Hallo, ich bin 41 und "lebe" seit nun ca 2 1/2 Jahren mit Speed.
Seit über 10 Jahren leide ich unter Depressionen und starken Stimmungsschwankungen. Die Ursache ist zum einen mein Borderline, zum anderen die unheilbare Krankheit, die mein Sohn hat.
Vor einigen Jahren habe ich in der Phase einer schweren Depression einen Selbstmordversuch begangen. Liebeskummer...
Als ich merkte, dass ich wieder in einer solch schlimmen Phase stecke, habe ich mir Speed besorgt - ich wollte es einfach mal ausprobieren. Das Speed wirkte auf mich in der Form, dass ich plötzlich wieder Freude am Leben hatte. Ich war voller Tatendrang, Energie, Kraft. Situationen, die mich vorher verzweifeln ließen, spornten mich jetzt an, Lösungen zu finden. Ich hatte plötzlich wieder ein unheimliches Selbstvertrauen, war kontaktfreudig, witzig, spontan. Ging auf Leute zu, konnte all das erledigen, das mir vorher Bauchschmerzen bereitete. Hatte das Gefühl, Berge versetzen zu können. Ich renovierte, räumte auf, räumte um. Ich wollte nur noch arbeiten, organisieren, etwas erreichen, bewegen. Durch die körperliche - teils sehr schwere Arbeit (ich schleppte zum Beispiel 20-25kg Säcke Renovierungsmaterial vom Speicher unseres Anbaus runter, brachte diese ins Haus, trug sie dort in den Keller und stapelte sie dort), kaum Schlaf, kaum Hunger, nahm ich in kurzer Zeit über 20 kg ab, erreichte mein Traumgewicht, fühlte mich wie "neu geboren". Alle Leute um mich herum bewunderten mich und freuten sich über meine neue, positive Lebenseinstellung.
Das für mich einzig negative waren die Phasen, die zwischendrin kamen. Irgendwann braucht der Körper Erholung, und in diesen Erholungsphasen schlief ich nur noch - manchmal zwei oder drei Tage hintereinander. Dann brauchte ich wieder eine entsprechend hohe Dosis, um wieder auf mein "altes" Level zu kommen. Schlimm war, wenn mein Vorrat einmal aufgebraucht war und ich nicht rechtzeitig neuen hatte. Da ging es mir echt schlecht.
Schlimm auch mein schlechtes Gewissen, denn Speed kostet viel Geld. Auch wenn es eine der billigeren Drogen ist - es kommt doch einiges zusammen. Und ich dachte, je mehr ich nehme um so besser geht es mir. Unser Kontostand bewegte sich mehr und mehr nach unten, bis ich sogar manchmal dachte, so, diesen Monat geht nichts mehr. Ich habe mich meiner Schwester anvertraut - sie lieh mir einen hohen Betrag, damit ich unser Konto wieder einigermaßen ausgleichen konnte, und zahlte ihr den Betrag in Raten wieder ab. Ich gestand meinem Mann meine Sucht. Er war leicht schockiert - aber ich fragte ihn, ob es ihm lieber gewesen wäre ich hätte ihm z.B. eine Affäre gestanden. Ich gestand es ihm auch in der Hoffnung, mit seiner Hilfe wieder davon loszukommen. Hat leider nicht funktioniert. Er fragte auch nur noch ein einziges Mal nach, ob ich wieder was nehme. Das ist schon bestimmt ein Jahr her. Oder länger. Manchmal denke ich, dass er das eigentlich merken muss - ich hab' dann so eine bestimmte Art an mir und ich habe ihm auch beschrieben, wie das Zeug auf mich wirkt - z.B. dass ich dann nächtelang durchmache und alles auf einmal erledigen will. Vielleicht ist er einfach nur froh, wenn ich auch "mal" gut drauf bin.
Wenn ich nichts nehme, bin ich zu nichts zu gebrauchen. Hänge rum, schaffe es nicht mal die Küche aufzuräumen, etwas wegzuwerfen, die Spülmaschine einzuräumen. Dann bleibt alles an ihm hängen. Ich glaube, er will es gar nicht wissen.
Wenn ich nichts nehme, schaffe ich es nicht, mit unserem Sohn umzugehen. Rein körperlich. Ich kann ihn nicht heben, ihn nicht ins Bett bringen, nicht auf Toilette setzen und und und.. Natürlich ist es für meinen Mann eine enorme Erleichterung, wenn ich ihm das auch mal abnehme. Oder er mal abends weggehen kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie wir daheim zurecht kommen. Auch wenn mein Sohn aus der Schule kommt, muss ich ihn mehrmals heben, um ihn "umzusetzen". Und nicht jedes Mal schafft mein Mann es, so früh von der Arbeit zu kommen, dass er da ist wenn der Schulbus kommt.
Ich habe im Krankenhaus (im April diesen Jahres, als bei mir die akute Herzmuskelschwäche festgestellt wurde) gestanden, dass ich Speed nehme. Aber alle Ärzte sagten, dass das nicht davon kommen kann. Dafür steht es jetzt aber dick und fett in meinem Entlassungsschreiben. Mit ein Grund wohl, warum ich nicht auf die Spenderliste gekommen bin - denn irgendwann muss eine Herztransplantation gemacht werden. Aber das will ich sowieso nicht. Wäre für mich ein Widerspruch in sich - erst versuche ich mir das Leben zu nehmen, dann versuche ich mich durch ein fremdes Organ am Leben zu erhalten. Quatsch.
So, das war's erstmal von mir.
I'm still standing...
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