Die naheliegende und vielleicht wichtigste besteht darin, daß man den Partner zu gewinnen sucht, ihn verführt. Aber das hat seine Grenzen. Sie sind durch Achtung vor dem Partner und dessen Begehren gezogen; jeder hat das Recht auf Unlust und auf seine eigenen Gefühle. So schön, lustig, ehrenvoll ein Werben sein kann, so schlimm, übel, verletzend ist ein Drängen, dem der Partner nicht folgen kann oder will und das übergriffig zu werden droht. Der Partner ist kein Automat, den man einfach mit Knopfdruck unter Strom setzen kann, und solch einen Automaten will ja auch niemand. Er ist auch keine Sache oder Ware, die man einfach benutzt, wenn einem gerade danach ist, und dann wieder beiseite legt. Er ist auch kein Sklave oder Untertan, der willenlos gehorchen oder einer ehelichen Pflicht genügen muß, sondern er ist eine selbständige Persönlichkeit, Subjekt des ehelichen Sexualverhaltens. Ein sexuelles Zusammensein, das für beide schön, leidenschaftlich und befriedigend sein soll, ist nur möglich, wenn beide wollen, können und mittun.
Die oft einzige Möglichkeit und zwangsläufige Lösung ist die, mit der sexuellen Spannung zurechtzukommen, sich anderen Dingen zuzuwenden, Geduld zu haben, den Frust nicht zu kultivieren und sich auf das nächste intime Zusammensein mit dem Partner zu freuen. Im Grunde trifft es nämlich nur selten zu, daß beide Eheleute genau das gleiche Verlangen haben. Meist bestehen mehr oder weniger große Unterschiede. Mal ist die Frau unersättlich und überfordert den Mann, der gerade seine Ruhe haben will, und mal ist es der Mann, für den die Ehefrau nicht liebevoll genug ist.
Auch in jungen Ehen ist dies oft so, z.B. wenn man noch nicht genügend aufeinander eingestellt ist, wenn man müde oder krank ist oder große Sorgen hat, von denen man sich im Bett nicht frei machen kann. Die junge Mutti, möglicherweise an Hausarbeit nicht genügend gewöhnt, fühlt sich überlastet, denkt an das vielleicht gerade kranke Kind und weniger an den gesunden Mann. Der junge Mann macht Überstunden oder baut nach Feierabend die Wohnung aus, vernachlässigt darüber eventuell seine sehnsuchtsvolle Frau. Die aktuelle sexuelle Bedürfnislage der Ehepartner kann durchaus verschieden sein, und sexuelle Konflikte sind nicht ungewöhnlich

