Diskussion am Essenstisch

Thema: Diskussion am Essenstisch

  • Diskussion am Essenstisch

    Ich schreibe hier mal eine Anfrage für meine beste Freundin. Die hat einen kleinen Sohn (Anton), der ein echter Dickkopf in Sachen Essen ist. Anton isst ganz viele Sachen nicht, die ihm seine Mutter auftischt. Gemüse geht fast gar nicht (besonders mit allem grünem kann man ihn jagen), Obst nur bestimmte Sachen. Wie das ja so oft der Fall ist, scheint er besonders gern die ungesunden Sachen zu essen wie Wurst, Süßigkeiten und Fritiertes! Oft will er Neues gar nicht mal probieren.

    Nun meine Frage: Wie könnte man Anton dazu bewegen, doch mal was Neues zu testen und wenigstens ein bisschen Gemüse zu essen?

    Über ein paar Anregungen wäre ich euch sehr dankbar!

  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Oh ja, das Problem kenne ich auch nur zu gut. Mein Sohn hatte mir Sohn hat mir damit auch immer Probleme bereitet. Igitt, das esse ich nicht, hieß es bei den meisten gesunden Sachen. Besonders bei Gemüse sprangen seine Alarmglocken an. Er tat so, als wenn ich ihm etwas Giftiges zu essen geben wollte.

    Prinzipiell hat mir geholfen, mir bewusst zu machen, dass auch ein Kind gewisse Ess-Präferenzen hat. Ich als Erwachsene mag ja auch nicht alles. Und wenn mich jemand zwingen wollte, dies oder das zu essen, würde ich auch ganz grantig werden.

    Mein Sohn mochte z.B. überhaupt keinen Käse, was mich schon etwas in Sorge gebracht hat, da ja das Kalzium wichtig ist. Als Ersatz habe ich ihm dann Joghurt, leicht gesüßten Quark und so angeboten. Das hat eigentlich ganz gut funktioniert.



  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Auch die Art und Weise wie man die Nahrungsmittel präsentiert, kann maßgeblich dazu beitragen, ob ein Kind etwas isst oder eben nicht.

    So kann es z.B. helfen, Gemüse in lustige Formen zu schneiden. Gemüsesticks sehen einfach attraktiver aus. Und das Auge isst ja bekanntlichermaßen mit. Und Obst könnte man auch als Obstsalat oder püriert mit Joghurt oder ähnlichem anbieten.

    Um etwas rhetorische Überzeugungsarbeit wird wohl niemand herumkommen. So sollte man dem Kind erklären, dass gerade Gemüse ganz wichtig für seine Entwicklung ist. Auch wenn das kurzfristig vielleicht nichts zu bringen scheint, so ist es mittel- bis langfristig auf jeden Fall eine gute Strategie.

  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Hallo!

    Hmmm, also ich habe meinem Sohn das immer versucht, kindgerecht zu erklären. Habe z. B. die Nahrungsmittelgruppen kindgerecht benannt/aufgeteilt - und ihm dann erklärt, dass Käse/Quark/Fisch/Hühnchen/Fleisch usw. das Baumaterial für seine Muskeln sind ... dass in Käse, Joghurt + Milch und so das Baumaterial für starke Knochen + Zähne steckt ... und dass in Brot + Nudeln + Kartoffeln + Reis + Müsli und so der Treibstoff steckt ... und in Gemüse + Obst + Salat all die vielen kleinen Zauberzwerge, die das Baumaterial überall hin verteilen + einbauen ... die die bösen Krankmachmännlein angreifen + besiegen können ... und sonstige Wunder in seinem Körper vollbringen. Also sozusagen Ernährungslehre in Kleinkindform. sehr gut

    Er fand das immer total lustig + es hat ihm sehr viel Spaß gemacht, die jeweiligen Speisen dann mit entsprechenden Geschichten + Gesten verbunden zu verputzen. Und auch Besuchskinder + ihre Eltern griffen diese Erklärungen nach erstem Staunen/Wundern immer begeistert auf. Manchmal bestand mein Sohn sogar darauf, vor dem Sporttag im Kindergarten aber unbedingt morgens eine große Tasse Milch zu trinken + ein Käsebrot mitzunehmen ... damit seine Muskeln da auch ja wirklich wachsen könnten. sehr gut

    Wichtig finde ich übrigens auch immer, dass der Esstisch kein Ort für Unangenehmes wird! Da wird gegessen, genossen, gealbert + vom Tag erzählt oder so - aber es werden keine Diskussionen + Streitgespräche geführt oder so. Das hat später oder vorher Zeit - aber das Essen soll positiv besetzt sein + bleiben. Hilfreich hierfür können klare Tischregeln für alle (!!!) sein - und vielleicht sogar gelbe + rote Karten mit entsprechenden Konsequenzen. Achtung: Auch Eltern kriegen da manchmal die rote Karte! sehr gut

    Und wenn die lieben Kleinen heute etwas ablehnen - dann gibts kein großes Tamtam darum (das macht das Ganze ja nur Interessanter + Wiederholungen spannend) ... stattdessen wird es in 2-5 Wochen oder so einfach mal wieder serviert ... vielleicht diesmal in anderer Form oder Kombination ... und wer weiß - vielleicht schmeckt es da plötzlich ... oder immer noch nicht ...

    Ein paar Abmachungen aber hatten wir bei uns daheim:

    * es wird niemandem etwas aufgezwungen!!! also nix mit "Du musst doch aber ..." oder sowas

    * jeder darf selbst wählen, wieviel er wovon haben mag, aber lieber erstmal weniger nehmen + nachnehmen, es läuft ja nicht weg, aber was man sich auftut - wird in aller Regel auch aufgegessen

    * jeder probiert zumindest mal ein kleines Bisschen von allem - und wenn es 1 TL voll ist + es dann vielleicht wirklich nicht schmeckt ... auch dadurch erleben Kinder, dass Geschmack sich verändern kann - und "komisches/fremdes Essen" durchaus mal sehr lecker sein kann

    Das hat eigentlich immer gut funktioniert - auch mit Gastkindern, die es häufig gab bei uns, und die angeblich die schlimmsten Suppenkaspar wären.

    Und was einzelne ungeliebte Dinge betrifft: Mogeln ist erlaubt + okay. sehr gut

    * ungeliebtes Gemüse lässt sich püriert prima in Nudelsaucen zaubern ... oder zerhackt auf Pizzen unterm Käse verstecken ...

    * gerade kleine Kinder lassen sich von Essen mit den Fingern immer prima begeistern: Obst + Gemüse in mundgerechten Stücken + auf Spieße gesteckt ist gleich nochmal so verlockend - oder auch in Spalten/Stäbchen oder so + mit nem Dipp dazu; dazu ein paar Stäbchen aus getoastetem Brot oder Kartoffelspalten oder so

    * wer keinen Käse auf dem Brot mag - mag ihn vielleicht geraspelt zur Pasta oder zerschmolzen auf Auflauf, Pizza, Toast oder so

    * auch witzig sind kulinarische Fernreisen in das Land des Lieblingsstars, des letzten oder nächsten Urlaubs, des Lieblingstiers oder was auch immer ... vielleicht mit Servietten + Kerzen in den Landesfarben ...

    * Obst, Gemüse, Käse, Brote usw. lassen sich auch prima mit Keksausstechern in Form bringen - was sie ungemein attraktiver macht; so wird z. B. ein Käsebrot in Autoform mit Rädern aus rotem Paprika oder so vielleicht zum Hit beim Abendbrot; oder der brühmte Radieschen-Fisch (Butterbrot in Fischform mit Radieschenscheiben als Schuppen)

    * in aller Regel mögen Kinder das am liebsten, was am interessantesten ist - und wenn um Fast Food ein großes Tamtam veranstaltet wird - ist eben das am spannendsten ... im Übrigen sind Verbote nie dauerhaft haltbar - stattdessen lieber kontrollierter Verzehr + viele bunte + spannende Alternativen im Alltag

    * sehr viel attraktiver wird vieles auch durch eigenes Mitwirken - wo also Kinderhände selbst den Salat zerzupfen dürfen ... oder die Möhre raspeln ... oder den Brotteig kneten ... oder die bunte Zauber-Nudel-Sauce rühren/pürieren ... oder was auch immer - wird all das auch meist mit ebenso viel Spaß gegessen; leider wissen die wenigsten Kinder heutzutage überhaupt noch, wie eigentlich eine ganze Möhre, Erbsenschote oder so aussieht

    * ebenfalls sehr attraktiv ist für viele Kinder Essen in Buntstiftfarben ... so wird z. B. aus Möhren + etwas O-Saft eine Sonnen-Suppe ... oder aus Roter Bete + einem Schuss Sahne eine Suppe in Prinzessinnenrosa ... oder aus Tomaten + etwas Möhre eine Ferrari-Suppe ...

    * usw. usf.

    Und last not least: Es ist keine Katastrophe, wenn ein Kind eben partout keine Erbsen oder so isst - Hauptsache, es ist überhaupt Gemüse, irgendwie, irgendwann + halbwegs regelmäßig.

    Viel wichtiger auch für die langfristige gesunde Ernährung ist der Spaß am Essen + Zubereiten ... und die Vielfalt desselben ... aber da scheitert es ja auch bei vielen Eltern schon deutlich. ;-)

    Sonnige Grüße von der Gänseblümin.

  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Hey, liebes Dankeschön euch allen! Das sind ja wirklich klasse Tipps! Besonders über Deinen ausführlichen Beitrag habe ich mich gefreut, Gaensebluemin. Der hat mich echt zum Lachen gebracht.

    Obst und Gemüse mit Keksausstechformen zu bearbeiten, um sie attraktiver wirken zu lassen - ein wirklich schöner Tipp! Das werde ich meiner Freundin gleich mal sagen.

    Und das mit dem Probieren finde ich auch total wichtig. Das sollte der einzige "Zwang" am Essenstisch sein, da hast Du recht. Ansonsten baut man nur von vornherein eine Apathie gegen bestimmte Lebensmittel auf.

    Ich glaube, ich werde meiner Freundin die hier verfassten Beiträge ausdrucken und ihr vorlegen. So hat sie immerhin genügend Anregungen, um den kleinen Anton zum Essen zu animieren.

    Danke!



  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Gänseblümin das war wirklich ein toller Beitrag! Mein kleiner Bruder ist immer nur Süßigkeiten, ich finde das schrecklich!Und mein Vater macht überhaupt nichts dagegen, weil er als Kind total viel nicht essen durfte und seinen Kindern nichts "verbieten" möchte, aber ich finde, dass ist auch wieder der falsche Ansatz. Kinder wissen ja nicht, was gesund ist und was nicht, da müssen ihnen die Erwachsenen schon auf die Sprünge helfen.

    Es hilft auch immer (finde ich) gesunde Sachen als Süßigkeiten "darzustellen". Also z.B. Joghurt mit nem Eisstiel drin einfrieren und schon wird es zu Eis, was Kinder ja mit Süßigkeiten assoziieren - trotzdem gesund. Oder auch getrocknete Äpfel oder Rosinen - kann man auch selbst machen. Das klappt immer ganz gut.

  • Antwort: Diskussion am Essenstisch

    Ja, das mit dem Joghurt einfrieren klappt wirklich wunderbar. Das kann ich nur bestätigen. Klappt bei mir immer wunderbar und nicht nur Sohnemann will dann eine Extraportion sondern auch der Herr Papa! Gut

    Allerdings sollte man darauf achten, Sahnejoghurt zu nehmen, da der normale zu wenig Fett hat, was sich dann beim Einfrieren durch komische Frostmuster im Joghurt bemerkbar macht. Alternativ kann unter den normalen Joghurt auch etwas Sahne gerührt werden. Dadurch wird es zwar fetter, aber es schmeckt auch besser und sieht eher aus wie richtiges Eis.

    Oder hat vielleicht jemand einen anderen Tipp?

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