Erfahrungsbericht: Blind und trotzdem sportlich

Was ist zuerst passiert?
Blindheit
Wann ist es passiert?
vor 43 Jahren
Was ist sonst passiert?
Sport
Wie endete es?
sportlich



Guten Tag liebe imedo-Benutzer,

ich bin blind. Na und? Was ist schon dabei? Ich werde immer wieder bedauert, weil ich doch so viele Sachen nicht machen könne. Nicht nur einige sondern viele Wege gibt es, um alles machen zu können, was ihr „Sehenden“ auch könnt. Dabei stimmt das gar nicht. Nur weil alle von euch auf den Sehsinn fixiert sind, bin ich noch lange nicht behindert. Und um euch das mal zu beweisen, dachte ich mir, schreibe ich hier einen kleinen Report: Blind und trotzdem sportlich.

Um genau zu sein, gehe ich walken. Das ist nicht nur sanft zu den Gelenken und der Wirbelsäule (Jogger machen sich ja nur selbst kaputt, besonders die, die auf Asphalt laufen), sondern auch intensiver als Joggen in meinen Augen. Aber letztlich geht es mir sowieso eher um Gesundheitssport als um sportliche Höchstleistungen. Das liegt mir nicht so. Ich bin auf anderen Gebieten sehr gut.

Ich habe mich also für Walking entschieden, weil es schonender als viele andere Sportarten ist, man aber auch raus an die frische Luft kommt und vieles erleben kann. Weil ich keine Lust auf meinen Blindenstock und einen Hund hatte, habe ich mir einfach einen Trainer gesucht. Das ist ja im Sport gang und gäbe. Warum nicht auch fürs Walking? Thomas ist ein wirklich guter Bursche, der mich sehr einfühlsam anleitet und mir den Weg weist. Das läuft so, dass wir uns drei Mal die Woche im nahe gelegenen Park treffen und dann einfach los walken. Thomas läuft vorne weg und beschreibt mir sehr detailliert, wo es lang geht, wie die Umgebung aussieht, worauf ich achten muss. Ich folge einfach Thomas' Stimme und kann mich voll und ganz auf meine Atmung konzentrieren. Das ist ja auch beim Walken sehr wichtig.

Anfangs sind wir immer nur drei Runden auf Asphalt gelaufen. Als ich mich da wohl gefühlt habe, gingen wir zu anderen Terrains über. Jetzt walken wir sogar ab und zu mal auf einem waldbodenähnlichen Untergrund, was anfangs schon eine kleine Überwindung war, sich jetzt aber toll anfühlt. Das stimuliert mich total weiterzumachen.

Ich freue mich schon jeden Tag auf meine Trainingseinheiten, die mich aufbauen und mir Kraft geben, mit der tagtäglichen Diskriminierung im Leben fertig zu werden. Ich schöpfe viel Energie aus dem Training und kann nur jedem Blinden empfehlen, es mir gleichzutun. Das schöne ist, dass die Krankenkasse sich auch an den Kosten beteiligt und wir so alle zufrieden sind.

Wie ja vielen anderen Menschen auch hat der Sport mich motiviert, mir ein besseres Körpergefühl gegeben und mich gesünder gemacht. Ich fühle mich fit wie der sprichtwörtliche Turnschuh und verspüre einfach eine unbändige Kraft in mir. Sport ist wichtig, für alle Menschen, egal, ob sie blind sind oder nicht. Ich kann nur jedem empfehlen, sich zu erkundigen und etwas zu tun.

Eure Sportskanone



Stichworte (Tags): Asphalt, ausdauer, Behinderung, blind, Blindheit, Diskriminierung, Gesundheitssport, joggen, krankenkasse, nordic walking, park, sport, Terrain, Trainer, walken, walking

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren

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