Wie kann ich mich erklären?

Thema: Wie kann ich mich erklären?

  • Wie kann ich mich erklären?

    Hallo,

    ich könnte mal einen Rat oder Denkanstoß gebrauchen. Vor mir baut sich ein Problem auf bei dem mir richtig schlecht wird und ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll....... Sehr schlecht

    Der Ausgangspunkt ist wie folgt:

    Ich bin seit Juli wegen meiner PTBS krankgeschrieben, war in der Zeit 10 Wochen in einer Reha, wurde arbeitsunfähig entlassen, ggfs. berufsunfähig wenn die Wiedereingliederung ohne Erfolg ist. Ich arbeite als Fachlehrerin an einem Berufskolleg.

    Ich konnte bis zu den Sommerferien meine Erkrankung vor allen verstecken. Keiner hat was groß gemerkt. es kamen zwar hin und wieder irgendwelche Sprüche, wegen meinem verhalten ( ich sei suspekt und so), aber ich habs verdrängt.

    Nun zum Problem:

    ich fange Montag mit meiner Wiedereingliederung an und weiss nicht wie ich mich verhalten soll.......Meine Kollegen und mein Vorgesetzter wissen nun das ich psychisch krank bin( bedingt durch die Verlängerungsbescheide von der reha-Klinik).

    In der Reha rief mein Direx mich an und fragte sogar ob ich zwangseingeliefert sei und so.......

    Wenn ich mit Kollegen telefonierte wegen meinen Schülern, merkte ich sofort das sie nicht wussten wie sie mich behandeln sollen......Eine Kollegin sagte: Wer zu solchen Ärzten muss, ist nur zu feige für sein Leben Verantwortung zu übernehmen( mit der muss ich sehr eng zusammenarbeiten Sehr schlecht )

    Wenn ich Montag dahin gehe, soll ich direkt zum Direx weil er mmit mir reden will.......vorhin am Telefon meinte er n ur: Schön, das Sie wieder gesund sind......hmmmm, bin ich nicht, hab gestern erst mit der Traumatherapie angefangen.......

    Man wird mich fragen was passiert ist.

    Ich kann ihnen doch nicht mein Privatleben erzählen.

    Ich hab in den letzten 4 Monaten doch erlebt wie sie reagieren, dass sie es nicht verstehen werden.........

    Was soll ich tun?

    Ich habe echt keine Ahnung und es macht mir Angst........

    LG

    Blacklady37

  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Hallo Blacklady37,

    ich hab grad ein ähnliches Problem.Die Arzthelferin meiner Hausarztpraxis hat im Viertel fleissig rumerzählt,ich sei ein "Psycho" und sogar vor mir gewarnt!Daß sie boshaft ist,weiß ich ja schon länger,aber das...!

    Jetzt zerreißt sich meine gesamte Nachbarschaft den Mund drüber und spekuliert wild rum,was denn mit mir "los" sei.Ich spüre ihr Mißtrauen und ihre Angst allüberall!Und das da,wo ich mich zuhause fühlen soll und mir über Jahre ein soziales Umfeld aufgebaut habe.

    Ich wurde inzwischen zweimal drauf angesprochen (die anderen trauen sich wohl nicht!) und hab die Flucht nach vorn angetreten.Hab gesagt,daß ich eine PTBS habe,hab erst auf Nachfrage erklärt,das sei so ähnlich wie wenn jemand nen schrecklichen Unfall hatte oder wie bei den Soldaten,die aus Kriegseinsätzen wiederkommen und traumatisiert sind.

    Mehr geht die nicht an!Ich brauch mich weder rechtfertigen noch erklären.Ich gebe nur die Infos,die ich geben will,nicht die,die die anderen hören möchten.

    Bei Arbeitskollegen ist das so ne Sache,ich weiß.Grad wenn du mit so ner komischen Besserwisserin zusammenarbeiten mußt.Aber wenn die sowas vom Stapel läßt,dann konter doch mal "Wer keine Ahnung hat,sollte sein Mundwerk geschlossen halten" mit nem dezenten Hinweis,sie soll sich doch mal informieren,wenn sie mitreden will.

    Ich überlaß es übrigens ganz meinen Nachbarn,ob und wie sie sich informieren wollen.Es steht ja genug im Internet Gut !Und mein Privatleben geht nun wirklich niemand etwas an,das find ich genau so wie du!

    Gestern hab ich eine Nachbarin gebeten,doch nicht aufgrund unqualifizierter Tratscherei und Gerüchte über mich zu urteilen,sondern allein aufgrund meiner Art und meines Verhaltens ihr gegenüber.Hab sie gefragt,ob sie denn ihrem eigenen Urteil nicht mehr vertraut als dem Gewäsch der Leute.

    Ich denke,am weitesten kommt man mit ner guten Portion Selbstvertrauen und ner Mischung aus unverbindlicher Information und Abgrenzung.

    Chef und Arbeitskollegen haben nämlich überhaupt keinen Anspruch auf irgend eine Art von Info über dich,auch wenn sie so tun oder das aus Neugierde aus dir rausleiern wollen.

    Man sagt ja immer,Offenheit wäre am Arbeitsplatz am besten,aber du hast ja schon die Erfahrung gemacht,daß sie`s nicht verstehen und blöde Bemerkungen machen!Laß dich nicht vom "Allgemeingültigen" beeindrucken,folg lieber dem,was du in deinem Herzen spürst!

    Und hab bloß kein schlechtes Gewissen,wenn du mal wegen Traumatherapie ausfällst!Wenn ein anderer ne langwierige Krankheit hat,wird über den auch hergezogen!Und fürs "Durchhalten bis zum Absaufen" bekommst du später auch keinen feuchten Händedruck!

    Ich drück dir jedenfalls die Daumen,daß Chef und Kollegen besser damit umgehen,als es momentan den Anschein hat.Wünsch dir viel Kraft,viel Rückrat und viel Selbstvertrauen und daß du dich schnell wieder wohlfühlst auf Arbeit.Das kann ganz schön stützen!

    LG

    hidden

  • Dieser Beitrag wurde von Gaensebluemin vor mehr als 2 Jahren gelöscht
  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Gänseblümin und hidden,

    schließe mich euch an!

    Ich gelte auch als <verschroben>,doch meine Arbeit sprach immer für sich!Lästernde Mitarbeiter und zu neugierige Chefs gibts überall!

  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Bei mir ist die Wiedereingliederung zwar schon eine Weile her aber ich hatte damals auch überhaupt keine Ahnung wie ich damit umgehen sollte. Ich war damals für ein dreiviertel Jahr arbeitsunfähig und wurde dann, obwohl die Arbeit nach der stationären Therapie erst richtig los ging (dann wieder ambulant und der eigentlichen Traumaaufarbeitung) als gesund entlassen..obwohl ich mich alles andere als das fühlte.

    Während meiner langen Arbeitsunfähigkeit gab es aber zwei Kolleginnen, die immer den Kontakt zu mir gehalten hatten und die dadurch auch zumindest ein wenig wussten, womit ich zu kämpfen hatte und habe. Ich hatte damals das Gefühl, ich könnte nie wieder arbeiten gehen ...aber die Beiden haben mir sehr doll geholfen und mich immer wieder bestärkt darin, mir genau so viel Zeit für mich zu nehmen wie ich sie jetzt brauche. Oh ich bin den Beiden auch sehr dankbar, dass sie mir so immer wieder Mut gemacht haben..auch wenn ich es nicht glauben wollte, wenn sie immer wieder sagten du hast so gut mit den Kindern gearbeitet und da findest du auch wieder hin zurück.
    Der Umgang mit der Leitung war schon schwieriger in dieser Zeit. Wusste ich, sie wissen durch meine Krankenscheine auch das es sich um psychische Dinge handelt und haben schon immer mal versucht über die Kolleginnen herauszufinden, was ich denn wirklich habe. Aber die Beiden haben nichts verraten.

    Was sie und die anderen Kollegen dachten, das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht..vielleicht war das damals auch gut so und als ich dann wieder begann hat nicht ein Kollege/in mich tatsächlich ganz gezielt danach gefragt. Nur zwei, drei Kollegen fragten nach, ob es mir denn jetzt wieder gut geht..und da habe ich auch gesagt, dass ich auch weiterhin noch regelmäßig fachliche Hilfe brauche. Meine Leitung war eigentlich auch sehr entgegenkommend. Sie haben mich gefragt, was ich mir für den Anfang zutrauen würde, um langsam wieder reinzufinden und hatten auch schon einige Vorschläge, die mir auch sehr entgegenkamen...sie wussten schon wobei ich mich sicherer fühle..naja und das ich mich nicht drücken möchte...war ich bis zu diesem langen Arbeitsausfall nie wirklich krank. Bei der Aufstockung der Stunden haben sie immer mit mir gesprochen..also nachgefragt und mir auch immer erklärt ich solle jeder Zeit sagen, wenn mir was zu viel ist.

    Also ich habe schon Rückhalt bekommen. Ich habe mich zwar noch lange von den großen Kollegenrunden zurückgezogen...das musste ich, weil ich durch meine Therapieaufarbeitung unheimlich viele Auslöser hatte (allerdings nur beim Umgang mit den Erwachsenen)..und hab auch da mal eine Bemerkung mitbekommen bzw. hat mir ein Kollege mal gesagt: "wer sich aus allen ausschließt wird als Außenseiter betrachtet...aber was ich in meinen freien Minuten anstelle kann mir auf Arbeit ja nun keiner vorschreiben und hab darauf auch geantwortet, dann bin ich eben ein Außenseiter, damit habe ich kein Problem. Mir ging es so einfach besser.

    So offen wie Gänsblümin konnte ich nicht damit umgehen. Inzwischen kann ich aber schon ab und an an der ein oder anderen Stelle sagen, was für mich nicht ok ist, also was mich an einer guten Arbeit eher hindert aber das kostet mich auch oft noch Überwindung und ich schaff es auch meist nur in recht stabilen Phasen für mich.

    Sicher gibt es überall auch Menschen, die das Wissen über eine psychische Krankheit ausnützen, um irgendwelche komischen Sprüche auf derene Kosten loszulassen oder gar die Unsicherheit auszunützen aber da muss ich wohl auch lernen für mich besser mit umgehen zu lernen und mich zu schützen.

    Auch ich drück dir ganz doll die Daumen, du wirst einen guten Start haben können und mit deiner laufenden Therapie auch mehr Selbstvertrauen in dich finden, wie du gut mit allem für dich selbst umgehen kannst.

    LG Delphin

  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Hallo Ihr Lieben,

    danke für Eure aufbauenden Worte. Es tut gut ein wenig Mut zugesprochen zu bekommen. Wie es nun Montag wird , muss ich abwarten.

    Ich denke es wird auf jedenfall wichtig meinem Vorgesetzten klar zumachen, dass es nicht der Job war der mich krank machte, sondern mein Leben.

    Vor meinen Schülern habe ich keine Angst, es sind meine Kollegen.Am meisten graut es mir davor mit ihnen auf Schulung zu gehen, denn dann bin ich 48 Stunden mit ihnen zusammmen.........vielleicht muss ich ja nicht mit......

    Ich hoffe das es ein guter Montag wird.....Gut

    Jetzt trete ich erstmal meine Heimfahrt an, nach 4 Monaten.

    Wünsche Euch noch einen angenehmen Tag

    LG

    Blacklady37

  • Dieser Beitrag wurde von Gaensebluemin vor mehr als 2 Jahren gelöscht
  • Antwort: Wie kann ich mich erklären? Oder sollte ich aufgeben ?

    Hallo Ihr Lieben,

    vor 3 Wochen habe ich mit meiner Wiedereingliederung angefangen. Und nun steh ich vor der Frage: Weiterkämpen oder abbrechen. Die letzte Woche ging rein gar nichts, ich konnte nicht zur Arbeit,geschweige aus meiner Wohnung. Ich hatte Panikattacken ohne Ende, mir war schlecht, konnte nix essen.......hab mich nur versteckt.

    Auf der Arbeit sagten Kollegen zu mir sie können mich nicht verstehen, es nicht nachvollziehen, bei allem was ich tat wurde ich hinterfragt, oder man ging ganz schweigend weg wenn ich kam.

    Meine schüler schlagen im Moment sehr laut und unkontrolliert auf, was mich an meine Grenze bringt.

    Eigentlich sehne ich mich nur nach Ruhe, bin nur noch müde.

    Ich frag mich ob ich nicht zu früh wieder angefangen habe. Bis Montag muss ich mich entscheiden ob ich weitermache oder abbreche. Nur was kommt auf mich zu wenn ich abbreche? Bekomme ich noch einen zweiten Versuch?

    Das einzige was ich weiss,ist das es mir so nicht gut geht.

    Wenn ich nur wüsste was ich machen soll.......Sehr schlecht

    Es grüßt Euch eine traurige und auch planlose Blacklady37

  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Ich finde es echt unglaublich, dass so viele Menschen Vorurteile haben und diese oft weiter tragen. Was würden die denn machen, wenn eines Tages bei ihnen große Probleme an die Tür klopfen. Laßt euch auf keinen Fall unterkriegen. Auch wenn ich in diesem Punkt selber nicht so erfolgreich bin. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir die Welt bereichern. Welcher Mensch ist schon normal? Wir haben schließlich alle unser Päckchen zu tragen. Da kann eine gewisse Sensibilität im Umgang mit unseren Mitmenschen doch nicht verkehrt sein.

    Ich drücke dir Blacklady37 auf jeden Fall ganz fest die Daumen. Das Wichtigste ist, dass es dir bald wieder gut geht. Bestimmt triffst du dementsprechend die richtige Entscheidung Gut

    LG Silberstreif



    Anmerkung: In Absprache mit silberstreif leicht geändert durch Gänseblümin, die Moderatorin (zur Wahrung des guten Tons in der Gruppe)

  • Antwort: Wie kann ich mich erklären?

    Wenn ich nichts darüber weiß und es mir nicht erklären kann,selber solche Probleme nicht habe, wie soll ich dann wissen, wie ich richtig mit Betroffenen umgehen soll, wenn niemand mit mir darüber redet ?

    Die Schlussfolgerung, dass normale Leute oder die die sich dafür halten eher gesichtslose Roborter sind, ist doch genauso ein Vorurteil.

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