Oft sind die Konflikte gar nicht im Sexuellen zu suchen. Dahinter kann ein Partnerkonflikt einer viel größeren Dimension liegen, nicht selten mit einem Lebenskonflikt und einer Lebensunzufriedenheit überhaupt gekoppelt. Die Partnerbeziehung ist gestört, die Ehe instabil geworden. Will man sexuell wieder ins Reine kommen, dann muß die Beziehung in Ordnung gebracht werden. Das ist auch bei aktuellen Verärgerungen der Fall. Die meisten Eheleute, die sich wirklich lieben, finden im Bett nicht zusammen, wenn sie gefühlsmäßig gerade auseinander sind, wenn Unausgeräumtes zwischen ihnen steht.
Keine Ehepartner schaffen es auf die Dauer, nur ihre Sonnenseiten zu zeigen, sich stets zusammenzunehmen, immer gerecht, liebevoll, aufmerksam, anziehend zu sein - das ist auch gar nicht notwendig. Vielmehr gehört zu einer wirklichen Partnerschaft, daß man entspannt sein kann, sich mal gehen läßt und über der kleinen Schwäche des Partners nicht die große Liebe vergißt.
Sexuelle Diskordanzen in der Ehe können ihre Ursache aber nicht nur in der Partnerbeziehung selber - im Eheinneren - haben, sondern sie können auch von äußeren Einflüssen begünstigt sein. Ängste aller Art, vor allem Zukunftsängste, die Aussichtslosigkeit, ein gesichertes Leben führen zu können, die Beschädigung des Selbstwertgefühls durch die Erfahrung, nicht gebraucht zu werden, schmerzhafte biografische Brüche oder soziale Einbrüche können die Partnerbeziehung in der Ehe asymmetrisch werden lassen und gravierend das Sexualverhalten beeinflussen. Erst durch ein Ändern der Lebensumstände kann dann wirklich eine Besserung gelingen.
Die Interessantheit des Zusammenlebens mit einem Menschen hängt von vielen Faktoren ab, vom Wesen dieses Menschen und von einem selber, von der Liebe zueinander, von dem Inhalt des gemeinsamen Lebens, von den beruflichen Aufgaben, von der Qualität der sozialen und personalen Beziehungen, die die beiden Partner haben, von ihrem kulturellem Profil, vom gesamten Lebensstil. Dazu kommen solche Faktoren wie Entwicklungsfähigkeit, Unternehmungslust, Aktivität, Ideenreichtum usw.
Die Langeweile in der Ehe, das soll damit gesagt werden, ist - wenn überhaupt - nicht in erster Linie durch sexuelle Interessantheit zu vermeiden, sondern durch einen reichen Gesamtinhalt der Ehe. Aber gleichzeitig ist alles zu tun, um sexuelle Eintönigkeit zu vermeiden und die gemeinsame Lust zu erhalten oder gar zu steigern.

