Antwort: Diskussion am Essenstisch
Hallo!
Hmmm, also ich habe meinem Sohn das immer versucht, kindgerecht zu erklären. Habe z. B. die Nahrungsmittelgruppen kindgerecht benannt/aufgeteilt - und ihm dann erklärt, dass Käse/Quark/Fisch/Hühnchen/Fleisch usw. das Baumaterial für seine Muskeln sind ... dass in Käse, Joghurt + Milch und so das Baumaterial für starke Knochen + Zähne steckt ... und dass in Brot + Nudeln + Kartoffeln + Reis + Müsli und so der Treibstoff steckt ... und in Gemüse + Obst + Salat all die vielen kleinen Zauberzwerge, die das Baumaterial überall hin verteilen + einbauen ... die die bösen Krankmachmännlein angreifen + besiegen können ... und sonstige Wunder in seinem Körper vollbringen. Also sozusagen Ernährungslehre in Kleinkindform. 
Er fand das immer total lustig + es hat ihm sehr viel Spaß gemacht, die jeweiligen Speisen dann mit entsprechenden Geschichten + Gesten verbunden zu verputzen. Und auch Besuchskinder + ihre Eltern griffen diese Erklärungen nach erstem Staunen/Wundern immer begeistert auf. Manchmal bestand mein Sohn sogar darauf, vor dem Sporttag im Kindergarten aber unbedingt morgens eine große Tasse Milch zu trinken + ein Käsebrot mitzunehmen ... damit seine Muskeln da auch ja wirklich wachsen könnten. 
Wichtig finde ich übrigens auch immer, dass der Esstisch kein Ort für Unangenehmes wird! Da wird gegessen, genossen, gealbert + vom Tag erzählt oder so - aber es werden keine Diskussionen + Streitgespräche geführt oder so. Das hat später oder vorher Zeit - aber das Essen soll positiv besetzt sein + bleiben. Hilfreich hierfür können klare Tischregeln für alle (!!!) sein - und vielleicht sogar gelbe + rote Karten mit entsprechenden Konsequenzen. Achtung: Auch Eltern kriegen da manchmal die rote Karte! 
Und wenn die lieben Kleinen heute etwas ablehnen - dann gibts kein großes Tamtam darum (das macht das Ganze ja nur Interessanter + Wiederholungen spannend) ... stattdessen wird es in 2-5 Wochen oder so einfach mal wieder serviert ... vielleicht diesmal in anderer Form oder Kombination ... und wer weiß - vielleicht schmeckt es da plötzlich ... oder immer noch nicht ...
Ein paar Abmachungen aber hatten wir bei uns daheim:
* es wird niemandem etwas aufgezwungen!!! also nix mit "Du musst doch aber ..." oder sowas
* jeder darf selbst wählen, wieviel er wovon haben mag, aber lieber erstmal weniger nehmen + nachnehmen, es läuft ja nicht weg, aber was man sich auftut - wird in aller Regel auch aufgegessen
* jeder probiert zumindest mal ein kleines Bisschen von allem - und wenn es 1 TL voll ist + es dann vielleicht wirklich nicht schmeckt ... auch dadurch erleben Kinder, dass Geschmack sich verändern kann - und "komisches/fremdes Essen" durchaus mal sehr lecker sein kann
Das hat eigentlich immer gut funktioniert - auch mit Gastkindern, die es häufig gab bei uns, und die angeblich die schlimmsten Suppenkaspar wären.
Und was einzelne ungeliebte Dinge betrifft: Mogeln ist erlaubt + okay. 
* ungeliebtes Gemüse lässt sich püriert prima in Nudelsaucen zaubern ... oder zerhackt auf Pizzen unterm Käse verstecken ...
* gerade kleine Kinder lassen sich von Essen mit den Fingern immer prima begeistern: Obst + Gemüse in mundgerechten Stücken + auf Spieße gesteckt ist gleich nochmal so verlockend - oder auch in Spalten/Stäbchen oder so + mit nem Dipp dazu; dazu ein paar Stäbchen aus getoastetem Brot oder Kartoffelspalten oder so
* wer keinen Käse auf dem Brot mag - mag ihn vielleicht geraspelt zur Pasta oder zerschmolzen auf Auflauf, Pizza, Toast oder so
* auch witzig sind kulinarische Fernreisen in das Land des Lieblingsstars, des letzten oder nächsten Urlaubs, des Lieblingstiers oder was auch immer ... vielleicht mit Servietten + Kerzen in den Landesfarben ...
* Obst, Gemüse, Käse, Brote usw. lassen sich auch prima mit Keksausstechern in Form bringen - was sie ungemein attraktiver macht; so wird z. B. ein Käsebrot in Autoform mit Rädern aus rotem Paprika oder so vielleicht zum Hit beim Abendbrot; oder der brühmte Radieschen-Fisch (Butterbrot in Fischform mit Radieschenscheiben als Schuppen)
* in aller Regel mögen Kinder das am liebsten, was am interessantesten ist - und wenn um Fast Food ein großes Tamtam veranstaltet wird - ist eben das am spannendsten ... im Übrigen sind Verbote nie dauerhaft haltbar - stattdessen lieber kontrollierter Verzehr + viele bunte + spannende Alternativen im Alltag
* sehr viel attraktiver wird vieles auch durch eigenes Mitwirken - wo also Kinderhände selbst den Salat zerzupfen dürfen ... oder die Möhre raspeln ... oder den Brotteig kneten ... oder die bunte Zauber-Nudel-Sauce rühren/pürieren ... oder was auch immer - wird all das auch meist mit ebenso viel Spaß gegessen; leider wissen die wenigsten Kinder heutzutage überhaupt noch, wie eigentlich eine ganze Möhre, Erbsenschote oder so aussieht
* ebenfalls sehr attraktiv ist für viele Kinder Essen in Buntstiftfarben ... so wird z. B. aus Möhren + etwas O-Saft eine Sonnen-Suppe ... oder aus Roter Bete + einem Schuss Sahne eine Suppe in Prinzessinnenrosa ... oder aus Tomaten + etwas Möhre eine Ferrari-Suppe ...
* usw. usf.
Und last not least: Es ist keine Katastrophe, wenn ein Kind eben partout keine Erbsen oder so isst - Hauptsache, es ist überhaupt Gemüse, irgendwie, irgendwann + halbwegs regelmäßig.
Viel wichtiger auch für die langfristige gesunde Ernährung ist der Spaß am Essen + Zubereiten ... und die Vielfalt desselben ... aber da scheitert es ja auch bei vielen Eltern schon deutlich. ;-)
Sonnige Grüße von der Gänseblümin.