Ich kann dich verstehen
es ist jetzt fast 10 Jahre her, da starb mein Großvater an Lungenkrebs, 2 Jahre davor sein Bruder. Auch wenn ich es zu Lebzeiten meines Großvaters nie wirklich gemerkt hatte, verband uns sehr viel. Seitdem leide ich an Depressionen. Ich war damals also 16 als es los ging. Mein Großvater hat so gekämpft und doch verloren. 6 Jahre hat er gekämpft. Ich bewundere noch heute seine Kraft.
Andere hätten jetzt wohl daraus gelernt, und nie wieder eine Zigarette angefasst, ich nicht. Habe gerade vor 2 Tagen mich jemanden aus dem Freundeskreis anvertraut, was nicht leicht wahr, aber er ist sehr hartnäckig gewesen. Er wollte wissen, warum ich so traurig bin und verstehen, wieso ich mich so quäle. Dabei kam das Gespräch auch auf meinen Großvater. Als er hörte, das er an Lungenkrebs durch Tabakkonsum gestorben ist, hat er es nicht verstehen können, das ich noch rauche. Wo ich doch weiß, wie schlimm der Tod meines Großvaters für mich war und ich doch eine kleine Tochter habe. Doch der Tod macht mir keine Angst. Wenn die Zeit gekommen ist, ist es halt so. Du hast mich nicht ermutigt, falls du das jetzt denkst. Keine Angst. Ich habe vorher schon so gedacht.
Auch mit deiner Familie kann ich zum Teil nachvollziehen. Auch ich komme aus der sogenannten glücklichen Familie. Auch wenn mein Leben nicht ganz so eingeschränkt war, fehlte doch so einiges an Zuneigung. Meine kleine Schwester war schon immer das "Problemkind" der Familie. Von mir wurde erwartet, das ich stark bin.
Habe versucht, mit meinen Eltern über meine Depressionen zu reden. Sie wollen es nicht hören. Sie meinen ich übertreibe. Ich glaube, die haben Angst. Sie hatten beide keine leichte Kindheit. Dennoch sind sie bei jeder Kleinigkeit für meine Schwester da. Ich habe früh gelernt, mit meinen Problemen alleine fertig zu werden oder alles einfach reinzufressen. Ich bin heutzutage sehr Verschlossen und habe Probleme Menschen zu vertrauen. Ganz schlimm ist es, wenn ich in eine Depression rutsche, dann glaub ich niemanden, der mir helfen will. Das hat dafür gesorgt, das mein Mann und ich uns immer weiter entfernen und fast schon nebenher leben, obwohl ich ihn über alles liebe. Meinen besten Freund versuche ich seit 2 Tagen von mir fern zu halten, bin gestern schon richtig kalt und gemein zu ihm gewesen. Ich weiß, man soll seine Freunde nicht wegstoßen, aber es ist schwer.
Heutzutage habe ich nur noch 2 Freunde. Vor 10 Jahren waren es weitaus mehr. Doch den Kontakt zu den Anderen habe ich abgebrochen.
Ich will niemanden mehr weh tun, wenn es mir schlecht geht.

