1908 begann der Internist und Physiologe Edmund Jacobson (1885-1976) die Entwicklung seines Werkes an der Harvard Universität. In der Folge verfasste er über 64 wissenschaftliche Arbeiten und 8 Bücher, die sich mit dem Thema der Entspannung beschäftigten.
Die Methode der Progressiven Muskelentspannung wurde erstmals 1929 beschrieben. Jacobson entdeckte in seinen Forschungen Ruhe und Entspannung als allgemeines Heilmittel zur Beseitigung einer Vielzahl von (psycho-)somatischen Störungen und als Instrument der allgemeinen Prophylaxe.
Von 1936 bis 1960 führte Jacobson dann seine Studien fort, diesmal in Chicago am Laboratorium für klinische Physiologie.
In seinem grundlegenden Werk “You must relax” (dt.: Entspannung als Therapie – Progressive Relaxation in Theorie und Praxis), beschreibt Jacobson, was Entspannung wirklich ist.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Spannung und Anstrengung sich grundsätzlich in einer Verkürzung der Muskelfasern ausdrückt. Entspannung wird dann als eine direkte Umkehrung nervöser Erregung benannt, nämlich der Abwesenheit von Nerven- und Muskelimpulsen. Damit ist Entspannung das direkte physiologische Gegenteil von Erregung.
Psychische Spannungen werden immer von Kontraktionen der Muskulatur begleitet. Auch jede Bewegung des Körpers basiert auf der Kontraktion und Verkürzung von Muskelfasern. Dabei machen allein Muskeln bereits cirka die Hälfte des Körpergewichtes aus und jeder dieser Muskel ist mit zwei verschiedenen Nervenfasern ausgestattet.
Eine Nervenfaserleitung überträgt Erregungsimpulse in Form von Nervenpotentialen vom Gehirn und Rückenmark an den Muskel, eine andere dagegen führt die umgekehrte Reizleitung durch. Eine Aktivierung der zuführenden Nerven aktiviert zugleich den Muskel. Gelingt es, die Muskulatur zu entspannen, so wirkt sich dies direkt auf das Körpergefühl und das Seelenleben aus.
Eine Reduktion des muskulären Tonus kann also die Aktivität im zentralen Nervensystem herabsetzen. Zentralnervöse, mentale Prozesse und periphere, muskuläre Ereignisse beeinflussen sich wechselseitig.