Erhöhen Sie Ihre Reichweite und Patientenkontakte.
Erfahrungsbericht: mein neuer freund der leberkrebs
- Was ist zuerst passiert?
- ich genoss mein leben
- Wann ist es passiert?
- letztes jahr
- Was ist sonst passiert?
- seit 2007 sehr viel
- Wie endete es?
- bisher gut
erstmal ein herzliches hallo an alle!
ich habe mich gerade eben auf der seite imedo.de angemeldet. auf die seite bin ich eigtl nur durch zufall gestoßen, da eine arbeitskollegin mir davon erzählte.
ich bin krebspatient, dass seit anfang 2007, als ich damals von meiner erkrankung erfuhr, fiel ich sprichwörtlich in ein loch... alle wollten mir helfen aba ich ließ keinen an mich heran, einzig gespräche mit einem "gleichgesinnten" halfen mir aus der krise, dass ist auch der grund, warum ich das bedürfnis habe meine erfahrungen hier niederzuschreiben. vllt motivieren sie den ein oda anderen ja etwas.
anfang 2007 erkrankte ich wie gesagt an leberkrebs. alles fing damit an, dass ich mich ständig unwohl fühlte. ich wurde schlapp, dachte anfangs allerdings, dass ich "nur" überarbeitet wäre. ich dachte mir nichts dabei und machte wie gewohnt weiter.
die symptome kamen und gingen, daher vermutete ich nichts schlimmes. mitte des jahres kam dann der zusammenbruch, mir ging es immer schlechter.
meine haut fing des öfteren an zu jucken, unerträglich, ich wurde schlapp, dauermüde, ich konnte kaum noch etwas machen... eines tages sprach mich eine freundin auf meine leicht gelblichen augen an.. ich dachte sie macht einen spass, bis ich mich selbst davon überzeugte. ich ging daraufhin sofort zum arzt!
diagnose: leberkazinom
ein schock für mich!
ich muss dazu sagen, ich war immer ein "lebemann", tanzte auf jeder party, genoß mein leben, trank, tanzte, flirtete mit frauen, flog 2 mal pro jahr in den urlaub, party machen natürlich.. ich probierte alles aus. frei nach dem motto.. only the sky is the limit.
ich ernährte mich eigtl stets gesund, machte fitness, hab einen durchtrainierten körper. alles was ich tat, tat ich allerdings nie für mich, sondern stets für andere, meist für die frauenwelt.. ich bekam früh die rolle des casanovas und brachte sie in den jahren nach meiner pubertät zur perfektion..
mitte des jahres ging es mir wie gesagt immer schlechter, ich kam ins krankenhaus und wurde dort untersucht. dabei kam raus, dass der krebs im fortgeschrittenen stadium war.
nach der diagnose verkroch ich mich, ich war sicher, dass ich sterben werde aber warum? warum gerade ich? musste das sein?
es ging sogar soweit das ich mir wünschte es hätte den zeitungsträger von der ecke getroffen oder den dönerverkäufer, nur weg von mir, ich wollte nicht sterben, nicht krank sein, schließlich war ich der partyking, der draufgänger, der frauenheld und frauenhelden liegen nicht mit gelber haut im krankenhaus und sterben.
ich wurde dann in eine klinik eingewiesen, die sich auf krebs spezialisiert hat. der tumor hatte glücklicherweise noch nicht gestreut, ich bekam eine chemo- und srahlentherapie.
bis dato fühlte ich mich in meinem körper immer wohl, ich liebte meinen körper. ab dem punkt der diagnose und dem wissen, dass ich etwas "fremdes" im körper habe, hasste ich meinen körper. ich wollte das das "ding" so schnell wie möglich aus meinem körper verschwindet..
die strahlentherapie dauerte ca. 2 1/2 monate, die härtesten monate meines lebens.. ich kam sprichwörtlich nicht mehr klar. der tumor schrumpfte zwar, die strahlen bzw. chemotherapie war allerdings auch nicht förderlich für meine leber.. zu dem tumor in der leber kam dann noch eine zirose, so dass meine einzige chance eine transplantation wurde.
in der klinik lernte ich dann einen mann kennen, älter, gute rethorik, er wurde mein zimmergenosse. er hatte auch leberkrebs, ich glaube er mochte mich von anfang an.. ich machte dicht, wollte nix wissen.
in den wochen näherten wir uns allerdings langsam an, sprachen viel über tod, das leben, das half mir ungemein, jeden tag step by step.
einen tag sprachen wir über geld, weil er mich fragte, was ich so treibe.. ich erzählte von mir, den parties, den frauen, geld..
daraufhin wurde er recht still. tage später erzählte er mir, dass er viel geld hätte, immer viel gearbeitet hat, für statussymbole aber auch weil er ein workaholic ist.
weiterhin erzählte er mir, dass er eine frau und 3 kinder hätte, sowohl frau als auch kinder hätten ihn noch nie im krankenhaus besucht. er erzählte mir, das ihm alles geld der welt dennoch seine gesundheit nicht wiederbringen würde, den kontkt zu seinen kindern und seiner frau, würde es auch nicht verbessern.
ich frage mich bis heute, was vorgefallen ist, da er ein wirklich netter mann war. ich fand das sehr traurig.
als meine chemo 1 woche später beendet war und ich den letzten tag von meiner sitzung kam, war er nicht mehr da. ich dachte mir nichts dabei, wartete bis abends.. als er abends immer noch nicht auf dem zimmer war, fragte ich die schwester was los wäre.
sie teilte mir mit, dass er am morgen verstorben wäre.
ich weinte. das erste mal seit langem glaube ich, ich habe nicht mal bei der diagnose meines leberkrebs geweint..
wochen später bekam ich eine geeignete leber und wurde operiert, die op verlief gut, ich brauchte allerdings ewigkeiten um mich davon zu erholen.
ich machte eine reha, erholte mich langsam. eine schwere zeit. als der tumor aus meinem körper war, fühlte ich mich seelisch allerdings sofort besser.
die chemo war zwar schwer, als ich sie allerdings überstand, merkte ich, dass ich es schaffen kann. ich hatte biss zu leben.
heute, fast 2 jahre danach, geht es mir gut. ich muss allerdings sagen, dass ich mich vollkommen verändert habe. als ich wieder zuhause war, brach ich den kontakt zu meinen freunden ab. was heisst freunde, wenn es um parties ging, waren es meine freunde, allerdings sonst?
mir fiel auf das ich ewig viel leute kannte, nur wer war mein freund? wer besuchte mich in der klinik? es waren genau 3 personen! traurig eigtl, andererseits waren es 3 die an mich dachten, 3 stück.
ich genieße heute mein leben immer noch, jedoch dosiert und anders. ich gehe maximal 1-2 mal im monat auf parties, mache sport und zwar für mich, gehe in die sauna, esse gesund und trinke keinen alkohol.
ich habe seit 4 monaten eine feste freundin, für mich etwas total neues.
die überschrift klingt provokant, ich habe sie allerdings gewählt, da es mein erfahrungsberich ist. der leberkrebs war im endeffekt mein freund, sicherlich sage ich das, weil ich es gut überstanden habe, ich weiss das es ein glücksfall war und das es vielen nicht so geht, jedoch war der krebs insofern mein freund, weil er mit gezeigt hat, was leben bedeutet.
ich habe heute eine neue vorstellung von leben, genuss, freiheit und freundschaft. ich arbeite viel, jedoch mit genug freizeit, geld braucht man, geld beruhigt allerdings ist geld nicht alles.
was ich euch raten kann ist, dass ihr euch auf das wesentliche besinnen solltet. für jeden heisst das etwas anderes! ich vertrete nicht diese chaostheorie, dass jeder tag euer letzter sein kann, jedoch lebt man meistens in der jugend nicht so bewusst wie im alter. manchmal jedoch ist das ende schneller da als man es erwartet.
ich habe mich immer unbesiegbar gefühlt, die jugend ebend. das bin ich aber nicht und war es nie...
es tut manchmal gut daran erinnert zu werden.
ich wünsche euch kraft, besonnenheit und glück, alles gehört zu einer genesung bei einer krebsdiagnose, jedoch vergesst nie das der glaube berge versetzen kann, selbst wenn der spruch kitschig klingt!
glaubt an euch! falls ihr fragen habt, könnt ihr mich jederzeit fragen!
gruß krabby
Stichworte (Tags): Behandlung, krankenhaus, krebs, Leber, Leberkrebs, Reha, Therapie, zirose
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor etwa 1 Jahr
Dieser Erfahrungsbericht wurde 2265 mal angezeigt.
Gruppen, in denen dieser Bericht veröffentlicht wurde
Kommentare
Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu schreiben. Login
Bisher wurde noch nicht kommentiert.

