Die Trennung meiner Eltern
Ich war 11 Jahre alt. Mein Bruder (1,5 Jahre älter als ich) und ich wohnten logischerweise (in dem Alter) noch zuhause. Mein ältester Bruder hat gerade seinen Zivildienst geleistet und wohnte in einem Wohnheim und meine ältere Schwester ist gerade mit ihrem Freund zusammen gezogen.
Wir hatten Sommerferien und es kriselte eh schon seit Ewigkeit zwischen meinen Eltern. Meine Mutter ist Alkoholikerin und mein Vater hat damals, bevor sie gegangen ist, eine Therapie mit ihr gemacht. In dieser Therapie hat sie den endgültigen Grund kennengelernt von zuhause weg zu gehen - ihren jetzigen Ehemann.
Genaue Einzelheiten, muss ich gestehen, weiß ich gar nicht mehr. Ich habe es verdrängt, bzw. fallen mir Jahr für Jahr immer mal ein paar Sachen ein, die damals passiert sind.
Meine Mutter war auf jeden Fall eines Tages weg. Sie sagte, sie könne nicht mehr mit unserem Vater zusammen leben. Mir ist vorher schon aufgefallen, dass sie sich mit diesem "Neuen" getroffen hatte, obwohl sie meinem Vater noch Hoffnungen gemacht hat. Wo er gemerkt hat, dass sie sich immer öfter mit ihm trifft, wurde er eifersüchtig, und ich glaube das war letzendlich der Faktor, warum sie von jetzt auf gleich weg ist.
Mein Bruder und ich waren alleine mit meinem Vater, in dem Haus, welches wir selbst gebaut hatten. Ich habe immer die Starke gespielt, und mir vor anderen nichts anmerken lassen. Habe im Haushalt mitgeholfen, bzw. ihn mehr oder weniger alleine gemacht, weil mein Vater den ganzen Tag am schuften war und mein Bruder auf einmal einen Freundeskreis hatte, wo ihm zuhause alles scheiß egal war. Von den Schulnoten brauche ich glaube ich erst gar nicht erzählen, dass die in solch einer Situation grauselig schlecht wurden, ist eigentlich vorauszusehen.
Die Hölle fing an... mein Bruder ließ seine ganze Wut und Aggression an mir aus. Ich denke, er hat die Wut, die er auf meine Mutter hatte, an mir ausgelassen, schließlich war ich ja jeden Tag zuhause. Und seine Kumpels haben auch noch mitgemacht, mich an den Schrank zu fesseln, mich zu ärgern. Er hat mich mit dem Gürtel geschlagen und lauter solche Geschichten. Ich habe mich nach der Schule gar nicht mehr nach Hause getraut, wusste aber auch nicht wo ich sonst hin sollte. Ich habe diese Gewalt immer über mich ergehen lassen. Manchmal habe ich mich getraut es meinem Vater zu sagen, und der hat dann meinem Bruder die Leviten gelesen, worauf ich sie am anderen Tag wieder von meinem Bruder bekommen habe, weil ich es unserem Vater verraten hatte. Er hat mir damals immer das Geld weggenommen, welches mein Vater mir gegeben hatte und später, wo ich angefangen habe zu kiffen, na ja, da er ja auch den Drogen total verfallen war, hat er mir das natürlich auch immer weggenommen.
Mit meiner Mutter konnte ich nie darüber reden. Sie hatte damals ihren Typ, der recht viel Kohle hatte. Sie sind ständig in den Urlaub gefahren, sie hatte teuren Schmuck um und sie wollte, wenn sie sich mit mir traf, dass ihr Neuer dabei ist, weil er ja jetzt zu ihr gehörte. Es war grausam für mich. Immer wenn mir in der Schule ein Schulkollege auf die Schulter geklopft hat, hatte ich panische Angst und habe um mich geschlagen, wie eine Irre und derjenige dachte, ich wäre Irre, weil ich so reagierte.
Es waren 5 Jahre, bis ich 16 war, die so furchtbar waren. Dann ging es wenigstens etwas bergauf - wir ziehten aus dem Haus, weil mein Vater es alleine nicht mehr halten konnte. Im Gegenzug zog meine Mutter mit ihrem neuen Mann dort ein und das Verhältnis zwischen meinem Bruder und mir wurde etwas besser. Er hörte mit den harten Drogen auf, kiffte nur noch und so allmählich wurde ihm bewusst, was er mir in den Jahren angetan hatte. Er entschuldigte sich und gab mir ziemlich viel Geld wieder. Ich weiß, das hört sich jetzt, für das was er mir angetan hat, nicht gerade toll an, aber mir hat diese Entschuldigung gereicht..warum weiß ich auch nicht.
Mein Hass war eher auf meine Mutter beschränkt, weil sie uns einfach allein gelassen hat und sie sich ein tolles Leben gemacht hat.
Vor ein paar Wochen erst, habe ich mit meiner Mutter darüber gesprochen und ihr einiges erzählt...sie wusste gar nicht was sie sagen, denken, fühlen sollte. Sie meinte nur, sie wusste das nicht, und hätte sie es gewusst, hätte sie etwas unternommen. Sie wollte uns damals eh holen, aber mein Bruder und ich waren schon so umgekrempelt von meinem Vater, der sie damals immer nur schlecht gemacht hat, dass sie keine Chance hatte. Ja, mein Vater hat sie vor uns Kindern schlecht geredet, ohne Frage, aber da sie nie reagiert hat, nie wirklich etwas unternommen hat, hatten wir Kinder auch einen riesen Hass auf sie, weil nie etwas von ihr kam.
Nun ja, das war das erste Gespräch mit meiner Mutter über dieses Thema. Und ich werde sie in Zukunft nicht verschonen, sondern ihr alles weitere erzählen, weil ich finde, sie als Mutter muss es wissen, auch wenn sie ein sehr labiler Mensch ist. Sie ist übrigens immer noch nicht trocken und sie und ihr Mann haben finanzielle Probleme bis zum abwinken, den Alkohol schön an der Seite....für mich unverständlich, aber das ist eine andere Geschichte über mich. ;-)
Das war die Trennung meiner Eltern, wie ich sie in den Jahren erlebt habe.
LG Fiona