Strategien zur Rauchentwoehnung

Thema: Strategien zur Rauchentwoehnung

  • Strategien zur Rauchentwoehnung

    Ich arbeite gerade an einer Praesentation ueber Rauchentwoehnung von Krankenhauspatienten und wollte dem Forum mitteilen was ich in meinen Recherchen gefunden habe.



    Zur Motivation, Rauchen ist die haeuftigste vermeidbare Todesursache in Deutschland und weltweit. Es ist erwiesen, dass Rauchen zu Tod durch Herz-Gefaesskrankheiten (inkl. Herzinfarkt und Schlaganfall), Lungenkrebs (und ein Dutzend anderer Krebssorten), und chronische Emphysembronchitis fuehrt und andere Lungenkrankheiten wie z.B. Asthma verursachen und verschlimmern kann.

    Es ist weiterhin erwiesen, dass Rauchen aufhoeren das Risiko fuer viele dieser Krankeiten verringert. Eine internationale Metaanalyse(1) hat gezeigt, dass Patienten, die nach einem Herzinfarkt aufhoeren zu rauchen, ein um 36% reduziertes Risiko haben in den folgenden zwei Jahren zu sterben.

    Die meisten Raucher haben bereits mehrmals erfolglos versucht aufzuhoeren, und der Glaube dass es fuer einen persoenlich unmoeglich ist mit dem Rauchen aufzuhoeren, weil die Willenskraft fehlt, ist weit verbreitet. Ungluecklicherweise versuchen die meisten Raucher auf eigene Faust aufzuhoeren, die am wenigsten effektive Methode. Jeder Raucher, der aufhoeren will, sollte Hilfe suchen. Man sollte wenigstens in der Familie oder dem Bekanntenkreis verkuenden dass man mit dem Rauchen aufhoeren wird. Besser ist es, sich vom Hausarzt beraten zu lassen.

    Es gibt verschiedene Strategien, die einem Raucher das Aufhoeren erleichtern koennen. Erstens, abrupter Entzug (Cold Turkey) funktioniert oft besser als allmaehliche Reduktion, da in der letzteren Methode das Verlagen nach einer Zigarette laenger anhaelt. Zweitens, Gruppenberatung und verhaltenstherapeutische Nichtraucherkurse erzielen hohe Erfolgsquoten fuer langfristige Abstinenz, und jeder Raucher, der mehrere erfolglose Versuche aufzuhoeren hinter sich hat, sollte in Betracht ziehen einen Nichtraucherkurs zu besuchen. Hypnose und Akupunktur sind weitere verfuegbare Modalitaeten, die moeglicherweise helfen koennten, fuer die es jedoch wenig Daten ueber langfristige Erfolge gibt. Drittens, drei Klassen medizinischer Praeparate koennen Entzugserscheinungen vermindern: Nikotinersatz, Bupropion, und Vareniclin.

    Eine systematische Metaanalyse(2) des kanadischen Gesundheitsministeriums hat die derzeit verfuegbaren Medikamente zur Raucherentwoehnung verglichen und ist zu dem folgenden Ergebnis gekommen: Nikotinersatztherapie (Pflaster oder Kaugummi) und Bupropion (Zyban, ein Antidepressivum) sind etwa gleichermassen wirksam als Zusatz zu optimaler Verhaltens- und Gruppentherapie und koennen Erfolgsraten um etwa 60% erhoehen. Bupropion wird jedoch kaum noch verwendet zur Rauchentwoehnung, da es mehr Nebenwirkungen hat als Nikotinersatztherapie. Vareniclin (Champix) ist ein relativ neues Praeparat, das seit Maerz 2007 in Deutschland erhaeltich ist. Es dockt an demselben Rezeptor im Gehirn an wie Nikotin, und ist zugleich erregend und hemmend. Theoretisch vermindert dies den Suchtdruck und verringert gleichzeitig den "Kick", den das Nikotin einer Zigarette verursacht. Wie dem auch sei, in der Analyse erhoeht Vareniclin die Erfolgsrate (rauchfrei nach einem Jahr) um 200%.

    Ein wichtiger Vorbehalt gegenueber diesem Ergebnis ist, dass viele Studien in dieser Analyse von der Pharmaindustrie (vor allem fuer Vareniclin) durchgefuehrt wurden, dass die Probanden allesamt motiviert waren und optimale Gruppenberatung und Verhaltenstherapie erhielten. Andererseits, alle Studien in der Analyse waren Doppelblind-Vergleichsversuche(3), und es ist scheint plausibel, dass Raucher, die motiviert sind aufzuhoeren, von den suchtdruckmindernden Effekten dieser Medikamente profitieren wuerden, selbst wenn sie keinen Nichtraucherkurs besuchen.



    (1) Critchley JA, Capewell S. Mortality risk reduction associated with smoking cessation in patients with coronary heart disease: a systematic review. JAMA 2003 Jul 2;290(1):86-97.

    (2) Wu P, Wilson K, Dimoulas P, Mills EJ. Effectiveness of smoking cessation therapies: a systematic review. BMC Public Health 2006, 6:300

    (3) d.h. der einzige Unterschied im Protokoll zwischen der Versuchsgruppe und der Kontrollgruppe war, dass die Probanden in der Versuchsgruppe das Praeparat erhielten, waehrend denjenigen in der Kontrollgruppe ein Plazebopraeparat verabreicht wurde. Alle Probanden erhielten Gruppen- und Verhaltenstherapie. Die Praeparate sind nicht unterscheidbar voneinander und weder Probanden noch Versuchsleiter wissen wer das Praeparat und wer Plazebo erhaelt ("doppelblind") bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Daten ausgewertet werden.

    <table height="50" width="26"><tbody><tr> </tr> <tr> </tr> <tr> <td> </td></tr></tbody></table>
  • Hervorragender Beitrag!

    Guten Tag, skadauke!

    Ich bin zwar Nichtraucher und war gar nicht in dieser Gruppe Mitglied, aber ein Freund von dieser Seite hat mir den Link zu Ihrem Beitrag gesendet, woraufhin ich mich anmeldete, um mein Lob endlich aussprechen zu können!

    Sie studieren Medizin, nehme ich an? Ich denke, daß diese Medikamente, v.a. das Vareniclin aus der Doppelblind-Studie, den Menschen gut helfen können, das Rauchen wieder aufzugeben. Ich selbst rauche, wie schon erwähnt, nicht, habe jedoch viele Klienten, die sehr spät mit dem Rauchen begonnen haben (meist aufgrund von seelischem Kummer und Stress nach Mobbing-Attacken). Ich mag auch den Ansatz der Gruppentherapie: Oft sitze ich mit 2-3 Mobbingopfern zusammen, wobei sich die Gruppendynamik äußerst positiv auf deren Genesung auswirkt. Ähnliches ist sicher auch bei der Rauchentwöhnung möglich.

    Alles in allem werde ich Ihren Beitrag weiterempfehlen!

    A.

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    Oh, was mir gerade noch aufgefallen ist und was Sie vielleicht noch ändern könnten: Sie haben die Stichwörter (Tags) ohne Kommata angegeben, so werden sie als ein Tag gewertet und man wird Ihren Beitrag schwer finden.

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    Hi, dein Thema war auch Hypnose als Mittel zur Raucherentwöhnung.

    Ich bin Hypnotiseur und verweigere inzwischen die wertvolle Hypnosetherapie in den Fällen Rauchen und Abnehmen. Die Ergebnisse sind unbefriedigend, wenn die Werbung auch mehr verspricht. Außerdem wird rein technisch mit Affirmationen gearbeitet: "Die Zigarette schmeckt scheußlich...", diese negativen Affirmationen halten nicht lange an, weil sie "aufgepropft" sind. Sie würden nur helfen, wenn die innere Bereitschaft zur Suchtfreiheit ohnehin vorhanden ist.

    Brauchbar ist dieses Buch von Allen Carr, kenne Leute, die es damit geschafft haben, und die Einstellung, dass ein Rückfall keine Schande ist. Zusätzlich gibt es Foren im Internet, in denen die Leute sich gegenseitig helfen beim Aufhören. Zu Recht sagst du, dass man es den Freunden mitteilen soll.

    LG Susanne

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    @susanne: aber wen die bereitschaft da ist, mit dem Rauchen aufzuhören, würde dann eine Hypnose mit diesesn Affirmationen helfen?

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    Hallo!

    Ich selbst rauche zwar nicht - und habe das auch nie - aber ich habe einige Freunde und Bekannte beim Aufhören begleitet. Insofern maße ich mir mal an, mich auch hier zu beteiligen. ;-)

    Besonders wichtig erscheint mir, dass man nicht zu plötzlich aufhört - sondern nur gut vorbereitet und mit wirklich fester Entscheidung und guten, persönlichen (!) Argumenten.

    • am besten mit Stichtag + Vertrag; so einen Vertrag kann man nur mit sich selbst abschließen, an die Pinnwand pinnen - oder auch in Visitenkartenformat in die Brieftasche stecken; oder man schließt ihn mit einem Paten für dieses Ziel; je nach dem, was für ein Typ man ist - und was einem am besten hilft
    • wie alle Ziele positiv formulieren; also nicht etwa "ich rauche ab xx nicht mehr" oder sowas - sondern eher sowas wie "ich lebe ab xx rauchfrei"; denn das menschliche Hirn kann Negationen nicht verarbeiten und "hört" dann nur "rauchen" - was man ja genau nicht wollte
    • dieses Ziel mit emotionalen Bildern verknüpfen; sich also immer wieder möglichst in Farbe und sehr eindrucksvoll und emotional ausmalen, was sich dann alles ändern wird; wie man die Treppen hochsausen kann; wie gepflegt dann die Hände aussehen werden; wie frei man sich fühlen kann, wenn man nicht mehr dauernd nach Raucherpausen und -ecken Ausschau halten muss; wie lecker dann alles schmecken und riechen wird; was man sich Tolles für das gesparte Geld kaufen wird; ... - dabei möglichst Bilder/Ziele finden, die einem selbst sehr wichtig sind und was bedeuten; wer was zum Angucken oder Anfassen braucht, sucht nach Bildern, Fotos oder so, die das Ziel symbolisieren - und steckt sie in die Brieftasche, den Terminplaner oder so
    • gegen körperliche Entzugssymptome wappnen; die schlimmsten, ersten 1-3 Wochen also nicht gerade in eine Stress-Phase im Job legen - sondern eher in entspanntere Zeiten (Urlaub?); für Ablenkung, Unterstützung, Entspannung, Stress-Abbau usw. bereits im Voraus sorgen bzw. all das schon vorher gut planen
    • ebenso auch gegen psychischen Entzug wappnen; sich bereits vorher (!) sehr genau beobachten - und klarmachen, was die persönlichen Hauptgründe fürs Rauchen sind und in welche Fallen man am ehesten tappt; raucht man also aus Gesellschaft, zur Entspannung, aus Unsicherheit, zur Kontaktaufnahme oder wieso auch immer; und genau für diese persönlichen Bedürfnisse, die man sich mit dem Rauchen erfüllt, bereits vorher nach Alternativen suchen; sich vielleicht sogar persönliche Erste Hilfe-Maßnahmen für die "Lieblingsfallen" auf Kärtchen notieren - oder in den Terminplaner; sich bewusst machen: jede Gewohnheit (auch das Rauchen) ist für irgendwas gut - und solange man diese(s) Bedürfnis(se) nicht anderweitig erfüllt, kann man die Gewohnheit auch nicht loslassen!
    • sich nicht als Versager fühlen; manche glauben, es läge nur am Willen oder an der Willenskraft - und fühlen sich dann als Versager, wenn es doch nicht klappt; dabei zählt vor allem die gute Vorbereitung und die Verbündeten, die man sich sucht;
      außerdem vielleicht lieber kleine Ziele stecken (-> ich rauche heute nicht; später: ich rauche diese Woche nicht; ...) - als gleich dieses "ich rauche nie wieder"; kleine Ziele sind eher erreichbar - und man kann sich durch kleine Belohnungen selbst schneller/regelmäßig motivieren; zudem ist die Katastrophe nicht so riesig, falls es doch einen Rückfall gibt - denn man hat ja nicht gleich das ganze Ziel gefährdet, weshalb dann viele die Zigarette eben zu Ende rauchen, und dann auch bald die nächste ... und übernächste ... weil es ja "nun eh zu spät" sei; wer sich also doch mit der Zigarette in der Hand ertappt: Ausmachen, sofort - und die Falle klar machen, in die man getappt ist; am nächsten Tag fängt man wieder mit weißer Weste an und wird es besser schaffen

    So vorbereitet hat man die besten Chancen es zu schaffen!

    Auf jeden Fall wünsche ich allen Aufhörern viel Erfolg - und viel Kraft!

    Sonnige Grüße von der Gänseblümin.

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    ...also, wer es JETZT nicht schafft, dem fehlt einfach der Wille ;-) Warum wird man anscheinend dick, wenn man aufhört? Liegt das an der Ersatzdroge essen, oder besteht wirklich ein Zusammenhang zwischen den Zigaretten und dem "Schlanksein"?

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    @ Chrisi:

    Das Rauchen "kostet" täglich etwa 200-300 kcal (je nach Zigarettenanzahl und Stoffwechsel und so).

    Wer also aufhört - verbraucht diese Kalorienzahl weniger. Bei sonst völlig konstantem Ess- und Bewegungsverhalten hieße das also, dass man ca. 2 kg zunimmt, bis man "entwöhnt" ist.

    Jeenfalls vorausgesetzt, man glaubt an die Gleichung mit den Kalorien und so. Irgendwo hier hab ich mich ja belehren lassen, dass die Kalorienzahl völlig egal sei.

    Da viele "Aufhörer" jedoch außerdem statt der Zigaretten Bonbons lutschen, Salzstangen knabbern oder sonst irgendwas "konsumieren" - werden aus den 2 kg auch schnell in paar mehr, wenn man nicht aufpasst. Und schon hat man quasi ein Suchtmittel durch die nächste Droge eingetauscht. ;-)

    Anmerkung: Nein, und gerade der Wille ist wirklich nicht DAS ausschlaggebende Detail! Sondern die gute Vorbereitung!

    Sonnige Grüße von der Gänseblümin.

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    Hallo, ich möchte zum Ausdruck bringen wie mich das persönlich hier berührt, dass auch Nichtraucher sich in dieser Gruppe anmelden und nicht auf den Rauchern rumhacken.

    @skadauke: ein super Beitrag! Ausführlicher als in jedem anderen champix forum. vielen dank

    und danke natürlich auch an die anderen Mitglieder dieser Gruppe.

  • Antwort: Strategien zur Rauchentwoehnung

    M. E. ist das wichtigste aufhören zu wollen. Bei mir hat das damit auch länger nicht geklappt, ich denke, irgendwann muß es Klick machen und dann ist es komischerweise gar nicht mehr so schwer.

    Ich kann, wenn ihr wollt, hier noch einges zu bestimmten Formen der Nikotinersatztherapie sagen. Für manche ist es vielleicht eine Optionz., es kann leichter sein, von der Sucht zu lassen, ohne Entzugssymptome zu bekommen.

    Es gibt da verschiedene Möglichkeiten:

    Kaugummi: Es besteht ein mittelschnelles Anfluten. Hierdurch ist es z. B. als Ersatz für eine spezielle Zigarette zu empfehlen, wenn zu erwarten ist, dass sonst zu diesem Zeitpunkt geraucht würde (z.B. nach dem Kaffee)

    Pflaster: Langsames Anfluten des Nikotins, aber 16 bis 24 Stunden anhaltend (Basistherapie ?)

    Nasendspray: schnelles Anfluten. Geeignet nach dem Aufwachen, da dann niedrige Nikotinspiegel bestehen.

    sublinguale Mikrolutschtablette : schnelles Anfluten

    normale Lutschtablette. mittelschnelles Anfluten

    Diese unterschiedliche Anflutung legt nahe, eine Kombination der Nikotinersatztherapie zu nutzen. Es gibt mittlerweile auch andere Medikamente, z. B. Bupropion, denen eine ähnliche Wirkung zugeschrieben wird. Und ich denke, wichtig können auch professionelle Hotlines sein, z.B. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de Tel. 01805-313131 (12 Cent / min. Helpline-Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit www.bayern-helpline-rauchfrei-werden.de Tel. o8oo 1418141 (kostenfrei, Mo bis So 14-18 Uhr) Das sind nur ein paar Hilfangebote, die die Medizin liefern kann".

    Christel

© 2007 - 2012 imedo GmbH, alle Rechte vorbehalten.
Die unter www.imedo.de angebotenen Dienste und Inhalte sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen