Das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen

Thema: Das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen

  • Das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen


    Gewalt in der Familie/Paarbeziehung ist weltweit gesehen die häufigste Form von Gewalt gegen Frauen. Sie zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und kennt keine kulturellen, religiösen oder schichtspezifischen Grenzen.


    Eine jüngere Prävalenzstudie zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland beleuchtet u.a. das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen, die gesundheitlichen Folgen und die Bedeutung des Gesundheitswesens bei der Prävention von Gewalt. Diese Untersuchung hat ergeben, dass jede vierte Frau (Gesamtprävalenz 25 Prozent) im Alter von 16 bis 85 Jahren, die in einer Beziehung gelebt hat, mehrfache körperliche und/oder sexualisierte Gewalt durch den männlichen (Ex-)Partner erlebt hat. Bei 64 Prozent dieser Frauen, hatte die Gewalt durch den (Ex-)Partner körperliche Verletzungsfolgen. Bei allen erfassten Formen von Gewalt berichten 56 Prozent bis über 80 Prozent der betroffenen Frauen von mehrfachen psychischen Folgebeschwerden. Mehr als ein Drittel der Frauen (37 Prozent) mit Verletzungsfolgen, nahm medizinische Hilfe in Anspruch.

    Ein weiterer Aspekt ist, dass erwachsene Frauen, die das Gesundheitswesen kontaktieren, in ihrer Kindheit/Jugend von psychischer, körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen waren sowie Zeuginnen von Gewalt gewesen sein können.





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  • Die Betroffenheit der Kinder -Reaktionen auf traumatische Erfahrungen - Vorsicht *Trigger*

    [Dieser Link ist nur für registrierte Benutzer sichtbar. Jetzt kostenlos anmelden!]Untersuchungen haben einerseits ergeben, dass in Familien, in denen Frauen Gewalt durch Ehemänner etc. erleben, sehr häufig auch die Kinder misshandelt werden. Sie erleben Misshandlungen schon, bevor sie geboren werden: Misshandlungen fangen oft während der Schwangerschaft an oder nehmen in dieser Zeit zu.

    Wenn Kinder und Jugendliche nicht direkt bei Misshandlungen ihrer Mutter dabei sind, so erleben sie diese häufig indirekt mit, sie hören z.B. die Hilfeschreie oder sie sehen, dass die Mutter verletzt ist etc. Kinder erleben auch schwere Misshandlungen mit oder hören z.B., wie der Vater die Mutter mit dem Umbringen bedroht.

    Gewalterfahrungen verursachen bei Kindern noch stärker als bei Erwachsenen psychologische Traumata. Die Reaktionen der Kinder auf diese Traumata und ihre Strategien, zu überleben, sind verschieden. Die Reaktion der Kinder hängt u.a. von der Intensität und Häufigkeit der Gewalterlebnisse ab, aber auch vom Alter, vom Geschlecht, von der Position in der Familie, den Bezugspersonen, die es außer den Eltern noch gibt etc.
    Reaktionen und Störungen können auf körperlicher, psychischer und emotionaler sowie auf der Verhaltensebene auftreten. Dazu gehören u.a. Entwicklung eines negativen Selbstbildes, alters-inadäquate Verantwortungsübernahme, geringes Selbstbewusstsein, Angst, Unsicherheit, Hilflosigkeit, Schuld- und Schamgefühle, neuerliches Einnässen, Wut, Rückzug, Konzentrations- und Schulschwierigkeiten, Depression, Gewalt gegen die Mutter, Ausreißen von zu Hause, Selbstmordversuche.

    In einer Familie zu leben, in der die Mutter misshandelt wird, heißt für Kinder in ständiger Angst, ja in Todesangst zu leben. In den schlimmsten Fällen erleben Kinder, dass ihre Mutter umgebracht wird. Oder sie werden selbst getötet.

    Misshandlungen der Mutter mitzuerleben, muss also auch als eine Form der Gewalt gegen Kinder gesehen werden. Damit werden die Rechte des Kindes auf ein unversehrtes Leben ohne Angst und Gewalt und auf eine Umgebung, in der sie sich frei entwickeln, lernen und wachsen können, verletzt.

    Aus dieser Perspektive betrachtet, hat Gewalt auch gravierende generationsübergreifende Auswirkungen. Wirkungsvolle und intensive Hilfe von außen ist für die betroffenen Frauen und deren Kinder sehr wichtig.


    Auszug von: Strategien gegen miterlebte Gewalt. Tagungsdokumentation: Wenn der Papa die Mama haut, trifft er auch mich. Fröschl, E., S 13-16. Wien 2000





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  • Gesundheitliche Akut- und Langzeitfolgen


    Indikatoren für Gewalt:

    Die gesundheitlichen Akut- und Langzeitfolgen stehen mit dem Ausmaß und der Dauer von Gewalt, mit Gewalterleben in der Kindheit (Mehrfachtraumen) sowie der frühzeitigen effizienten Hilfestellung in Zusammenhang. Das Erleben von Gewalt kann sich auf die emotionale, kognitive, körperliche, sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie auf die Gestaltung des sozialen Lebens auswirken. Aus Angst vor weiterer Gewalt, Scham- und Schuldgefühlen, Loyalität gegenüber dem Täter scheuen sich die betroffenen Frauen oft, von Gewalterfahrungen zu erzählen.

    Bei folgenden Indikatoren, unter besonderer Berücksichtigung von traumatischen und post-traumatischen Belastungsreaktionen und -störungen, sollte Gewalt als Ursache in Betracht gezogen und direkt angesprochen werden:

    Emotionale und kognitive Indikatoren:

    * Schock, intensive Angst, Weinen, (ohnmächtige) Wut, Hilflosigkeit, Agitation, totale Lähmung, massive Schuldgefühle
    * Verwirrtheit, Desorientierung, Amnesie, Hypermnesie (das unbeeinflussbare, sich dem Gedächtnis aufdrängende Wiederholen eines schrecklichen Erlebnisses, Bilder und begleitende Affekte), Konzentrationsstörungen und andere Arten von Denkstörungen


    Körperliche und psychosomatische Indikatoren:

    * Verletzungen, die sich häufig am Kopf, Nacken, Hals, Brustkorb, Unterleib befinden (Hämatome, Prellungen, Hieb- und Stichverletzungen, Verbrennungen, Knochenbrüche, Würgemale, eingeschränkte Hör- und Sehfähigkeit, fehlende Vorderzähne...)
    * verschieden alte Verletzungen, dauerhafte Behinderungen
    * Verletzungen während der Schwangerschaft
    * ungewollte Schwangerschaften, Fehl- bzw. Frühgeburten bzw. traumatische Geburten
    * sexuell übertragbare Erkrankungen
    * Muskel-Verspannungen, Erschöpfungszustände, Angst- und Schlafstörungen jeder Art
    * alle psychosomatischen und häufig chronischen Störungen (Magen- und Darmerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Schmerzzustände, gynäkologische/sexuelle Probleme, Hauterkrankungen...)


    Die Langzeitfolgen können wie folgt sein:

    * Schwierigkeit, befriedigende Beziehungen zu leben (Misstrauen, Angst, Isolation und Anklammerung, Umgang mit Nähe und Distanz)
    * Gestörte Mutter-Kind-Beziehung nach Vergewaltigung (z.B. Freigabe zur Adoption)
    * chronische posttraumatische Belastungsstörungen (Wiedererleben des Traumas in Tag- und Nachtträumen, Vermeidung aller Erinnerungen, Schreckhaftigkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, u.a.)
    * Depression, Hoffnungslosigkeit, Selbstwertkrisen, Lustlosigkeit
    * Essstörungen
    * Selbstverletzendes Verhalten
    * Risikoreiches Sexualverhalten
    * Selbstmordgedanken sowie –versuche, Alkohol- und Substanzmissbrauch
    * Desorganisation der Persönlichkeitsstruktur


    Weitere Hinweise sind:

    * Isolation
    * Angst vor dem Mann
    * Scheu davor, über die Ursachen von z.B. Verletzungen zu sprechen
    * auffallend große Zeitspanne zwischen Zeitpunkt der Verletzung und Aufsuchen ärztlicher Hilfe
    * wiederholtes Aufsuchen von (verschiedenen) Ambulanzen
    * Art/Ausmaß der Verletzung/Beschwerden stimmen nicht mit den berichteten Ursachen überein
    * auffallendes Verhalten des begleitenden Mannes (überaktiv, beherrschend)


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