Heipraktikerin Theresa Lermann-Gastl
Homöopathie
Genau!
Also, ich finde es gut, dass wir hier mal mit einem diskutieren, der nichts von Homöopathie hält. Man muss immer mal wieder seine eigenen Ansichten überdenken, vor allem wenn es um die Medizin geht und um das Heilen von Menschen. Ich war auch immer sehr skeptisch der Homöopathie gegenüber, genau so war es beim Autogenen Training. Ich bin sehr wissenschaftlich veranlagt, es sollte also alles immer gerne wissenschaftlich irgendwie belegt sein. So wurde z.B. immer wieder bemängelt, dass Fussreflexzonentherapie Quatsch ist. Inzwischen wurde aber im Rahmen von Gonarthrose (also das Knie betreffend) aber ein Therapieeffekt fest gestellt, und zwar mit wissenschaftlichen Mitteln, der über das angenehme Gefühl (naja, nicht immer!) bei der Massage hinausgeht. Grundsätzlich bin ich für evidenzbasierte Methoden, leider wissen wir auch heute noch so verdammt wenig über bestimmte Vorgänge im Körper und warum Erkrankungen wie Autoimmungeschehen oder Migräne entstehen. Bei letzterer streiten sich die Wissenschaftler sogar darüber, was da passiert. Es ist deshalb etwas arrogant über eine Methode zu sagen, "Das ist Quatsch!", sorry, Blackpriester! ;-) Wie gesagt, ich bin dankbar für Deinen Artikel. Das bringt uns auch zu einem Problem der Wissenschaft. Der Grundsatz dieser ist "Was wir wissen gilt solange, bis das Gegenteil bewiesen ist". Also heisst das auch, dass die Sachen, die wir jetzt wissen, nicht unbedingt stimmen. Vieles wurde im Laufe der Zeit wieder widerlegt. Das Problem der Wissenschaft bei der Homöopathie ist, dass sie falsch herangeht. Ich kenne die Studien und Tests, die in der Wissenschaft durchgeführt werden und ihre Methoden. Die Homöopathie ist so tatsächlich nicht nachweisbar, weil die MIttel auf ihre wirksamen Bestandteile untersucht werden. Mit wissenschaftlichen Indikatoren ist das (noch?) nicht möglich. Es ist ausserdem schwierig, die Wirkung nachzuweisen, weil den Patienten ein Mittel gegeben wird, dass meinetwegen im Lehrbuch (wobei ich bezweifle dass die Materia Medica besonders herangezogen wird) gegen Kopfschmerzen wirkt. Und hier ist der springende Punkt - in der Homöopathie gibt es genau wie in der traditionellen Medizin eine Anamnese. Im Gegensatz zu dieser kann sie allerdings Stunden dauern. Der Patient soll das genau auf ihn abgestimmte Mittel erhalten. In wissenschaftlichen Studien sind sie Forschungsmittel begrenzt, auch hier weiss ich wovon ich rede, und die Forscher haben kaum die Zeit, einem Patienten das massgeschneiderte Mittel zu geben, geschweige denn in der richtigen Potenz, wenn das auch zweitrangig ist. Das richtige Mittel zu finden verlangt Erfahrung und Wissen über die Methoden. Man muss mit einem Repertorium und der Materia Medica arbeiten. Nur hier finden sich die Mittel AUSGIEBIG beschrieben und nur hier lassen sich die Gewichtungen hinsichtlich des "Problems" nachsehen. Wenn das nicht so geschieht, bekommt der Patient nicht das richtige Mittel, folglich KANN es gar nicht wirken. Zu der Pharmaindustrie noch ein Wörtchen - sie hat gar kein Interesse daran, dass die Wirksamkeit nicht zu patentierender Mittel bewiesen wird, und das gilt nicht nur für die Homöopathie. Wir leben leider nicht in der schwarz-und-weiss-Welt. Die Pharmafirmen sponsern Studien, wenn sie daran Profit haben, ansonsten werden diese von Spenden (wie Z.B. in England von Cancer Research UK) finanziert. Die Mittel sind gering, von daher gibt es nicht genug Zeit für die Repertorisation. Die Wissenschaftler, die die Tests machen, müssen nämlich auch bezahlt werden. Die Unis bekommen für die Wissenschaftler "grants", damit diese bezahlt werden können. Teilweise unter Regelungen der EU (z.B. in der TOK-fellowship) oder eben Charity. Die Pharmaindustrie wird alles daran setzen, ihre Mittel zu verkaufen und finanziert dementsprechende Tests und Studien, die ihnen nutzen können. Wenn es keine Möglichkeit für gute aussagekräftige Studien gibt, muss man einfach mal selbst ausprobieren und schauen, was Bekannte, Freunde sagen. Viele Ärzte arbeiten mit der nicht evidenz-basierten Homöopathie, ebenso Heilpraktiker. Wenn sie nicht wirken würde, könnten diese ihre Praxen dicht machen. Schliesslich würde keiner zurück kommen, oder? Der springende Punkt: Selbst diejenigen, die nicht an Homöopathie glauben, können mit ihrer Hilfe Krankheiten überwinden. Das gilt auch für Tiere. Ein gutes Beispiel ist Homöopathie bei Mastitis bei Kühen oder als Oxytocin-Substitut. Die Wirkung ist sehr schlecht mit menschlicher Täuschung oder Placebo-Effekt bei den Tieren selbst zu erklären. Grundsätzlich finde ich es sehr schwierig, etwas zu kommentieren, womit man keine Erfahrungen gemacht hat. Mich selbst eingeschlossen, deshalb lasse ich mich gerne mit harten Fakten vom Gegenteil überzeugen!
Das beste ist in jedem Fall, es selbst auszuprobieren. Dann aber von einem erfahrenen Arzt, Heilpraktiker oder qualifizierten Homöopathen. Vorausgesetzt all diese beherrschen die Homöopathie und das Repertorisieren und verschreiben nicht nur Komplexmittel. Mein Dozent verglich das mal mit "mit der Schrotflinte irgendwo in der Gegend herumschiessen und hoffen, dass man was trifft". Guter Vergleich, wie ich finde.
Sorry für den ausholenden Beitrag, aber das ganze ist ein sehr komplexes Thema. Vor allem, was die Pharmaindustrie betrifft.
Vielen Dank für Deinen Beitrag, Blackpriester!
Wir müssen immer wieder hinterfragen.
Antwort zu Ups...
Ist doch immer wieder das Gleiche:
Die Homöopathen haben den ganzen Tag nix zu tun und treiben sich in diesen Foren rum mit ihren "Wundermittelchen".
Leute, wacht mal auf! Die Schulmedizin ist nicht umsonst schon lange etabliert! Da gibt es Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und Forschungsergebnisse.
Der Körper hat gewisse Selbstheilungskräfte. Manchmal ist die Schulmedizin sicher machtlos. Kommt eine Heilung zu Stande, so hat bisher noch niemand nachgewiesen, dass es von diesem homöopathischen Zeugs kommt. Oder etwa doch?
Freue mich auf Kommentare.
"Don't judge what you don't understand", sag ich dazu mal.
Warum ist jemand in einem Forum, wenn er nur stänkern will? Wenn jemand wie Blackpriester mit vernünftigen Argumenten diskutieren will, ist das eine schöne Sache. Einfach nur sagen "Leute, wacht mal auf", nee, das überzeugt mich nicht.
Hallo Ihr Lieben,
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Mir gefällt diese Diskussion.
Und ich halte die Homöopathie nicht für Quacksalberei. (Vor 10 jahren hätte ich das noch gesagt, ich komme ja aus der "Schulmedizin")
Ja, ich weiß, auf streng wissenschaftlichen Prüfstand hat die Homöopathie bisher in jeder Richtung versagt.
Kein Wunder, je dünner, um so wirksamer? Bei der Verdünnung nicht rühren, sondern Schütteln...
Ich hab mal gelesen, bei Hochpotenzen ist es so, als wenn man eine Kopfschmerztablette in den Atlantik versenken würde.
Darauf soll es aber nicht ankommen, sondern auf die Energien, die dem Organismus einen Impuls geben sollen, die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.
Mittlerweile ist die Homöopathie aber Favorit unter den alternativen Heilmethoden. Drei von vier Ärzten verschreiben inzwischen (nur aus ökonomischen Gründen ? )
Die Stärke der Methode liegt für mich darin, dass sie im Einklang mit der "Schulmedizin" arbeiten kann. Und vor allem bei chronischen Erkrankungen, da wo als Ursache, viel häufiger sicher als Folge psychosomatische Beschwerden auftreten können.
Christel
Danke für Deinen Beitrag, Blackpriester! Sehr schön! Und ich stimme Dir zu. Ich bin tatsächlich aus er Medizin, ich bin Heilpraktiker-Anwärterin. Für alle, die nicht so genau wissen, was das ist: Nein, ich arbeite nicht mit irgendwelchen esoterischen Methoden wie Kristallen sondern versuche in erster Linie evidenz-basierte Methoden zu erlernen. Und unser Ansatz liegt meist eng an der Schulmedizin (zumindest ist sie die Basis für unsere Ausbildung). Mein Anliegen ist es, Schulmedizin mit (sinnvoller) Alternativmedizin zu verknüpfen.
Und ich widerspreche Dir hier, Blackpriester - ich weiss um wissenschaftliche Methoden! ;-) Ich verschlinge PubMed, Medwire und NCBI sowie alle möglichen Wissenszeitschriften, und mein Freund ist Wissenschaftler. Wir diskutieren dementsprechend viel, und da ich schon oft mit ihm im Labor war und wir auch über Studien sprechen, kenn ich mich schon n bisschen aus, will ich meinen. Dennoch bin ich keine EXPERTIN. Ich war immer sehr kritisch der Homöopathie gegenüber, letztlich aber denke ich - wer heilt, hat schon Recht, siehe Gänseblümin.
Wir können vieles noch nicht richtig erklären. Und auch teils jahrzehntelange trials von Medikamenten können umgekehrt nicht immer ausschliessen, dass Medikamente langfristig schädlich sein können (siehe Lipobay!).
Das Problem an den trials bei der Homöopathie ist, dass die Methoden nicht effizient sind bei den Tests, ob Homöopathie wirklich wirkt. Der wissenschaftliche Ansatz schon, und ich stimme Dir zu, nur wissenschaftliche Ansätze können prüfen, ob es wirklich wirkt. Allerdings darf man dabei nicht homöopathische Prinzipien ausser acht lassen. Wenn ich ein Präparat, meinetwegen einen ACE-Hemmer an einen hypertonen Menschen gebe und ihm sage, er soll das Medikament abends nehmen, kann das sogar gefährlich werden und zum lebensgefährlichen Blutdruckabfall kommen, da der Blutdruck ja sowieso nachts sinkt. Dann könnte ich sagen, siehste, das Medikament ist sogar gefährlich. Das ist Quatsch, es ist die Art der Gabe. Nicht so ein passendes Beispiel, ich weiss. Natürlich wissen Wissenschaftler, dass man so nicht testen darf. Bei der Homöopathie allerdings gibt es das Problem, dass nicht repertorisiert wird. Es sind ja nicht Homöopathen, die testen. Ein typischer Test z.B.: ein Stück Rattendarm wird so eingespannt, dass seine Bewegungen ganz genau gemessen werden können. Acetylcholin bewirkt ein Verkrampfen des Darms. Nun soll ein als entkrampfend geltendes Mittel, das Atropin in homöopathischer Verdünnung den Darm wieder entkrampfen. Nein, eine solche Herangehensweise ist wissenschaftlich, kann aber die Homöopathie nicht erklären. Naturgemäss nicht. Weil sie eben so nicht funktioniert. Erstens war das Medikament kein homöopathisches, also keins nach der Arzneimittelprüfung ausgewähltes, und zweitens kann man sie so isoliert nicht testen. Weil sie auf den ganzen Menschen wirkt.
Ich finde es gut, dass wir so diskutieren können, denn man braucht immer eine Gegenstimme, die daran erinnert, dass wir nichts für selbstverständlich hinnehmen sollten. Und uns immer hinterfragen müssen. Vor allem aber darf man nicht die Arroganz haben, die Schulmedizinern gerne vorgeworfen wird von Alternativmedizinern. Manchmal sind besagte Alternativmediziner nämlich genauso arrogant, in dem sie nicht einmal diskutieren mögen und vorwerfen, dass Schulmediziner nicht heilen können. Das können sie natürlich. Aber sie hat ihre Grenzen, genau wie die Alternativmedizin. Deshalb müssen die Methoden zusammen arbeiten. Die Schulmedizin erfasst nicht den ganzen Menschen. Wenn ich einen Protonenpumpenhemmer verschreibe, kann der vielleicht kurzfristig etwas gegen eine Gastritis/Duodenitis tun (bei mir hat's leider die Schmerzen noch verschlimmert). Aber das Problem, das die Gastritis ausgelöst hat, ist meist psychologischer Natur. Der Patient muss z.B. lernen sich zu entspannen. Die Schulmediziner sehen leider oft das Profane nicht. Das Profane, das grosse Unterschiede machen kann. Oder welcher Arzt verschreibt bei Candida albicans nicht nur Nystatin sondern auch Pau d'arco und probiotische Kapseln sowie evtl. Caprylsäure...
Ich schweife leider wieder ab! ;-)
Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich lerne Homöopathie im Rahmen meiner Ausbildung (was nicht heisst, dass alle HPs sie verwenden, ich habe einen extra-Kurs dazu belegt, weil mich interessiert, wie viel wirklich dran ist). Ich bin grundsätzlich keine "Esoterikerin".
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