- Was ist zuerst passiert?
- Krebs
- Wann ist es passiert?
- ???
- Was ist sonst passiert?
- gestroben
- Wie endete es?
- Tod
heute komme ich mal zu einem Thema, das nicht alltäglich ist, aber dennoch täglich passiert.
Nämlich, daß man einen geliebten Menschen einfach so verliert und nichts, aber auch gar nichts dagegen tun kann.
Ende Februar diesen Jahres ist mein über alles geliebter Paps an Krebs gestorben. Er war gerade mal 66 Jahre alt.
Verdammt, ich muß sagen, das triftt mich jetzt beim Schreiben schon wieder ganz schön hart.
***Die Vorgeschichte***
Mein Paps hat sein Leben lang hart gearbeitet, um sich und seine Familie (Mama, 2 Söhne und mich) ernähren zu können.
Zugegeben, wir haben nie schlecht gelebt, doch es hätte einfacher sein können.
Vor 3 Jahren hat er dann, nachdem er bereits berufsunfähig war, seine Rente eingereicht. Dann, nur 1 Jahr später, bekam er schlimme Schmerzen im Rücken, sodaß er kaum noch schlafen konnte. Ständig ist er zum Arzt gerannt, um herauszubekommen, woran es liegt. Der sagte nur, daß es sich wahrscheinlich um Verspannungen handelt.
Nachdem er dann einen Radiologen aufgesucht und sich den Brust- und Rückenbereich hat durchleuchten lassen, haben sie nichts gefunden, außer 2 klitzekleinen Punkten auf der Lunge.
Diese stellten sich nach kurzer Zeit als Krebszellen heraus, die dann mit Chemotherapie behandelt wurden. Zusätzlich wurde ihm dann noch ein Teil der erkrankten Lunge entfernt.
Irgendwann, nach 12 Sitzungen Chemotherapie hatten sich die Krebszellen eingekapselt und die Chemotherapie wurde beendet. Nach 3 Monaten ging er dann zur Kontrolle und prompt hat sich alles wieder vergrößert.
Innerhalb der letzten 2 Jahre kamen dann diverse Krebsherde dazu, unter anderem entdeckte man dann doch endlich im Sommer letzten Jahres Knochenkrebs an der Wirbelsäule, wegen dessen Schmerzen mein Vater damals überhaupt zum Arzt ging. Man operierte ihn, aber es half alles nichts mehr. Er wurde zunehmend dünner, sah von Tag zu Tag älter aus und verstarb dann am 22. Februar diesen Jahres.
***Meine Gefühle während dieser Zeit***
Als ich vor 2 Jahren erfuhr, daß mein Paps an Krebs erkrankt ist, bin ich erstmal innerlich zusammengebrochen. Das war das Schlimmste, was mir passieren konnte. Ich habe immer gehofft, daß er irgendwann im gesegneten Alter friedlich und ohne Schmerzen einschläft. Das war ihm aber nicht vergönnt.
Nachdem ich mich einigermaßen wieder gefangen hatte, was bestimmt eine Woche gedauert hat, in der ich mich über das Thema Krebs im Internet ein bißchen schlau gemacht hatte, habe ich versucht, meinen Vater wieder ein bißchen aufzubauen, denn er war natürlich am Boden zerstört und der festen Überzeugung, daß nun alles vorbei ist. (Womit er im Endeffekt ja auch recht hatte) Nichtsdestotrotz habe ich ihn getröstet und versucht, ihm die Angst vor dem Krebs zu nehmen, indem ich ihm diverse Artikel aus dem Internet zum Thema Krebs vorgelegt habe, die durchaus positiv waren.
In den letzten 2 Jahren bin ich meinem Vater nochmal so nah gekommen, wie ich es nie für möglich gehalten hatte, daß es so etwas überhaupt gibt. Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich hatte das Gefühl, ich würde ihn noch viel besser kennen lernen, weil wir über Dinge geredet haben, die sonst nie ein Thema für uns gewesen waren. Es waren alltägliche Dinge, die plötzlich eine Riesen Bedeutung für mich hatten. Ich habe mich die ganze Zeit so intensiv mit ihm beschäftigt, wie ich es in meinem ganzen Leben nicht getan habe. Wahrscheinlich, weil es so selbstverständlich war, daß er einfach da ist.
Die letzten 3 Monate seines Lebens vergingen für uns so schnell, und für ihn so quälend langsam. Er hat sich nur noch gewünscht, endlich schmerzfrei zu sein. 4 Tage vor seinem Tod hat er meiner Mutter gesagt, daß er seine Kinder unbedingt noch einmal sehen will. An diesem Tag hat er mir gesagt, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis er erlöst ist, das würde er merken. Daraufhin habe ich ihn gefragt, ob er Angst hat zu sterben, und er sagte Nein. Das war für mich, als wenn er uns einfach zurücklassen würde, ohne Rücksicht auf Verluste.
Jetzt, im Nachhinein, weiß ich natürlich, daß das auf gar keinen Fall seine Absicht war.
Obwohl ich ja nun schon lange wußte, daß es irgendwann so weit sein würde, traf mich die Nachricht, daß er eingeschlafen ist, trotzdem so hart, daß ich es nicht glauben konnte. Warum ist das nur so? Warum kann einem sowas einfach nicht erspart bleiben? Ich hatte ihn noch ein paar Stunden vorher im Krankenhaus gesehen, ihn gepflegt, mit ihm gesprochen, und plötzlich ist er nicht mehr da.
Natürlich weiß ich, daß es so für ihn besser ist, aber trotzdem schmerzt es so ungemein.
Hart war dann noch mal die Trauerfeier und die Urnenbeisetzung 2 Wochen später. Doch jetzt fällt mir alles schon wieder so viel leichter. Ich kann über ihn sprechen, über ihn denken, über so manchen Patzer lachen und trotzdem fehlt er mir so.
LG
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Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 4 Jahren
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