These der Woche aus "Lexikon der Medizinirrtümer" > Woche 8: Bei Nasenbluten soll man den Kopf nach hinten legen

Thema: These der Woche aus "Lexikon der Medizinirrtümer" > Woche 8: Bei Nasenbluten soll man den Kopf nach hinten legen

  • Antwort: These der Woche aus "Lexikon der Medizinirrtümer" > Woche 8: Bei Nasenbluten soll man den Kopf nach hinten legen

    Hallo Ute,

    keine Angst: Ich bin doch schon groß und kein Hasenfuß! Und die Zahl der Bluttransfusionen ist ja noch immer zu meinem Glück sehr gering. Die jüngere Schwester meiner Mutter hat inzwischen schon weit über 300 Mal Blut zugeführt bekommen. Gut

    Ich habe wahrscheinlich auch nun den Zeitpunkt erreicht, wo die Transfusion bei mir häufiger notwendig werden wird. Das ansich ist nicht schlimm, nur habe ich Angst, dass ich mir Hepatitis oder - noch viel schlimmer - HIV einfange. Natürlich sagen die Ärzte, dass das Blut mehrfach getestet wird, ehe es an bedürftige Patienten übertragen wird, aber bei meinem Glück - immerhin habe ich meinen derzeitigen Gesundheitszustand ja auch einem ärztlichen Mißgeschick, nämlich diese Infektion mit der Spritze, die mich aus meinem beruflichen Dasein in ein Leben mit Morphium-Pflastern und mehr beförderte - zu verdanken. Zum Glück bin ich ja wenigstens einem Leben im Rollstuhl entkommen, und dafür muss ich den Ärzten und dem lieben Gott dankbar sein. Immerhin hätte ich ja auch eine Blutvergiftung bekommen und sterben können!

    So gesehen habe ich also keinen Grund, mich wegen der Blutungen - egal ob es sich nun um Nasenbluten oder innere Blutungen z. B. im Magen-Darm-Trakt handelt - zu beklagen. Ich kenne mich ja selbst medizinisch bei dieser Erkrankung recht gut aus und stehe aufgrund meiner Arbeit im Vorstand der entsprechenden Selbsthilfegruppe mit sehr qualifizierten Ärzten in Verbindung. So kann ich also getrost auch anderen Betroffenen, die sich an mich wegen Hilfe wenden, auch entsprechende Hilfe und Ratschläge geben, und dies eben telefonisch, per eMail oder auch in unserem Chat, den ich meistens jede Woche zwei Mal regelmäßig leite bzw. moderiere, denn immerhin kann ich ja auch "auf ein halbes Jahrhundert Erfahrung mit Nasenbluten" verweisen. Gut

    Liebe Grüße und alles Gute................Helmut Gut



  • Tabletten gegen Nasenbluten

    Also als Kind da hatte ich fast täglich Nasenbluten. Dann hat der Arzt mir Kalziumtabletten verschrieben, die mußte ich dann jeden Tag lutschen. Nach ein bis zwei Wochen war ich frei von Nasenbluten und das bis heute.

    Die Tabletten damals hießen übrigens (glaub ich) Rudicalzon und waren rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen

  • Hallo: Wer erinnert sich denn noch an solche Dinosaurier? :-)

    Hallo "jojo",

    jetzt hast Du mir ja wirklich ein kleines Schmunzeln entlockt: Ich kenne diese Kalzium-Tabletten auch noch, die in länglichen Rollen verpackt in Silberpapier bzw. Staniol erhältlich waren.

    Mann, was ist das so lange her!!! Ich habe schon mit zwei, drei Jahren mit dieser Bluterei aus der Nase angefangen und habe es noch heute - ist ja auch klar, da es sich um eine chronische, erbliche Gefäßerkrankung handelt.

    "Jojo", solltest Du heute oder später hin und wieder noch irgendwann einmal in eine solche Verlegenheit geraten oder in der Verwandtschaft oder unter Freunden mal so eine Situation beobachten, dann erlaube ich mir hier ............... Nein, leider lieber nicht, denn sonst hält dieser ernstgemeinte und hervorragende Tipp für (Schleich-)Werbung und löscht diesen Beitrag von mir hier kommentarlos.

    Darum mache ich es einfach anders herum: Interessenten sollten mir eine PN zukommen lassen und den Sachverhalt etwas beschreiben. Danach werde ich zunellstmöglich antworten und auf ein spezielles Medikament verweisen, dass ich schon sehr lange, nämlich bereits seit 1996 kenne und das äußerst wirkungsvoll direkt in die Gerinnung eingreift. Ich habe damit eine sehr gute und vor allem eine sehr lange eigene Erfahrung mit diesem Medikament und empfehle es gerne jedem geeigneten Patienten weiter!

    Helmut Gut



    PS: Das Wörtchen "geeignet" habe ich absichtlich eingefügt, denn nicht jeder Mensch sollte zu diesem Medikament greifen, weil es in die Gerinnung eingreift. Patienten, die bereits jetzt schon an Thrombose leiden, sollten z. B. nicht auf dieses Medikament zugreifen! Gleiches gilt für Schlaganfallspatienten, Menschen, die blutverdünnende Medikamente wie ASS, Heparin oder Macumar einnehmen müssen.

  • Tempostopfen

    Also wenn ich mal Nasenbluten habe, dann rolle ich mit aus Tempo ne dicke Wurst und stopf sie ins Nasenloch. Nach 10 Minuten kann ich sie dann wieder rausnehmen und dann hat auch das Bluten aufgehört. klappt einwandfrei Gut

  • Antwort: Tempostopfen


    Hallo "Schlummi",

    es freut mich für Dich, wenn Du das Nasenbluten so rasch in den Griff bekommst, aber es kommt - wie meist im Leben - auf die genaue Ursache an. Dazu ist eine ausführliche Diagnostig und auch ein Befragen der anderen Familienangehörigen und Verwandten notwendig, um so sich ein ausführliches Bild machen zu können. Hinzu käme bei Bedarf auch eine genetische Untersuchung.

    Aber bitte lass Dich nicht von diesen Zeilen beunruhigen: Ich selbst habe ja auch häufig und spontan Nasenbluten - unter Umständen kann so etwas sogar auch lebensgefährlich sein! Dafür aber kenne ich meine Ursache bzw. den Namen der krankheit, die bei mir dahintersteht, und da ist das Nasenbluten nur ein Teilaspekt meiner "Lebens- und Leidensgeschichte".

    Meine Erkrankung wird Morbus Osler-Weber-Rendu (kurz M. Osler) oder auch intern. als Hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie (kurz HHT) genannt. Ist das Nasenbluten nicht so heftig und langandauernd, dann drehe ich mir auch aus sauberem, saugfähigen und zugleich auch pressbarem Toilettenpapier solche "Zigarren", die ich mir dann wie Damen-Tampons in die Nase einführe. Aber wenn das Bluten mehr als 30 Minuten andauert und die Blutungsquelle sich dadurch nicht verschließen lässt, weil dieses Sprudeln oben im knorpeligen oder knöchernen Bereich der Nase ist, dann nutzt das nichts: Das Blut fließt dann den Rachen runter, muss ausgespuckt oder wenn nicht anders möglich auch mal geschluckt werden.

    Viel schlimmer ist aber, wenn durch diese Erkrankung innere Blutungen nicht in den gut durchbluteten Schleimhäuten im Nasen-Rachen-Raum, sondern eben zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt oder auch in der Lunge, der Leber und sogar im Gehirn auftreten. Die Blutverluste sind dann derart stark, dass die Zufuhr von Eisenpräparaten in Kapsel- oder Tablettenform oder per Infusion oder sogar als Bluttransfusion notwendig werden können.

    In so einer Phase bin ich zur Zeit - wieder einmal. Wenn die Blutwerte spinnen und zu wenig Hämoglobin, Eisen oder Ferritin vorhanden ist, braucht man theoretisch als Patient keinen Blutbefund: Man sieht es den Patienten an, und so bescheiden fühlen sie sich auch. Kein Wunder, wenn Blutungen mehrfach täglich und zum Teil auch dazu recht lange andauern, dann ist mal wieder eine Bluttransfusion fällig.

    Lass' Dich nicht beirren: Es gibt über 100 verschiedene Möglichkeiten für das Nasenbluten, und Morbus Osler ist eben nur eine der möglichen Ursachen. Aber gerade darum ist es für die rund 35.000 bis 50.000 betroffenen Osler-Patienten alleine in Deutschland schon ein recht weiter Weg, den sie gehen müssen, ehe vom ersten Nasenbluten dann die richtige Diagnose gestellt wird, und leider sind auch die Ärzte oftmals überfragt, weil die Erkrankung so selten ist und sie selten mal einen Osler-Patienten und dessen Symptome zu Gesicht bekommen.

    Kennzeichen für einen solchen Osler-Patienten sind vier Merkmale:

    - häufiges und spontanes, wiederholtes Nasenbluten (= "Epistaxis"),

    - typische reiskorn- bis stecknaldelkopf-große Gefäßfehlbildungen, die mehrfach und an charakteristischen Stellen wie z. B. an den Lippen, der Mundhöhle, die Finger und die Nase zu finden sind und als "Teleangiektasien" bezeichnet werden,

    - hinzu kommen "viszerale Manifestationen", zu deutsch ist damit die Beteiligung innerer Organe, besonders von Lunge, Leber, Hirn und Magen-Darm-Trakt sowie

    - das Vorkommen von wenigstens eines weiteren Verwandten 1. Grades, der ebenfalls diese Kriterien erfüllt, wird als "positive Familienanamnese" bezeichnet.

    Der Morbus Osler gilt als gesichert, wenn wenigstens drei dieser Kriterien erfüllt sind. Werden bei einer Person nur zwei Kriterien erfüllt, geht man zunächst nur von einem "Verdachtsfall" aus. Auch wenn nur bei einem erfüllten Kriterium ein Morbus Osler unwahrscheinlich ist, so kann diese Erkrankung dennoch möglich sein. Man denke dabei zum Beispiel an betroffene Kinder, bei denen häufig nur der vierte Punkt erfüllt ist, währens sich die anderen Kriterien erst im Laufe des Lebens einstellen können. Hier ist häufig die genetische Diagnostik hilfreich.

    Diese Aufstellung der vier Punkte werden übrigens zur klinischen Diagnostik des Morbus Osler (HHT) herangezogen und als sogenannte "Curacao-Kliterien", erstellt vom medizinischen und wissenschaftlichen Beratungskremiums der amerikanischen Selbsthilfeorganisation der Morbus-Osler-Patienten, bezeichnet.

    Wer konkrete Fragen zu dieser Erkrankung hat, kann sich per PN oder eMail an mich wenden: Ich habe mit zwei, drei Jahren schon mein typisches Nasenbluten bekommen, so wie ich es auch schon von meiner Mutter und meiner Oma kannte. Ich bin seit ihrer Gründung im Jahre 1996 Mitglied der "Morbus-Osler-Selbsthilfe e. V." und arbeite aktiv im Vereinsvorstand als Pressesprecher mit. Besonders wichtig ist mir auch der Informations- und Erfahrungsaustausch mit den anderen Patienten, gerade um sie auch auf Therapiemöglichkeiten aufmerksam zu machen, denn diese seltene, erbliche Gefäßerkrankung gilt - derzeit zumindest - als nicht heilbar.

    Gerne stehe ich für weitere Fragen und Auskünfte - auch über Behandlungsmöglichkeiten und Fachärzte - zur Verfügung. Da ja bei der Erkrankung nicht nur die Nase betroffen sein kann, kommt als erste Anlaufstelle eben auch nicht nur der Allgemeinmediziner oder der HNO-Facharzt in Betracht. Wir von der bundesweit aktiven Selbsthilfegruppe haben bereits sehr gute Kontakte zu Behandlungszentren aller Fachgebiete, weshalb sich unserem Verein neben den deutschen Patienten auch Betroffene und Angegörige aus Finnland und Schweden bis hinunter nach Österreich und der Schweiz angeschlossen haben.

    Informationen im Internet zum Thema sind u. a. auf folgenden Seiten zu finden:

    www.morbus-osler.de - www.mosev.de - www.hht.org - www.domeus.de/forum/morbus-osler und auch www.moic.de

    Neben einer großen jährlichen Tagung auf Bundesebene gibt es auch auf regionaler Ebene Gruppentreffen sowie zwei verschiedene Foren und einen regelmäßigen "Morbus-Osler-Chat" zweimal pro Woche.

    Wenn noch weitere Fragen bestehen, dann einfach bei mir melden, ok?



    Herzliche Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht

    Helmut Gut





    Ursprüngliche Nachricht von Schlummi

    Also wenn ich mal Nasenbluten habe, dann rolle ich mit aus Tempo ne dicke Wurst und stopf sie ins Nasenloch. Nach 10 Minuten kann ich sie dann wieder rausnehmen und dann hat auch das Bluten aufgehört. klappt einwandfrei Gut



  • Dieser Beitrag wurde von joho vor mehr als 3 Jahren gelöscht

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