Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,
allzu oft schießt die heutigen Kieferorthopädie mit Kanonen auf Spatzen und lässt sich das teuer bezahlen, ohne gangbare Alternativen anzubieten.
Zuzahlungen von 1400 – 2000 Euro für eine feste Spange samt Drumherum („hochwertige Materialien“, professionelle Zahnreinigung, Kariestest, Bracketumfeldversiegelung, ...) sind heute keine Seltenheit mehr – in eigentlich kassengezahlten Fällen, wohlgemerkt. Auch bei leichteren, nicht-kassengezahlten Fällen (Fehlstellungs-Kategorien 1 und 2 von 5) wird keine entsprechend leichtere Behandlung angeboten, sondern die volle Einrüstung des Gebisses zum privat zu bezahlen.
Ein Indiz für die instabile Künstlichkeit der damit erzwungenen Zahnstellungen könnte der Trend zur Dauerretention per Kleberetainer sein. Denn sollte in einem Mundraum, in dem gesunde Verhältnisse geschaffen bzw. wiederhergestellt wurden (80% der Fehlstellungen gelten als erworben), die Zahnstellung nicht von selber stabil bleiben?
Zwar hat ein Kassenpatient das Recht auf zuzahlungsfreie Kassenleistung, bekommt dann aber meist die Auskunft, ohne Zuzahlung sei die Leistung der GKV auf "ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung" begrenzt, die zumeist auf veraltetem Stand sei. So dass einem die „modernere“ Versorgung doch was wert sein sollte.
Aber abgesehen davon, dass nicht jeder >1000 Euro erübrigen kann, wird eine vernünftige ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung hier ja kaum noch angeboten. Schreckmittel gegen zuzahlungsfreie feste Spangen gibts zuhauf: Zähneziehen, Headgear, schmerzhafte Drähte, schwerer putzbare Brackets, ...
Aber dass es früher, über 50 Jahre lang mit der komplikationsärmeren und wirtschaftlicheren Technik der herausnehmbaren Spangen ging, das verraten einem solche Behandler kaum. Danach muss man schon den Richtigen fragen. Dabei würden nämlich viele Kostenpositionen (Beispiele s.o.), die sich da heute zusammenleppern, wegfallen. Auch das kollektive Gedächtnis ist hier erschreckend vergesslich, oder von der Werbung weichgespült.
Feste Spangen als Statussymbole in den USA, das wäre mir sowas von egal!
Das geht in die Taschen der Bracket- und Bracketschadenspräventions-Industrie. Diese veranstaltet für Ärzte auch Kurse, die von den Ärztekammern mit Fortbildungspunkten honoriert werden. Darin geht es nicht nur um technische Aspekte der Produkte, sondern es gibt auch extra Verkaufstrainings-Kurse. So werden immer mehr Kieferorthopäden zu gewiefte Verkäufern, die Eltern regelrecht ein schlechtes Gewissen einreden („95% der Eltern bezahlen dies für ihr Kind“), nachdem sie sich den Bedarf selbst erschaffen haben. Ist die feste Kundenbindung erst einmal installiert, bedroht sie Haushaltskassen.
Auch Eltern mit schmalem Budget würden für ihre Kinder gern jene Ausgaben tätigen, die ihre Entwicklung fördern. Nur sollte sich endlich die Erkenntnis herumsprechen, dass feste Spangen nicht dazu gehören. Sie und ihr Rattenschwanz an Zusatzmaßnahmen sind oft eine unnötige teure riskante Quälerei. Oder fressen zumindest Mittel weg, die dann vielleicht anderswo fehlen.
Früher hatte mir ein alter Zahnarzt gesagt, bei Kindern kann man eigentlich alles herausnehmbar behandeln, wenn man rechtzeitig anfängt. Kürzlich sagte mir ein erfahrener Zahnspangenmacher nun sogar, auch bei Erwachsenen gäbe es eigentlich nichts, was nicht auch herausnehmbar ginge (nur wäre einiges dann langwierig). Die Wirksamkeit herausnehmbarer Spangen ist also keineswegs unklar. Aber die Interessengruppen für Brackets, Herbstscharniere, Pendulum, Headgear, Delaire-Maske, Gaumennahterweiterung, Mini-Implantate und Co. werden nicht müde, hier Bewährtes madig zu machen.
Was können Eltern dagegen tun?
1. Sich über herausnehmbare Spangen informieren, z.B. auf meiner www.sanfte-zahnklammern.de
2. Gezielt nach diesen Alternativen suchen, durch die richtige Arztwahl (bzw. Wechsel). Dazu z.B. mich fragen oder die Fremdlisten meiner Linkliste nutzen (Achtung, die Warnungen dort sind ernst), oder
3. ein entsprechendes Gesuch bei arzt-preisvergleich einstellen. Hilfe bei der ungewohnten Übung, Ärzte anzuzweifeln, bieten dabei meine neuen Muster-Gesuche in www.sanfte-zahnklammern.de/startseite/gesuche_tipps.html
Ansonsten lese ich gerade das Buch Die Ernährungslüge von Hans-Ulrich Grimm:
Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt.
FAZIT davon: Keinen Fertigfraß, sondern natürliche Kost essen und vor allem auch trinken. Nur steht da, genau wie bei den altbewährten Arten von Zahnspangen, keine werbekräftige Industrie dahinter. Glutamat, Aspartam, Ritalin und Co. sind Sand im Getriebe der Entwicklung unserer Kinder, und jahrelange feste-Spangen-Quälereien hinterlassen bestimmt auch ihre Spuren.
Also, dann gesund bleiben,
hordeotech
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