Hallo Edschi!
Habe mir Entsetzen deinen Bericht gelesen. Ich selbst bin auch 2005 an Darmkrebs erkrankt. Aber so ein Mertyrium hab ich nicht durchgemacht. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft für die Zukunft!
Berry
Seit Ostern 2006 hatte ich Schmerzen in Rücken und Unterbauch,lief von einem Arzt zum anderen,aber auch,weil es mich beunruhigte,daß ich unnatürlich starken Nachtschweiß hatte. Wenn ich sage:unnatürlich,dann meine ich das auch so.Ich mußte mindestens 3 mal in der Nacht das gesamte Bettzeug wechseln und mich waschen und anziehen. Das Wasser lief direkt an meinem Körper herunter.Ich bekam lange Zeit keinen Schlaf und meine Nerven lagen blank.Die Ärzte schoben es auf die Wechseljahre und untersuchten gar nicht erst. obwohl ich sagte,daß ich das Gefühl hätte,auf einem Tennisball zu sitzen.Ich wurde zu meiner Frauenärztin überwiesen und diese sagte mir dann,ich hätte wohl einen Gebärmuttervorfall und das sei in meinem Alter normal.Als ich sie darauf hinwies,daß ich auch schon 1x Blut im Stuhl hatte,meinte sie,es wäre wohl eine Hämmorroide aufgegangen durch den Druck der vorgefallenen Gebärmutter...
Ich hatte also weiterhin Schmerzen und wurde wie ein Hypochonder behandelt.Das Schwitzen in der Nacht wurde immer stärker und ich bekam nachts manchmal einen kleinen Ohnmachtsanfall,wenn ich von der Toilette kam. Ich wußte aber dann schon vor dem Toilettengang, daß es wieder passieren könnte und habe mich ,sobald mir schummrig wurde,einfach auf den Korridor gelegt,mit den Beinen an der Wand nach oben.So konnte ich dann immer das Schlimmste vermeiden.
Noch nicht genug der Strapazen,ich bekam noch einen ganz starken Husten,bei dem ich ohne Pausen husten mußte und mich dadurch erbrach und sogar meine Blase nicht standhielt.Mein Mann ist die ganze Woche auf Montage und so rief er täglich an,wie es mir denn geht. Er sprach mit unserer 19-jährigen Tochter,die noch zu Hause wohnt und bat sie,mit mir in die Notaufnahme zu fahren.
Gesagt getan...Dort dachte man,ich hätte Typhus und wies mich sofort in ein Krankenhaus ein.Die ersten Untersuchungen ergaben,daß es kein Typhus war und da ich meine Krankengeschichte erzählt hatte,untersuchte man weiter,denn eine Erklärung für den starken Husten gab es nicht.
Nach einer Lungenspiegelung,einer Magenspiegelung, dann eine Darmspiegelung. Ich wachte in meinem Krankenzimmer wieder von der Kurznarkose auf und wunderte mich,denn normalerweise tut man das im Aufwachraum und wird dann erst wieder ins Zimmer gefahren.Der Stationsarzt kam und sprach mit mir.
Man konnte keine Darmspiegelung machen,denn ich hatte ein sehr nahe am Anus gelegenes Rektumkarzinom von 8 cm Durchmesser und hatte schon Darmverschluß. Ich sollte gleich am nächsten Morgen zur Operation in das dafür zuständige Krankenhaus verlegt werden.
Die Schwestern entschuldigten sich bei mir,weil sie mich am Vortag so ausschimpften. Ich sollte am Vortag die 4 Liter Abführmittel trinken und hab nur 2 geschafft,hab auch gesagt,daß ich davon keinen Durchfall bekomme,daß gar nichts kommt...aber wieder wollte man mir nicht glauben.
Am nächsten Tag also sah man dann,warum nichts mehr kommen konnte. Der Arzt sagte,er wäre am Tumor nicht einmal mehr mit der kleinen Sonde vorbeigekommen.
Am nächsten Morgen wurde ich verlegt und dort wurde mir dann ersteinmal ein künstlicher Darmausgang gelegt.Den Tumor konnte man noch nicht entfernen,weil er zu weit um sich gegriffen hatte und zu weit ins Kreuzbein gewachsen war. Ich mußte also im Krankenhaus auf der Strahlenstation bleiben und bekam erst einmal 33 Bestrahlungen,von Montag bis Freitag täglich.Während dieser Zeit erhielt ich 2 Folfox4-Chemos von je 1 Woche.
Dann durfte ich für 6 Wochen nach Hause,denn die Behandlungen wirkten noch 6 Wochen nach. Ende Januar wurden dann in einer 7-stündigen OP mein Tumor mit 44 cm Dickdarm,die Gebärmutter,beide Eierstöcke,13 Lymphknoten(vorsichtshalber),mein Bauchnabel(Hatte sich 1 Metastase dahinter versteckt),viel Bauchfell(ebenfalls eine Metastase drin) , 31 cm Dünndarm(war nicht von Krebs befallen,aber durch die Bestrahlungen mit dem Dickdarm verschmolzen)entfernt.Außerdem wurde dabei auch noch mein künstlicher Darnausgang korrigiert,der sich leider zum Prollaps entwickelt hatte und 25 cm heraushing.
14 Tage nach dieser OP mußte ich zur Reha fahren,zwar mit dem Taxi,aber ich konnte kaum sitzen und hatte enorme Schmerzen. Die Reha brachte also gar nichts,mußte auch nach 12 Tagen abgebrochen werden,da ich schon wieder einen Krankenhausplatz zur Einstellung der Chemo hatte.
Die erste Chemo erhielt ich im Krankenhaus,dann folgten noch 8 weitere Chemos bei meiner behandelnden Onkologin ambulant.Ich sollte eigendlich 12 ambulante Chemos bekommen,aber im August mußte nach der 9.abgebrochen werden,da ich eine starke Polyneuropatie bekam,die auch noch immer nicht weg ist.Bemerkbar macht sich das durch Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen,die Kraft fehlt auch total und man läuft,als hätte man keine Füße dran.Weite Strecken sind unmöglich und die Gelenke werden auch so schnell steif und schmerzen dann bei jeder Bewegung.
Manchmal habe ich das Gefühl,daß die Ärzte auch mit Ihrem Latein am Ende sind. Immerhin hatte ich Krebs im 4. Stadium und kann wirklich froh sein,daß ich noch lebe. Was da die Operateure geleistet haben,grenzt an ein Meisterwerk.
Natürlich ist es noch nicht zu Ende.Die große OP war erst vor einem Jahr und jetzt heißt es aufpassen,daß ja keine Metastasen wiederkommen.
Übrigens erfuhr ich nach der OP von den Operateuren,daß ich keinen Gebärmuttervorfall gehabt hatte. Ich habe inzwischen meine Frauenärztin gewechselt und lasse mich im mich operierenden Krankenhaus behandeln.
Am 30.November wurde dann mein künstlicher Darmausgang zurückverlegt...darauf hatte ich mich schon gefreut,aber heute sage ich:hätt ich das nur nicht machen lassen,denn ich habe große Probleme und kann mir nur mit irrigieren helfen,schmerzfrei und ungebunden zu sein. Sicher,ich komm damit klar,aber es ist doch besser und schmerzfreier gewesen mit meinem Beutelchen.
Das war mein Erfahrungsbericht und nun möchte ich von Euch hören,vielleicht auch,wie ich die Polyneuropatie bezwingen kann. Das wäre echt toll.
Es grüßt Euch Edschy
Stichworte (Tags): darmkrebs, schlechte Behandlung, Schmerzen, Verlauf, Vorgeschichte, Wunderärzte
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 2 Jahren
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Hallo Edschi!
Habe mir Entsetzen deinen Bericht gelesen. Ich selbst bin auch 2005 an Darmkrebs erkrankt. Aber so ein Mertyrium hab ich nicht durchgemacht. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft für die Zukunft!
Berry
hallo edschy ,
du bist eine sehr starke und tapfere person . bewunderswert .
schrecklich was man alles erleben muss um überleben zu dürfen . ich bin auch krebskrank gewesen , allerdings vor 21 jahren , habe aber so was nicht erlebt , da ich nach der OP die bestrahlung abgelehnt und stattdessen andere heilmethoden ausprobiert habe .
viele liebe grüße und alles gute
zana
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Danke Etschy mir fehlen die Worte --zu dieser Ärztin eh aber auch zudem was du leider erleben musst ertragen musst.Schön aber das du so lieb schreibst !Wünsche mir das ic dich hier bei Imedo noch öfter lesen darf --und dir vor allem weiteres Glück weitere Stärke die du sehr hast !Umarme dich mal fest marion

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