- Was ist zuerst passiert?
- von Geburt an blind
- Wann ist es passiert?
- Geburt
- Was ist sonst passiert?
- Bevormundung durch Mitmenschen
- Wie endete es?
- ???
Von Geburt an blind aber trotzdem ganz normal
Ich heiße Arielle und bin von Geburt an blind. Weil ich im täglichen Leben immer wieder auf Menschen treffe, die mich als komplett behindert behandelt und mir das echt zu wider ist, habe ich mich entschieden, einen Erfahrungsbericht zu schreiben. So will ich Nicht-Blinden mal zu verstehen geben, was es bedeutet blind zu sein. Und auch das Blinde ganz normale Menschen sind, die sich nach nichts mehr sehnen, als ein normales Leben zu führen. Wie jeder andere auch. Egal, ob blind oder nicht.
Ich bin von Geburt an blind und kenne also nichts anderes. Daher vermisse ich auch nichts oder so. Ich habe ein feines Gehör und einen guten Tastsinn. Im Vergleich mit Nicht-Blinden bin ich daher teils sogar im Vorteil wie ich finde. Was mich wirklich nervt ist nämlich, dass ich immer wieder von Nicht-Blinden sehr bedauert werde. Das ist einfach super arrogant, denn ich empfinde das nicht so. Mir fehlt nichts, weil ich es eben nicht anders kenne. Daher bin ich auch nicht traurig (will ich nicht traurig sein), weil ich nicht sehen kann.
Es gibt heute ganz viele Wege wie ich ganz normal und aktiv am Leben teilnehmen kann. So ist es heute z.B. kein Problem mehr per Sprachsoftware im Internet zu surfen (daher kann ich auch so problemlos diesen Bericht schreiben), weil mir die Software alles vor liest. Und auf einem speziellen Laptop kann ich mich ganz normal im Netz bewegen. Überhaupt muss ich sagen, dass das Internet eine tolle Erfindung ist. Es macht alles viel, viel einfacher jetzt mit Leuten zu kommunizieren. Meine Blindheit spielt dabei keine Rolle. Ich liebe mein Facebook. :-) Und Audiobooks sind einfach nur klasse.
Was mich annervt ist, dass man als Blinde immer anders behandelt wird. So flog ich z.B. einmal mit einer Fluggesellschaft, die mich an einen gesonderten Platz setzen wollten. Da habe ich glatt mal den Aufstand geprobt. Sie haben das mit einer besonderen Behandlung im Notfall begründen wollen. Frechtheit! Ich habe den Stewardessen ganz schön das Leben schwer gemacht, weil die mich bevormunden wollten. Das geht so nicht, ich bin auch ganz normal, habe ich denen gesagt. Die haben mich den Rest des Fluges super freundlich behandelt.
Mit meinem Langstock (für Nicht-Blinde, das ist ein Blindenstock) komme ich super in meiner gewohnten Umgebung zurecht. Seit einiger Zeit gibt es ja auch in vielen Städten auch Orientierungshilfen für Blinde. Manchmal finde ich das echt störend, aber ab und zu, z.B. am S-Bahnhof, ist das schon sinnvoll. Wenn ich in einer neuen Umgebung bin, dann brauche ich natürlich erst mal jemanden, der mich ein paar Tage lang auf meinen Wegen begleitet, aber dann komme ich eigentlich ganz gut alleine klar.
Vor ein zwei Jahren war ich in Japan und Australien und muss sagen, dass es mir dort super gut gefallen hat. Städte wie Kyoto, Shizuoka und Melbourne haben eine sehr gute Signalgebung an der Ampel. Da piept, zwitschert oder musiziert es immer, auch ohne einen speziellen Knopf zu drücken. Das ist hier in Deutschland eher nervig. Wenn man diesen Knopf nicht drückt, bekommt man als Blinde kein Signal. Sehr verbesserungswürdig.
Tja, ich hoffe, dass gibt euch mal so einen kleinen Einblick (ich bin mir der Ironie bewusst) in mein Leben. Ich würde mich freuen, wenn der Bericht dazu beitragen könnte, den vielen Nicht-Blinden deutlich zu machen, dass auch Blinde ganz normale Menschen sind und so behandelt werden wollen.
Eure Arielle
Stichworte (Tags):
Ampel, Bevormundung, blind, Blindenstock, Blindheit, geburt, Langstock, leben, normales Leben, S-Bahnhof, Signal, Signalgeber, Stadt, Ton
Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren
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