- Was ist zuerst passiert?
- Ausbruch der Krankheit nach zuviel Streß bei der Arbeit
- Wann ist es passiert?
- Anfang 2003
- Was ist sonst passiert?
- Zwei Depressionen, zwei Manien
- Wie endete es?
- Krankheit endet nie, sie ist unheilbar
Vor vier Jahren brach meine Krankheit aus. Bisher hatte ich drei Manien. Der ersten ging viel Streß bei der Arbeit voraus. Mitauslöser waren wohl auch ein Cortison- und ein Darmmittel, die ich vorbeugend gegen eine schwere Darmkrankheit bekam, die ich dann doch nicht hatte. Ich war ein Monat stationär und drei Monate in der Tagesklinik. Durch die Krankheit verlor ich meine Arbeit. In der Klinik verschrieb man mir Zyprexa. Eine abschließende Diagnose wurde nicht gestellt. Ich wollte auch nicht wahrhaben, daß ich bipolar bin und schob meine Manie auf die Medikamente. Meine Neurologin konnte mich auch nicht überzeugen, obwohl ich ihr erzählte, daß ich schon ca. 10 Jahre vorher an Depressionen litt aus Zukunftsangst. Dennoch nahm ich weiterhin Zyprexa, insgesamt ca. ein Jahr. Vier Monate nach dem Absetzen hatte ich wieder eine Manie. Vorausgegangen waren vehemente Zukunftsängste. Das heißt, meine Gedanken wurden davon beherrscht. Meine berufliche REHA sollte bald auslaufen, und ich sah keine berufliche Perspektive mehr und mich schon Anfang 2005 als Hartz-IV-Kunde. Zu jener Zeit hatte ich noch Arbeitslosenhilfe, und da fühlte ich mich noch nicht ganz unten. Meine Neurologin gab mir gegen die Ängste ein beruhigendes Antidepressivum, warnte mich aber gleichzeitig, daß dies auch zu einer Manie führen kann. Die bekam ich dann auch. Wieder das gleiche Spiel: Ich will von einer bipolaren Krankheit nichts wissen und schiebe alles auf das Antidepressivum. Wieder Zyprexa für ca. ein halbes Jahr. Anfang 2005 ALG II und Ein-Euro-Job. Der Ein-Euro-Job unterfordert mich stark (ja, auch Unterforderungen können krank machen). Ich bekomme wieder vehemente Zukunftsängste, stelle mir vor, daß ich in meinem Leben nichts anderes mehr machen darf als Ein-Euro-Jobs. Wieder Manie. Diesmal kapituliere ich und akzeptiere meine Krankheit, denn diesmal kann ich keine Medikamente mehr vorschieben. Meine Neurologin möchte mit mir eine Phasenprophylaxe machen mit Lithium. Ich möchte aber wieder Zyprexa nehmen. Außerdem frage ich nach Psychotherapie, da ja anscheinend Zukunftsängste bei mir Phasen auslösen können. Meine Ärztin meint, Therapie sei nichts für mich. Ich müsse akzeptieren, daß ich z.Zt. arm und arbeitslos bin. Wichtig sei nur, daß ich keine zu stressige Arbeit annehme. Wenn die Gespräche mit ihr nicht reichten, solle ich in eine Selbsthilfegruppe gehen. Das habe ich auch gemacht, aber irgendwie hat es nicht viel gebracht.
Jetzt nehme ich seit Juli letzten Jahres Lithium, da ich durch Zyprexa über 10 kg zugenommen habe. Ich bin auch froh, daß ich wieder 8 kg abgenommen habe. Eine Manie oder eine Depression habe ich seit Anfang 2005 nicht mehr gehabt, allerdings in den letzten Monaten wieder Zukunftsängste. Auslöser war ein Unfall, der dazu führte, daß ich mich neun Wochen kaum bewegen konnte. Ich konnte auch nicht Bus fahren, und meine Bekannten mußten arbeiten, so mußte ich jeweils einTaxi zum Arzt und in die orthopädische Ambulanz nehmen, was mich 234 € gekostet hat, die mir keiner bezahlt. Matratze und Bürostuhl sind auch schon zu alt bzw. kaputt. Jetzt brauche ich auch noch Brillen.
Daher habe ich mit einer Verhaltenstherapie begonnen, die meine Neurologin jetzt auch befürwortet. Ich will da lernen, mit meinen Existenzängsten umzugehen und ein besseres Selbstbewußtsein zu erhalten.
Die Psychologin scheint ganz gut zu sein, so sehe ich jetzt optimistischer in die Zukunft und freue mich auf die nächste Sitzung.
Stichworte (Tags):
Existenzängste, Verhaltenstherapie
Vor mehr als 4 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 4 Jahren
Dieser Erfahrungsbericht wurde 5064 mal angezeigt.