Thema: Hallo Community,

  • Hallo Community,

    Hallo an alle, ;)

    bin vor einer Stunde zufällig bei Imedo gelandet - und dachte - endlich kannst Du Dich mit jmd. austauschen! Und was ich so bisher gelesen habe, bestätigt das.

    Ich selbst habe (noch) keine bestätigte Diagn. der COPD - aber als - leider - aktive Raucherin und Allergikerin (Staub, Gräser, Pollen) bin ich lt. einem Selbsttest ebenfalls sehr gefärdet. Ich habe noch nicht alle Postings zur COPD gelesen - aber will wenigstens mal Laut geben, daß ich da bin!

    Es geht mir primär um meinen Mann. Im Februar stand nach einem Akutkrankenhausaufenthalt (er war kaum noch wach, schlief extrem viel) die Diagn. COPD Stadium IV. Lungenvolum damals: 30 %. Mein Mann raucht seit Jahrzehnten und seit wir zusammen sind, hat sich auch mein Qualmpensum gesteigert. Ich hatte bereits mehrfach den Ausstieg kurzfristig geschafft (das längste war 4 Mon.). Aber seit ich weiß, wie es um ihn steht, rauche ich noch mehr.

    Er hatte immer den Spruch auf den Lippen: Ich kann jederzeit aufhören! Tja, welch ein Irrtum! Er sitzt fast den ganzen Tag an seinem gr. Sauerstofftank (den er im Febr. verordnet bekam) und verläßt kaum noch den Raum - wenn er sich ein Brot in der Küche macht oder etwas holt, geht sein Atem wie bei einer Dampflokomotive. Unser Hausarzt sagte zu mir: Wenn er nicht sofort aufhört, gebe ich ihm keine 2 Jahre mehr. Während der Klinik und unmittelbar - mit Hilfe der Nikotintabl. fiel ihm der Verzicht leicht, in anderer Hinsicht ist er sehr diszipliniert. Ohne die Tabl. ging es wieder allmählich wieder los. Wie gesagt - Ende Febr. gab man ihm keine 2 J. mehr und davon ist ein viertel Jahr um!!! Ich habe so eine Angst um ihn....

    Da wir beide "aussortiert" sind vom Arbeitsmarkt und in einem winzigen Dorf leben, haben wir sehr wenig Außenkontakte, deshalb finanziell sehr eingeschränkt sind (Privatrezepte nahezu unmöglich - sh. Nikotintabl.) - und die Sargnägel (wir drehen selbst) sind leider immer noch aktuell. Weite Fahrten verbieten sich wegen der Spritkosten, Seminare soweit nicht kassenverordnet sind unbezahlbar. Arztbesuche schiebt er ewig vor sich her, zum FA war er seit Febr. nicht mehr. Ich sitze da und habe Angst um ihn - und aller Vernunft zum Trotz und wider besseres Wissen, ist der innere Schweinehund so fies und fett und läßt sich nicht vertreiben. Bei ihm kommt dazu, daß er wirklich nichts mehr machen kann und nur auf dem Sofa sitzt bzw. liegt und schläft. Ob das Rauchen evtl. auch Beschäftigungstherapie ist?

    Ich bin viel im Freien unterwegs (Hund!), arbeite im Garten etc.. Ich nehme grundsätzlich nichts mit zum Rauchen - um die Sache wenigstens noch tlw. willentlich zu steuer, so daß ich oft stundenlang nicht rauche, diese Ablenkung hat er nicht (mehr). Er reagiert auf alles was mit COPD zu tun hat und dem weiteren Procedere mit Ablenkung bis hin zu offener Aggression. Und ich steh hilflos dabei, habe Angst um ihn, könnte platzen, weil ich meine Nöte niemand mitteilen kann und einfach nicht fassen kann, was jetzt Fakt ist. Ich habe einen schwer(st)kranken Mann, der zunehmend mehr schläft, vom Verhalten plötzlich schwieriger ist (klar - bei so einer Prognose), den ich eigentlich nur wie ein rohes Ei behandeln kann, damit er sich nicht aufregt. Mittlerweile ist das Herz mitbetroffen - und jede körperliche Anstrengung kann einen Herzinfarkt auslösen.

    Vielleicht könnt/ mögt Ihr mir ja den einen oder anderen HInweis geben, wie ich mit der Situation und auch meiner Angst umgehen kann, zumal das Thema COPD bei uns daheimkaum noch angesprochen werden darf.

    Ich freue mich auf Euch und bin froh, auf Mitbetroffene gestoßen zu sein!

    Liebe Grüße
    Igraine

  • Liebe Igraine

    dein Text ist mir an Herz und Nieren gegangen. Zuerst mal wünsche ich dich hier Herzlich Willkommen. Ich habe selbst COPD Gold II und muss ehrlich sagen ich hab die umgekehrte Situation noch gar nicht ins Auge gefasst. Wie unsere Partner auch unter uns leiden können. Das Nicht mehr rauchen ist das Um und Auf bei COPD aber das wird dein Mann und auch Du eh selber wissen. Zwingen kannst ihn nicht dass er aufhört, ich glaube er ist in einer schweren Depression aus dem man ihn mal rausholen sollte.

    Ich hoffe mein Freund Scorpi liest deinen Text und kann dir gute Ratschläge geben, ich selbst bin im moment etwas hilflos.

    LG Scalare

  • Antwort: Liebe Igraine

    Hallo Scalere,

    Dein Mitgefühl tut mir sehr gut. Das mit der Depression ist schon möglich, da er im letzten Jahr noch große berufliche Pläne hatte - und seinen schon angeschlagenen Zustand (bisher wurde er auf allerg. Asthma behandelt) als situationsbedingt ansah, da er viel im Freien war und auch im Freien arbeitete. Davon, wie von vielem anderen, muß er sich jetzt verabschieden. Es fällt ihm unendlich schwer.

    Was bedeutet bei Deiner Diagnose Gold?

    Gruß
    Igraine

  • Antwort: Hallo Community,

    Ich weiß dass dir das nicht viel hilft, aber ich kann mich ganz gut in deinen Mann rein versetzen, denn seit ich nicht mehr so kann wie ich will, bin ich richtig unleidlich geworden. Ich merke es selbst nicht aber so unausgeglichen und unzufrieden, wie seit meiner Diagnose war ich schon lang nicht mehr und ich bin doch noch mobil und noch dazu hab ich Angst und diese Angst macht mir den Alltag auch nicht einfacher.

    Ich weiß dass auch du große Angst hast um deinen Mann. Ich würde ihn nicht wie ein rohes Ei behandeln, versuche ihn zu verstehen aber versuche ihn auch beinhart die Tatsachen vor Augen zu halten.

    Gold II hmmm... was das Gold heißt weiß ich nicht aber II ist die mittelgradige Stufe von COPD.

    Wünsch dir bis zum nächsten lesen viel Kraft

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