Hallo jule3katze,
ich habe meinen Vater ca. 14 Monate mit meiner Mutter gepflegt, kann mir daher ansatzweise vorstellen, wie Du Dich fühlen magst, auch, wenn die Zeiten sicherlich nicht miteinander zu vergleichen sind.
Während der Zeit der Pflege, hörte ich immer, dass ich stark sein müsse. Für meinen Vater, vorallem jedoch für meine Mutter, schließlich verlor sie von Tag zu Tag den Mann, mit dem sie über 35 Jahre verheiratet war. Und als mein Vater dann verstarb, war da plötzlich wieder viel Zeit, die ich vorher in die Pflege meines Vaters und die Unterstützung meiner Mutter gesteckt hatte. Ich habe mich nicht in Aktivitäten gestürzt, sondern es erst einmal einfach genossen, spontan sein zu können, dass konnte ich vorher nicht. Ich habe diese Zeit einfach mit mir verbracht.
Jahre später hab ich eine Therapie gemacht, nachdem ich immer häufiger zu Heulattacken neigte, die durch "nichts" ausgelöst wurden. Ich habe während der Pflege und auch nach dem Tod meines Vaters meine Trauer zu sehr verdrängt, bin stark gewesen, zumindest nach außen. Aber unterdrückte Trauer bahnt sich ihren Weg. Und wenn sie dann ausbricht, kann sie nicht stoppen...
Mittlerweile sind diese Ausbrüche sehr selten, da ich der Trauer den Platz in meinen Leben gegeben habe, die sie verdient. Ich werde meinen Vater immer lieben und vermissen. Auch ab und an um ihn weinen, das empfinde ich als normal.
Ich hoffe, dass auch Du einen Weg finden wirst, mit der "neuen" Situation umzugehen. Es ist sicherlich kein leichter Weg, der auch sehr schmerzhaft sein kann, aber lass die Gefühle lieber zu als sie zu unterdrücken, denn dann wird es sicherlich auch mit der Zeit besser. Schrittchen um Schrittchen. Und Dein Weg, Dich zu beschäftigen, wird Dir dabei sicherlich helfen.
Liebe Grüße, Blaubeere