Erfahrungsbericht: Montezumas Rache

Was ist zuerst passiert?
Übelkeit, Erbrechen
Wann ist es passiert?
vor ca. einem Jahr
Was ist sonst passiert?
Reisediarrhoe,
Wie endete es?
mit normalem Stuhlgang und einer schönen Reise durch Brasilien

Durchfall, Durchfall und nochmal Durchfall – so erging es mir jedenfalls als ich im letzten Jahr vier Wochen in Brasilien unterwegs war. Meinen Jahresurlaub hatte ich angesammelt, um vier wunderschöne Wochen in dem südamerikanischen Land zu verbringen. Das war schon lange mein Traum gewesen. Als Rucksack-Tourist durch den Amazonas zu reisen, viel Natur zu sehen. Ich bin ja ein Stadtkind, aber irgendwie hat es mich schon immer in die Natur gezogen. So war ich auch schon viel in Südeuropa unterwegs gewesen. Aber von den vier Wochen hatte ich leider nur drei zur Verfügung, denn die erste Woche konnte ich dank „Montezumas Rache“ komplett vergessen. Leider, leider. Und so kam es ...

Ich kam in Rio de Janeiro an und fühlte mich sofort super wohl. Okay, der rund zwölfstündige Flug hatte natürlich seine Spuren bei mir hinterlassen. Ich war schon müde aber auch super glücklich, endlich am Ziel meiner Träume angelangt gewesen zu sein. Bei der Fahrt in die Innenstadt, wo ich mir im Internet schon ein Hostel rausgesucht hatte, war ich einfach nur überwältigt. Dieser ganz andere Verkehr, die anderen Menschen, alles sah anders aus. Es war bunter, lebendiger und schöner als ich es mir je erträumt hatte. Ich war glücklich und doll zufrieden. Die Mühe, ein Jahr ohne Urlaub, hatte sich gelohnt. Das wird ein toller Urlaub dachte ich mir.

Nachdem ich ins Hostel eingecheckt hatte, was ich mir übers Internet rausgesucht hatte, ging es erst mal auf eine kleine Stadterkundung. Ich bin ja so ein Typ, der immer gleich raus und sich alles angucken muss. Ich will gar nicht im Hostelzimmer sitzen, sondern sofort ins Leben eintauchen, um das mal so poetisch auszudrücken. Der Zuckerhut von weitem ist ein wirklich überragender Anblick. Einfach atemberaubend.

Als ich so durch die Stadt ging, kam ich natürlich auch an vielen der Straßenverkäufer vorbei, die viele leckere Früchte, Fruchtsäfte und selbst zu bereitete Speisen anboten. Da ich hungrig war, kaufte ich mir was, weil die vielen exotischen Sachen wirklich unwiderstehlich aussahen. Und es schmeckte auch leckerschmecker. Die Bananen war viel besser als im Biomarkt zu Hause und der Saft einfach nur himmlisch. Anders kann ich das nicht beschreiben. Doch was nach ein paar Stunden eintrat war nicht so himmlisch sondern eher teuflisch.

Als ich nach einigen Stunden wieder im Hostel war, fing mein Magen ganz komisch an zu grummeln. Erst dachte ich mir nichts weiter dabei, schob es auf die Übermüdung von der langen Reise und den vielen neuen Eindrücken zurück. Nach ca. einer weiteren Stunde verspürt ich dann echte Übelkeit und musste zur Toilette rennen. Ich musste mich ganz übel übergeben. Mir war hundeelend. Kurze Zeit später kam der Durchfall, der mich praktisch gar nicht mehr vom Klo herunterkommen ließ. Das Essen auf dem Markt schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Nein, so ein Mist. Ich hatte zu voreilig gehandelt und mein eigenes Schicksal geschmiedet. So ein Mist.

Medikamente hatte ich keine mit, weswegen ich zum Arzt musste. So einfach ist das gar nicht, wenn man so komplett auf sich selbst gestellt ist. Und mein Portugiesisch ist auch eher rudimentär. Aber das Wörterbuch half mir schon weiter. Auch wenns so viel länger gedauert hat. Der Arzt empfahl mir im Bett zu bleibe, mich zu schonen und viel zu trinken. Aber nur Wasser aus Flaschen. Kein Wasser aus dem Hahn. Das habe ich verstanden, weil er zum Waschbecken in seiner Praxis ging, den Hahn auf drehte und mit beiden Händen „Nein! Nein!“ signalisierte.

Er verschrieb mir noch ein Medikament, von dem ich heute noch nicht so richtig weiß, was es war und was ich die nächsten Tage über nehmen sollte bis die Diarrhoe abgeklungen sei. Gesagt, getan! Ich ging nach Hause, legte mich ins Bett und schmollte vor mich hin. Ich hatte mir den Trip meines Lebens versaut. Durch eigene, selbst verschuldete Unachtsamkeit. Das war bitter, extrem bitter.

Die kommenden Tag nahm ich kaum Nahrung zu mir, trank ganz viel und löffelte mal an einer Suppe. Langsam ließ der Durchfall nach und ich fing ganz, ganz vorsichtig an zu essen. Erst so trockenes Brot (wie Zwieback) aus dem Supermarkt. Natürlich abgepackt. Darauf achtete ich von nun an. Später traf ich noch andere Rucksack-Touristen, die von früheren Reisen in Südamerika ähnliche Dinge durchgemacht hatten. Offensichtlich trifft das viele. Das hat mich wieder etwas beruhigt, denn so war mein Fehltritt nur halb so schlimm. Irgendwie jedenfalls.

Was ich jetzt, gut ein Jahr nach dem Erlebnis aber immer noch bereue ist, dass ich mich nicht vor meiner Reise über Montezumas Rache belesen habe. Ich hätte es vielleicht vermeiden können, wenn ich einfach ein bisschen mehr Informationen zum Land und zu den Risiken, denen sich Europäer konfrontiert sehen, in Erfahrung bringen müssen. Aber gut, es war nun einmal passiert, und ich habe daraus immerhin gelernt.

Mikeymike



Stichworte (Tags): brasilien, Diarrhoe, Durchfall, Früchte, Fruchtsäfte, magen, Medikamente, Montezumas Rache, Speisen, Straßenverkäufer, Übelkeit, wasser, Zuckerhut

Vor mehr als 3 Jahren erstellt, letzte Aktualisierung vor mehr als 3 Jahren

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