- Was ist zuerst passiert?
- Ich nahm Gewicht ab
- Wann ist es passiert?
- 2002
- Was ist sonst passiert?
- Ich konnte nichts mehr essen
- Wie endete es?
- Ich starb und wurde neu geboren
Guten Tag liebe imedo Community
vorweg möchte ich schreiben, dass dies der Erfahrungsbericht von mir, Stefan, ist, ich möchte lediglich mit der Erlaubnis von Hannes47 meine Erfahrungen zum Thema Speiseröhrenkrebs hier niederschreiben.
Da mir Hannes von dieser Seite erzählte wurde ich neugierig und schaute mich einmal um. Gerade für "ältere" Menschen ist es komisch sich anonym im Internet zu bewegen, jedoch auf der anderen Seite kann man so Leidensgenossen oder Interessierte informieren, was ich hiermit gerne nutzen möchte.
Mit Beginn des Jahres 2002 nahm ich mir als guten Vorsatz vor, abzunehmen. Ich hatte damals ungefähr 15 Kilo Übergewicht.
Das Abnehmen verlief von Anfang an sehr gut, ich nahm viel ab, sodass ich im August bereits 12 Kilo verloren hatte.
Mitte des Jahres hatte ich allerdings ein paar Begleiterscheinungen, ich war oft müde, hatte Bauchschmerzen.. ich dachte das dies durch der Ernährungsumstellung käme. Desweiteren ließ ich die ein oder andere Mahlzeit mal aus, was dumm war, ich weiß, nur so dachte das ich meinem Ziel schneller näher komme..
Ich hatte Husten und leichte Schluckbeschwerden.
Als die Symptome nach 4 Wochen immer noch nicht abgeklungen waren, ging ich zu meinem Hausarzt. Da ich keine große Lust auf eine Untersuchung hatte und ihn schon Jahre kenne, bat ich ihn mir mein übliches Medikament gegen Grippe zu verschreiben und verließ die Praxis.
Zwei Wochen nach dem Arztbesuch waren meine Schmerzen immer noch nicht weg, im Gegenteil, sie wurden schlimmer.
Als ich erneut zum Arzt ging, checkte mich mein Hausarzt komplett durch. Ich schilderte ihm die Symptome und wurde ausgiebig untersucht.
Ich glaube mein Arzt hatte aufgrund meiner Symptome damals schon einen Verdacht weswegen ich noch eine Magen-Darm-Speiseröhrenspiegelung über mich ergehen lassen musste.
Zwei Wochen nach meinem Arztbesuch stand meine Diagnose fest: Speiseröhrenkrebs.
Meine Freunde fingen mich damals auf und gaben mir enorm viel Kraft, ich konnte es nicht glauben, zumal mir bis heute niemand sagen konnte, wodurch der Krebs verursacht wurde!
Gerade auch die Freundschaft zu Hannes und seine Erfahrungen gaben mir Kraft, obwohl ich oft verzweifelt war. Ich bat die Ärzte sofort ehrlich mit mir zu sein und mir alle Details offen zu legen.
Im Anschluss an die Diagnose ging alles sehr schnell und der OP Termin stand schnell fest.
Eine Chemotherapie kam für mich nicht in Frage, da der Krebs auf die Speiseröhre begrenzt war... noch. Die Ausbreitung war wohl gerade noch im Rahmen, wo eine OP lohnenswert und erfolgversprechend war.
Die OP verlief gut und ich freute mich über mein neugewonnendes Leben. Mein Kehlkopf wurde glückerlichweise nicht entfernt.
Was ich damals noch nicht wusste war, dass die Begleiterscheinung einer solchen OP mein Leben fortan beeinflussen sollten.
Am Tag der OP starb mein altes Leben. Im Verlauf erholte ich mich mühsam, konnte allerdings nicht mehr in meinem Beruf als Polizeibeamter arbeiten. Ich lebe heute mit einer Dauerdiät, verziche auf Tabak und Alkohol. Zusätzlich habe ich Schluckbeschwerden und musste das "Schlucken" bzw Essen neu lernen. Ich habe bis heute dabei Schmerzen, sie wurden geringer nur ist aus dem Genuß zu essen eher eine Pflichtübung geworden. Ich esse nur so viel nötig ist.
In dieser Zeit haben sich viele sogenannte Freunde von mir abgewendet, wenige sind geblieben.
Mittlerweile ist das 5 Jahre her und ich bin dankbar, dass ich es geschafft habe und lerne langsam wieder mein Leben in einem bescheidenen Rahmen zu genießen. Meine Scheu, die ich entwickelte, versuche ich täglich aufs Neue zu bekämpfen und unter Leute zu gehen.
So komisch es auch klingt, mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, obwohl ich es nicht gedacht hätte. Schmerzen habe ich heute noch, sie sind allerdings nicht mit denen von vor 5 Jahren zu vergleichen.
Heute bekomme ich 2-Mal die Woche Hilfe zu hause und es geht mit den Umständen entsprechend gut.
Bisher ist kein neuer Krebs aufgetreten und ich genieße jeden Tag, den ich habe.
Mein Leben hat sich komplett verändert und wenn ich ehrlich bin, vermisse ich das alte, mein altes, unbeschwertes Leben. Probleme die man früher hatte bzw. dache sie zu haben, erscheinen heute in einem vollkommen neuen Licht.
Stichworte (Tags):
Behandlung, darm, Hausarzt, Kazinom, krankenhaus, magen, Speiseröhre, Therapie
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren
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