Ich schreibe aus Sicht des Täters, wenn ich das mal so krass beschreiben darf.
Mein Mann und ich sind seit 3 Jahren ein Paar und seit 1 Jahr verheiratet. Ich habe ein Kind mit in die Beziehung gebracht (9 Jahre alt).
Wir haben vor 2 Jahren zusammen angefangen ein Onlinespiel zu spielen. Wir dachten, wir hätten alles unter Kontrolle und wir würden super verantwortungsvoll damit umgehen, doch umso mehr die Zeit verging, umso mehr glitt uns das disziplinierte spielen aus der Hand, ohne es wirklich zu merken. Es drehte sich alles nur noch um dieses Spiel und ich bin mitgezogen, wir haben beide täglich abends vorm Rechner gesessen und gezockt, sobald das Kind im Bett war. Familiäre Unternehmungen waren sehr selten, soziale Kontakte schwanden immer mehr.
Finanzielle Probleme spielten eine große Rolle, Erziehungsprobleme, und letztendlich auch Beziehungsprobleme. Alles blieb liegen, nur noch das Spiel spielte eine Rolle. Ich habe ihm Andeutungen gemacht, das was nicht stimmt, dass wir was ändern müssen. So was hielt kurze Zeit an und dann war auf einmal alles wieder wie vorher. Frust, Ärger, Enttäuschung, Verzweiflung machten sich in mir breit und ich merkte, wie ich mich immer mehr von meinem Mann distanzierte. Aber anstatt mit ihm Klartext zu reden, machte ich nur hin und wieder Anmerkungen.
Ich wusste, ich wollte das nicht mehr, ich konnte das nicht mehr und es durfte auch nicht mehr so weiter gehen. Ich hatte kein soziales Umfeld, Freunde, Bekannte, hatte ich keine, nicht wirklich zumindest. Es gab einige Bekannte von meinem Mann, die aber sehr weit weg wohnen und somit auf uns nicht wirklich Einfluss hatten.
Die Stimmung zuhause bröckelte immer mehr und ich sagte meinem Mann, dass ich so nicht weiter machen kann und ich die Beziehung beenden will. Ich bin alleine besser dran, sagte ich zu ihm. (War schon immer Einzelkämpferin, vertraue nur dir selbst, und so Sachen).
Dann habe ich einen Bekannten aus meiner Jugend wieder getroffen, mit dem ich mich damals sehr gut verstanden habe. Es war wie ein Wunder, dass er ausgerechnet in meiner derzeitigen Situation auftauchte. Er gab mir seine Nr und meinte, er würde sich freuen, wenn ich mich mal melde und wir zusammen einen Kaffee trinken gehen könnten und über alte Zeiten quatschen.
Nun ja, den Bekannten, den ich traf, speicherte ich in meinem Handy unter einem anderen Namen ein. Ich wollte nicht, dass mein Mann denkt, dass ich was mit einem anderen habe und wollte mir jegliche Diskussionen ersparen, die für mich irrelevant waren, weil es für mich nicht in Frage kam, etwas mit einem anderen anzufangen. Außerdem kam noch hinzu, wollte ich meine Ruhe haben, mir Gedanken über alles machen, das konnte ich nur, mit jemandem der nicht von der Situation betroffen ist und da war der Bekannte für mich in dieser Situation genau richtig, weil ich zu ihm von früher noch einen ziemlich guten Draht hatte und wir uns auf Anhieb wieder super verstanden haben. Haben als Jugendliche viel Mist zusammen in der Clique gebaut.
Mein Mann wollte mich nicht so leicht aufgeben. Er hat das Onlinespiel von seinem Rechner geworfen, hat sich um 180 ° gedreht, ist total aufgeblüht und hat gemacht und getan.
Ich war davon zu anfangs nicht überzeugt, so gar nicht. Habe mich mit dem Bekannten immer häufiger getroffen, 2-3- Mal die Woche, wir waren Kaffee trinken, oder einfach nur spazieren und haben uns unterhalten. Er war unglücklich in seiner Beziehung und ich in meiner. Das kam wie gerufen für uns beide. Haben uns ausgekotzt über unsere Partner, über die Situationen, die Verzweiflung, einfach alles.
Das schlimme war, mein Mann hat sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt um mich wiederzubekommen und ich habe ihn angelogen. Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich mich mit einem Bekannten treffe, habe mir irgendetwas aus dem Finger gesaugt, weil ich Angst hatte, dass ich auf das Reden mit meinem Bekannten verzichten müsste, wenn mein Mann es weiß, und in dem Moment war es mir wichtig, mich mit ihm darüber auszutauschen. Die Sache verstrickte sich immer mehr. Der Bekannte hat sich anscheinend in mich verliebt. Wo wir in der Stadt waren, um dort zu einem Cafe zu gehen, und einen Kaffee zu trinken, hat er mal versucht meine Hand zu halten, aber das habe ich schnell wieder beendet, weil ich es nicht wollte. Ich wollte einfach nur mit ihm reden, das hat gut getan. Ich habe ihm klar gemacht, dass ich nichts von ihm will und er so was lassen soll. Ich dachte, ich hätte keinen anderen, mit dem ich darüber hätte reden können, dabei hätte ich mit meinem Mann reden sollen, offen und ehrlich. Wir haben auch zusammen gelacht und ich hab mich wohl gefühlt. Aber das war so ein Freundschaftswohlfühlen, nicht mehr.
Allerdings hatte ich ein übelst schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber, die ganze Zeit. Ich wollte das nicht, aber ich habe mich von Anfang an in was verstrickt, nur weil ich zu feige war, die Wahrheit zu sagen. Weil ich es nicht auf die Reihe bekommen habe, meinem Mann klipp und klar zu sagen was mich stört, was totale Scheiße war.
Irgendwann kam eine SMS von meinem Bekannten, wo er schrieb, dass er mich liebt und mich vermisst. Die hat mein Mann gelesen. Und er dachte dann direkt, dass ich einen anderen habe. Hätte ich auch gedacht, ganz ehrlich. Aber da war nichts und da wird auch nichts sein, sagte ich ihm. Er hat sich in mich verliebt, das war das erste mal dass er mir eine SMS schrieb, wo sowas drinnen stand. Ich habe dem Bekannten klipp und klar gesagt, dass ich es nett finde mich mit ihm zu unterhalten, aber das zwischen ihm und mir nichts sein wird. Dadurch, dass ich mich immer wieder mit ihm getroffen habe, dachte er aber wohl doch anders, wovon bei den Treffen aber keine Spur war, wir waren einfach Freunde und unterhielten uns. Ich war der Meinung die Fronten wären geklärt, waren sie aber anscheinend nicht. Im Laufe der Zeit, habe ich gemerkt, wie viel mir mein Mann bedeutet und wie sehr ich ihn liebe. Er war, seitdem er mit dem Spiel aufgehört hat, so wie ich ihn kennen gelernt habe. Seine Art die ich so geliebt habe, war wieder da. Mit seinem Elan und seinem Tatendrang übertraf er sich selbst.
Mein Mann bat mich, den Kontakt mit dem Bekannten zu beenden. Ich habe es beendet. Aber alleine, dass er mir das noch sagen musste, ist schon traurig genug. Ich weiß nicht, was in meinem Kopf vorging. Die ganzen Lügen standen und stehen immer noch zwischen uns. Und ich könnte mich selbst dafür Ohrfeigen, das ich so gehandelt habe. Jetzt kann ich es allerdings nicht mehr rückgängig machen.
Ich möchte sein Vertrauen wieder zurück gewinnen, ich möchte ihn wieder ganz bei mir haben und mit meinem Mann glücklich werden. Unsere Ehe hat „fast“ gesiegt, gegen Sucht, Familiäre Probleme, finanzielle Probleme, Erziehungsprobleme. Nur das Lügen, hat etwas bei ihm kaputt gemacht, was ich auch verstehen kann. Ich möchte ihn so gerne mit Taten überzeugen, ihm beweisen, dass ich ihn über alles liebe und mir nichts mehr wert ist, wie unsere Ehe / Familie.
Seit 2 Wochen erwarten wir Nachwuchs. Wir sind schon total stolz darauf, Mama und Papa zu werden.
Jetzt, wo ich das alles nieder schreibe, wird mir immer bewusster, wie sehr ich meinen Mann verletzt habe, wie sehr ich sein Vertrauen missbraucht habe und dass ich sehr um seine Liebe und sein Vertrauen kämpfen muss. Und das werde ich auch!!
Das kommt mir alles vor wie ein schlechter Film. Ich habe Lügen immer verachtet und gehasst und durch soviel Verzweiflung habe ich so gehandelt, und das gemacht, was ich so verabscheue. Ich war nicht ich selbst zu dem Zeitpunkt. Habe gar nicht über die Konsequenzen nachgedacht und das was ich in meinem Mann anrichte, gefühlsmäßig. Ich schäme mich immer noch dafür und das wird auch so schnell nicht verschwinden. Ich weiß, wie sehr ich ihn verletzt habe, was ich mit meinen Lügen angerichtet habe. Das was in mir vorgeht kann ich nicht beschreiben, das ist ein unglaublich schlechtes Gefühl und ich möchte dass es aufhört. Meinen Mann will ich zurück, mit allem, seinem Vertrauen, seinen Gefühlen, mit allem einfach.
Manchmal, wenn mein Mann seine Gedanken über diese Sache schweifen lässt und er mir das erzählt und es dann langsam immer mehr ausartet, in Hass, Verzweiflung, Angst, Trauer, dann bin ich wie gelähmt. Ich kriege keinen Ton raus, ich habe das Gefühl mir hat jemand den Hals zugeschnürt und ich kann nicht mehr klar denken. Ich muss unbedingt an mir arbeiten, dass ich in solchen Situationen einen klaren Kopf behalten kann und dementsprechend reagieren kann. Manchmal klappt es, aber oft leider gar nicht.
Ich würde gerne offen mit ihm darüber reden. Nur ist bei mir die Angst immer wieder so groß, dass ihm etwas, was ich sage nicht passt und sein Hass wieder hoch kommt. Ich kann ihn dann nicht halten, nichts sagen, was ihn überzeugt. Das ist immer so verletzend, dass ich lieber nichts sage, obwohl ich weiß, dass ich offen mit ihm sein muss. Ich möchte es zu gerne, aber die Angst, dass er damit nicht klar kommt, ist zu groß in diesem Moment. Wenn er so ist habe ich Angst, ich fühle mich verletzt, in die Ecke gedrängt und wie ein kleines Häufchen Elend. Und ich bin dann regungslos und kann nichts dagegen machen. Ich würde so gerne anders mit der Situation umgehen, doch fällt es mir jedes mal immer wieder viel zu schwer, oder er reagiert auf meine ruhige Art nicht und wird nur noch lauter und ich sehe förmlich wie der Hass in ihm hoch steigt.
Auch würde ich ihm gerne das Geschriebene zum lesen geben, aber ich hab Angst, dass es dann wieder so kommt, wie ich oben beschrieben habe. Ich komme mit dieser Art nicht so klar… deswegen weiß ich nie so recht, wie ich drauf reagieren soll.
Mittlerweile, bin ich auch schon mal über meinen Schatten gesprungen, habe das Thema von mir heraus angesprochen, aber viel zu oberflächlich. Er möchte gerne, dass ich alle Kleinigkeiten erzähle. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß nicht, was ich ihm an Kleinigkeiten erzählen kann. Manchmal kommen dann aber von ihm solche Fragen, wo dann doch eine Kleinigkeit auftaucht, die ihm wichtig gewesen wäre, und es ihm auch wichtig gewesen wäre, wenn ich es ihm gesagt hätte und er mich nicht hätte drauf stoßen müssen. Da könnte ich mich immer wieder Ohrfeigen und frage mich, warum ich in meinem Denken so eingeschränkt bin …
Diese Lügen haben alles kaputt gemacht und immer noch, 2 Monate später, beherrschen sie unseren Alltag. Mein Mann hat bald keine Lust mehr, bzw. er hält es bald nicht mehr aus, mit dem Problem zu leben. Ich muss ihm mit Taten überzeugen, sagt er mir immer wieder. Ich denke, dass ich schon mehrmals über meinen Schatten gesprungen bin und ihm des öfteren gezeigt habe, was er mir bedeutet und dass ich da bin und er mir vertrauen kann – ist aber nur meine Meinung. Für ihn ist das, was ich bisher getan habe nichts wert. Ich bin ein Gefühlsmensch und ich versuche ihm jeden Tag ein gutes Gefühl zu geben und dass er sich auf mich verlassen kann. Aber das reicht ihm nicht mal Ansatzweise und es hilft ihm auch nicht sein schlechtes Gefühl mir gegenüber weg zu bekommen.
Oft sitze ich da, wir gucken zusammen Fernsehen, oder sitzen am Rechner und erledigen unsere Sachen. Da denke ich mir, jetzt könnte ich einen Versuch starten und einfach anfangen mit dem Thema und ihm etwas erzählen. Manchmal gelingt es mir, aber dann auch nur oberflächlich. Habe ich das selbst noch nicht so verarbeitet, dass ich offen darüber reden kann? Es kommt mir irgendwie so vor. Ich habe schon mehrere Sachen in meinem Leben erlebt, wo es Jahre gedauert hat, bis ich mit jemanden darüber reden kann. Aber es kann doch nicht sein, dass ich bei dem Thema jetzt Jahre brauche um es selbst zu verarbeiten, was ich da für eine Scheiße (`tschuldigung) gebaut habe und ich dadurch meine Ehe ganz kaputt mache, oder? Das darf nicht sein und das möchte ich auch nicht und mein Mann auch nicht. Aber er kann so nicht mehr lange weiter machen. Er denkt immer noch, dass da etwas verheimlicht wird, irgendetwas ist, was er nicht weiß. Wie kann ich ihn nur davon überzeugen, dass alles raus ist, dass die Wahrheit auf dem Tisch ist und ich total froh darüber bin? Ich werde meine Ehe nie wieder auf`s Spiel setzen, das weiß ich…aber er weiß es nicht und ich muss ihn davon überzeugen.
Letztens waren wir bei Bekannten. Da hat eine Handynummer auf meinem Handy angerufen, die ich nicht kannte. Die Vorwahl war dieselbe wie die von dem Typ. Ich hab mir innerlich gedacht, dieses Arschloch wird mich doch nach so langer Zeit nicht wieder anrufen… Mein Mann meinte, ruf doch einfach an und frag nach, wer da ist. Da sagte ich zu ihm, ja genau das mache ich jetzt auch. Mein Mann fragte mich, ob er dabei sein soll, oder lieber nicht. Ich wollte ihn dabei haben. Ich wollte ihm dadurch beweisen, dass ich nichts zu verheimlichen habe. Und wenn das dieser Typ gewesen wäre, dann hätte ich ihm was erzählt, was ihm einfällt mich nach so langer Zeit anzurufen. Aber es war nur die Dame, die die Katze von uns abkaufte, sie hatte sich verwählt. Aber wo der Anruf getätigt war, waren mein Mann und ich erleichtert und froh. Es war ein schönes Gefühl. Und für kurze Zeit hatte ich das Gefühl, dass mein Mann wieder voll bei mir ist… der Moment hielt aber nicht ewig. Auf der Rückfahrt fuhren wir an dem Ort vorbei wo der Typ wohnte, und da sprach ich das Thema wieder an, aber wieder nur viel zu oberflächlich. Trotzdem war es ganz ok für den Moment.
Nun ja, soweit so gut, es reicht einfach nicht aus. Ich kriege das Problem einfach nicht endgültig am richtigen Schopfe zu packen und das Problem besteht weiterhin. Also weiter überlegen, was kann ich tun …


