- Was ist zuerst passiert?
- Rückenschmerzen - als Folge meines Schreibtischjobs als Auslöser, zum Arzt zu gehen, der mir gegen meine Schmerzen eine Spritze in den LWS-Bereich gab.
- Wann ist es passiert?
- Anfang November 2006: Freitag die Spritze und eine AU; Samstag Notarzt gerufen; Mittwoch: Blutentnahme gefordert - Krankenhausaufnahme erforderlich!
- Was ist sonst passiert?
- Mittwoch bis Freitag: 3 Tage auf der Suche, doch das MRT brachte endlich Klarheit! Not-Operation am Freitag Abend
- Wie endete es?
- Mein Leben ist seit dem 10.11.2006 (= Tag der OP) nicht mehr so wie zuvor: Arbeitsunfähigkeit und derzeit noch lfd. Rentenverfahren dauern an!
Also dann möchte ich mal zum Thema "MRSA" mit meinem Bericht loslegen:
Ich bin seit 1978 durchgehend beim gleichen Arbeitgeber, einer Behörde, beschäftigt. Ein typischer Schreibtischjob mit Aktenbearbeitung, aber zuletzt überwiegend mit Publikumsverkehr - wegen Antragsannahme und Auskunftserteilung eben.
Bekanntlich ist ständiges Sitzen keine Freude für die Wirbelsäule bzw. "Bandscheibe", zumal wenn man durch Skoliose schon vorbelastet ist und dazu auch noch bereits die Vorstufe zum Bandscheibenvorfall im Bereich der HWS und der LWS mit einem MRT festgestellt wurde. Nun, Tabletten gegen die Rückenschmerzen waren schon lange ein Bestandteil des Alltags, aber Anfang November 2006 an jenem Freitag beschloß ich, zu meinem Hausarzt zu gehen und mir etwas anderes verschreiben zu lassen.
Wegen der akuten Schmerzen gab mir der Arzt eine schmerzstillende Spritze direkt in den LWS-Bereicht, wo die Schmerzen am ärgsten waren, und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für zwei Wochen gab es noch hinzu.
Doch statt dass die Schmerzen abnehmen würden, wurde es noch schlimmer, und so rief ich am Folgetag - es war ja Samstag - in der Notarztzentrale an, schilderte mein Problem und - optimistisch wie ich war - sagte ich meinem Gegenüber am Ende der anderen Telefonleitung, dass kein Krankenwagen nötig sei, sondern dass ichn nur eine Spritze gegen meine Schmerzen haben wolle. Und so kam dann nach einer Weile der Notarzt, und der Krankenwagen durfte vor Ort bleiben. Wunschgemäß bekam ich nach eingehender Untersuchung eine Spritze, dieses Mal in den Arm, und ansonsten hoffte ich bauf eine baldige Besserung.
Zu einer Besserung kam es aber leider nicht, sondern zu einer Zunahme der Schmerzen, einer Verschlimmerung bei jeder Bewegung und dazu entwickelte sich dann auch noch ein Fieber auf mehr als 41 ° Celsius. Dazu kam es auch noch mehr und mehr täglich zu einem fortschreitenden Bewegungsverlust von der Hüfte abwärts. Laufen unmöglich, gehen war nur noch in kleinen Trippelschritten möglich ganz wie bei einem Parkinson-Patienten.
Ich sah ein, dass ich mit meiner Hoffnung, dass ich in den beiden Wochen, die ich krankgeschrieben worden war, ziemlich alleine dastand! Ich nahm deshalb am Mittwoch alle verbliebenen Kräfte zusammen und fuhr wiederum zu meinem Hausarzt, von dem ich sofort eine Blutentnahme verlangte, um den Ursachen meiner Erkrankung auf die Spur zu kommen.
Meiner Bitte um Blutentnahme wurde entsprochen, und noch ehe ich wieder zu Hause in meiner eigenen Wohnung war, erhielt ich auf meiner Mailbox eine Nachricht von meinem Hausarzt, worin er mich darüber informierte, dass meine Blutsenkungswerte so hoch seien, dass ich noch am gleichen Tag ins Krankenhaus zur stationären Aufnahme solle. Die übrigen Werte lagen natürlich noch nicht vor, weil die Blutprobe zur Analyse in ein Gemeinschaftslabor geschickt wurde und eben nur die Blutsenkungswerte in der Praxis ausgewertet wurden.
OK, also dann: Ich mühte mich den ganzen Nachmittag ab, um mir meine Sachen zusammenzupacken, und endlich gegen 17:00 Uhr kam ich in einem Mainzer Krankenhaus an. Trotz all der Laborroutine und dem Aufnahmeritual fand man, was ich eh schon wusste: Fieber und Schmerzen und irgendwie und irgendwo eine Entzündung! Mehr fand man nicht heraus, und so wurde ich mit einem Krankenwagen am Freitag Nachmittag in ein anderes Mainzer Krankenhaus gebracht, wo man von mir eine Magnetresonanztomographie-Aufnahme, also ein MRT, machte.
Es war keine Minute vergangen, als aus der "Röhre" herauskam und der Professor, der die Untersuchung vorgenommen hatte, persönlich auf mich zutrat und sofort und ohne Umschweife fragte: "Herr F., wann hatten Sie Ihre letzte Spritze bekommen, von wem war die Spritze und welches Medikament war dies?" Ich gab dem Arzt die gewünschte Auskunft, und danach brach für mich eine Welt zusammen, denn:
Durch dieses MRT fand man bei mir einen Abszess an der Einstichstelle vom Freitag! Und diese Spritze hatte es im wahrsten Sinn des Wortes "in sich", denn die Spritze war nicht steril, sondern sie hatte leider den Erreger Staphylococcus aureus an Bord, der damit ein leichtes Spiel hatte, um auf kürzestem Wege von der Einstichstelle im LWS-Bereich durch den Einstichkanal dann meine Wirbelsäule aufzusuchen und dort wichige Nerven zu beschädigen bzw. zu zerstören: Laut Auskunft des Herrn Professors hieß es wörtlich: "Herr F., Sie wissen gar nicht, wie sehr krank Sie sind, denn Sie sind faktisch querschnittsgelähmt!"
Eine niederschmetternde Diagnose! Unverzüglich wurde ich zurück in das andere Krankenhaus gefahren und von dort mit allen meinen Sachen in die Neurologische Klinik der Johannes-Gutenberg-Universitätsklinik in Mainz gebracht. Die lebensrettende Operation folgte noch in der gleichen Nacht.Es war eine sehr lange und schwierige Operation, in der ich entlang der Wirbelsäule die Kanäle freigelegt und mit Antibiotika gespühlt wurden. Zudem wurde auch noch der Abszess, der sich im Einstichbereich der Spritze gebildet hatte, zusammen mit dem umliegenden Gewebe großzügig entfernt und zugleich eine Kultur des Erreger angelegt, um in der Folge feststellen zu können, mit welchen konkreten Antibiotika die Weiterbehandlung erfolgen soll.
Um eine Vorstellung geben zu können, was der Erreger Staphylococcus aureus angerichtet hatte: Die Nervenschädigung brachte mir nicht nur die Schmerzen und die Unbeweglichkeit unterhalb der Hüfte, sondern ich hatte aus der Konsequenz fast drei Wochen keinen Stuhlgang mehr gehabt!
Nun, die Situation war sehr ernst, und hätte ich noch mehr Zeit verloren bis zur Operation, so wäre es zur Blutvergiftung, also zur Sepsis, gekommen, in deren Folge sich die Frage stellte, ob ich an der Blutvergiftung versterben würde oder ob ich noch einmal mit einem "blauen Auge" davonkommen würde, dafür aber womöglich sogar mein restliches Leben in einem Rollstuhl fristen müsste. Aber ich hatte jemanden, der mir beistand und dafür sorgte, dass ich nicht mein Leben verlor: Nahtoderfahrung! Aber das ist ja wieder ein ganz anderes Thema!
Es folgten noch mehrere Wochen im Krankenhaus, anfangs noch auf der Intensivstation. Das war aber noch nichts, denn die anschließende Reha bescherte mir dann noch zwölf Wochen in einer Neurologischen Rehabilitationsklinik mit intensiver Physiotherapie. Zwölf Wochen, die man heutzutage bei dem allgemeinen Sparzwang nicht mehr nur einfach so zugestanden bekommt!Und ich war für jede Verlängerungswoche froh, denn wenn ich aus der Reha-Klinik wieder herauskomme - das war mir klar - ist es vorbei mit der intensiven Physiotherapie, in der ich vier bis sechs Anwendungen am Tag hatte. danach, so war ich überzeugt, bekomme ich nur noch höchstens eins bis zwei Anwendungen durch eine ambulante Physiotherapie, und zwar pro Woche und nicht mehr pro Tag!
Nun, meinen Rollstuhl und die Krücken brauche ich heute zum Glück nicht mehr, aber leider bin ich meine Schmerzen bis heute nicht losgeworden, was mich zur Rentenantragstellung zwang. Meine medikamentöse Therapie besteht auf starke Analgetika, vor allem aber auf Morphium-Pflaster, die aber auch bis heute den Schmerz nicht ausschalten. Und einen geregelten Stuhlgang, so wie es vor dem Einzug des Staphylococcus aureus hatte,- nach nunmehr schon fast zwei Jahren gibt es auch noch nicht!
Das Krankengeld ist längst ausgelaufen, und mein Rentenantrag, den ich auf Anraten meiner Krankenkasse stellen musste, wurde abgelehnt - übrigens ebenso wie auch mein Widerspruch, der über den VdK lief! Was diesen Gutachtern und Ärzten und sogenannten "Fachleuten" einfällt, geht auf keine Kuhhaut mehr: Solche Leute müssten immer einmal wenigstens für wenige Stunden solche Leiden übernehmen, aushalten und durchstehen, wie sie die Patienten, über die und ihr eigenes Leben von ihnen entschieden wird!
So, wer jetzt noch Fragen hat, einfach melden, ok?
Ich werde mich bemühen, alle Fragen zeitnah zu beantworten, was aber wegen meiner Gesundheitssituation und meiner Lebensumständen vielleicht etwas dauern könnte, wofür ich bereits jetzt vorab um Verständnis bitte. :-(
So, das wäre also soweit mein Rückblick auf die Zeit ab November 2006 bis jetzt!
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Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren
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