Glasknochen - Symptome?

Thema: Glasknochen - Symptome?

  • Glasknochen - Symptome?

    Als ich letztens von Glasknochen (Osteogenesis imperfecta) höre, wollte ich erst meine Ohren nicht trauen. Wie kann man denn Knochen aus Glas bekommen, fragte ich mich. Durch das Forum hier weiß ich jetzt schon mal, dass es sich bei Glasknochen um eine Erbkrankheit handelt, man die also nicht einfach so bekommen kann.

    Aber welche Symptome gibt es eigentlich bei dieser Krankheit?

  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    Wie man sich das sicher logisch herleiten kann: Glas bricht schnell. Also brechen auch Glasknochen relativ häufig. Das Symptom Nummer eins ist eine ungewöhnlich hohe Knochenbrüchigkeit. Dabei können z.B. Rippenknochen sogar schon dann brechen, wenn man sich falsch oder zu schnell herumdreht.

    Weitere Symptome sind mir nicht bekannt. Vielleicht kann da jemand von euch aushelfen?

  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    Ich habe mich mal schlau gemacht und herausgefunden, dass Glasknochen auch noch mit anderen Symptomen einhergeht.

    So kann es u.a. zu Schwerhörigkeit, Schwerhörigkeit und Deformierungen am Skelett kommen. Skoliose (Verbiegung der Wirbelsäule) und überdehnbare Gelenke sind ebenfalls oft mit im Spiel.

    Eine schwache Muskulatur ist meist das Resultat der wenig belastbaren Knochen. Ein intensives Training der Muskulatur würde ja immer ein erhebliches Knochenbruchrisiko mit sich bringen.

  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    es gibt verschiedene Typen dieser Erbkrankheit, je nach Schweregrad!
    Oft sind Patienten übrigens auch kleinwüchsig...

    es gibt aber auch nciht so schwere Formen, bei der dann die Patienten auch selbst laufen können



  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    Noch mal etwas zur Klassifizierung der Osteogenesis-imperfecta-Typen. Ende der 70er Jahre hat der australische Arzt und Gentechniker David Sillence vier Typen von Osteogenesis imperfecta festgelegt. OI Typ I, II, III und IV. Am Anfang des neuen Milleniums wurde diese Kategorisierung durch einen Kanadier noch mal verfeinert und ausgebaut.

    In der Zwischenzeit gibt es insgesamt sieben OI-Typen. Allerdings ist zu sagen, dass OI stark in seiner Ausprägung variieren kann und es daher trotzdem Patienten gibt, die sich nicht in eine der Kategorien einordnen lassen.

    Ich hoffe, das hilft ein bisschen weiter?

  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    Sehr interessant! Du scheinst ja - wie so oft - tief im Thema drinzustehen. Hast Du noch weitere Informationen über diese Gruppen / Typen? Wie unterscheiden die sich?

  • Antwort: Glasknochen - Symptome?

    Nun ja, die Einteilung scheint recht willkürlich zu sein. Die OI-Typen-Skala weicht von den meisten Skalen ab. Das heißt, hier ist keine graduelle Abstufung der Symptome zu erkennen, sondern sie erscheint eher wie eine wild durcheinander gemischt Skala. Zur Verdeutlichung:

    OI-Typ I ist die schwächste Form der Osteogenesis imperfecta. OI-Typ II ist aber dageben die am stärksten ausgeprägte Form, die eigentlich alleine nicht lebensfähig wäre, weil sowohl das Skelett deformiert als auch die Lungenfunktion unterentwickelt ist.

    OI-Typ III, IV, V, VI und VII sind dann Varianten, die sich irgendwo dazwischen befinden, teils auch nur wie OI aussehen, aber gar nicht die selben genetischen Ursprünge haben.

    Wie ihr seht: Es ist alles viel komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint.

  • Klassifizierung

    so ganz ist das nicht richtig, was da kleinerrainer schreibt... denn, obwohl die Klassifizierung nicht hirarchisch ist, ist sie nicht willkürlich.

    Und von allen OI Typen konnte bislang nur für den OI Typ VI keine Mutation auf den für das Kollagen Typ I codierenden Chromosomen 7 und 17 gefunden werden.

    Des besseren Überblick willen hier noch einmal die komplette Einteilung nach der Sillence Klassifikation, die ab 1999 von Francis Glorieux und seiner Wissenschaftsgruppe (Frank Rauch, Christof Land, etc.) ergänzt wurde...



    OI-Typ I (ehemals Osteogenesis imperfecta tarda, Typ Lobstein)

    ist die mildeste der sieben OI-Formen. Sie wird daher häufig auch erst erkannt, wenn das Kind Laufen lernt und sich hierbei Frakturen zuzieht. Radiologisch ist der Knochen zumeist in den ersten Lebensjahren unauffällig. Häufig wird die OI bei diesen Betroffenen auch erst Mitte der dritten Lebendsdekade diagnostiziert; beispielsweise wenn der behandelnde Arzt aufgrund degenerativer Beschwerden eine Knochendichtemessung veranlasst, oder wenn bei einem Säugling mit OI die Mutter mit untersucht wird.

    Der Körperbau ist meist normal proportioniert und Knochenverformungen sind minimal oder fehlen gänzlich. Die Muskelkraft ist gemindert und die Muskulatur häufig hypoton.

    Durch die schwachen Bänder neigen die Gelenke oftmals zur Überstreckbarkeit. Die Sklera kann von weiß über bläulich zu tief blau variieren. Ab dem 20. Lebensjahr können vermehrt Hörprobleme auftreten.

    OI-Typ II

    ist die schwerste Form der OI, bei der es bereits im Mutterleib zu teleskopartigen Stauchungsfrakturen kommen kann. Aufgrund der unterentwickelten Lungenfunktion versterben 60% der Geborenen bereits in den ersten 24 Stunden. Dank der medizinischen Entwicklung der letzten Jahre hat sich die Prognose in den letzten Jahren allerdings insgesamt zunehmend verbessert.

    OI-Typ III (ehemals Osteogenesis imperfecta congenita, Typ Vrolik)

    Häufig kommt es bereits während des Geburtsvorganges zu Mehrfachfrakturen. Mit der geringsten Körpergröße und der höchsten Neigung zu Deformierungen der Röhrenknochen sowie einem abnorm hohen Risiko für Knochenbrüche gehört dieser OI Typus, nach dem Typ II zur extremen Verlaufsform der OI, was häufig den Gebrauch eines Rollstuhls erfordert. Neben den Extremitäten können der Schädel, der Brustkorb und die Wirbelsäule in unterschiedlicher Ausprägung verformt sein, weshalb es auch zu Problemen der Atmung kommen kann.

    OI-Typ IV

    Betroffene dieses Typs haben oftmals nur geringe Verformungen der Knochen und sind kleinwüchsig. Ihre Körpergröße und ihr -gewicht sind bei der Geburt gewöhnlich unauffällig. Erst ab der 3. Centile (im Alter von 2-3 Jahre) liegt der Wuchs unter der Norm. Der Wuchs verläuft bis zur Endhöhe meist parallel in der Kurve, liegt allerdings 2 oder mehr Standardwerte unter der Norm. Sie sind leichter betroffen als Betroffene des Typ III und somit häufiger Fußgänger. Bei circa 50% der Betroffenen bildet sich eine Schwerhörigkeit aus. Die Skleren sind normal bis leicht bläulich. Die Neigung zu Frakturen und Verformungen der Knochen ist häufig geringer als bei Typ III. In der Literatur wurde bei dem OI-Typ IV häufiger auch eine basilare Impression beschrieben.

    OI-Typ V

    Betroffene dieses Typs neigen zum seltenen Phänomen des hyperplastischen Kallus (Callus luxurians). Einer spontan überschießenden Knochenneubildung mit anschließender Verknöcherung, ohne das hierfür eine Fraktur nötig ist. Durch Kalzifizierung der Membranae interossea antebrachii et cruris ist die Ein- und Auswärtsdrehung (Pronation/ Supination) des Unterarms bzw. des Unterschenkels der Betroffenen erheblich blockiert, was zur klinischen Differentialdiagnose hilfreich ist, sofern die Bewegungs-einschränkungen nicht auf Deformierungen der entsprechenden Knochen oder Gelenke beruht.

    OI-Typ VI

    Obwohl Betroffene dieses OI-Typs klinisch die klassischen Symptome der OI zeigen, konnte bislang keinerlei Mutation auf den für OI bekannten Kollagen-Genen 7 und 17 nachgewiesen werden. Die Skleren der Betroffenen sind normal bis leicht bläulich. Und eine Dentinogenesis imperfecta liegt generell nicht vor. Die alkalische Phosphatase (ein Enzym, das die Osteo-blastenaktivität beschriebt) ist leicht erhöht.

    OI-Typ VII

    Bei dem OI-Typ VII liegt eine Verkürzung der proximalen Extremitäten, also Oberarme und -schenkel, im Verhältnis zu den distalen Extremitäten, also Unterarme und -schenkel vor. Da diese, als Rhizomelie bezeichnete, Besonderheit bislang nur bei OI-Betroffenen eines Indianerstammes in Quebec auftrat, ist er für Europa diagnostisch zu vernachlässigen.

    Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sowohl das Bruck Syndrom, wie auch das Cole Carpenter Syndrom ebenfalls zum Formenkreis der OI gerechnet werden.

    Die Schwierigkeit liegt bei der praktischen Anwendung allerdings darin, dass sich viele Betroffene aufgrund ihrer klinischen Variabilität nicht klar einem der OI Formen zuordnen lassen und dann sogenannte Mischtypen sind.

  • Antwort: Klassifizierung

    Gut, ich habe ja geschrieben, dass die Klassifizierung willkürlich erscheint. Ich will dem System ja nichts absprechen. Nur verwundert es schon, warum OI Typ I die mildeste und OI Typ 2 die krasseste Form ist. Und warum ist genau OI Typ VI die, die keine Mutation aufweist. Das System dahinter ist nicht gleich erkennbar, sofern es eines gibt. Das meinte ich mit meiner Aussage.

    Und viel schlauer bin ich durch das Copy-Paste aus Wikipedia auch nicht geworden ...

    Was ist denn das System hinter der Klassifizierung?

  • Klassifizierung

    Zunächst muss man unterscheiden, dass der OI Typ VI erst sehr viel später der Klassifikation von David Sillence hinzugefügt wurde (daher spreche ich in dem von mir geschriebenen Wikipediatext - und insofern habe ich auch keine Probleme damit, diesen Text hier per Copy-Past einzufügen - von der erweiterten Klassifikation). Ursprünglich teilte David Sillence die OI Formen in nur vier Typen auf. Diese Aufteilung richtet sich nach einer Fülle von klinischen und genetischen Merkmalen und ist tatsächlich nicht hierachisch aufgebaut. Unter diesen genetischen Merkmalen unterschied Sillence auch noch in dominant und rezessiv - eine nach heutigem Wissen überholte Einteilung. An diese vier-Typen-Klassifizierung wurden dann die weiteren OI Formen quasi angehängt. Mit anderen Worten der OI Typ VI, ohne Mutation, war noch gar nicht bekannt, als die Typen I bis IV aufgestellt wurden.

    Da diese Einteilung aber mittlerweile bereits aus verschiedenen Aspekten heraus veraltert ist, arbeiten seit einiger Zeit Genetiker an einer neuen Einteilung der OI Formen.

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