Erfahrungsbericht: Meine Kindheit

Was ist zuerst passiert?
Wir sind nicht erwünscht
Wann ist es passiert?
Kindheit
Was ist sonst passiert?
s.u.
Wie endete es?
Es endete erst mit dem Auszug

Ich kann mich gar nicht mehr daran zurück erinnern wann es angefangen hat. Aber ich denke es war so irgendwann zwischen dem 7. und 10. Lebensjahr. Meine Mutter kam mit ihrer Situation nicht mehr klar. Sie wünschte sich ein anderes Leben. Und das haben wir tagtäglich zu hören bekommen. Wir wären eine MIstbrut. Babys wären ja süss, aber so bald Kinder einen eigenen Willen hätten wären sie der letzte Dreck.

Wir hätten ihr ganzes Leben kaputt gemacht. Sie bereue täglich dass sie sich dafür entschieden hatte Kinder zu bekommen. Und das hat sie uns auch täglich zu verstehen und zu fühlen gegeben.

Mein Vater hat sich aus allem ziemlich herausgehalten. Ihm wurde dann Abends nur von meiner Mutter berichtet welche Verfehlungen wir begangen haben und er war dafür zuständig uns zu "bestrafen". Aber am schlimmsten waren die Abende wo uns nicht gesagt wurde was wir falsch gemacht haben. Wir wurden ins Wohnzimmer zitiert. Dort mussten wir dann vor meinen Eltern stehen so lange bis uns eingefallen war was wir falsch gemacht haben. Manchmal stundenlang. Wenn wir einfach nicht drauf gekommen sind (z.B. vergessen nach der Schule meine Mutter zu fragen wie es ihr geht!) dann wurden wir irgendwann nachts ins Bett geschickt mit den Worten wir sollten doch dann über Nacht überlegen was wir falsch gemacht haben und am nächsten Tag ging es von vorne los.

Als ich 12 war verschlimmerte sich die Situation. Meine Mutter meinte sie käme mit meiner 3 Jahre älteren Schwester nicht mehr klar (sie wäre eine Mißgeburt etc. wobei ich sagen muss meine Schwester war ganz normal, kein Alkohol, keine Drogen, kein Herumtreiben. Meine Mutter kam einfach mit ihrer Art nicht klar). Ab diesem Zeitpunkt wurde meine Schwester jeden Tag nach der Schule sofort in ihr Zimmer eingesperrt. Für ihre Notdurft stand ein Eimer in dem Zimmer. Und zu Essen bekam sie jeden Tag eine Konservendose.

Wenn meine Eltern einkaufen waren habe ich mich durch die Tür mit meiner Schwester unterhalten oder ihr Briefe unter der Tür durchgeschoben - heimlich, denn uns wurde jeglicher Kontakt mit meiner älteren Schwester untersagt. Meine 3 Jahre jüngere Schwester hat sich auch daran gehalten. Sie hat sich aus allem herausgehalten. War Mamas Liebling.

Mit 16 Jahren ist meine Schwester dann ausgezogen. Danach hat meine Mutter versucht mich einzusperren. Ich habe alles kurz und klein geschlagen und gebrüllt wie am Spieß. Ergebnis: eine Tracht Prügel - aber ich wurde nie wieder eingesperrt! Dafür hat meine Mutter andere Wege gefunden um mich psychisch fertig zu machen.

Ich habe meine Eltern angelogen und bin heimlich anstatt zu einer Freundin zu fahren übers Wochenende meine Schwester besuchen gewesen. Ich habe ihr Briefe geschrieben und die Antwort über meine Klassenlehrerin erhalten.

Irgendwann wurde es für mich dann trotzdem unerträglich. Mit 19 hatte ich dann einen Selbstmordversuch. Meine Mutter erzählte den Ärzten ich hätte simuliert. Ich wurde daraufhin wieder nach Hause entlassen.

Ein paar Monate später hatte ich dann meinen zweiten Selbstmordversuch. In der Schultoilette. Ich wúrde eine Nacht bei meiner Vertrauenslehrerin untergebracht und danach war ich im Frauenhaus.

Danach habe ich bei einer Freundin gewohnt. Es hat Jahre gedauert bis mir meine Eltern verziehen haben. Sie werfen mir noch heute vor, dass das Sozialamt die Kosten für die Unterbringung im Frauenhaus von ihnen zurückgefordert haben.

Heute ist das Verhältnis sehr oberflächlich. Nach dem was so alles passiert ist sind sie keine Vertrauenspersonen für mich. Aber ich habe es auch nicht geschafft den Kontakt ganz mit ihnen abzubrechen. Über früher wird einfach nicht gesprochen. Und heutzutage muss ich sie ja nur sehen wenn ich "will". UNd wenn sie mir weh tun kann ich einfach gehen. Deshalb funktioniert das einigermaßen ...

Stichworte (Tags): Keine Stichworte (Tags) vergeben

Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 4 Jahren

Dieser Erfahrungsbericht wurde 289 mal angezeigt.

Danke sagten 5

Gruppen, in denen dieser Bericht veröffentlicht wurde

Kommentare

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu schreiben. Login

  • liebe katik,meine kindheit ist ähnlich verlaufen.ich habe noch eine zwillingsschwester,die immer mamas liebling war.meine mutter hat mir mal erzählt,dass sie mich nie wollte,nur sie.ich habe als baby lange in der klinik gelegen,weil man mir beim kaiserschnitt fast den hals aufgeschlitzt hätte.habe noch eine narbe.meine mutter hatte viel zeit,sich an meine schwester zu gewöhnen.als ich dann nach monaten dazu kam,war ich zu viel.ich wurde auch immer im kinderzimmer eingesperrt,von meinem vater geschlagen,der die drecksarbeit durchführen mußte.meine mutter hat mir immer gedroht,mich ins kinderheim zu stecken oder mich in den keller zu sperren.ich tauge zu nichts,ich kann nichts,ich kann nicht von meinen eltern sein u.s.w..mußte einkaufen,putzen,mit dem hund gehen.habe bis 4 jahre nachts tägl. ins bett gemacht.habe nachts geschriehen,wofür ich wieder senge bekam.mußte bis zum 18 lebensjahr bis um 19.00 uhr im bett liegen.alle gingen zur disco,ich ins bett.habe sooo viel geweint.habe nie etwas zum anziehen bekommen.meine mutter sagte immer,dass sie für mich kein geld hat.mußte von meiner schwester die sachen tragen.meine schwester haßte mich,meine mutter auch.vor 10 jahren habe ich allen den rücken zugewandt.jetzt habe ich gesundheitliche probleme.panikataken,depressionen,zwänge,starke nervosität,ängste u.s.w..ich habe mal angerufen,da wurde ich angeschriehen.mir wurde gesagt,sie seien froh,dass ich jetzt weg bin u. sie wollen,das es so bleibt.ich solle es unterlasse,sie noch einmal zu belästigen.jetzt renne ich immer weg z.b. vor problemen.baue hohe mauern um mich herum.räume stets meine wohnung um und lasse keine menschen,die meine freunde sein wollen an mich ran.therapie zu machen,habe ich versucht zu,1 jahr lang.bekomme keinen termin.jetzt hab ichs' aufgegeben.mir geht es immer schlechter.im übertriebenen sinne:3 phsychiater für hunderete menschen.manchmal denke ich an den tot,der nur schöner sein kann,als diese qualen.

  • Es schockt und macht einen echt wütend was dir und deiner Schwester in der Kindheit passiert ist. Wie können Erwachsene Menschen/Eltern nur mit einem so umgehen? Es hat mit Sicherheit viel Kraft gekostet diesen Weg zu gehen, aber es ist bewundernswert wie du es geschafft hast. Viel Glück weiterhin! Lieben Gruß Greeneye

  • Boar das kommt mir alles so ähnlich vor. Wir haben mehrfach versucht meine Eltern darauf anzusprechen was damals passiert ist aber sie sehen überhaupt nicht ein, dass sie Fehler gemacht haben. Das Thema Vergangenheit führt zwangsläufig zu Streitereien. Deswegen wird es totgeschwiegen.

    Und meine Eltern verstehen auch nicht warum das Verhältnis oberflächlich ist. Ich weiss nicht ob ich weinen würde wenn ihnen etwas passieren würde. Ich weiss nur ich kann den Kontakt zu ihnen nicht einfach abbrechen weil ich immer das Gefühl habe sie sind doch meine Eltern und ich kann ihnen das doch nicht antun.

    Also sehe ich sie so häufig wie ich es "ertragen" kann (denn unterschwellig versucht meine Mutter mich immer mit Sticheleien etc. weiter fertig zu machen). Aber ich möchte natürlich auch dass meine Tochter Kontakt zu Oma und Opa hat.

  • Das war ja der reinste Psychoterror.

    Meine Mutter hat mich auch total fertig gemacht.Nie war was recht nie gut genug. Immer wurde ich mit meiner superintelligenten Schwester verglichen."Warum bist du nicht wie......(meine Schwester)"Heute jammert meine Mutter über meine Schwester und beschwert sich bei mir, wie sie mit ihrer Mutter umgeht.Mein Verhältnis zu meiner Mutter ist sehr kühl und distanziert.sie wundert sich immer darüber.Sie hat nicht begriffen, was sie uns Kindern angetan hat.Würde ich es ihr erzählen, würde sie sagen, daß ich spinne.Mein Vater war sehr lieb und gerecht zu uns Kindern,aber er hat mir nie beigestanden, wenn Mutter ungerecht wurde.Ich könnte nicht m,al weinen, wenn sie sterben würde,im Gegenteil, ich wäre erleichtert.Keiner unserer Verwandten oder Freunde hätte mir geglaubt, hätte ich das erzählt. Keiner!!!Nach außen war meine Mutter die perfekte Mama und Ehefrau!!!!!!!!!!!!!!!

    Ich wünsch Dir alles nur erdenklich Gute für die Zukunft und viel Erfolg bei Deiner Therapie!!!Und denk immer dran: Du bist nicht schuld.Es lag nicht an Dir!!!! LG und laß Dich drücken von jerrymouse

mehr

© 2007 - 2012 imedo GmbH, alle Rechte vorbehalten.
Die unter www.imedo.de angebotenen Dienste und Inhalte sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen