Ehen werden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus Liebe geschlossen. Die Brautleute fühlen sich in tiefer Zuneigung einander verbunden und wollen hinfort für immer und ewig zusammensein. Diese Liebe schließt die Geschlechtlichkeit der Partner ein. Der liebende Mensch heiratet keine kalte Statue, sondern einen Menschen zum Anfassen, und er ist auch selbst nicht gefühllos, sondern will küssen und geküßt werden. Liebe und Sexualität gehören im Denken und Fühlen der meisten Menschen eng zusammen. Bei aller relativen Selbständigkeit der beiden Bereiche - man kann sexuelle Gefühle haben, ohne zu lieben, und man kann lieben, ohne sexuell erregt zu sein - hat für die meisten Menschen die Sexualität in der festen Liebesbeziehung ihren idealen Platz. Sie gewinnt durch die Liebe ihre große menschliche Dimension, so wie zur Liebe Sexualität gehört.
Wenn die Ehe auf Liebe gegründet ist und wenn diese Liebe Sexualität einschließt, dann ist klar, wie wichtig Liebe und Sexualität für den Bestand der Ehe sind. Vergehen Liebe und Lust, dann hat die Ehe für Menschen, die gerade unter diesen Voraussetzungen geheiratet haben, ihren Sinn verloren; sie ist dann in den allermeisten Fällen kein Glück, sondern ein Unglück für sie. Von der reinen Beziehung bleibt nur die brüchige Form.
Die Gründe für ein erfülltes Sexualleben, aber auch für Störungen in der Ehe, sind daher nicht in erster Linie ausschließlich im sexuellen Bereich zu suchen, sondern in den gesamtehelichen und den gegebenen sozialen Verhältnissen. Zugleich und im Zusammenhang damit ist das Sexualverhalten ein Teil des Gesamtverhaltens des Menschen, und das Verhalten in Liebe und Sexualität hängt immer von der ganzen Persönlichkeit ab. Die Persönlichkeit jedes der beiden Ehepartner offenbart sich in der gemeinsamen Sexualität.

