Antwort: These der Woche aus "Lexikon der Medizinirrtümer" > Woche 8: Bei Nasenbluten soll man den Kopf nach hinten legen
Hallo zusammen:
Ein interessantes Thema wurde da ausgegraben: Nasenbluten! Jeder Mensch hatte es sicherlich schon mindestens einmal in seinem Leben gehabt und kann daher mitreden, sollte man meinen!
So ein Forum ist da eine tolle Sache, aber Vorsicht: Auf diese Weise kann es auch passieren, dass eine Menge an Halbwahrheiten und Gerüchten verbreitet werden, und gerade IMEDO hat sich doch die Gesundheit auf seine Fahne geschrieben.
Bitte versteht mich nicht falsch, aber für Nasenbluten gibt es in der Tat mehr als 100 veschiedene Ursachen, und darum möchte ich keinesfalls, dass Nasenbluten verharmlost wird. Nasenbluten kann aber muss nicht einen harmlosen Ursprung haben! Unter dem Stichwort "Nasenbluten" lassen sich bei IMEDO zahlreiche Beiträge finden. Zu dieser "These der Woche" möchte ich mich gerne auch äussern, und zwar nicht, um "Rundschläge" zu erteilen, sondern eben auch um auf einem meiner Beiträge aufmerksam zu machen. Nein, ich mache da keine Werbung in eigener Sache, sondern ich möchte hier wirklich auf Nasenbluten als ein Merkmal für eine ernsthafte Erkrankung aufmerksam machen: Morbus Osler-Weber-Rendu oder auch Hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie (kurz HHT genannt).
Bei Morbus Osler, wie diese Erkrankung meistens genannt wird, kommt es tatsächlich zu häufigem spontanen Nasenbluten. Das kann bei Kindern ebenso wie auch bei Personen auftreten, die schon 60 oder 70 Jahre alt sind und zuvor noch nie mit Nasenbluten konfrontiert worden sind.
Natürlich denken sich die Betroffenen meistens, dass das sicher bald wieder aufhören wird und dass das alles sicher eine harmlose Erklärung haben wird. Vielleicht denkt man da sogar noch: "Mein Bruder und auch mein Vater hatten das auch schon ab und zu mal gehabt. Also stell´ Dich nicht so an!"
Wenn dann die Leute, bei denen sich das Nasenbluten schon ab und zu mal gezeigt hat, doch irgendwann einmal zum Arzt gehen, dann vornehmlich bei ihrem Hausarzt oder auch - wo sonst? - bei einem Hals-Nasen-Orhren-Arzt. Und jetzt kommt mein "Aber": Hinter dem Nasenbluten kann viel mehr als "nur" Nasenbluten stecken, zum Beispiel eben Morbus Osler-Weber-Rendu bzw. Hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie (kurz HHT). Diese Krankheit ist allerdings recht selten, genauer gesagt gibt es zwischen 35.000 und 50.000 Osler-Patienten alleine hier bei uns in Deutschland, und darum muss so mancher Osler-Patient von Praxis zu Praxis und von Klinik zu Klinik pilgern, eheein Arzt bzw. eine Ärztin dann schließlich doch diese Diagnose stellt.
Wer von Euch bis hier hin gelesen hat, der fragt sich vielleicht spätestens jetzt, warum ich mich denn nun hier scheinbar so aufrege. Ich sage es Euch gerne: Nasenbluten ist nur ein Aspekt dieser Krankheit. Schuld daran sind kleine Gefäßfehlbildungen, die Teleangiektasien genannt werden. Diese nur stecknadel- bis reiskorngroßen Gefäßfehlbildungen sitzen überwiegend im Nasen-Rachen-Raum, und daher kennen rund 90 Prozent aller Patienten dieses Nasenbluten.
Doch diese Teleangiektasien sitzen nicht nur im Nasen-Rachen-Raum, sondern auch im Magen-Darm-Trakt, und wenn dort diese Gefäße platzen, sieht man das eben nicht so leicht wie das Nasenbluten! Und es geht sogar noch weiter: Innere Blutungen wie im Magen oder im Darm können Ursache zum Beispiel für einen niedrigen Hämoglobin- oder Eisenwert sein. Und sogar die Lunge und die Leber, ja sogar das Gehirn kann betroffen sein. Schlaganfälle können auftreten, und sogar Lebertransplantationen können notwendig werden. Und durch häufige Blutungen kann es auch notwendig werden, dass sich die Osler-Patienten Bluttransfusionen unterziehen müssen, wenn die Zufuhr von Eisen nicht mehr ausreicht.
Mir liegt die Aufklärung über diese Krankheit nicht nur deshalb sehr am Herzen, weil ich selbst seit meinem zweiten oder dritten Lebensjahr das Nasenbluten kenne. Morbus Osler ist eine seltene Erkrankung, aber sie ist eine genetische Erkrankung, das heisst, dass sie autosomal-dominant vererbt werden kann. Rein statistisch kann bei einem betroffenen Elternteil die Hälfte der Kinder die Krankheit geerbt haben, und von der Vererbung sind Jungs ebenso wie Mädchen betroffen.
In einem anderen Beitrag hier bei IMEDO habe ich schon einmal ausführlich über Morbus Osler berichtet, und dabei habe ich leider auch den einen oder anderen Leser erschreckt: Wer denkt denn bei Nasenbluten gleich an solch eine Tragweite? Macht Euch selber ein Bild, indem Ihr Euch den Beitrag nachlest: Unter dem Link
http://www.imedo.de/group/topics/show/1938-nasenbluten-durch-bluthochdruck/2
kann man ihn finden. Wer noch mehr über diese Krankheit wissen möchte, weil er (oder vielleicht andere in der Verwandtschaft ebenfalls?) Nasenbluten oder andere Symptome, wie ich sie oben beschrieben habe, kennt, sollte auch unbedingt im Internet unter www.morbus-osler.de sowie unter www.mosev.de nachschauen.
Wer konkrete Fragen hat, kann sich an mich direkt mit einer privaten eMail an mich wenden, denn ich bin nicht nur selbst Betroffener mit einer entsprechenden Erfahrung, sondern ich bin auch seit ihrer Gründung Mitglied der "Morbus-Osler-Selbsthilfe e. V." und gehöre als Pressesprecher auch dem Vorstand an. Morbus Osler ist eine sehr seltene Erkrankung, und darum haben wir sogar in unserer bundesweit aktiven Selbsthilfegruppe Mitglieder aus Schweden und Finnland sowie natürlich auch aus Österreich und der Schweiz.
Als Selbsthilfegruppe sind wir auch sehr stolz, dass wir zahlreiche kompetente Ärzte verschiedener Fachrichtungen und aus unterschiedlichen Universitäts-/Kliniken als Mitglieder bei uns haben und an die wir uns jederzeit wenden können. Wir richten jährlich eine große "Morbus-Osler-Tagung" aus, und auf regionaler Ebene treffen sich in allen Ecken Deutschlands Patienten in unregelmäßigen Abständen zu sogenannten "Morbus-Osler-Regionaltreffen", zum Beispiel in Berlin, Essen, Heilbronn, Ulm und München.
Ausserdem gibt es für Betroffene, ihre Angehörigen sowie für Ärzte auch zwei verschiedene Foren im Internet unter www.moic.de und unter www.domeus.de/forum/morbus-osler. Zweimal pro Woche treffen sich auch Interessenten im "Morbus-Osler-Chat" unter www.osler-chat-live.de.vu - montags um 19:00 Uhr und donnerstags um 20:00 Uhr - meist unter meiner Leitung.
So, nun danke ich für Euer Interesse und dass Ihr so lange geduldig bis hier durchgehalten habt. 
Wer Fragen an mich hat, kann sich gerne per eMail an mich wenden, und wer von Euch mal wieder Nasenbluten hat, der sollte sich vielleicht wieder einmal an diesen Artikel zurückerinnern, denn genau dafür habe ich heute diesen Beitrag geschrieben. Und bei Pauschalrezepten und Ratschlägen bitte dran denken, dass ein Rat nicht für jede Krankheit passt - leider! 
Herzliche Grüße...........................Helmut alias Atlantis123 