei auch wieder.

Wieder Drehtürpatient im KEH. Es fing an, daß ich Blut erbrach. Schmerzen beim Herunterschlucken von Essen. Noch heilte es. Ein Ansporn zum Weitersaufen.

Bei meinem letzten Entzug war es am heftigsten. Viel Blut erbrechen. Normal Essen ging überhaupt nicht mehr. Nur noch verbreite Speise und auf cirka 37 Grad temperiert. Dieses ging nun mehrere Wochen bis sich mein Magen und meine Speiseröhre wieder erholten.

Lies mir Antabus verschreiben. Selbstzwang nicht zu saufen. Letztes Mittel? Nein!

Im Oktober 2006 heftige Epilepsie. Mehrere Anfälle. Trockensein hat noch Bestand. Psychosen und Depressionen kamen hinzu. Suizidgedanken. Wieder Aufenthalt im KEH. Nur andere Station. Psychiatrie. Verbot Station zu verlassen.

September 2008, eigenes Absetzen von Antabus. Wollte ja Saufen. 14 Tage gewartet bis Alkoholunverträglichkeit weg ist. Pulle Schnaps. Saufen bis sie leer ist. Nächster Tag Starterpils. Erbrechen vom Bier. Jedoch kein Aufhöre. Nach 4 Tagen Gespräch mit Kumpeline. Überzeugung bis heute: Nicht Saufen. Letzter Entzug bis heute im KEH.

Jederzeit, Jedentag nun Psychosen und Depressionen mit Suizidgedanken. Saufgedanken immer noch vorhanden. AEB, letzte bis heute, im St. Joseph Krankenhaus in Berlin Weißensee. Von 12.2009 bis Januar 2010. Vorzeitiger Abbruch durch Krankenhaus. Nicht therapierbar. Therapie aber nur durchgeführt wegen Erreichen der Umschulung. Großkotzdenken ich kann auch ohne Alkohol leben.

Jetzt EU-Rentner. Hauptsächlich wegen Alkoholerkrankung. Nebensächlich: Psychosen, Depressionen, Epilepsie, Refluxösio phagitis, Schädelhirntrauma, Denkschwierigkeiten, Merkschwierigkeiten, Rückenschmerzen, Schmerzen im linken Fuß, Schwindelanfälle.

Beziehung von Juli 2010 bis September 2010. Nun wieder Trennung. Alleisein. Wegen Psychosen und Depressionen. Verhaltensstörungen. Kein normales Zusammenleben mit mir möglich.

Gehe jetzt nebenbei arbeiten. Aushilfskraft im Nettomarkt. Andere Jobsuche. Am liebsten Vollbeschäftigung. Rente an den Nagel hängen. Immer noch erreichen der Umschulung. 20.09.2010. Fortsetzung folgt.

Stichworte (Tags): alkohol, aufhören, entzug, Erfolge, Glück Ernährung Nahrung Essen Trinken Fitness, sucht, trocken

Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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Kommentare

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  • Saufen

    Hallo anonym entweder Du hörst auf zu Saufen oder Du machst es weiter.Ich habe 20Jahre gebraucht bis ich das begriffen habe.Das muß Du nicht auch machen.Profesionelle Hilfe gibt es überall.Jeder Arzt jedes Krankenhaus Anonyme Alkoholiker usw. nur Du mußt es wollen.
    Gruß Bishman

  • Sauferei des Lebens

    o das kenne ich war bei mir nach meiner Scheidung ähnlich,ich habe damals dann eine Gruppe der anonymen Alkoholiker besucht und das hat mir sehr geholfen.Das würde ich Dir auch empfehlen,dort sind so viele Leute die Dir echt helfen und alles bleibt in der gruppe was gesprochen wird,nichts wird nach außen getragen und sie geben sich gegenseitig auch Kraft

  • Sauferei

    Wie????Epileptiker(in) und Alkohol - das schlägt dem Fass den Boden aus!!!!Sollte es Dir ernst gewesen sein mit deinem Beitrag,dann nimm bitte so schnell als möglich profesionelle Hilfe in Anspruch. echedey

  • Kommentar wurde vor mehr als 4 Jahren gelöscht
  • Das klingt aber überhaupt nicht gut. Ich denke, es wäre an der Zeit, dass Du Dir Hilfe besorgst. Entweder eine ordentliche Entgiftung mit im Anschluß daran einen Langzeit-Therapie oder aber mindestens eine Gruppe, die Dir behilflich sein kann. Zumindest wenn Du überhaupt ernsthaft trocken werden und bleiben willst.

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