Erfahrungsbericht: sexueller Missbrauch

Thema: Depressionen
Was ist zuerst passiert?
Missbrauch in der Kindheit
Wann ist es passiert?
in der Pubertät
Was ist sonst passiert?
mit Angst groß geworden
Wie endete es?
als ich meinen Mann kennen lernte

Hallo! Auch ich bin sexuell missbraucht worden. Ich möchte euch meine Geschichte erzählen.</font>

Ich leide seit 2 Jahren an Depressionen, ausgelöst durch den die Krankheit und den Tod meiner Schwägerin. Seit dieser Zeit bin ich auch in einer Therapie. Ich gehe dort regelmäßig hin. Es hilft mir meine Kindheit mit anderen Augen zu sehen und die wahren Ursachen meiner Erkrankung zu erkennen. Ich dachte immer ich hatte eine gute Kindheit, aber nun sehe ich dass einiges nicht wirklich gut war. So bin ich zum Beispiel mit sehr viel Angst groß geworden. Angst vor Schlägen mit dem Stock, der immer im Sessel meines Vaters lag. Angst ganz allgemein vor Schlägen – ich wurde z.B. mit dem Gartenschlauch geschlagen weil ich mich dreckig gemacht hatte. Angst vor den aggressiven, verbalen Attacken meines Vaters. Er konnte und kann einen so richtig niedermachen mit Worten. Und mir fällt dann absolut nichts zu Erwiderung ein, mir fehlt es einfach an Schlagfertigkeit (sicher auch aus Angst). </font>

Ja und dann ist da auch die Angst, angefasst zu werden von meinem Vater. Was ich damit meine? Mein Vater hat mich immer wieder mal angefasst – an der Brust. Das begann in der Zeit als sich mein Körper begann zu entwickeln, also in der Pubertät – so etwa mit 12 Jahren und endete, als ich meinen Mann kennen lernte – mit 16 Jahren. Es war kein tägliches Ritual, aber es passierte immer wieder, immer wenn ich nicht damit rechnete – so nach dem Motto: Na, ist schon was gewachsen. Ich wurde auch „überredet“ zu zeigen was ich hab: Na, zeig mal was du hast. Ich bin doch dein Papa, dem kannst du das doch zeigen.“ Und ich, ich habe natürlich pariert. – Dass das alles sexueller Missbrauch ist, habe ich erst Anfang des Jahres verstanden. Da kam diese Geschichte erst hoch – aus der Verdrängung. Ich hatte alles das verdrängt, konnte mich an nichts davon erinnern. Inzwischen weiß ich, dass Verdrängung ein wichtiger Schutzmechanismus des Gehirns ist. Aber es war ein schrecklicher Moment, als alles ans Tageslicht kam – zu erkennen, missbraucht worden zu sein vom eigenen Vater. Schlimm waren auch die nachkommenden Folgen für mein jetziges Leben. Von einem Tag zum anderen konnte mein Mann mich nicht mehr anfassen, ohne dass ich zurückzuckte. Auch ich konnte ihn nicht mehr berühren, ohne zurückzuzucken. Keine zufälligen Berührungen waren mehr möglich, wie z.B. ich legte während der Autofahrt immer meine Hand auf sein Bein – geht nicht mehr. Abends beim Fernsehen saßen wir immer angelehnt aneinander – geht nicht mehr. Zusammen baden – geht nicht mehr. Unser Sexualleben war total gestört. Usw. Selbst als mein Sohn (17 Jahre) sich dich zu mir setzte musste ich ihn bitten sich wo anders hinzusetzen – wie erklärt man das seinem Kind? Wie schon erwähnt zuckte ich zurück – das ging über Verspannungen, Verkrampfungen bis zu völligen Erstarren, zur Unbeweglichkeit, zur kurzzeitigen Lähmung. Das kann man sich kaum vorstellen. Der Verstand sagt einen: Geh ein Stück weg! Aber es geht nicht – ich konnte mich nicht weg bewegen. Inzwischen ist ja einige Zeit vergangen und so langsam wird alles wieder besser. Es ist noch nicht alles in Ordnung, aber ich kann Berührungen wieder zulassen. </font>

Inzwischen habe ich es geschafft meine Eltern in einem Brief mit meinem Wissen zu konfrontieren. Auch meinem Bruder habe ich eine Kopie gesendet. Er ist der Meinung, das war doch alles nur Spaß, als mir gerade mal was gewachsen war. Anfangs war es für mich vielleicht wirklich noch Spaß, aber umso länger es dauerte um so mehr wurde es zur Belästigung und dann ist es Missbrauch. Meine Mutter kann sich nicht daran erinnern (es ist möglich, dass sie es auch verdrängt hat) und ist der Meinung, nun habe ich ja alles mitgeteilt und nun ist es gut. Nun können wir wieder zur Tagesordnung übergehen und alles vergessen. Das ist für mich aber nicht möglich. Wie kann sie nur denken, dass ich alles wieder vergessen kann.</font>

Nun bin dabei in der Therapie zu lernen damit zu leben, damit umzugehen. Helfen tun mir auch die Gespräche in den Selbsthilfegruppe „Depressionen und Ängste“, zu der ich regelmäßig gehe. </font>

Stichworte (Tags): angst, depressionen, Missbrauch

Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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Kommentare

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    Hallo Andrea,

    das liest sich nicht gut ! Was für Eltern muß man haben ? Ich wünsche Dir viel Kraft um mit dem Erlebten fertig zu werden !

    Liebe Grüße, Engie

  • Hallo Andrea! Mit kopfschüttelm und ein wenig Erschütterung las ich deinen Erfahrungsbericht.Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn einem sowas wiederfahren ist und man kann sowas auch nicht vergessen. Es wird einem ein Leben lang immer wieder in Erinnerung kommen. Man kann versuchen mit zu leben, auch wenn es verdammt schwer fällt. Ich finde deinen Weg sehr mutig und du kannst stolz auf dich sein.Ich hoffe für dich, das du liebe Menschen hast die dir beiseite stehen und mitunter verstehen können was du durchmachst. Viele liebe Grüße Greeneye

  • hallo andrea, ich finde es sehr mutig von dir deine eltern damit zu konfrontieren. deine eltern zu verstehen fällt mir allerdings sehr schwer (unmöglich), "spass" geht doch gar nicht, ich bin wirklich entsetzt über so ein verhalten. ich wünsche dir viel kraft und zuversicht auf deinem weg, und viele nette menschen die dich verstehen und zu dir halten.

  • hi,

    ich weiß was es heißt, was du durchgemacht hast und was du durchmachst. Bei mir kamen die Erinnerungen vor knapp 10 Jahren voll zurück und ich knabber heute oft noch daran. Mein vorläufig letzter Versuch es aufzuarbeiten wird mein Buch sein, welches vermutlich dieses Jahr noch erscheint. ein Buch, das vielleicht den Rest der Familie damit konfrontiert und ihnen keine Chance mehr gibt dem Thema auszuweichen. Es ist gut, dass du in Thera bist, darüber redest und schreibst, denn es ist der einzige Weg, damit leben zu lernen und ein Stück Normalität in den Altag zurück zu bekommen.
    Mach weiter so- ich bin stolz auf dich-
    judy

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