- Was ist zuerst passiert?
- Ich suchte einen Therapeuten für Traumatherapie
- Wann ist es passiert?
- vor ca. dreieinhalb Jahren
- Was ist sonst passiert?
- Ich hatte grade eien stationäre Therapie abgebrochen
- Wie endete es?
- Ich suchte trotzdem weiter
Ich hatte einen ca. 2jährigen Kampf mit der BfA hinter mir,wegen einer stationären Traumatherapie.Da ich allerdings medikamentenabhängig bin (Tramal) und kurz vorher einen Entzug gemacht hatte,war die BfA unwiderbringlich der Ansicht,eine Langzeittherapie in einer Suchtklinik hätte absolute Priorität.
Leider begriffen die Leute in der BfA nicht,wie retraumatisierend ein stationärer Aufenthalt unter überwiegend Alkoholikern für mich war!
Ich machte einen vierwöchigen Versuch in der Salus-Klinik,weil da angeblich auch Traumatherapie lief.
Dem war aber nicht so,das war ne herkömmliche Borderline-Therapie.Da ich kein Borderliner bin,brachte mir auch das nichts und so quälte ich mich 4 Wochen lang dort rum,bis ich abbrechen mußte,um halbwegs mein Leben zu retten.
Fertig,wie ich war,machte ich mich entnervt auf,mir einen Therapeuten für eine ambulante Traumatherapie zu suchen.
Ich bekam auch recht schnell einen Termin bei einem niedergelassenen Psychiater,bei dem ich die ersten 3 Stunden auch ein halbwegs gutes Gefühl hatte.
Ich erzählte ihm vom Mißbrauch in meiner Kindheit,sogar ein paar Einzelheiten,von dem traumatisierenden Aufenthalt in dieser Klinik,der grade hinter mir lag,und daß ich die Trennung von meinem Partner,die zwar schon 2 Jahre hinter mir lag,noch nicht wirklich verdaut hatte.
An dem Thema hat er sich dann erst mal festgebissen.Wollte wissen,warum ich mich nach 8 Jahren Beziehung von meinem Partner getrennt habe und was das mit meiner Krankheit zu tun hatte.
Ich antwortete ehrlich.
Das ist einer meiner größten Fehler:ich bin einfach zu ehrlich!Irgendwie kann ich mir das nicht abgewöhnen,v.a. dann nicht,wenn ich Hilfe suche.
In der 4. Therapiestunde verlangte der Psychiater dann von mir,mich mit dem Rücken zu ihm zu setzen und mal “frei zu assoziieren”.
Und das mir,wo jeder von uns eine Heidenangst vor Menschen hat und bevor ich zu sowas fähig wäre,wahrscheinlich jahrelang erstmal Vertrauen zu dieser Person aufbauen müßte!(Übrigens ist es bei uns egal,ob Männlein oder Weiblein,beides war am Mißbrauch beteiligt)
Der Versuch scheiterte natürlich,ich brach ab,drehte mich zu ihm um und sagte ihm,daß ich das nicht könne und nicht wolle.
Und da kam`s:
Er hätte schon erkannt,wo mein Hauptproblem läge!Ich hätte einfach nicht gelernt,mich Männern anständig unterzuordnen,und wenn ich das mal begriffen hätte,dann würde es mir auch gut gehen!
Ich dachte erst,der verarscht uns!
Aber der meinte das tatsächlich ernst!Hielt mir einen ausgiebigen Vortrag darüber,daß die ganzen psychischen Probleme,die wir Frauen haben,überwiegend daher kommen,daß wir irgendwann beschlossen haben,unser Leben selbständig zu führen und nicht unter der “Kontrolle” (das sagte er wortwörtlich!) eines Mannes!
Mir blieb erstmal die Spucke weg!Ich muß den angeguckt haben wie ein Erdferkel,wenn`s donnert!
Als ich meine Fassung wiederhatte,hab ich ihm ganz ruhig mitgeteilt,daß dieser “Versuch einer Therapie” hiermit für mich beendet sei und er doch nicht ernsthaft glaube,daß ich bei so einem Unsinn mitmachen werde!
Ich hab zum Glück eine Innenperson,die bei solchen Sachen sehr klar,sehr entschieden und sehr stark sein kann.
Ich stand also auf,um mich zu verabschieden und ihm noch ein schönes Leben in seiner Scheinwelt zu wünschen.
Für ihn völlig ungehörig!(Ich weiß jetzt nicht genau,ob für eine Frau oder für einen Klienten überhaupt!)
Man bricht keine Sitzung mittendrin ab und v.a. kommt man auf jeden Fall mindestens noch einmal,um sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen,wenn man sich schon der überlegenen Fähigkeiten eines Psychiaters bedienen wolle!(Nur sinngemäß wiedergegeben,den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr)
Und sowas mir!Die “überlegenen Fähigkeiten” studierter Menschen konnte ich schon in über 20 Jahren Tätigkeit als Krankenschwester “genießen”,und beeindruckt hat mich das nur selten!
Außerdem war ich da schon eine ganze Weile als Stationsleitung unterwegs und völlig abgestumpft gegenüber dem “Dr.-Titel-Gehabe”.
Ich blieb ruhig,fest und – ihm überlegen!
Hab ihn einfach stehen lassen,bin gegangen,aber nicht,ohne ihn darüber zu informieren,daß ich mich bei den zuständigen Stellen über diese Art der “Behandlung” ausgiebig beschweren werde.
Was ich auch getan habe.
Die Eine in mir war stark.Sie war wütend auf den Kauz,konnte aber das Ganze gut abhaken.
Die meisten anderen in mir waren am Ende!Wir hatten ja vorher schon keine Kraft mehr.
Dennoch hab ich weitergesucht,noch aufmerksamer,mit noch mehr offenen Antennen,und zum Glück hab ich doch noch die “Nadel im Heuhaufen” für mich gefunden.
Aber es war ein aufreibender Weg.
Es ist für mich immer wieder erschreckend,wie viele solcher “Krauterer” auf bereits traumatisierte Menschen losgelassen werden!
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Retraumatisierung, Therapeutensuche
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren
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