Antwort: Genuss und Mißbrauch
@ Patient:
"Ausserdem denke ich das Gänseblümchen so ähnlich wie ihre Mutter reagiert, weil Sie die selben gene haben.-oder hab ich das was falsch verstanden?!?!"
-> Hmmm, also ich glaube, da liegt jetzt wirklich ein Missverständnis vor: Mutter war/ist so einiges - aber nicht süchtig. Ich habe "lediglich" durch die 15/20 Jahre Hölle früher hin und wieder recht labile Phasen. Und wenn ich da trinken, Benzos nehmen oder sonstwas tun würde - wäre ich 1-2-3 sicher süchtig.
@ alle:
Hmmm, und was das Thema "Genuss, Glück - und das Maß" oder so anbetrifft ...
Also im Bezug auf das Glück denke ich, dass wir es vor allem (nur?) dann wahrnehmen und eben genießen können, wenn es nicht dauerhaft anhält - sondern sich mit weniger glücklichen Momenten abwechselt. So in etwa, wie wir auch Berge nur wahrnehmen können, wenn es dazwischen auch das eine oder andere Tal gibt. Sonst wärs ja einfach ne Hochebene - aber ohne herausragenden Gipfeln dazwischen.
Und Genuss/Genießen - das geht für meine Begriffe nicht wirklich nebenbei, nicht grenzen-/wahllos und auch nicht ohne Bewusstheit + Achtsamkeit.
Je genauer wir eine Sache kennen und je aufmerksamer wir uns ihr zuwenden - desto nuancenreicher können wir sie auch wahrnehmen und genießen und um so mehr Details können wir auch mit unseren Sinnen wahrnehmen und beschreiben. Ganz gleich, ob ich also nun auf Käsesorten, Weine, spezielle Stoffe (-> Textilien), Tees, Pellkartoffeln, Apfelsorten, besondere Musik oder sonstwas stehe: Je mehr ich mich damit beschäftige, um so differenzierter kann ich diese Dinge wahrnehmen, um so vertrauter werde ich mit ihnen und um so geschärfter werden meine Sinne dafür sein.
Gerade heute in unserer sehr schnelllebigen Zeit sind wir oft geneigt, viele Dinge gleichzeitig zu tun. Doch um einer Sache gerecht werden zu können, sie genießen zu können, feine Nuancen wahrnehmen zu können usw. - müssen wir unsere Achtsamkeit auch darauf ausrichten und uns möglichst ganz dafür entscheiden. Zum Genuss gehört es, dass ich mir ganz in Ruhe und ganz bewusst etwas aussuche, mich dafür entscheide und mich dann mit vielen/allen Sinnen darauf einlasse, um es wirklich und bewusst erleben (eben genießen) zu können. Und das geht nicht nebenbei.
Genießen, das heißt auch nicht, wahl- und grenzenlos irgendwas zu konsumieren - sondern sich eben mit Bedacht genau das auszusuchen, was mir in dem Moment eben gut tut. Und auch in der Menge, die mir eben wirklich gut tut. Von dem, was man genießt, immer mehr und mehr zu wollen, um dadurch vermeintlich die Lust bzw. den Genuss daran zu steigern - bewirkt schlussendlich genau das Gegenteil: Differenzierung und Fokussierung oder gar Achtsamkeit sind bei einem Überangebot ja kaum noch/nicht mehr möglich. Durch Beschränkung und manchmal auch Verzicht wird das Besondere ja oft erst erfassbar.
Dennoch geht es nicht darum, sich nun grundsätzlich und immer zu bescheiden - sondern sich rechtzeitig zu beschränken, um sich den Genuss daran zu erhalten. Erst die bewusste Begrenzung in Menge und Dauer ermöglicht uns, Qualität und Genuss nuanciert und immer neu wahrnehmen zu können - und die Balance zur Abgrenzung gegen mögliche Süchte zu finden.
Ich persönlich könnte selbst meinen absoluten Lieblingsdrink nicht mehr genießen - wenn ich jeden Abend loszöge und ihn trinken würde. Und auch nicht wirklich in einer fröhlichen Runde vieler Freunde, wo das Plaudern, Albern, Erzählen, ... mehr im Mittelpunkt steht. Das wäre dann eben nur noch Konsum - aber kein echter Genuss mehr. Und die Saunafans, die ich so kenne, haben mir bislang alle bestätigt, dass JEDEN TAG Sauna nicht nur kein Genuss mehr wäre - sondern evtl. sogar ins Gegenteil von gesund umschlagen kann.
Es kommt eben bei allem immer auf das rechte Maß an - was jeder für sich selbst und für seine Genüsse finden muss. Denn die Menschen sind ja verschieden - und jder Körper braucht für jede Sache eben SEIN Maß. Dann erst hat man den Unterschied zwischen bloßem Konsumieren und wirklichem Genießen begriffen - und hat vor allem gelernt, auf den eigenen Körper zu hören und ihn (und damit sich selbst) wirklich zu respektieren.
So jedenfalls sehe ich das.
Sonnige Grüße von der Gänseblümin.
PS: Wie gesagt, wer sich fürs Genießen(lernen) interessiert, ist herzlich in meiner "Genuss-Schule" eingeladen. Da finden sich noch einige interessante Aspekte zum Thema Genießen ... und was den Genuss vom Konsum unterscheidet ... usw.