Erfahrungsbericht: Andere kämpfen ihr Leben lang - ich hatte schon aufgegeben, als ich geboren ward.

Thema: Krebs
Was ist zuerst passiert?
Mit einem kleinen Husten fing Alles an...
Wann ist es passiert?
Anfang des Jahres
Was ist sonst passiert?
Viele schmerzhafte Verluste
Wie endete es?
Lungenkrebs

Ich möchte ein wenig ausholen, damit meine Gründe untermauert werden, die in der Gesellschaft auf wenig Verständnis stoßen.

Aufgewachsen bin ich in einer "glücklichen" Familie: Eltern und eine Schwester in einer Kleinstadt. "Glücklich" definiere ich heute mit einem Dach über dem Kopf, sauberer Kleidung und regelmäßigen Essen. Viele werden jetzt denken, dass sich das manche Kinder auf dieser Welt wünschen, allerdings wage ich zu behaupten, dass ich ohne jede Zärtlichkeit oder zwischenmenschliche Liebe aufgewachsen bin. Und nein: Den Kontakt zu anderen Kindern kannte ich derzeit noch nicht.

Mein Eltern unterrichteten mich und meine Schwester von zuhause aus, weil sie uns "schützen" wollten vor dieser Welt voller trivialer und profaner Sehnsüchte, die dem Menschen anscheinend mehr schaden als dass sie ihm gut tun würde.

Die Höhepunkte meines kindlichen und jugendlichen Lebens waren die Momenten, die ich draussen verbrachte: Beim Einkaufen, beim Arzt, etc. Ich beobachtete die Menschen, sog ihre Gesichter, Gestiken und Worte auf. Wir hatten zuhause zwar einen Fernseher (was mich heute doch schon sehr erstaunt), allerdings nur die ersten drei Programme und dann auch nur ausgewählte Sendungen.

Naja, wir kamen erst auf eine öffentliche Schule nach der Grundschulzeit. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen: Meine Schwester musste auf ein Mädchengymnasium und ich auf ein Bubengymnasium. Jetzt hatte ich niemanden mehr - glaubte ich. Während meiner Zeit auf dem Gymnasium hatte ich nie einen Freund. Noch nicht einmal eine sogenannte Zweckfreundschaft zweier Aussätziger. Aber da ich es gewohnt war, machte mir das nichts aus. Und die Erfahrungen, die ein Jugendlicher normalerweise macht, bekam ich nur am Rande mit, durch die Gespräche, die meine Schulkameraden miteinander führten. Wie es meiner Schwester auf dem Gymnasium ging, habe ich nie wirklich mitbekommen. Habe auch nie gefragt. Wie gesagt: Zwischenmenschliche "Skills" scheinen mir ein wenig zu fehlen. Habe ich durch meine Eltern nie wirklich kennengelernt.



Und als die Zeit vorbei war, fingen meine Schwester und ich (wir sind Zwillinge) bei meinem Vater in der Firma an. Wir kehrten sozusagen immer wieder zu meinen Eltern zurück, auch wenn die kurzen Ausflüge in die reale Freiheit jetzt öfter vorkamen. Wir gingen sogar einmal im Monat zum Mitarbeiterstammtisch. Zwar redeten meine Schwester und ich kaum, aber die Gesellschaft anderer Menschen war für uns eine riesige Abwechslung und war immer wieder von Neuem aufregend. Wie ein junger Säugling, der die Welt neu entdeckt.

Unsere Eltern hatte uns nie was verboten, aber sie hatten uns unbewusst an sie gebunden... Vor allem meine Schwester.

2005 hatten meine Eltern einen grausamen Autounfall. Meine Schwester hatte einen Nervenzusammenbruch und wurde auch behandelt. Allerdings nicht allzu lange.

Wir lebten dann noch einige Zeit zusammen in dem Haus unserer verstorbenen Eltern, bis sie eines Tages mit gepackten Koffern vor mir stand und ruhig sagte: "Ich geh jetzt. Ich meld mich. Machs gut." Ich schaute nur auf und sagte "Mach das!". Ich selber blieb in dem Haus. Wo sollte ich auch hin?

Ein Jahr später bekam ich tatsächlich Neuigkeiten von meiner Schwester. Bzw. nicht direkt. Sie hatte für sich den Freitod gewählt.

Ich weiß nicht, was ich wirklich empfunden habe, aber ich nahm es hin. Wahrscheinlich hatte ich es erwartet.

Zwei Jahre später (Anfang diesen Jahres) dauerte meine Erkältung an. Und zwar lange. Vor allem der Husten. Er wurde chronisch und nervte mich in erster Linie. Er nervte mich so sehr, dass ich schließlich zum Arzt ging. Ich hatte da schon des öfteren Blut gespuckt, allerdings schob ich es auf die "Überanstrengung" meiner Bronchien. Nur der Arzt sah das anders: Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium.

Seitdem war ich nicht mehr beim Arzt. Ich habe mich entschieden dieses Schicksal anzunehmen. Allerdings möchte ich da niemanden motivieren, dass ebenfalls zu tun! Es ist mein Weg und ich sehe es eher als erlösendes Schicksal.

Danke, dass du, lieber Leser dir Zeit genommen hast.

Stichworte (Tags): lungenkrebs, Lungenkrebs Erfahrungsbericht, suizid, Suizid Erfahrungsbericht

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr

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Kommentare

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  • Ich kann dich verstehen

    es ist jetzt fast 10 Jahre her, da starb mein Großvater an Lungenkrebs, 2 Jahre davor sein Bruder. Auch wenn ich es zu Lebzeiten meines Großvaters nie wirklich gemerkt hatte, verband uns sehr viel. Seitdem leide ich an Depressionen. Ich war damals also 16 als es los ging. Mein Großvater hat so gekämpft und doch verloren. 6 Jahre hat er gekämpft. Ich bewundere noch heute seine Kraft.

    Andere hätten jetzt wohl daraus gelernt, und nie wieder eine Zigarette angefasst, ich nicht. Habe gerade vor 2 Tagen mich jemanden aus dem Freundeskreis anvertraut, was nicht leicht wahr, aber er ist sehr hartnäckig gewesen. Er wollte wissen, warum ich so traurig bin und verstehen, wieso ich mich so quäle. Dabei kam das Gespräch auch auf meinen Großvater. Als er hörte, das er an Lungenkrebs durch Tabakkonsum gestorben ist, hat er es nicht verstehen können, das ich noch rauche. Wo ich doch weiß, wie schlimm der Tod meines Großvaters für mich war und ich doch eine kleine Tochter habe. Doch der Tod macht mir keine Angst. Wenn die Zeit gekommen ist, ist es halt so. Du hast mich nicht ermutigt, falls du das jetzt denkst. Keine Angst. Ich habe vorher schon so gedacht.

    Auch mit deiner Familie kann ich zum Teil nachvollziehen. Auch ich komme aus der sogenannten glücklichen Familie. Auch wenn mein Leben nicht ganz so eingeschränkt war, fehlte doch so einiges an Zuneigung. Meine kleine Schwester war schon immer das "Problemkind" der Familie. Von mir wurde erwartet, das ich stark bin.

    Habe versucht, mit meinen Eltern über meine Depressionen zu reden. Sie wollen es nicht hören. Sie meinen ich übertreibe. Ich glaube, die haben Angst. Sie hatten beide keine leichte Kindheit. Dennoch sind sie bei jeder Kleinigkeit für meine Schwester da. Ich habe früh gelernt, mit meinen Problemen alleine fertig zu werden oder alles einfach reinzufressen. Ich bin heutzutage sehr Verschlossen und habe Probleme Menschen zu vertrauen. Ganz schlimm ist es, wenn ich in eine Depression rutsche, dann glaub ich niemanden, der mir helfen will. Das hat dafür gesorgt, das mein Mann und ich uns immer weiter entfernen und fast schon nebenher leben, obwohl ich ihn über alles liebe. Meinen besten Freund versuche ich seit 2 Tagen von mir fern zu halten, bin gestern schon richtig kalt und gemein zu ihm gewesen. Ich weiß, man soll seine Freunde nicht wegstoßen, aber es ist schwer.

    Heutzutage habe ich nur noch 2 Freunde. Vor 10 Jahren waren es weitaus mehr. Doch den Kontakt zu den Anderen habe ich abgebrochen.

    Ich will niemanden mehr weh tun, wenn es mir schlecht geht.

  • Depression - Lungenkrebs

    Hallo Lurdi Lamar.... Deinen Bericht habe ich gerade gelesen. Da weiß ich gar nicht, was ich Dir dazu schreiben kann. Aber Du mußt Dir wirklich Hilfe suchen. Das Leben kann trotz allem auch für Dich noch schön sein. Du hast doch noch fast keine schönen Erlebnisse erfahren. Aber das kann es nicht sein. Jeder braucht auch seine positiven Erfahrungen. Bitte, mache Dich auf den Weg und suche sie.

    Wenn man Deinen Bericht liest, dann vergißt man seine eigenen negativen sofort. Dann ist man (ich) wirklich froh über die positiven, die man bis jetzt erlebt hat. Denke daran, dass Deine positiven noch auf Dich warten. In jeder Situation gibt es Hilfe. Man muss sie nur suchen und annehmen. Bitte, versuche es.

    Alles Liebe wünscht Dir Amely

  • Ich wünsch Dir einen Engel...

    Manchmal brauchst Du einen Engel -der Dich schützt und Dich führt,

    Gott schickt manchmal einen Engel-wenn er Deine Sorgen spürt !

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft ! LG steffia

  • Andere kämpfen ihr Leben lang....

    Ich wünsche Dir für den Weg,den Du gehen willst ganz viel Kraft.

    lienchen

  • Zeit ? Was ist Zeit--endlos denken manche --ich denke viel zu kurz!

    Schicksal ? Schicksal ist etwas was man nicht selber mehr steuern kann ..wo man nicht mehr selber Hand anlegen kann um es zu ändern--Aber Schicksal ist nicht dazu da das man es fördert...unterstützt ..einatmet wie Etwas Natürliches!

    Fortgeschritten heisst nicht Endstadium ...Hoffnung ?Tiefen Glauben ?

    Ich wünsche dir sehr viel davon und vorallem Erleichterung..die in Form des Schicksals dich besuchen soll!Marion

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